Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2248
Stadt Wels (Oberösterreich)

Der Kremsmünsterer Hof

Der Kremsmünsterer Hof (Stadtplatz 63), auch "Stift Kremsmünsterisches Freihaus" genannt, liegt an der südlichen Seite des Stadtplatzes nahe beim westlichen Stadttor. Die Frontlinie des breiten, vierstöckigen Gebäudes folgt in leicht konkaver Linie dem Verlauf des sich hier bereits verengenden Stadtplatzes. Das Erdgeschoß ist über einem niedrigen Sockel genutet, gegenüber den Obergeschossen wird es von einem schmalen Gesims abgegrenzt. Die drei Obergeschosse werden durch Kolossalpilaster miteinander verbunden, über denen ein schmales Schmuckband den Abstand zum Traufgesims überbrückt. Die Fenster des ersten Obergeschosses haben rund aufgebogene Ziergiebel, die des zweiten Obergeschosses laufen eingebogen spitz zu, und ganz oben ist nur eine Stuckverzierung über den Fenstern. Nach den linken sieben Fensterachsen erfolgt ein gestalterischer Bruch, durch einen Knick in der Fassade und durch einen Doppelpilaster kenntlich. In der dritten Fensterachse von links befindet sich ein Schmuckportal, dessen Rundbogen von Steinquadern eingerahmt wird und das von zwei vasenbesetzten Wandvorlagen flankiert wird; oben ist das Prunkwappen des Kremsmünsterer Abtes zwischen Rundbogen und Fenster des ersten Obergeschosses angebracht. Die barocke Schaufassade täuscht über das höhere Alter des Ensembles hinweg: Im Hof besitzt das Gebäude dreigeschossige Säulenarkaden aus der Renaissance.

Bevor das Anwesen Eigentum des Stifts Kremsmünster wurde, gehörte es ab 1586 dem international aktiven Großkaufmann Rupert Trinker, der auch Bürgermeister von Wels war. Auf ihn geht der Bau der Arkadengänge zurück. der nächste Eigentümer war Ludwig Schorer, Schwiegersohn des Vorgenannten und ebenfalls im Groß- und Fernhandel tätig. Einen erneuten Besitzerwechsel gab es 1626, als der bisherige Eigentümer nach Regensburg flüchten mußte und der bayerische Statthalter in Österreich ob der Enns, Adam Graf von Herberstorff, das Haus in seinen Besitz brachte. Nachdem jener gestorben war, verkaufte seine Witwe das Anwesen 1630 an Abt Bonifatius Negele vom Stift Kremsmünster. Fünf Jahre später erhielt das Haus von Kaiser Ferdinand II. die Privilegien eines Freihauses und war damit ähnlich wie städtische Adelssitze privilegiert. Im Jahre 1948 wurde das Anwesen durch Zukauf des Nachbarhauses erweitert (Stadtplatz 62). Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, dessen Bomben diesen Zuerwerb am 25.12.1944 besonders getroffen hatten, wurde 1950-1952 der rechte Teil des Anwesens neugebaut, wobei in Angleichung an die erhaltene Bausubstanz aus der ursprünglich vierachsigen Barockfassade eine dreiachsige Rokokofassade ganz ähnlich der des linken Gebäudes wurde. Das Ensemble, in dem nach diversen Nutzungen, u. a. auch nach 1850 als Sitz von Ämtern und Behörden, aber auch von Vereinen, 1952 ein Wirtshaus und ein Hotel eröffnet wurden, blieb bis 1972 im Besitz des Stifts Kremsmünster. Die letzten Umbauten mit Renovierung erfolgten 2002/03.

Dieses Wappen über dem linken Portal gehört zu Erenbert III. Meyer (2.3.1716-29.3.1800), der 1771-1800 Abt von Kremsmünster war. Er wurde als Johann Wolfgang Josef Meyer in Lauterbach, Gem. Inzersdorf, in der Pfarre Kirchdorf an der Krems geboren. Sein Bruder Paulus Meyer war übrigens 1757-1763 Abt des Stifts Garten. Ihrer beider Vater war im Geburtsort Pfleger. Johann Wolfgang Josef Meyer trat nach dem Besuch des Klostergymnasiums ins Stift ein, nahm den Klosternamen Erenbert an und legte am 30.5.1737 die Profeß ab. In Linz studierte er Philosophie und in Salzburg Theologie. Zurück in Kremsmünster, unterrichtete er 1742-1747 als Prof. inferiorum am Klostergymnasium. 1747 wurde er Professor für Moraltheologie, 1748 Subregens der Akademie, 1747-1749 hatte er die Professur für Dogmatik inne. Nachdem er im Jahre 1750 Geistlicher Vater des Konvents geworden war, kam es zu einem völligen Wechsel. 1752 legte er alle Ämter in Kremsmünster nieder und wurde Spiritual der Benediktinerinnen von Niedernburg in Passau. Aus der Rolle als Geschäftsträger des oberösterreichischen Prälatenstandes bei der bischöflichen Kurie wurde er am 10.6.7.1771 mit überwältigender Mehrheit zum Abt von Kremsmünster gewählt. Seine dreißigjährige Amtszeit erlitt nur ein kurzes Intermezzo, als die josefinischen Reformen griffen. Kurzerhand erklärte man ihn für senil und enthob ihn 1789 per kaiserlicher Resolution seines Amtes. Statt dessen setzte man den Mönchen Maximilian Stadler als Kommendatarabt vor die Nase. Kaum hatten diese jedoch 1790 von Kaiser Leopold die Erlaubnis zu einer Abtswahl erhalten, wählten sie sofort wieder Erenbert Meyer, der so rehabilitiert wurde und noch zehn weitere Jahre bis zu seinem Tod in Kremsmünster regierte. Dieser Abt ließ die Fassade des Hauses im Rokoko-Stil zur Millenniumsfeier des Stiftes im Jahre 1777 neugestalten. Ein weiteres Wappen dieses Abtes kann man in Kremsmünster in den Ausstellungen des Observatoriums sehen; es ist an einem Kasten im Mineralogischen Kabinett angebracht.

 

Das Abtswappen für Erenbert III. Meyer (Abb. oben links und unten) setzt sich zusammen aus vier Fixinhalten, die zum Stiftswappen gehören, und einem einzigen persönlichen Inhalt. Zum Stiftswappen gehören der schwarze Eber mit Spieß in grünem Feld und die silberne Bracke in rotem Feld (viele Farbvariationen, weit entfernt von einheitlicher Wiedergabe), hier in gespaltener Ovalkartusche zusammengestellt. Das bezieht sich auf die Gründungslegende des Klosters, die sich um den Niederalteicher Rodungsmönch Gunther, einen Sohn des Bayernherzogs Tassilo, rankt, der nach einem Jagdunfall mit einem angriffslustigen Eber, wobei die Saufeder zerbrach und der Eber Gunther schwer am Fuß verletzte, im Wald verblutete, starb und schließlich durch den Jagdhund des Herzogs gefunden wurde. Tatsächlich ist das natürlich blühende Phantasie. Tassilo war der Klostergründer, korrekt, aber 782 geriet Kremsmünster unter die Reichsverwaltung der Pipiniden. Kaiser Karl machte Kremsmünster zur Reichsabtei, die während der Ungarnstürme verwüstet wurde. Heinrich II. gründete Kremsmünster neu als landesherrliche Abtei, wofür Mönche aus Niederalteich geholt wurden.

Ebenfalls zum Stiftswappen gehört der auf einem grünen Boden stehende, rote Ochse in silbernem Feld, weiterhin das kleine goldene Schildchen mit dem schwarzen Initialbuchstaben "K" für Kremsmünster. Der rote Ochse steht in Zusammenhang mit der jährlichen Feier des Stiftertage, d. h. des Sterbetags des Herzogs Tassilo. Dazu wurden etliche Ochsen geschlachtet und als Armenspeisung an die Gäste verteilt. Dieser Brauch hörte erst unter Maria Theresia auf.

Die einzige persönliche Komponente des Abtswappens zeigt in Blau einen doppelschwänzigen Löwen, der auf einer silbernen, zinnenbewehrten Mauer mit einem Rundbogentor und zwei Fenstern (Schießscharte) schreitet und in der erhobenen rechten Vorderpranke einen Apfel hält. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre der Löwe wachsend. Die drei (2:1) zusammengestellten Ovalkartuschen, zwischen denen oben noch das K-Schildchen eingeschoben ist, werden überhöht von einem geflügelten Engelskopf mit Inful.

Das Wappen über dem rechten Portal (Abb. oben rechts) sieht vordergründig ganz ähnlich aus. Tatsächlich stammt es aus einer viel späteren Zeit und paßt sich dem Original über dem linken Portal stilistisch an. Es wurde in der Zeit des Wiederaufbaus dieses Gebäudeteils unter Abt Ignaz Schachermair angefertigt. Einziger Unterschied ist die zweite Ovalkartusche, die in Blau ein außen gerundetes Tatzenkreuz trägt, im Kreis ein Christusmonogramm XP, auf den Armen die Initialen C, S, P und B für "Crux Sancti Patris Benedicti", Kreuz des Heiligen Vaters Benedikt, die Kreuzarme bewinkelt von vier Flämmchen.

Äbte von Kremsmünster (Auszug):

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Sehenswürdigkeiten in Wels:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)#Schlösser_und_Häuser
Digitaler Architekturführer Wels:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/stadtrundgang/archindex_rundg.htm
Kremsmünsterer Hof:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/entstehungsjahr/renaissance/kremsmuenstererhof/kremsmuenstererhof.htm
Stift Kremsmünster:
http://stift-kremsmuenster.net/
Stift Kremsmünster:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Kremsmünster
Stift Kremsmünster:
http://kulturgueter.kath-orden.at/benediktinerabtei-kremsmuenster
Geschichte:
http://stift-kremsmuenster.net/klostergemeinschaft/geschichte/ - http://www.int-st-hubertus-orden.de/html/stift_kremsmunster.html
Äbte von Kremsmünster:
http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Kremsmünster/Äbte und https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Kremsmünster
einzelne Äbte von Kremsmünster: 
http://www.ooegeschichte.at/epochen/reformation-und-renaissance/reformation-und-gegenreformation-in-oberoesterreich/gegenreformation-in-oberoesterreich/protagonisten-der-gegenreformation/kremsmuensterer-aebte/
Kremsmünsterer Hof Wels:
http://www.kremsmuenstererhof.at/
Geschichte:
http://www.kremsmuenstererhof.at/geschichte/
einige Abtsbiographien:
http://www.specula.at/adv/biograph.htm
einige Abtswappen:
http://www.specula.at/adv/monat_0510.htm
Constant Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich 18, 1868, 100-101
Ulrich Hartenschneider: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. Wien, 1830, S. 239-282
Erenbert Meyer, in: Biographia Benedictina, Version vom 30.5.2013, URL:
http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Meyer,_Erenbert
W. Aspernig, G. Kalliauer: Der Welser Stadtplatz und seine Häuser, Sonderreihe zum Jahrbuch des Musealvereines Wels, Band 8, Wels 2002, S. 150-154

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