Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2246
Stadt Wels (Oberösterreich)

Das Schloß Polheim in Wels

Schloß Polheim (Freiung) ist eine inhomogene Baugruppe, die die nordwestliche Ecke der Altstadt bildet. Ein Flügel steht parallel zur Ringstraße im Norden der Altstadt, und von da aus verläuft der Bau in mehreren Abschnitten in einem Viertelkreis nach Süden, um dann scharf nach Osten abzuknicken, einen kleinen Hof einschließend. Der Kern ist ein mittelalterlicher städtischer Adelssitz, der sich einst hier dem Stadtmauerverlauf anschmiegte. Der Zugang erfolgte von Norden, wo einst ein Tor mit Graben und Zugbrücke war. Das Tor durfte Andreas von Polheim 1568 mit Genehmigung durch Kaiser Maximilian II. durch die Stadtmauer hindurch zum Stadtgraben hin ausbrechen; alle diese Anlagen sind ebenso verschwunden wie die Stadtmauer selbst; der Stadtgraben wurde 1875 zugeschüttet. Was geblieben ist, ist hofseitig ein aus der Zeit der Gotik stammender, schlanker, 1979 restaurierter Treppenturm mit einer Wappendarstellung, und daran anschließend ein aus der Renaissancezeit stammender Saalbau, der den ehemaligen Rittersaal (heute Liedertafelsaal) enthält, denn in der ersten Hälfte des 16. Jh. wurde die Burg zum Schloß umgebaut. Der Stadtrat von Wels gab 1544 die Zustimmung, den Erweiterungsbau auf die Stadtmauer zu setzen. Das an der Südseite liegende Portal und die Fensterlaibungen dieses Traktes sind aus der Zeit um 1544. Die 1519 erstmals erwähnte, dem hl. Paulus geweihte Schloßkapelle besitzt noch spätgotische Fensterlaibungen. Die ältesten Mauern sind in der nordwestlichen Krümmung zu finden. Ansonsten ist die im Besitz mehrerer Eigentümer (eine Investorengesellschaft und die Stadt) befindliche Baugruppe sehr stark umgebaut und während der Revitalisierung 1989-1992 für eine moderne Nutzung als Vermietungsobjekt adaptiert worden. Im Westtrakt ist heute eine Musikschule des Landes Oberösterreich untergebracht.

 

Schloß Polheim entstand in der Mitte des 13. Jh., als die Herren von Polheim, Ministerialen der Herzöge von Steyr, mehrere um 1200 erworbene Häuser zu einer Stadtburg verschmolzen. Die Familie stammte eigentlich von einer bereits 1353 abgegangenen Burg Pollham bei Grieskirchen und siedelte sich nun mit Albero II. von Polheim in Wels an. So wie die landesfürstliche Burg im Südosten, so war die diagonal gegenüber gelegene Polheimer Burg im Nordwesten zwar in die Stadtbefestigung einbezogen, aber rechtlich nicht Teil der Stadt, sondern ein freier adeliger Sitz mit eigener Gerichtsbarkeit, woran noch der Straßenname Freiung erinnert. Ihr Besitzkomplex war sogar noch ein bißchen größer, denn er ist älter als die Stadtbefestigung und wurde von der Stadtmauer zerschnitten, und der zugehörige Meierhof (Gappenhof) und weiterer Grundbesitz lagen danach vor den Mauern der Stadt. Im Jahr 1622 erlosch der Welser Zweig der von Polheim mit dem Landeshauptmann Sigmund Ludwig II. Freiherr von Polheim (1558-1622).

Adam Graf Herberstorff, bayerischer Statthalter, beschlagnahmte den Polheimer Besitz in und um Wels und so auch die Stadtburg zwecks Deckung der Schulden. Danach gelangte das Anwesen über Wolf Philipp Unverzagt um 1627 an Johann Paul Spindler. Johann Philipp Freiherr von Spindler, des zuvor Genannten Enkel, verkaufte die Burg 1695 an die Stadt Wels, die bis ins 19 Jh. in den Gebäuden eine Brauerei betrieb. Der ehemalige Adelssitz wurde ferner für Mietwohnungen, als Soldatenquartier, Gefängnis, Getreide- und Hopfenmagazin, Lagerhaus und auch zeitweilig als Schule genutzt und kam in seiner Substanz ziemlich herunter. In der Mitte des 19. Jh. wurde der Ostflügel abgerissen, ebenso der alte Schloßturm. 1878 wurde die östliche Fortsetzung des Saalbaues abgerissen. 1878-1879 wurde ein neuer Flügel an der Ringstraße errichtet, parallel zum alten Stadtmauerverlauf (Polheimerhof). Um 1900 wurden der Saalbau und der Treppenturm aufgestockt. Im Jahre 1938 verkaufte die Stadt Teile des Anwesens an Privateigentümer. Nur der Teil mit der Landesmusikschule gehört noch der Stadt. Ehemalige Wirtschaftsbauten östlich der Plobergerstraße wurden 1966 abgerissen, so daß der heutige Baubestand nur ein stark verändertes Fragment der einstigen Anlage darstellt.

Der Wappenstein am Treppenturm zeigt im oberen Teil einen auf beiden Häuptern gekrönten Doppeladler des Reiches, auf der Brust mit einem Schild belegt, der gespalten ist, rechts in Rot ein silberner Balken (Erzherzogtum Österreich), links innerhalb eines roten Bordes (fehlt hier, denn der Rand ist auch an der gegenüberliegenden Seite und damit ein gestalterischer Rand, nicht ein heraldischer Bord) fünfmal von Gold und Blau schrägrechts geteilt (Herzogtum Burgund). Darunter sind zwei Wappen der Polheimer unterschiedlicher Linien zu sehen, einmal das einfache Stammwappen rechts für die Linie zu Wels und Parz, und daneben ein geviertes, vermehrtes Wappen für die Wartenburger Linie. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 354 Tafel: 193, Band: OÖ Seite: 258 Tafel: 71. Es wird abgebildet bei Zacharias Bartsch im Steiermärkischen Wappenbuch, Seite 85, Tafel 30, außerdem wird es beschrieben im Münchener Kalender 1909 von Otto Hupp. Schloß Polheim in Wels gehörte zunächst allen drei Polheimer Linien. Später verzichteten die Wartenburger und die Leibnitzer Linie, so daß das Welser Schloß nunmehr allein der Welser Linie gehörte.

 

Das Stammwappen der von Polheim, hier optisch links zu sehen, ist silbern-rot siebenmal schräggeteilt (meistens schrägrechtsgeteilt, kommt aber auch in Gegenrichtung vor wie hier), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Flug, beiderseits silbern-rot mehrfach schräggeteilt, rechts schräglinks, links schrägrechts (meistens umgekehrt dargestellt, die Linien also sturzsparrenförmig verlaufend). Die Darstellung ist großen Variationen unterworfen, sowohl hinsichtlich Anzahl der Teilungen als auch hinsichtlich ihrer Richtung.

Die Linie der von Polheim in Wels und in Parz führte ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: silbern-rot siebenmal schräggeteilt (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Schwarz ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): Stammhelm, Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken wachsend ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau).

Als Stammvater dieser Linie gilt Gottfried von Polheim zu Seusenberg. Von diesem stammt Sigmund Ludwig von Polheim ab, der 1519 zu Wels einen Erbeinigungsvertrag mit Cyriak von Polheim aus der Wartenburger Linie schloß und der 1521 Anna von Eckartsau heiratete, die Tochter von Wilhelm von Eckartsau, des Letzten dieser Familie. Durch diese Ehe kam er nicht nur an die Herrschaft Bockflüss, sondern Kaiser Maximilian II. gewährte seinen fünf Söhnen am 15.12.1573 zu Wien die Erweiterung des Stammwappens um das mütterliche Wappen der von Eckartsau. Einer dieser fünf Söhne war Andreas, der das Tor durch die Stadtmauer brechen durfte (s. o.). Dessen Sohn war Sigmund Ludwig II. Freiherr von Polheim (1558-1622), Protestant und Parteigänger von Erzherzog Matthias gegen den Kaiser; er war der letzte von Polheim auf dem Schloß in Wels.

Das vermehrte Wappen der Wartenburger Linie, hier optisch rechts zu sehen, ist geviert, Feld 1 und 4: silbern-rot siebenmal schräggeteilt (meistens schrägrechtsgeteilt, hier schräglinksgeteilt), Feld 2 und 3: in Rot ein gekrönter, golden-blau gespaltener Adler (Totzenbach). Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts): Stammhelm, Helm 2 (links): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein golden gekrönter, golden-blau gespaltener Adler (Totzenbach).

Der Stammvater dieser Linie war Pilgrim von Polheim zu Rechberg (erw. 1354-1364). Weickart von Polheim, Sohn des Pilgrim, heiratete Dorothea von Totzenbach, Tochter von Hans von Totzenbach. Als Mauritius, der letzte von Totzenbach, starb, kamen die Burg Totzenbach bei St. Pölten und das Wappen an Weickart von Polheim. Herzog Albrecht gab 1394 eine entsprechende Erlaubnis zur Wappenvereinigung. 1418 wurde Totzenbach aber wieder verkauft. Eine herausragende Persönlichkeit dieser Linie war Wolfgang von Polheim (1458-11.11.1512), Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, der die Herrschaft Puchheim im Traunviertel kaufte, der 1499 die Herrschaften Kammer, Kogel und Frankenburg im Traunviertel und die Burgvogtei Wels als Pfandbesitz bekam. Besagter Wolfgang von Polheim bekam am 22.1.1501 eine Freiherrenstandsbestätigung. Aus dieser Linie wurden Franz Ludwig von Polheim (-7.5.1731) und sein Bruder Ehrenreich Andreas von Kaiser Karl VI. mit Diplom vom 12.9.1721 in den Reichsgrafenstand erhoben. Die Linie erlosch am 13.3.1900 zu Wien mit Franz Adolf Anton Graf von Polheim und Wartenburg (die Witwe des letzten Polheimers, Auguste geb. Schönheim, starb 1909), und damit starb auch das gesamte Geschlecht aus.

Die Leibnitzer Linie führte ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: silbern-rot siebenmal schräggeteilt (schrägrechtsgeteilt), Feld 2: in Silber drei (2:1) blaue Flügel (Matsch, auch: Maetsch, Mätsch, Metsch, ital. Mazzo), Feld 3: in Rot auf einem erniedrigen goldenen, mit einem silbernen Bracken belegten Balken stehend eine gekrönte silberne Säule. Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): Stammhelm, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne, oben golden gekrönte Säule.

Der Stammvater dieser steiermärkischen Linie war Weickart II. von Polheim zu Rechberg (erw. 1353-1375). Wegen seiner Ehe mit Katharina von Leibnitz, die ihm die Güter ihres Vaters einbrachte, erhielt die Linie ihren Namen. Ehrhard von Polheim (-8.10.1530), Hauptmann zu Pettau, heiratete Katharina von Matsch, Gräfin von Kirchberg. Da sie eine Erbtochter war, bekam er 1497 die kaiserliche Erlaubnis, die Wappenfiguren der von Matsch, die drei Adlerflügel und die Säule, mit seinem Stammwappen zu vereinigen. Die Leibnitzer Linie erlosch mit Gaudenz von Polheim, Ehrhards Enkel.

Die Linie der von Polheim in Wels und in Parz führte später ein erheblich vermehrtes Wappen, das gespalten ist, jede Spalthälfte geviert, rechts: Feld 1 und 4: silbern-rot siebenmal schräggeteilt (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Schwarz ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau), links: Feld 1 und 4: in rot ein gekrönter, golden-blau gespaltener Adler (Totzenbach), Feld 2: in Silber drei (2:1) blaue Flügel (Matsch), Feld 3: in Rot auf einem erniedrigen goldenen, mit einem silbernen Bracken belegten Balken stehend eine gekrönte silberne Säule (zu Matsch). Dazu werden vier gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts innen): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken wachsend ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau), Helm 2 (links innen): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein golden gekrönter, golden-blau gespaltener Adler (Totzenbach), Helm 3 (rechts außen): Stammhelm, Helm 4 (links außen): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne, oben golden gekrönte Säule (zu Matsch).

Aus dieser Linie ragte besonders Gundacker von Polheim (-8.1.1644) hervor, der Rat dreier Kaiser wurde, Kämmerer und Hofkammerpräsident sowie Reichshofrat. Kaiser Ferdinand II. belohnte ihn reich für seine zahllosen diplomatischen Dienste: Sein Markt Grieskirchen wurde am 19.2.1613 zur Stadt erhoben, sein Ort Kemmat wurde am 11.6.1620 zum Markt erhoben, und am 12.4.1622 wurde ihm per Diplom der alte Freiherrenstand bestätigt, und bei dieser Gelegenheit gab es eine Wappenvermehrung: Sowohl das Eckartsau-Wappen dieser Linie als auch das Matsch-Wappen der Leibnitzer Linie als auch das Totzenbach-Wappen der Wartenburger Linie wurden nun mit dem Polheim-Stammwappen vereinigt. Diese Linie erlosch mit Freiherrn Weickart Ludwig von Polheim am 12.12.1710 im Mannesstamm in St. Pölten.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Sehenswürdigkeiten in Wels:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wels_(Stadt)#Schlösser_und_Häuser
Digitaler Architekturführer Wels:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/stadtrundgang/archindex_rundg.htm
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893
Schloß Polheim:
http://www.wels.at/multimedia/wels/html/architekturfuehrer/entstehungsjahr/romanik/polheim/polheim.htm
Schloß Polheim auf Burgen-Austria:
http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=865
Schloß Polheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Polheim_(Wels)

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