Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2243
Stockerau (Niederösterreich, Bezirk Korneuburg)

Das Scherer-Haus in Stockerau

Dieses zweistöckige barocke Bürgerhaus in der Hauptstraße 22 stammt aus dem 18. Jh. Besonders reich ist das Obergeschoß verziert: Pilaster mit Kompositkapitellen trennen die Fenster, die jeweils mit Giebeln und Parapetfelder mit Bandelwerkstuck versehen sind. In der linken Fensterachse befindet sich das breite, rundbogige Portal, darüber ist das Wappen des Herrn von Kornritter zu sehen, der Kastner des Hochstifts Passau war. Das sog. Schlössl im Süden der Stadt war das Passauer Kastenhaus, der herrschaftliche Speicher des Fürstbischofs.

Das Wappen für Friedrich Georg von Kornritter (-1737), der Nachfolger von Christoph Geyer von Edlpach wurde und seit 1718 als Kastner amtierte, ist ein redendes, denn es zeigt im gevierten Schild in den Feldern 1 und 4 einen aus der unteren Begrenzung wachsenden Mann mit weiten Hosen, Leibbinde und turbanartiger Kopfbedeckung und mit Schwert in der Rechten, in den Feldern 2 und 3 aber eine gebundene Korngarbe, und auf dem Helm taucht ein Geharnischter (Ritter) mit Schwert o. ä. in der Rechten (abgebrochen) als Kleinod auf.

Ein ähnliches und ebenso redendes Wappen haben die im Siebmacher Band: Mä Seite: 221 Tafel: 154 beschriebenen Kornritter von Ehrenhalm, die am 1.9.1735 den böhmischen Adelstand mit dem Prädikat "von Ehrenhalm" erhielten sowie den böhmischen Ritterstand am 28.8.1748 zu Wien, beides für Johann Josef Kornritter, königlich böhmischer Kanzleiverwandter, dann Verwalter des königlichen Stiftes ad Sm. Hedwigem zu Brieg, dann Königsrichter in Iglau und Inspektor über das Iglauer Tuchfabrikwesen und 1748 Kreishauptmann in Iglau. Das Wappen wird wie folgt beschrieben: Geviert, Feld 1 und 4: in Blau auf grünem Boden zwei goldene Korngarben mit auswärts geneigten Ähren, darüber ein goldener Stern, Feld 2 und 3: in Rot auf grünem Boden ein silberner Geharnischter, in der Rechten eine Lanze, die Linke eingestemmt und auf dem Helme drei silberne Straußenfedern. Auf dem Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken der silberne Geharnischte wachsend zwischen einem Flug, rechts blau mit goldenem Balken und links rot mit silbernem Balken. Die Wappen der Diplome von 1735 und 1748 sind gleich, nur hat das erstere einen blau-golden-silbern-roten Wulst auf dem Helm, das letztere aber eine Krone. Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Familien besteht, ist noch offen, Hinweise willkommen.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Günter Sellinger: Das Schlössl, in: Unsere Stadt, Stadtgemeinde Stockerau, Ausgabe April 2008, S. 2
www.stockerau.at/gemeindeamt/download/219541616.pdf
Hinweistafel am Gebäude
Liste der denkmalgeschützten Objekte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Stockerau

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