Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2239
Münzbach (Oberösterreich, Bezirk Perg)

Das St.-Barbara-Spital in Münzbach

Das St.-Barbara-Spital liegt in der Arbinger Straße, ca. 400 m westlich der Laurentiuskirche. Es ist ein einfacher, zweistöckiger Bau mit Putzgliederung mit Eckquaderung und umlaufenden, schlichten Gesimsbändern sowie mit Walmdach, mit fünf Achsen Breite und drei Achsen Tiefe. Der Erbauer des aus der Zeit um 1622 ff. stammenden Spitals war Georg Schütter von Klingenberg, der damalige Inhaber der Herrschaft Windhaag (Windhag) und des Marktes Münzbach. Zuvor erfüllte ein älterer Bau, der vermutlich von den Herren von Prag gegründet worden war und nahe bei Altenburg lag, die Funktion, wurde aber 1622 an einen Schneider verkauft. Von 1630 bis 1639 gehörte das Spital dem Kloster Waldhausen.

Joachim Enzmilner, der spätere Graf von Windhag, kaufte 1636 von der Schütter-Erbengemeinschaft die oberösterreichische Herrschaft Windhaag im Bezirk Perg samt dem Schloß Pragtal und der abgebrochenen Veste Sachsenegg und die Vogteien über die drei Pfarren Münzbach, Altenburg und Petkirchen für ca. 50000 fl. und 1636/39 den Markt Münzbach und damit auch das neue Spital, welches er ausbauen und besser ausstatten ließ, so daß je sechs arme Frauen und Männer Aufnahme finden konnten. Auch die Tochter des Grafen von Windhag stiftete für dieses Spital. Im Jahr 1934 wurde das Gebäude durch einen Brand beschädigt und bekam ein neues Dach moderner Form. Im Jahr 2010 wurde das zu Wohnzwecken hergerichtete Gebäude generalsaniert.

Über dem mittig angeordneten rechteckigen Portal mit schmalem Oberlicht ist ein sehr gut erhaltener Wappenstein des Stifters, Joachim Enzmilner, angebracht. Unter dem Wappenstein ist die Datierung 1640 zu lesen. Oberhalb des Wappens ist auf einem oberhalb der Kleinode verlaufenden Schriftband eine komplexe Initialbuchstabenfolge zu sehen, die für "IOACHIM ENZMILNER VON VND ZV KIRCHBERG HERR (ZV) WINDHAG PRAGTAL VND SAXENECK (DER) ROEMISCH KAISERLICHEN MAIESTAET RAT VND REGENT DER NIEDER ÖSTERREICHISCHEN LANDE" steht.

Besagter Joachim Enzmilner (21.2.1600-21.5.1678), Sohn von Schulmeister Jodok Enzenmiller (Entzenmüller, -26.2.1616) und Magdalena Braunmiller und in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen, war ein Jurist und stammte aus dem schwäbischen Babenhausen an der Günz. Er wurde als Stipendiat der Fugger an den Jesuitenschulen in Dillingen und Augsburg ausgebildet, und der strenge Katholizismus sowohl seiner Förderer als auch seiner Lehrer prägte ihn. Er studierte erst in Ingolstadt, wurde dort 1620 Magister, und studierte dann weiter in Wien, wo er erst zum Dr. phil. und 1626 zum Dr. iur. utr. promoviert wurde. Er trat in habsburgische Dienste, wurde 1627 Advokat und Syndikus der oberösterreichischen Stände in Linz; und er wurde als erster Sekretär und Generalreferent bei allen Ständen und im Verordneten-Kollegium und ab 1651/52 als (Gegen-)Reformationskommissär und ab dem 1.3.1657 als Generalkommissär für ganz Niederösterreich zu einer führenden Persönlichkeit der Gegenreformation in Ober- und in Niederösterreich insbesondere im ländlichen Bereich. Die Inschrift bezeichnet ihn als Rat und Regenten der niederösterreichischen Lande; zum kaiserlichen Rat wurde er von Kaiser Ferdinand II. am 20.8.1627, und zum Regenten am 19.8.1636 ernannt.

Joachim Enzmilner war unter den vielen Einwanderern, die im Habsburgerreich Karriere machten, eine der herausragendsten Persönlichkeiten und ein für die Zeit beispielloser Aufsteiger. Der Bürgerliche, dessen Familie bereits seit 1579 ein bürgerliches Wappen führte, wurde nacheinander 1629 in den Adelsstand, in den Freiherrenstand und schließlich 1669 als Reichsgraf von Windhag in den Reichsgrafenstand erhoben.

Ein Diplom vom 26.7.1630 erhob ihn zum rittermäßen Landsmann und besserte sein Wappen, auch wurde ihm die Rotwachsfreiheit gegeben und das Prädikat "von Kirberg (nach einem Besitz Kirchberg an der Wild bei Schönhering, 1653 wieder veräußert)"; und am 19.2./2.4.1636 wurde er als Landsmann in den oberösterreichischen Ritterstand aufgenommen. Damit wurde er Mitglied der Landstände von Oberösterreich. Am 22.8.1641 wurde er auch Mitglied der Landstände in Niederösterreich. Am 25.6.1640 bekam er zu Regensburg die Erlaubnis, das Wappen der Familie Prag, die bis 1597 die Herrschaft Windhaag innegehabt hatte, mit dem Affen als Herzschild in sein Wappen aufzunehmen. Aus dieser Zeit stammt das Wappen am Portal. Seine Herrschaft Windhag, bisher ein österreichisches Lehen, wurde 1642 in ein Allod umgewandelt, es wurde also sein persönliches Eigentum. In den Freiherrenstand wurde Enzmilner am 5.1.1651 zu Wien von Kaiser Ferdinand III. erhoben. Dabei wurde ihm gestattet, den einst bürgerlichen Namen Enzmilner wegzulassen und sich nur noch nach seinen Besitzungen "Freiherr von Windhag, Herr auf Pragtal und Sachseneck" zu nennen. Schließlich wurde Joachim Freiherr von Windhag am 10.9./19.11.1669 von Kaiser Leopold auf Schloß Eberstorff in den Reichsgrafenstand erhoben. Seine Titulatur wurde verbessert zu "Reichsgraf und Herr von und zu Windhag auf Pragtal, Münzbach und Saxeneck (Sachseneck), Freiherr zu Rosenburg am großen Kamp und Reichenau am Freiwald" etc. Die Herrschaft Windhag mit Burg Windhaag, Schloß Windhaag und Schloß Pragtal wurde gleichzeitig zur Grafschaft erhoben. Die genannte Herrschaft Reichenau am Freiwalde mit Großpertholz und Langschlag gehörte ihm seit 1653, die ebenfalls erwähnte Herrschaft Rosenburg seit 1658 und die Herrschaft Großpoppen bei Allensteig seit 1656.

Berühmt ist Joachim Enzmilner vor allem wegen seiner Bücher, denn mit seinem großen Vermögen stattete er seine neue Schloßbibliothek (Bibliotheca Windhagiana) großzügig aus. Die verschwenderisch gestalteten Bände ließ er in Frankfurt herausgeben. 1656 und noch einmal 1673 ließ er seine neue Heimat Österreich kartographisch, politisch und topographisch erfassen; so entstand die nach Windhag benannte Herrschaftstopographie, die sog. Topographia Windhagiana. Für Heraldiker besonders schön anzusehen sind die vier kolorierten Wappenbücher aus seiner Bibliothek, und diese dank der Universitätsbibliothek Tübingen digital vorliegenden Prachtbände verdanken wir Enzmilners Repräsentationsbedürfnis. Die ca. 22000 Bände umfassenden Bücherbestände wurden nach seinem Ableben nach Wien gegeben, zunächst zu Händen des dortigen Dominikanerordens, dem er sie in seinem Testament mit barock-großzügiger Geste expressis verbis als öffentlich zugänglich zu machende Sammlung vermacht hatte, und später in die Universitätsbibliothek Wien überführt und zu einem wichtigen Fundament derselben. Sein 1636-1673 von italienischen Architekten errichtetes, prunkvolles Renaissanceschloß Windhaag versah Enzmilner aber nicht nur mit einer phantastischen Bibliothek, sondern auch mit einer wertvollen Kunstsammlung. Seine riesige Sammlung an Münzen, Kunstwerken, Waffen und naturwissenschaftlichen Gegenständen wurde nach seinem Tod in alle Winde zerstreut.

Joachim Enzmilner hatte zweimal geheiratet, in erster Ehe am 21.9./27.9.1627 Maria Magdalena Kirchstetter von Kirchstetten (19.5.1608-10.3.1655/30.5.1659), Tochter des Christoph Kirchstetter von Kirchstetten, und in zweiter Ehe am 13.3./27.3.1661 sein vormaliges Mündel, Maria Emilia Catherina von Sprinzenstein (-25.4.1686), die Tochter von Simon Hieronymus Graf von Sprinzenstein (1594-6.7.1639) und Amalia Katharina Wacker von Wackerfels. Die von 15 Kindern einzig überlebende Tochter des Stifters, Eva Magdalena Franziska von Windhag (23.2.1629-3.1.1700), wurde Priorin des Dominikanerinnen-Klosters Windhaag, so daß die in den Reichsgrafenstand aufgestiegene Familie mit dem ersten und einzigen Grafen Windhag wieder erlosch. Eva Magdalena trat erst gegen den Willen ihrer Eltern 1648 in das Dominikanerinnen-Kloster von Tulln ein, was ihren Eltern schier das Herz brach, und legte dort am 2.5.1650 die Profeß ab; schließlich kehrte sie nach Hause zurück, wo ihr Vater ihr im alten Schloß Windhaag 1664 mit Erlaubnis des Bischofs von Passau vom 10.11.1670 ein kleines Kloster einrichtete, dem sie seit 1668 als Priorin vorstand. Doch das erste Kloster im alten Schloß war zu klein, und nach des Vaters Tod 1678 und dem Antritt der Erbschaft 1680 machte sie kurzen Prozeß: Sie ließ das neue Schloß Windhaag nur ein knappes Jahrzehnt nach dessen Fertigstellung 1683 komplett abreißen, um aus den Steinen eines der schönsten und prachtvollsten Schlösser in Oberösterreich ab 1685 das neue Dominikanerinnen-Kloster in Windhaag erbauen zu lassen. Das war im Prinzip genauso eine barocke große Geste, wie sie ihr Vater liebte, nur eben genau das Gegenteil. 1693 wurde die neue Klosterkirche geweiht, 1698 war das Kloster bezugsfertig. Das Kloster, das kurz nach der Errichtung von einem Blitzschlag am 1.6.1700 zerstört und danach wiederaufgebaut wurde, wurde bereits 1782 unter Kaiser Joseph II. wieder aufgelöst. 1792 wurde der ehemalige Herrschaftsbesitz dem Linzer Domkapitel zur Nutzung übergeben. Von der alten Burg Windhaag stehen nach einem Teileinsturz heute nur noch Ruinen. Überlebt hat der Neptunbrunnen des neuen Schlosses Windhaag; er steht heute auf dem Stadtplatz von Steyr.

Das ungeheure Vermögen ihres Vaters war bei Eva Magdalenas Tod zur Gänze aufgebraucht, für das Dominikanerkloster und für viele andere fromme Stiftungen wie das Spital zu Münzbach, das Männerkloster in Münzbach (auch Dominikaner), das die Erzbruderschaft Jesu Maria zu Münzbach, die Franziskaner in Grein, die Kapuziner in Linz, Wien und Freistadt, dazu an Schulstiftungen und etliche Pfarren. Wie gewonnen, so zerronnen. Die Basis für all diese Stiftungen war Enzmilners Testament vom 31.10.1670 mit drei Ergänzungen vom 8.12.1672, 19.12.1676 und vom 9.5.1678. Wenigstens dachte er auch ein bißchen an seine Untertanen und erließ ihnen für ein Jahr das Robotgeld in all seinen Herrschaften. Einzig die Herrschaft Reichenau am Freiwald ging an Enzmilners zweite Gemahlin, die ihn acht Jahre überlebte.

Joachim Enzmilner ist in der Pfarrkirche Sankt Laurentius begraben, wo sein Messingwappen auf dem Eingang zur Gruft zu sehen ist und wo ein marmorner Kenotaph für ihn aufgestellt ist. Es ist schade, daß er nicht nur als gesellschaftliche Ausnahmekarriere, als Wohltäter und Stipendienstifter und als begeisterter, verschwenderischer Kulturschaffender in Erinnerung geblieben ist, sondern auch als derjenige, wie die Grabinschrift sagt, "der aus Niederösterreich die ruchlose Ketzerei vertrieben hatte" und einen gewissen Übereifer bei der Zwangsbekehrung der ländlichen Bevölkerung an den Tag legte, so daß die lutherischen Bauern vielfach unter Zurücklassung von Hab und Gut flohen. Durch Zwangs- und Notverkäufe gelangte er an viele Güter unter Schätzwert, außerdem profitierte er von den durch die kaiserlichen Edikte vom 20.5.1627 und 12.2.1628 eingetretenen großen Entwertungen der Liegenschaften, abgesehen von den großen Zuwendungen aus der Schatulle eines zufriedenen Landesherrn.

Joachim Enzmilner hatte noch einen Bruder namens Raimund. Er gelangte gleichzeitig mit seinem Bruder 1629 in den einfachen Adel und 1630 in den rittermäßigen Adelsstand. Er trat in die Dienste der Wiener Universität und fand zuletzt 1641 Erwähnung, danach verlieren sich die Spuren. Nachkommen scheint es nicht gegeben zu haben.

 

Das Wappen wird in seiner Entwicklung über vier Varianten im Siebmacher Band: OÖ Seite: 649-651 Tafel: 130 beschrieben. Das alte Enzenmiller-Wappen hatte wohl einen Greifen, das einzige Kontinuum der nachfolgend aufgeführten Entwicklung. Es gab auch einen Wappenbrief für Magister Jodok Enzenmiller vom 1.9.1579, dessen Inhalt aber nicht bekannt ist. Joachim Enzmilner bezeichnet jedenfalls 1670 in seinem Testament den Greifen als das "uralte" Enzenmiller-Wappen. Nun ja, für ein Reichsgrafengeschlecht, das wenig mehr als 30 Jahre bestand, wovon nur 9 Jahre lang ein Graf seine Grafschaft regierte, sind 91 Jahre Greif im Wappen eine halbe Ewigkeit und damit "uralt".

Nach dem Adelsstandsdiplom vom 18.4.1629 ist das neue Wappen für Joachim Enzmilner geviert, Feld 1: blau-golden geteilt, darin auf einem blauen Dreiberg ein farbgewechselter Greif, ein halbes goldenes Mühlrad haltend, Feld 2: golden-blau geteilt, darin auf einem goldenen Dreiberg ein farbgewechselter Zehnenderhirsch, ein halbes blaues Mühlrad haltend, Feld 3: blau-golden geteilt, darin auf einem blauen Dreiberg ein farbgewechselter Zehnenderhirsch, ein halbes goldenes Mühlrad haltend, Feld 4: golden-blau geteilt, darin auf einem goldenen Dreiberg ein farbgewechselter Greif, ein halbes blaues Mühlrad haltend, alle Figuren einwärts. Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein golden-blau geteilter Greif, ein halbes goldenes Mühlrad haltend, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein blau-golden geteilter Zehnenderhirsch, ein halbes blaues Mühlrad haltend.

Nach dem Ritterstandsdiplom des Jahres 1630 ist das Wappen "gebessert". Eigentlich hatte man vorher ein heraldisch korrektes Wappen, das zwar viele Figuren enthielt, durch sein ausgeklügeltes System von Symmetrie, Inversion und Wiederholung aber dennoch ein übersichtliches Wappen bildete. Was nun folgt, ist ein Musterbeispiel für eine heraldische "Verschlimmbesserung": Der neue Schild ist geviert, Feld 1 und 4: auf einem goldenen Dreiberg (dieser wird im Siebmacher nicht erwähnt, ist hier am Wappenstein aber deutlich zu erkennen) in Blau ein gekrönter, goldener Greif, ein halbes goldenes Mühlrad haltend, Feld 2 und 3: in Rot auf einem silbernen Felsen ein silberner Steinbock, alle Figuren einwärts. Die Teilungen und die verwechselten Farben sind verschwunden, statt eines Zehnenderhirsches taucht nun der Steinbock aus dem Nichts auf, aus einem zweifarbigen Wappen wird ein vierfarbiges, und alle Felder stoßen entgegen der Farbregel mit Farbe aneinander, immer Blau an Rot - was ist daran bitteschön "besser"? Dazu werden zwei gekrönte Helme mit ebenfalls unglücklich "aufgepeppten", aber als Ergebnis einfach nur unübersichtlichen Kleinoden geführt, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender, gekrönter, goldener Greif mit einem halben, goldenen Mühlrad zwischen zwei blauen Büffelhörnern, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner Steinbock wachsend vor einem roten Straußenfederbusch.

Nach dem Wappenbesserungsdiplom vom 25.6.1640 wurde ein Herzschild der Freiherren von Prag zu Windhaag auf das zuvor beschriebene Wappen gelegt, in Rot ein auf den Hinterbeinen hockender "natürlicher" oder besser goldener (so haben es die Prager geführt) Affe, das Ende der an seinem Halsband befestigten und von hinten unter dem Körper hindurchgehenden, silbernen Kette in seinen Händen haltend. Es wurde kein entsprechendes Kleinod aufgenommen. Diesem Stand der Wappenentwicklung entspricht der Stein am Barbara-Spital.

Nach dem Freiherrenstandsdiplom vom 5.1.1651 wurde das Wappen weiter "gebessert". Als wäre der Schild nicht schon voll genug, kamen noch viele hübsche Kleinigkeiten hinzu, die kein Wappenträger wirklich braucht: Der Steinbock bekam eine Krone auf den Kopf und einen Granatapfel ans Maul gehängt, unten wurde zwischen Feld 3 und 4 noch eine Spitze mit einer Friedenstaube eingeschoben, und auch einen dritten Helm brachte man auf dem oberen Schildrand unter. Das kleine eingeschobene Feld mit der Friedenstaube ist an sich ja schon winzig, aber da brachte man noch einen Olivenzweig UND einen Lorbeerzweig unter, weil man das auf die Ferne so gut unterscheiden kann. Und die bisher fehlende Farbe Grün hielt auch noch Einzug. Ferner bekommen wir zum Altbestand noch zweimal Metall auf Metall und Buchstabenheraldik dazu. Das Ergebnis ist folgendes Wappen, nun fünffarbig:

Der neue Schild ist geviert mit unten eingeschobener Spitze, Feld 1 und 4: in Blau ein gekrönter, goldener Greif, ein halbes goldenes Mühlrad haltend (lt. Siebmacher ohne Dreiberg), Feld 2 und 3: in Rot auf einem silbernen Felsen ein silberner, gekrönter Steinbock, im Maule an einem Ring einen goldfarbenen, vorne aufgeplatzten Granatapfel haltend, alle Figuren einwärts, Feld 5 (eingebogene Spitze): in Gold auf einem grünen, über den Kopf der Taube gebogenen Olivenzweig stehend eine silberne Taube mit einem grünen Lorbeerzweig im Schnabel, Herzschild: in Rot ein auf den Hinterbeinen hockender "natürlicher" Affe, das Ende der an seinem Halsband befestigten und von hinten unter dem Körper hindurchgehenden, silbernen Kette in seinen Händen haltend. Dazu drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte: auf dem Helm mit rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken ein schwarzer, auf beiden Häuptern königlich gekrönter Doppeladler, auf der Brust einen roten, mit einem silbernen Balken belegten und mit dem Erzherzogshut gekrönten Schild, der silberne Balken mit dem goldenen Majuskelbuchstaben "W" belegt, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender, gekrönter, goldener Greif mit einem halben, goldenen Mühlrad zwischen zwei blauen Büffelhörnern, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner, gekrönter Steinbock mit einem an einem Ring am Maul hängenden, goldfarbenen, vorne aufgeplatzten Granatapfel wachsend vor einem roten Straußenfederbusch.

Diesem letzten Stand der Wappenentwicklung entspricht das Messingwappen auf dem Eingang zur Gruft im Langhausmittelgang der Laurentiuskirche in Münzbach. Es ist bereits ein bißchen abgetreten und läßt über Sinn und Unsinn von Wappenverbesserungen am Rande der Vergänglichkeit sinnieren. Der Reichsgrafenstand wurde 1669 nämlich sine armis (ohne neues Wappen) verliehen. Es war wohl besser so, wer weiß, zu welchen weiteren "Verbesserungen" sich die Kanzlei noch hätte hinreißen lassen, um das freiherrliche Wappen noch zu übertreffen. Immerhin hatte man bisher die Farbe Schwarz noch nicht verwendet.

Ein weiteres Wappen der letzten Entwicklungsstufe ist an Schloß Waldreichs (siehe dieses Kapitel) zu sehen, in wesentlich klarerer Ausführung des Schildes als bei dem am Grufteingang in Münzbach, aber ohne Oberwappen.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Hinweistafel am Gebäude
Spital:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt_Barbara_Spital_in_Münzbach
Joachim Enzmilner:
https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Enzmilner
Eva Magdalena von Windhag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Magdalena_von_Windhag
Neues Schloß Windhaag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Windhaag
Burgruine Windhaag:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burgruine_Windhaag
Kolorierte Wappenbücher aus der Bibliotheca Windhagiana - 4 Bde. - 16. Jh. -
http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/Md247-1?sid=58ad22aad27a3113e109bf4357f65e27 -
http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/Md247-2?sid=58ad22aad27a3113e109bf4357f65e27 -
http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/Md247-3?sid=58ad22aad27a3113e109bf4357f65e27 -
http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/Md247-4?sid=58ad22aad27a3113e109bf4357f65e27
Robert John Weston Evans: Das Werden der Habsburgermonarchie, 1550-1700: Gesellschaft, Kultur, Institutionen, Böhlau Verlag Wien, 1986, S. 214
Artikel von Johannes Ebner über Joachim Enzmilner:
http://www.ooegeschichte.at/epochen/reformation-und-renaissance/reformation-und-gegenreformation-in-oberoesterreich/gegenreformation-in-oberoesterreich/protagonisten-der-gegenreformation/joachim-enzmilner/
Eckhard Oberklammer: Bezirk Perg - Kunst und Geschichte, Trauner Verlag, Linz 2010, ISBN 978-3-85499-826-6, S. 130 ff, S. 270 ff.
Georg Grüll: Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Windhag, in: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines, 87. Band, Linz, 1937, S. 185-312, online:
http://www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/JBMusver_1937_087_0185-0311_a.pdf - http://www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/JBMusver_1937_087_0185-0311_b.pdf - http://www.ooegeschichte.at/uploads/tx_iafbibliografiedb/JBMusver_1937_087_0185-0311_c.pdf
Walpurga Oppeker: Joachim von Windhag, Versuch eines Lebensbildes, in: Fritz Weber (Hrsg): 300 Jahre Windhag’sche Stipendienstiftung für Niederösterreich, Wien, Ottenstein, 1970, S. 7-21
Walpurga Oppeker: Joachim Graf von und zu Windhag - Reformationskommissär, Großgrundbesitzer und Stifter im Viertel ober dem Manhartsberg, in: Edmund Teufl (Hrsg.): Forstwirtschaft im Waldviertel, Waldreichs 1994
Artikel zu Graf Joachim Enzmilner von Windhag (Windhaag) in der Datenbank Gedächtnis des Landes zur Geschichte des Landes Niederösterreich (Landesmuseum Niederösterreich), online:
http://geschichte.landesmuseum.net/personen/personendetail.asp?id=1020348420
Georg Clam-Martinic, Österreichisches Burgenlexikon, Linz, 1992, S. 267
Ilse Schöndorfer: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, NP Buchverlag, Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 2001, ISBN 3-85326-189-2, S. 68 ff.
Oskar Hille: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, Ennsthaler Verlag, Steyr 1992, ISBN 3-85068-323-0, S. 228 ff.

Franzen (Pölla, Niederösterreich, Bezirk Zwettl): Schloß Waldreichs
Mauthausen (Oberösterreich, Bezirk Perg):
Schloß Pragstein

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