Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2233
Bruneck (Brunico, Italien, Provinz Bozen, Region Trentino-Südtirol)

Die Brunecker Stadttore

Die mittelalterliche Altstadt krümmt sich borgenförmig im Norden des Burgberges zwischen diesem und dem Fluß. Sie besteht quasi nur aus zwei parallel verlaufenden Straßen, der Stadtgasse (via centrale) und der Hintergasse (vicolo posteriore). Die Altstadt besitzt noch vier mittelalterliche Stadttore, das Ursulinentor im Westen, das Ragentor im Osten und das Florianitor sowie das Rienztor dazwischen im Norden. Alle sind mit Malereien verziert, etliche davon mit heraldischen Inhalten.

 

Das Rienztor (la Porta della Rienza) führt von der Stadtgasse aus nach Nordosten und hat vom dort vorbeifließenden Fluß Rienz seinen Namen. Früher verband es die Innenstadt mit der Zollscheibe gegenüber der Spitalkirche am heutigen Kapuzinerplatz. Die alte Pustertaler Landstraße führte durch dieses Tor, und diese wiederum war ein Teil der wichtigen Handelsstraße Strada d'Alemagna, die Augsburg und Venedig verband. Alternative Namen des Tores sind Apothekentor, Brückentor, "tor bey dem spital" (Spitalstor), Tor bei der Fleischpruggen, jeweils nach nahen städtischen Zielen genannt.

Auf seiner Außenseite trägt das Rienztor eine Wappenmalerei mit einem kaiserlich-habsburg-lothringischen Wappen. Dessen Hauptschild ist geviert, Feld 1: gespalten, rechts eigentlich siebenmal von Rot und Silber geteilt hier fehlt die oberste Teilung, Königreich Ungarn, Alt-Ungarn, links in Rot auf grünem Dreiberg ein silbernes Patriarchenkreuz, Neu-Ungarn, Feld 2: in Rot ein golden gekrönter, eigentlich silberner, hier auch golden gemalter Löwe mit doppeltem Schweif, Königreich Böhmen, Feld 3: innerhalb eines roten Schildbordes fünfmal (hier sechsmal) von Gold und Blau schrägrechts geteilt, Herzogtum Burgund, Feld 4: in korrekterweise goldenem Feld fünf (2:2:1) rote Palle (Kugeln), oben begleitet von einer größeren blauen Kugel, diese belegt mit 3 (2:1) goldenen Lilien, Medici bzw. Großherzogtum Toscana. Der Herzschild ist gespalten, rechts in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, links in Gold ein roter Schrägrechtsbalken, belegt mit drei silbernen Alérions, Herzogtum Lothringen. Das Ganze ist einem Doppeladler mit Schwert und Reichsapfel in den Fängen aufgelegt, zwischen dessen Häuptern die kaiserliche Krone schwebt. Drei weitere Kronen sind zu erkennen, eine auf dem Herzschild, zwei auf dem Hauptschild. Der Hauptschild wird von zwei verschiedenen Ordensketten und einem Ordensband dazwischen umgeben.

 

Das Florianitor (la Porta di San Floriano) öffnet die Altstadt genau nach Norden auf mittlerer Höhe der Stadtgasse. Der fünfstöckige Torturm trägt ein steiles Walmdach. Wer die Altstadt durch dieses Tor verließ, gelangte zum "Plarer", dem Bereich zwischen dem Stadtgraben und der Rienz. Namengebend für das Tor war eine Floriani-Statue auf einem Brunnen in der gleichnamigen Gasse, die zum Tor hinführt. Alternative Namen waren "Lucke" oder "Schlipfturm". Auf der Außenseite trägt der Torturm das Wappen der Stadt Bruneck, in Silber auf einem grünen Dreiberg eine rote Zinnenmauer mit einem Tor zwischen zwei Fenstern, hinter der Mauer ein spitzbedachter Turm. Das Wappenfresko wird flankiert von Darstellungen des hl. Florian und des Gründerbischofs Bruno, alles ein Werk des Südtiroler Künstlers Rudolf Stolz (1874-1960) aus Sexten.

 

Das Ursulinentor (la Porta delle Orsoline) erschließt die Altstadt von Westen her. Alternative Namen sind Unteres Tor, Neutor, Gänsetor oder Klostertor, wobei zwei der Namen auf die unmittelbare Nachbarschaft des Ursulinenklosters anspielen, das aber erst 1741 erbaut wurde. Der Weg durch das Tor führt direkt in die Stadtgasse hinein, und vom überregionalen Routenverlauf ist dieses Tor die Entsprechung zum Rienztor. Außerhalb des Tores lagen einst der Ballplatz und das Ballhaus, Lagerort für Handelswaren. Der Tordurchgang wurde 1758 vergrößert, daher die unnatürliche Höhe des Durchgangs. Man wollte damals einen großen Brunnen in die Stadt transportieren und hatte zu wenig Durchfahrtshöhe.

Auch dieses Stadttor ist freskengeschmückt. Sowohl auf der Innen- als auch auf der Außenseite sind die Wappenschilde der Stadt Bruneck (s. o.), der Grafschaft Tirol (in Silber ein roter Adler mit goldenen Kleestengeln) und des Bistums und Hochstifts Brixen (in Rot ein golden nimbiertes, widersehendes, silbernes Gotteslamm, das mit dem einen Vorderbein ein silbernes Banner (Osterfahne) mit einem roten Hochkreuz schultert) zu sehen. Die aus dem 15. Jh. stammenden Fresken auf der Außenseite vom Maler Hans von Bruneck wurden bei der erwähnten Durchfahrtserweiterung zum Teil zerstört.

 

Das vierte und letzte Stadttor ist das in die Oberstadt führende Ragentor oder Unterrainer Tor (la Porta Unterrainer). Es ist das östlichste der vier Stadttore. Die Fernhandelsstraße hatte die Stadt bereits durch das Raintor verlassen; dieses Tor kontrollierte keinen wichtigen Handelsweg. Vielmehr führte hier früher der Weg zum Friedhof vorbei, weshalb das Tor auch Todessteg genannt wurde. Und durch das Tor wurde der außerhalb der mittelalterlichen Mauern liegende Stadtteil (Oberstadt) erschlossen. Das Fresko auf der Außenseite stammt von 1388, ist aber ziemlich zerstört. Auf der Innenseite befindet sich sein Fresko des Males Hans Weber aus dem Jahr 1922, welches den Stadtgründer, Bischof Bruno, darstellt. Ganz oben ist eine weitere Darstellung des Brunecker Stadtwappens wie oben beschrieben.

Literatur, Quellen und Links:
Liste der Baudenkmäler in Bruneck: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bruneck
Stadtrundgang durch Bruneck:
http://www.kronplatz.net/kultur/brauchtum/historischer-rundgang-bruneck/
Stadttore: https://www.sentres.com/de/stadttore-von-bruneck
Stadttore:
http://www.bruneck.com/deutsch/sehenswuerdigkeiten/stadtgasse-und-stadttore/index.html
Hinweistafeln an den Toren
Geschichte von Bruneck:
http://www.geschichte-tirol.com/orte/suedtirol/pustertal/934-bruneck.html

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