Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2215
Landeshauptstadt Mainz

Das Neue Zeughaus in Mainz

Das Neue Zeughaus (Peter-Altmeier-Allee 1) ist ein wichtiger Teil der repräsentativen Bebauung des Rheinufers im Nordosten der Altstadt. Es steht in einer Flucht mit dem sich nördlich anschließenden Deutschhaus und bildet den Brückenkopf; die gewaltige Fassade grüßt jeden, der die 1880-1885 erbaute Rheinbrücke überquert, ehe er nach rechts zum Schloß hin abbiegt. Hier verlief einst die Stadtmauer. Hinter dem im barocken Stil gehaltenen Neuen Zeughaus befindet sich, etwas nach hinten abgesetzt, das dreiflügelige Alte Zeughaus im Stil der Renaissance. Die in einer Linie aufeinanderfolgenden Repräsentativbauten Neues Zeughaus, Deutschhaus und Schloß bilden gemeinsam ein übergreifendes Konzept der Uferbebauung im Sinne einer monumentalen Schaufront. Dazu trägt vor allem die Dimension des Neuen Zeughauses bei, das zwar nur zweistöckig ist, aber 71,5 m Fassadenlänge mit 13 Fensterachsen aufweist.

Das Neue Zeughaus wurde 1738-1740 errichtet. Für die Standortwahl waren mehrere Faktoren wichtig, nicht nur die Vorgabe durch das bereits bestehende Alte Zeughaus. Der Rheinübergang mit der Schiffsbrücke lag in der Nähe, desgleichen war der Schloßplatz zum Exerzieren in geringer Entfernung, weiterhin war die Kaserne für die kurfürstlichen Truppen nahe. Die Entwürfe fertigte der Barockbaumeister Johann Maximilian von Welsch (23.2.1671-15.10.1745), ein berühmter Architekt der Schönborn-Bischöfe und bedeutender Vertreter des barocken Festungsbaus, der ab 1704 für den Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Lothar Franz von Schönborn arbeitete und u. a. an der Festung Mainz, der Festung Rosenberg in Kronach, der Festung Forchheim und der Zitadelle Petersberg in Erfurt baute. Auch der Ausbau der kurmainzischen Statthalterei in Erfurt zur Vierflügelanlage geht auf ihn zurück. Für Lothar Franz von Schönborn baute er auch zusammen mit Johann Dientzenhofer das nicht mehr erhaltene Lustschloß Favorite, und das gleiche Architektenteam war am Schönborn-Schloß Weißenstein in Pommersfelden für den Marstall zuständig. Später wurde er in der Gunst der Schönborns durch Balthasar Neumann abgelöst, der etliche seiner Projekte vollendete. Mit dem Ausbau zur Festung konnte die alte mittelalterliche Stadtmauer am Rheinufer ersetzt werden und einer repräsentativen Bebauung weichen.

Das Gebäude besitzt ein mächtiges Mansarddach mit Dachgauben in zwei Reihen, zehn in der unteren und sechs in der oberen Reihe. Es entstand später als das Deutschhaus und greift dessen palaisartiges Konzept auf. Eine so lange Front muß gegliedert werden: Die mittleren drei Achsen bilden einen durch den Dreiecksgiebel architektonisch zusammengefaßten, aber kaum hervortretenden Mittelrisalit. Die verbleibenden Seitenteile von je fünf Achsen erhielten durch Betonung der jeweils ein Tor enthaltenen mittleren Achse einen eigenen Akzent. Die Fassade erhält durch die horizontale Bänderung des Sockelgeschosses und der Ecklisenen sowohl der Außenkanten als auch des Mittelrisalites als auch der jeweils mittleren Seitenteilachse durch Fugenschnitte eine flache Reliefstruktur. Reicher Bauschmuck mit militärischen Motiven über den Fenstern und Toren schafft zusätzliche Plastizität. Im Erdgeschoß sieht man vorrangig Trophäen, Fahnen und Schilde, im Obergeschoß Waffen und Helme. Die Fenster des Obergeschosses sind wesentlich größer als die des Erdgeschosses, wobei helle Blendrahmungen den Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Maßen schaffen. Seitlich wird das Geschoßgesims in der Terrassenkante mit Balustrade fortgeführt und leitet baulich zum Deutschhaus über. Die Terrassenbalustrade findet ihre Fortsetzung in den kleinen Balustradenabschnitten vor den tief heruntergezogenen Fenstern des Obergeschosses. Der Giebel wird gekrönt von einer Statue des Kriegsgottes Mars in der Mitte und römischen Rüstungen seitlich; die heute rekonstruierte Figurengruppe wurde ursprünglich von Hofbildhauer Burkhard Zamels geschaffen, der auch den entsprechenden bildhauerischen Bauschmuck am Zeughaus anfertigte.

Im Dreiecksgiebel ist das Wappen des Mainzer Kurfürsten Philipp Karl von Eltz (reg. 1732-1743) zu sehen. Er stammte aus der Linie von Eltz zu Kempenich und führte den goldenen Löwen. Das Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes, sechsspeichiges Rad für das Erzstift Mainz, Feld 2 und 3: geteilt, oben in Rot ein aus der Teilung wachsender goldener Löwe, unten silbern, das Stammwappen der von Eltz. Als Oberwappen findet man stets den Kurhut auf der Kartusche und das gestürzte Schwert sowie den Krummstab hinter der Kartusche schräggekreuzt. Als Schildhalter dienen hier zwei Löwen. Die Dekoration ist militärisch geprägt: Kesselpauken, Posaunen und Fahnen füllen den Freiraum des Giebels.

Und noch ein weiteres Mal taucht das Wappen auf, aber sehr versteckt (ohne Abb.): Über den Erdgeschoßbögen enthalten die Dekorationen Säbel, Lanzen, Morgensterne und Fahnen. Wenn man genau hinschaut, trägt die optisch linke Fahne das Monogramm PC für Philipp Carl, während die optisch rechte Fahne mit dem Relief des Wappenbildes der Familie von Eltz geschmückt ist.

Philipp Karl von Eltz (26.10.1665-21.3.1743) war der Sohn von Johann Jakob Freiherr von und zu Eltz-Kempenich (25.1.1636-1718), Amtmann in Mayen, Monreal und Kaisersesch, und dessen Frau Anna Maria Antoinetta Schenk von Schmidtburg (-1719). Philipp Karl von Eltz wurde in Trier und in Mainz 1694 resp. 1700 Domherr, aber er machte in Mainz Karriere: 1710 wurde er Domkantor, und am 9.6.1732 wurde er, bereits 66 Jahre alt, zum Mainzer Erzbischof gewählt. Seine Amtszeit war geprägt vom Unvermögen, zwischen den widerstreitenden Großmachtsinteressen seiner Zeit zu bestehen und eigene Interessen zu wahren. Einerseits war er selbst politisch habsburgnah, andererseits mußte er den französischen Interessen gerecht werden, und so geriet er zwischen die Mühlen von Österreich und Frankreich, die ihre Konflikte entlang des Rheines austrugen. Nicht zuletzt wegen der ständigen Gefahr einer Auseinandersetzung mit französischen Truppen wurde das Neue Zeughaus errichtet, weiterhin wurden unter Philipp Karl von Eltz die Festungswerke der Stadt 1733-1734 erheblich ausgebaut.

An der südöstlichen Schmalseite des Gebäudes befindet sich in der mittleren Fensterachse von dreien über dem Leerbogen des Erdgeschosses ein auf 1710 datierter Wappenstein des Mainzer Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn (reg. 1695-1729). Er war in zwei Bistümern Bischof, in Bamberg ab 1693 und in Mainz ab 1695. Der Hauptschild ist geteilt und zweimal gespalten, Feld 1 und 6: in Gold ein schwarzer Löwe, darüber eine silberne Schrägrechtsleiste, Hochstift Bamberg, Feld 2 und 5: in Rot ein silbernes (hier fälschlicherweise golden angestrichen) sechsspeichiges Rad für das Erzstift Mainz, Feld 3: in Rot drei (2:1) silberne Schildchen für die reichsständische Herrschaft Reichelsberg, Feld 4: in Blau ein silberner Balken, begleitet von 3 (2:1) silbernen Rauten, für die Herrschaft Heppenheim, Herzschild: in Rot auf drei silbernen (hier falsch) Spitzen ein schreitender, blau gekrönter, goldener Löwe, Stammwappen der Grafen von Schönborn. Auf der Kartusche ruht der Kurhut, dahinter sind das gestürzte Schwert sowie der Krummstab schräggekreuzt.

Die stadtseitige Fassade ist im Gegensatz zur Rheinfassade schlicht und bis auf die hervorgehobenen Schlußsteine der oberen Fensterreihe schmucklos. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Neue Zeughaus bis auf die Keller und die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1958-1960, wobei man auch das Mansarddach für Büros ausbaute. Das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landtag gelegene Gebäude beherbergt seit 1960 die rheinland-pfälzische Staatkanzlei, die zuvor ihren Sitz im Bassenheimer Hof hatte. Durch den Wiederaufbau wurde die Inneneinteilung wesentlich verändert. Lediglich der rheinseitige Saal im Obergeschoß wurde in seiner Dimension erhalten und wird heute für offizielle Empfänge genutzt.

Literatur, Quellen und Links:
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, Band 2.2: Altstadt, bearb. von Ewald Wegner, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1988, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 3. Auflage 1997, ISBN 3-88462-139-4, S. 284-285
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Mainz (Denkmalverzeichnis Mainz, 31. März 2014),
http://www.denkmallisten.gdke-rlp.de/Mainz.pdf
Maximilian von Welsch:
http://wuerzburgwiki.de/wiki/Johann_Maximilian_von_Welsch
Neues Zeughaus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Zeughaus_Mainz
Burkard Zamels:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burkard_Zamels
Festung Mainz:
http://www.festung-mainz.de/bibliothek/aufsaetze/festungsgeschichte/verwaltungen.html
Philipp Karl von Eltz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Karl_von_Eltz-Kempenich
Heinz Duchhardt: Philipp Karl Freiherr von Eltz, in: Neue Deutsche Biographie, Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 381 f., online:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118742213.html
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Andreas Praefcke für wertvolle Hinweise

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