Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2206
Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis)

Die Domäne Steinberg

Unmittelbar südwestlich vor dem Kloster Eberbach liegt auf dem langsam abfallenden Bergrücken in Richtung Hattenheim die zum ehemaligen Klostergut gehörende Domäne Steinberg. Bei diesem nach Süden bis Südwesten ausgerichteten Weinberg, der ca. 34 Hektar mit 30 Hektar Rieslingbepflanzung umfaßt, handelt es sich um eine der wertvollsten Lagen der Welt und die größte Einzellage im Rheingau. Der in Höhen von 150 m bis 270 m liegende Weinberg ist seit 1239 im Alleinbesitz des Klosters Eberbach, dessen Mönche schon um 1170 begannen, Parzellen zu sammeln. Außerdem kultivierten die Mönche das ehemalige Brachland, das zuvor die Hälfte der Fläche ausmachte, zu einer hervorragenden Weinlage. Im 18. Jh. umschlossen die Eberbacher Äbte den Weinberg mit einer 2600 m langen Natursteinmauer mit Schieferabdeckung zum Schutz vor Traubendieben. Seit deren Fertigstellung im Jahre 1767 ist der Weinberg ein Clos. Heute hat diese Mauer einen praktischen Nebeneffekt auf das Kleinklima, denn sie schützt die Weinlage vor dem Einsickern von Kaltluft. Die zu den Hessischen Staatsweingütern gehörende Domäne Steinberg besitzt heute neben den historischen Gebäuden einen der architektonisch anspruchsvollsten und modernsten Weinkeller der Welt mit 5000 m² Fläche, der 2006-2008 von Architekt Reinhard Moster aus Neustadt an der Weinstraße erbaut wurde, wofür dieser 2010 den durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Weinbauverband und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz verliehenen Architekturpreis bekam. Es ist eine moderne, platzbildende Lösung, die mit der historischen Einfriedungsmauer der Edellage harmoniert. Die Vorzeigeweinkellerei war nicht ganz billig; der Neubau schlug mit 15,8 Mio. € zu Buche. Der Steinberg gilt übrigens als eigener Ortsteil. Die Weine dürfen also schlicht als "Steinberger" etikettiert werden ohne weitere Ortsbezeichnung.

Über dem die Mauer durchbrechenden Portal im Südwesten der Domänengebäude befindet sich das Wappen des vorletzten Abtes von Eberbach, Adolph II. Werner aus Salmünster. Als 57. Abt amtierte Adolph II. Werner von 1750 bis zu seinem Tod im Jahr 1795. Das aus Sandstein gehauene Wappen folgt dem typischen Aufbau der Äbtewappen und ist durch eine erhöhte, eingebogene Spitze in drei Felder unterteilt, in Feld 1 (oben rechts) ist schräglinks der in einer Farbfassung rot-silbern in zwei Reihen geschachte Zisterzienserbalken zu sehen, der auf einem schwarzen Feld läge, in Feld 2 (oben links) befindet sich der schräggestellte Eber als redendes Symbol für das Kloster Eberbach, und in der eingebogenen Spitze befindet sich das persönliche Wappenbild von Abt Adolph II. Werner. Dieses zeigt in der Mitte einen gekrönten, mit dem Leib nach oben entgegen dem Uhrzeigersinn gekrümmten und seinen pfahlweise nach oben gerichteten Schwanz einmal überkreuzenden Fisch bzw. Delphin zwischen zwei einwärts gerichteten, gekrönten Tierköpfen (Löwenköpfen). Die umlaufende Inschrift lautet: R(EVERENDISSIMUS) D(OMINUS) D(OMINUS) ADOLPHUS WERNER ABBAS EBERBACENSIS". Der Torbogen ist auf 1758 datiert. Ein ganz ähnliches Tor mit dem gleichen Wappen gibt es an anderer Stelle in der den Steinberg begrenzenden Mauer, über einem weiteren Tor; dort lautet die Jahreszahl allerdings 1766.

Liste der Äbte von Kloster Eberbach unter Hervorhebung des hier beschriebenen Wappenbesitzers:

Literatur, Quellen und Links:
Äbteliste: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Eberbach/Äbteliste - http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/abts-chronologie.html -
Kloster Eberbach:
http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20100918-0017
Kloster Eberbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Eberbach
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-422-02166-2
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach, DKV-Kunstführer Nr. 267, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 20. Auflage 2014, ISBN 978-3-422-02242-3
Yvonne Monsees, Grabmäler im Kloster Eberbach, ein Rundgang, hrsg. vom Freundeskreis Kloster Eberbach e. V., Eltville 2009, ISBN 978-3-00-027060-4
Dagmar Söder: Klosterlandschaft Eberbach. Das Kloster Eberbach als Wirtschaftsbetrieb und seine Spuren in der Rheingauer Landschaft. In: Meier, Johannes (Hrsg.): Klöster und Landschaft. Das kulturräumliche Erbe der Orden. Schriftenreihe des Westfälischen Heimatbundes, Münster, 2010, S. 39-59. Vgl. auch:
http://p7115.typo3server.info/fileadmin/alumni/CampusLandschaft2006/CL_Klosterlandschaft_Eberbach.pdf
J. Söhn: Geschichte des wirtschaftlichen Lebens der Abtei Eberbach im Rheingau, J. F. Bergmann, Wiesbaden 1914.
Gabriele Schnorrenberger: Wirtschaftsverwaltung des Klosters Eberbach im Rheingau, Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1977.
Domäne Steinberg:
http://kloster-eberbach.de/weingut/das-weingut-seine-domaenen/domaene-steinberg.html
Steinberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Steinberg_bei_Kloster_Eberbach

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