Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2202
Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis)

Kloster Eberbach: Wappen an den Klostergebäuden (2)

Wappen von Abt Michael Schnock (amtierte 1702-1727)
Michael Schnock stammte aus dem nahen Kiedrich und lebte vom 7.12.1652 bis zum 27.11.1727. Getauft wurde der Sohn des Kiedricher Schultheißen und Organisten Johann Anton Schnock (-1676) und dessen Frau, Caritas Schlosser, auf den Namen Peter Schnock. Am 21.2.1672 legte Peter die Profeß ab und nahm den Ordensnamen Michael an. Er diente zehn Jahre lang als Beichtvater im Rheingauer Zisterzienserinnenkloster Marienhausen. Am 29.5.1702 wurde er unter dem Vorsitz eines vom Mainzer Fürstbischof beauftragten Generalvikars zum Nachfolger des am 11.5.1702 verstorbenen Alberich Kraus aus Boxberg zum 54. Abt gewählt. Der Konvent bestand zu dieser Zeit aus 27 Mönchen. In seiner 25jährigen Amtszeit entwickelte er sich zu einem der baufreudigsten Äbte des Klosters, und somit finden wir eine Vielzahl von Wappendarstellungen in Eberbach und auch an den umliegenden Klosterbesitzungen. Nach seinem Tod im 76. Lebensjahr, im 55. Jahr seiner Profeß und im 50. Jahr seines Priestertums (Priesterweihe 1677), verstorben auf dem klostereigenen Hof in Dienheim bei Oppenheim, wurde 1727 Adolph I. Dreimühlen aus Eltville zum Nachfolger von Abt Michael gewählt.

Das Wappen von Abt Michael Schnock begegnet uns am häufigsten im südwestlichen Bereich der Klosteranlage. Hier erstreckt sich der gewaltige Konversenbau als Nord-Süd-Riegel. Zum Großen Klosterhof bzw. zur Konversengasse hin ist der Bau dreistöckig, zur westlich vor dem Bau gelegenen Promenade hin wirkt er nur zweistöckig, was aber täuscht: In Wirklichkeit verläuft zwischen Konversenbau und der erhöht gelegenen Promenade der Saugraben, und alle drei von hier zu erreichenden Portale führen eigentlich in den ersten Stock. Der langgestreckte Bau weist zwei nach Westen gerichtete Vorbauten auf, wobei der südlichere von vier Fensterachsen Breite und drei Fensterachsen Tiefe die Prälatur und den Lebensbereich des Abtes enthält. Dort befindet sich auch der Rheingausalon. Der Bereich der repräsentativen Abtsresidenz ist mit der Basilika durch einen Gang verbunden. Der Umbau der romanischen Bausubstanz zur Abtsresidenz erfolgte nach einem älteren Plan von Architekt Leonhard Dientzenhofer.

 

Exzentrisch in der linken von insgesamt vier Fensterachsen liegt das Barockportal. Einst war der dahinter verlaufende Gang zum Saugraben hin mit drei offenen Arkaden versehen, die später vermauert und mit stilistisch passenden Fenstern versehen wurden. Im verkröpften Segmentbogengiebel ist das Wappen von Abt Michael Schnock zu sehen. Es zeigt einen schrägrechtsgelegten Palmwedel, der einen schräglinks gelegten Pfeil überkreuzt, alles bewinkelt von vier (1:2:1) sechszackigen, facettierten Sternen und überhöht von einem schwebenden Tatzenkreuz. Die Inful wurde rechts auf den Kartuschenrand gesetzt; der Krummstab ragt etwas schräglinks hinter ihr hervor. Die Portale des Konversenbaus wurden von Meister Valentin Müller aus Mainz geschaffen; das südliche ist auf 1708, das mittlere auf 1709 datiert. Rechts und links wird das Portal in der Flucht der seitlichen Pilaster mit Vasen verziert.

Der Konversenbau stammt aus der Romanik und war früher nur zweigeschossig. Der riesige Saal im ersten Obergeschoß ist von der erhöhten Promenade aus direkt zugänglich. Unter Abt Michael Schnock wurde das ganze Gebäude ab 1707 umgebaut, barockisiert und um ein Vollgeschoß aufgestockt. Unter ihm fand auch der Anbau der Abtsresidenz im südwestlichen Vorbau statt. Ganz fertig wurde der Abt nicht mit dem Projekt, denn der Umbau dauerte bis 1734. Deshalb finden wir an den drei Portalen der Westseite nur zweimal sein Wappen, nämlich am südlichen und am mittleren, während am nördlichen Portal bereits das Wappen seines Nachfolgers zu sehen ist.

 

Das mittlere Barockportal des Konversenbaus ist über eine über den Saugraben führende Brücke zu erreichen, denn wie die beiden anderen liegt es zwar auf dem Niveau der westlich verlaufenden Promenade, führt aber in Räume des ersten Obergeschosses, hier direkt in das Laiendormitorium. Hier ist ein nach den üblichen Prinzipien erweitertes Abtswappen zu sehen, welches mit einer erhöht eingebogenen Spitze in drei Felder unterteilt ist, Feld 1: in Schwarz ein in zwei Reihen silbern-rot geschachter Schräglinksbalken (Zisterzienserorden), Feld 2: ein schreitender Eber an einem angedeuteten Bach (Eberbach), Feld 3: ein schrägrechtsgelegter Palmwedel, der von einem schräglinks gelegten Pfeil überkreuzt wird, alles bewinkelt von vier (1:2:1) sechszackigen, facettierten Sternen und überhöht von einem schwebenden Tatzenkreuz. Über der ovalen Kartusche sind Inful und Krummstab zu sehen. Diesen Aufbau zeigt auch das Exlibris des Abtes, der sich sehr um den Ausbau der Bibliothek gekümmert hatte.

Der Konversenbau gehörte nicht zur Klausur und wurde nach dieser errichtet. Er war nicht für die Mönche, sondern für die Laienbrüder, deren Anzahl die der echten Mönche weit überstieg. Das Problem der Zisterzienser im Vergleich zu anderen Orden war, daß sie ihre Einkünfte allein aus Arbeit auf klostereigenem Land erwirtschafteten. Einkünfte durch Pfarrstellen oder durch Grundherrschaft mit abgabepflichtigen Bauern oder Leibeigenen lehnten sie ab. Doch Geld brauchten sie trotzdem, und das wurde durch eigenen Anbau erwirtschaftet. Den konnten wiederum die in strenge Chorverpflichtungen eingebundenen Mönche allein zeitlich nicht im nötigen Umfang erwirtschaften, und dafür brauchte man die Laienbrüder. Aus diesem Grund war im Mittelalter der Zisterzienserorden der Orden mit dem am besten organisierten Laienbrudersystem und mit dem höchsten Verhältnis von Laienbrüdern zu echten Mönchen. Diese "Konversen" genannten Laienbrüder hatten geringere gottesdienstliche Verpflichtungen, arbeiteten dafür aber mehr. In der Regel waren sie weniger gebildet als die Mönche, konnten oft nicht lesen und schreiben und nahmen nur an Sonn- und Feiertagen in der Klosterkirche an Gottesdiensten teil, durch eine Chorschranke von den Mönchen separiert. Sie verbrachten ihren Tag weniger mit Gebet, sondern mit harter Arbeit und schufen so die wirtschaftliche Basis des Klosters. Damit sich die unterschiedlichen Tagesrhythmen nicht gegenseitig störten, wurden beide Gruppen separat untergebracht: Sie schliefen und aßen in getrennten Räumen. Natürlich barg das Mißverhältnis aus Arbeit und Nutznießung einiges Konfliktpotential, insbesondere bei zahlenmäßiger Überlegenheit und weitgehender Selbständigkeit der Laienbrüder. In Eberbach kam es um 1200 sogar zu einem Aufstand der Laienbrüder. In einer späteren Eskalation schreckte man auch nicht vor der Ermordung des Abtes zurück.

Der Bau enthält im Erdgeschoß das Laienrefektorium (Laien-Speisesaal), in dem heute alte Weinkeltern ausgestellt werden. Dieser Raum, 47 m lang, als zweischiffige Halle gebaut und um 1200 entstanden, reicht bis zu der Achse mit dem Barockportal links im Bild. In dieser Achse befand sich der romanische Klausurzugang; auf der Gebäuderückseite befindet sich ein Treppenturm mit Wendeltreppe und Wappen von Leonhard Klunckard (s. o.). Im Erdgeschoß schließt sich nördlich an dieses Zwischenstück das Cellarium an, der Wein- und Vorratskeller. Im ersten Obergeschoß liegt das zweischiffige, kreuzgratgewölbte Laiendormitorium (Laien-Schlafsaal), das sich über die gesamte Länge erstreckt und alle drei zuvor genannten Räume überspannt, mit 85 m Länge der längste nichtsakrale Raum des Mittelalters in Europa. Was hier von außen barockisiert wurde und wie ein dreiflügeliges Schloß wirkt, wurde im Kern ca. 1190 begonnen und zu Beginn des 13. Jh. vollendet und enthält einen der großartigsten romanischen Innenräume der Welt. Das Konversenhaus war riesig dimensioniert, bereits in romanischer Zeit. Damals war das Zahlenverhältnis von Laienbrüdern zu Mönchen noch ein anderes als später. Schon im 13. Jh. begann sich die Relation zwischen Mönchen und Konversen zugunsten ersterer zu verschieben. Wer früher Laienbruder geworden wäre, suchte jetzt seinen Weg in einem der zahlreichen neuen Bettelorden. Die Klostergemeinschaften hatten in späteren Zeiten einen viel geringeren Anteil an Laien, spätestens seit Reformationszeiten, und so wurden die Räume anderen Nutzungen zugeführt. Die riesigen Gewölberäume im Keller wurden als Weinkeller genutzt, das Obergeschoß als Kanzlei, Burse und Verwaltungszentrum, als Repräsentationsräume für den Abt und zum Empfang von Gästen, ferner wurden hier gewisse Tätigkeiten der Mönche aus der Klausur ausgelagert, und so wandelte sich das Gebäude in der Nutzung vom reinen Laienbrüderbau zur "Neuen Abtei".

Die geringere Anzahl der Laienbrüder brachte auch wirtschaftliche Veränderungen mit sich. Gerade die Laienbrüder mit ihrer körperlichen Arbeit bildeten das wirtschaftliche Rückgrat der Klöster. Durch Wegbrechen dieses Personals mußte, eigentlich entgegen der ursprünglichen Absicht der Zisterzienser, die Arbeit und Wirtschaftskraft durch Verpachtungen oder Anheuern von bezahlten Arbeitskräften auf andere Rücken verteilt werden, wenn der gewaltige Grundbesitz nicht mehr alleine bewirtschaftet werden konnte. Und in demselben Maße, in dem man körperliche Arbeit auslagerte, verlagerte sich der Schwerpunkt in den Zisterzienserklöstern auf geistige, wissenschaftliche und verwalterische Arbeit, der einen kulturellen und geistigen Aufschwung mit sich brachte, der sich auch in neuer Bautätigkeit äußerte, zugebenermaßen unter Aufweichung der ursprünglichen zisterziensischen Ideale.

Der nächste Bereich der Umgestaltung durch Abt Michael Schnock war der Gartenbereich gegenüber dem Abtshaus (Prälatur). Hier steigt das Gelände am Hang an, und dort wurde ein terrassierter formaler Garten angelegt, heute ein Rosengarten, der sog. Prälatengarten. Kloster Eberbach ist nicht nur in eine reizvolle, waldreiche Naturlandschaft ohne störende moderne Bauten eingebettet, sondern hat auch auf dem Klostergelände zahlreiche Parks und Gärten, allen voran den Kreuzgarten im Kreuzgang, den großen Park südlich der Klosterkirche, den Schmidtgarten (Schmittsgarten) im Nordosten (heute Parkplatz), und den erwähnten Prälatengarten am Westhang des Tales. Auf der Terrasse auf halber Höhe ist ein runder Springbrunnen angelegt. Von hier aus blickt man auf die Seitenwand ehemaliger Ökonomiegebäude, in denen heute ein staatliches Gästehaus eingerichtet ist.

 

Dieser Terrassengarten wurde 1717-1721 angelegt. Das erste Niveau des Prälatengartens wird über eine kleine Treppe erreicht, an deren oberen Ende ein freistehender Portalbogen aus dem Jahr 1719 den Weg überspannt. Der nach oben gewölbte Sturz wird von drei pinienzapfenförmigen Aufsätzen bekrönt und trägt in der Mitte das Abtswappen wie beschrieben, wobei Inful und Krummstab darstellerisch unter dem geringen, zur Verfügung stehenden Raum leiden.

 

Am westlichen Ende wird der Prälatengarten von einer Natursteinmauer abgeschlossen, in die ein zweistöckiges Gartenhäuschen eingelassen ist. Der Sockel ist massiv, das Obergeschoß aus Fachwerk. Das Gartenhäuschen mit drei Fenstern an der Längsseite und zweien an den Schmalseiten ist ein Werk des Mönchsarchitekten Bernardus Kirn. Der kunstsinnige Barockabt nutzte dieses Gartenhaus u. a. für Konzerte.

Im Brüstungsfeld unter dem mittleren Fenster der Frontseite ist eine auf 1722 datierte Wappenschnitzerei mit dem Wappen von Michael Schnock eingelassen. Es ist eine der wenigen Farbdarstellungen; die Motive werden hier golden auf blauem Grund abgesetzt. Im Gegensatz zu den vorherigen Darstellungen liegt hier der Pfeil schrägrechts und wird von dem Palmwedel schräglinks überkreuzt. Die Inful auf dem oberen Rand ist erhalten, der Krummstab abgewittert.

Auf diesem Bild ist das Pfortenhaus des Klosters am südwestlichen Eingangsbereich zu sehen. Das zweistöckige, im Kern romanische und später barockisierte Gebäude mit Walmdach besitzt zwei Toröffnungen: eine große für Wagen links und eine kleinere für Fußgänger rechts. Durch beide gelangt man auf das Niveau der Klosterbauten. Erst später wurde links daneben am terrassierten Westhang des Tales ein erhöhter Zugang geschaffen, der auf das höher gelegene Niveau der westlichen Promenade führt, die vor der barocken Umgestaltung ein schlichter Wirtschaftsweg war. Somit führen am terrassierten Hang zwei Eingänge auf unterschiedlichen Höhenniveaus in den Klosterbereich. Der ältere Zugang war jedoch der durch das Pfortenhaus, und ein nicht mehr vorhandenes Vorwerk mit Außenmauer schützte das Tor zusätzlich gegen unerwünschte Eindringlinge. Der alte Weg führte an der Kirche vorbei und durch den späteren Saugraben im Uhrzeigersinn um den Konversenbau herum in das Innere des Klosters. Erst später verlagerte sich der Weg auf das höhere Niveau links daneben. Im Pfortenhaus hatte der Torwächter seine Stube, ferner gab es hier eine Kapelle und Räume für Gäste. 1740-41 wurde das mittelalterliche Pfortenhaus barockisiert und nach Osten (rechts im Bild) verlängert.

Rechterhand befindet sich vor dem Pfortenhaus ein elegant gestalteter Barockbrunnen, direkt neben der Einfassungsmauer des Klostergartens. Die runde Steinfassung mit umlaufender Profilierung trägt auf ihrer Westseite eine Kartusche mit dem Wappen des Bauherrn, Abt Michael Schnock, inhaltlich wie zuvor beschrieben. In der Nische über der Fußgängerpforte befindet sich eine barocke Statue des Heiligen und Ordensgründers Bernhard von Clairvaux, die hier 1748 eingefügt wurde.

 

Abt Michael Schnock ließ die Basilika ab 1707 tiefgreifend umgestalten. Seine wichtigsten Maßnahmen waren die monumentale barocke Westempore (nicht mehr vorhanden), der Verbindungsgang zur Prälatur im Konversenbau und der komplette Umbau des Ostbereiches mit dem Chor. Ein riesiger barocker Hochaltar wurde eingebaut, und dazu mußten zwei erzbischöfliche Grabdenkmäler aus der Gotik versetzt werden, wobei Adolf II. von Nassau und Gerlach von Nassau umgebettet werden mußten. Die Deckplatten wurden vertikal in die nördliche Chorwand eingemauert. Das nördliche Seitenschiff besitzt drei nach Osten gerichtete Kapellen; hier wurden die kreuzgratgedeckte Decke und die Wände mit Stuck überzogen. In der mittleren der drei Kapellen, der Michaelskapelle, ist das Wappen von Abt Michael an der Decke zu sehen (ohne Abb.), von einer opulenten Kartusche gerahmt, während die beiden Klosterwappen - eine Kartusche mit dem schräglinken Schachbalken, der einen schrägrechts gelegten Krummstab überkreuzt, und eine Kartusche mit dem Eber an einem schrägrechts verlaufenden Bach - auf den stuckierten Wänden zu finden sind. Der Stuck wurde von Sebastian Beschauf aus Mainz 1707 geschaffen. Weiterhin befindet sich in dieser Seitenkapelle eine gußeiserne Platte mit dem Abtswappen. Ein weiteres Wappen dieses Abtes ist auf seiner Grabplatte im nordwestlichen Teil der Basilika zu sehen.

Eine andere Baumaßnahme Schnocks war der Abriß des romanischen Mönchsrefektoriums, das im Nordbereich der Klausur neben der Küche nach Norden gebaut war. Nach dessen Abriß wurde 1719-1720 nach den Plänen des hauseigenen baukundigen Mönchs Bernhard Kirn ein barockes Mönchsrefektorium gebaut, welches gegenüber dem romanischen um 90 Grad gedreht war und sich nun harmonischer in die Baugruppe nördlich des Kreuzgangs einfügte und den Raum zwischen Küche und Fraternei (Cabinet-Keller) vollständig einnimmt. Weil aber die Decke erst viel später stuckiert wurde, ist dort das Wappen seines Amtsnachfolgers zu sehen.

Weitere Wappensteine von Abt Michael Schnock kann man außerhalb Eberbachs finden, so einen auf 1706 datierten in Kiedrich am Eberbacher Hof in der Suttonstraße. Ein Wappenstein von 1705 befindet sich über dem Torbogen des Eberbacher Hofes in der Rüdesheimer Straße 32, Geisenheim am Rhein, wo auf Schnocks Betreiben das alte Haupthaus 1705-1708 durch einen Neubau ersetzt wurde, der aber 1757 grundlegend umgebaut wurde.

Positionen der beschriebenen und abgebildeten Wappenfunde im Klosterbereich.

Wappen von Abt Adolph Dreimühlen (amtierte 1727-1737)
Adolph I. Dreimühlen (Drimollen) stammte aus Eltville. Er wurde 1727 zum Nachfolger von Michael Schnock gewählt. Adolph Dreimühlen lebte und amtierte als 55. Abt des Klosters bis zum 22.3.1737. Er starb im 61. Lebensjahr, im 42. Jahr seiner Profeß, im 35. Jahr seines Priestertums und im 10. Jahr seines Abtsamtes, wie die Grabplatte in der Basilika angibt. Sein Nachfolger wurde Hermann Hungrichhausen, der 1737-1750 amtierte. Adolph Dreimühlen setzte das von seinem Vorgänger begonnene Barockisierungsprogramm fort.

Die Barockisierung des Konversenbaus wurde zur Amtszeit seines Vorgängers nicht fertig. Deshalb sehen wir im Südwestbereich Schnock-Wappen, aber im Nordwestbereich Dreimühlen-Wappen. Seine Umbauten und Erweiterungen folgten symmetrisch dem von seinem Vorgänger vorgelegten Konzept: Der Konversenbau wurde an seinem nördlichen Ende (im Bild) genau wie an seinem südlichen Ende mit einem rechtwinklig anstoßenden Anbau versehen, dessen Portal sich auf die westlich davor verlaufende Promenade öffnet. Beide Vorbauten ergeben mit dem Hauptbau eine schloßartige Dreiflügelanlage.

Das Portal ist in die rechte Fensterachse von insgesamt vieren gerückt, und genau wie bei dem südlichen Pendant öffnet sich auf der Innenseite ein Portikus mit drei Bögen zum Saugraben. Baulich ähneln sich die beiden Vorbauten sehr, aber tatsächlich gibt es einen funktionalen Unterschied. Während der südliche Vorbau den mittelalterlichen Sälen (Laienrefektorium und Laiendormitorium) vorgesetzt wurde, handelt es sich bei dem nördlichen Vorbau in Wirklichkeit um einen mit neuer Bausubstanz bis zur hinteren Gebäudeseite durchgehenden Anbau, der den Gesamtkomplex nach Norden um diese Breite von vier Fensterachsen verlängert. Die mittelalterliche Ausdehnung des Konversenbaus endete an der Grenze zum Portikus. Dieser Anbau beherbergt das Badehaus und die untere Mühle. Nicht alles entstand jedoch 1734, denn einen Anbau gab es hier schon seit ca. 1623, der damals noch zweigeschossig war und an das romanische Bauwerk angesetzt worden war. Im Barock wurde dieser Anbau in das Gesamtkonzept integriert und äußerlich vereinheitlicht, so daß man die Baunaht nur noch von hinten, von der Ostseite her, wahrnehmen kann.

 

Das Barockportal dieses nördlichen Anbaus trägt im mit drei Pinienzapfen geschmückten Segmentbogengiebel das Wappen des Bauherrn. Abt Adolph Dreimühlen führte drei (1:2) Zinnentürme. Die Farben sind mir unbekannt, Hinweise willkommen, lt. Held sind die Türme golden auf Silber, unter Verweis auf Düll. Auf der Kartusche ist heraldisch rechts die schräg nach außen gestellte, reichverzierte Inful, auf der linken Seite ragt der Krummstab hinter der Kartusche hervor. Zusätzlich trägt das Kartuschenfeld die Datierung auf das Jahr 1734 und die Zuweisung "R(everendissi)mus D(ominus), Do(minus) ADOLPHUS DREYMULLEN".

 

Ein weiteres Wappen mit Inful und Krummstab ist seitlich am Portikus auf dem Schlußstein der mittleren Bogenöffnung zu sehen. Die in den Stein gemeißelten Linien sind ordnende Hilfslinien ohne heraldische Signifikanz. Wie der Vergleich mit den anderen Steinen zeigt, handelt es sich nicht um Feldbegrenzungen eines geteilten und halbgespaltenen Wappens, sondern um Zier- bzw. Hilfslinien. Die beiden an den Schlußstein seitlich angrenzenden Keilsteine tragen in zwei Ziffernpaaren die Datierung auf das Jahr 1733, ein Jahr vor der Entstehung des zuvor gezeigten Portals.

Beim seitlichen Blick auf den nördlichen Vorbau wird auch deutlich, wie sehr im Barock die Wegeführung verändert wurde. Der alte Zugangsweg in das Innere des Klosters verlief auf der unteren Ebene um den Konversenbau herum. Der südliche Vorbau ist noch wie eine Brücke gebaut, so daß man unter der barocken Ergänzung hindurchgehen kann. Der nördliche Vorbau versperrt den Durchgang als Querriegel und kennzeichnet so die komplette Verlegung des Zugangsweges auf die mittlerweile ausgebaute westliche Promenade, die eine ganze Geschoßhöhe über der alten Wegeführung liegt.

An der Längsseite des Konversenbaus ist im nördlichen Abschnitt ein drittes Wappen dieses Barockabtes zu finden. Die Fensteranordnung macht die Baugeschichte deutlich: Im ersten Obergeschoß stehen die barocken Fenster paarweise, weil das im Innern vorhandene, relativ tief an der Wand ansetzende Gewölbe diesen Rhythmus von zwei Fenstern pro Joch vorgibt. Das Obergeschoß, an welchem sich das Wappen befindet, ist eine barocke Aufstockung, die nicht dieser baulichen Vorgabe unterworfen ist und über den Gewölbeansätzen Zwischenfenster aufweist. Der Wappenstein ersetzt an einer dieser Stellen das dort prinzipiell mögliche Fenster.

 

Der auf 1734 datierte Stein mit den beschriebenen drei Türmen besitzt eine Besonderheit, die kein anderer Wappenstein dieses Abtes zeigt: Im Schildhaupt befindet sich ein aus dem linken Rand hervorkommender Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger. Zusätzlich erfolgt im Feld die Zuweisung des Steines zu "R(EVERENDISSI)MUS D(OMINUS), D(OMINUS) ADOLPHUS DREYMULL(EN) ABBAS".

Unter Abt Adolph Dreimühlen wurde der Konversenbau durch weitere Anbauten für Wirtschaftszwecke jenseits des nördlichen Seitenflügels nach Norden verlängert. Zwei zweistöckige Bauten mit Satteldach setzen die lange Gebäudeflucht fort, das Brauhaus und als Abschluß das Backhaus (im Bild).

Am dreiachsigen Nordgiebel befindet sich ein im oberen Bereich stark zerstörter Wappenstein des Abtes Adolph Dreimühlen unter dem einzelnen Giebelfenster. Es zeigt die vertrauten drei (1:2) Zinnentürme ohne weitere Hinweise.

Auch im Gartenbereich gibt es Wappensteine dieses Abtes. Der erste ist gut im Gebüsch vorborgen, das den Winkel zwischen den Remisen und dem Parkplatz auf dem Gelände des ehemaligen Schmidtgartens ausfüllt. Dort ist ein von Efeu, Brombeeren und Heckenrosen fast gänzlich zugewachsenes Gartenportal zu finden, dessen baufälliger, freistehender Bogen in der Mitte das vertraute Dreiturmwappen trägt.

Im oberen Bereich ist der Sandstein bereits stark verwittert, insbesondere Inful und Krummstab sowie der oberste der drei Türme sind beschädigt. Auf dem reich profilierten Bogen ist eine Inschrift in Majuskeln eingehauen, im linken Teil steht: "R(EVERENDISSIMUS) D(OMINUS), D(OMINUS) ADOLPHUS DREYMULLEN", der rechte Teil, wo eine Abtstitulatur und eine Jahresangabe vermutet werden darf, verbirgt sich unter dichtem Efeubewuchs.

 

Daß sich dieser Abt sehr um den Ausbau der Gartenanlagen gekümmert hat, sehen wir noch an einer zweiten Stelle: Südöstlich der Basilika befindet sich ein parkartiges Gartenareal, welches von einer weiteren Mauer eingefaßt wird. An der Nordseite macht diese Mauer einen kleinen Knick in ihrem Verlauf, um der Südostecke der Basilika mit den Querhauskapellen auszuweichen. Östlich dieses Knicks ist ein dem zuvor beschriebenen ganz ähnliches Gartenportal zu finden mit dem Wappen auf der der Klausur zugewandten Nordseite. Es ist stark verwittert, aber Türme, Inful und Krummstab lassen sich noch gut erkennen. Nicht mehr erhalten sind aber die Details eines weiteren Wappens, das sich auf einem westlich dieses Portals aufgestellten Brunnentrog befindet (Abbildung unten). Allein die Initialen AAE und der Kontext lassen die Lesung als "Adolphus Abbas Eberbacensis" zu.

Auch in der Klosterkirche taucht das Wappen auf, einmal auf seinem Grabstein im nordwestlichen Bereich, außerdem in den beiden äußeren Seitenkapellen des nördlichen Querhauses. Letztere enthalten entsprechende Stuckarbeiten auf der Gewölbedecke und auf den Seitenwänden, die 1728 ausgeführt wurden. Von besserer Qualität sind die Arbeiten in der nördlichsten Seitenkapelle. Das Wappen mit den drei Türmen trägt einen Puttenkopf auf der Kartusche zwischen Inful und Krummstab. Ergänzt wird die Darstellung um eine Stuckkartusche mit dem Klosterwappen, wobei der silbern-rot in zwei Reihen geschachte Balken schräglinks liegt und einen schrägrechts gelegten Abtsstab überkreuzt. Eine dritte Kartusche zeigt den auf den Namen des Klosters anspielenden Eber am Bach in naturalistischer Darstellung der Landschaft. Auch diese Kartusche wird von Inful und Krummstab überhöht; zwischen den beiden ruht ein Puttenkopf auf dem oberen Schildrand. Der üppige Schmuck enthält neben unzähligen Putten mit Säulen, Geißeln, Getreidegarben, Weihrauchschwenkern usw. auch weitere Symbole wie Kreuz, flammendes Herz etc.

Die andere Seitenkapelle weist im Gewölbe eine Darstellung des Osterlammes auf, weswegen das Abtswappen auf die Seitenwand ausweicht: Auf der einen Seite befindet sich das Dreiturmwappen, auf der gegenüberliegenden Seite eine Kombination aus Zisterzienserwappen und dem Eber am Bach. Der Stuck ist ebenfalls von herausragender Qualität und Üppigkeit, aber erheblich ornamentaler als in der anderen Kapelle, darüber hinaus leiden die Wappen unter dem geringeren zur Verfügung stehenden Platz im Vergleich zur Nordkapelle.

Auch außerhalb des Klosters gibt es Wappensteine von Adolph Dreimüllen. Ein solcher, der auf 1735 datiert ist, befindet sich in Kiedrich am Eberbacher Hof in der Suttonstraße. Ein weiterer Wappenstein mit der Jahreszahl 1731 ist in Oppenheim am Anwesen in der Rathofstraße 21 zu sehen, an der Außenseite der ehemaligen Kapelle des Rathofes, des ehemaligen Klosterhofes von Eberbach in Oppenheim.

Positionen der beschriebenen und abgebildeten Wappenfunde im Klosterbereich.

Liste der Äbte von Kloster Eberbach unter Hervorhebung der hier beschriebenen Wappenbesitzer:

Literatur, Quellen und Links:
Äbteliste: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Eberbach/Äbteliste - http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/abts-chronologie.html -
Kloster Eberbach:
http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20100918-0017
Kloster Eberbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Eberbach
Lageplan:
http://kloster-eberbach.de/fileadmin/media/Stiftung/Lageplan_Legende_v2_A4_140dpi.pdf
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-422-02166-2
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach, DKV-Kunstführer Nr. 267, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 20. Auflage 2014, ISBN 978-3-422-02242-3
Yvonne Monsees, Grabmäler im Kloster Eberbach, ein Rundgang, hrsg. vom Freundeskreis Kloster Eberbach e. V., Eltville 2009, ISBN 978-3-00-027060-4
Dagmar Söder: Klosterlandschaft Eberbach. Das Kloster Eberbach als Wirtschaftsbetrieb und seine Spuren in der Rheingauer Landschaft. In: Meier, Johannes (Hrsg.): Klöster und Landschaft. Das kulturräumliche Erbe der Orden. Schriftenreihe des Westfälischen Heimatbundes, Münster, 2010, S. 39-59. Vgl. auch:
http://p7115.typo3server.info/fileadmin/alumni/CampusLandschaft2006/CL_Klosterlandschaft_Eberbach.pdf
Dagmar Söder, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau), hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2013.
Steinheimer Hof:
http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20110316-0021
Dilthey-Haus:
http://www.dilthey-haus.de/images/img/dilthey/dh4.jpg
Domäne Neuhof:
http://de.wikipedia.org/wiki/Domäne_Neuhof - http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20100918-0021
Michael Schnock:
http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Schnock
Abteigeschichte:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/abtei-geschichte.html
Zisterzienser:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/zisterzienser.html
Stiftung Kloster Eberbach:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/die-stiftung.html
Klosterführer zum Download:
http://kloster-eberbach.de/fileadmin/media/Stiftung/Media/KlosterEberbach_Entdeckungsreise_web_2015-Feb.pdf
Die Zisterzienser - Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit, Schriften des Rheinischen Museumsamtes Nr. 10, Rheinland-Verlag, in Kommission bei Rudolf Habelt Verlag GmbH, Bonn, 1980, ISBN 3-7927-0557-5
Jens Rüffer: Die Zisterzienser und ihre Klöster - Leben und Bauen für Gott, WBG Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, Primus-Verlag 2008, ISBN 978-3-89678-618-0
Jean-Francois Leroux-Dhuys, Henri Gaud: Die Zisterzienser - Geschichte und Architektur, Éditions Mengès, Paris 1998, ISBN 2-84459-000-4, H. F. Ullmann Verlag 2007, ISBN 978-3-8480-0359-4

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