Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2201
Eltville (Rheingau-Taunus-Kreis)

Kloster Eberbach: Wappen an den Klostergebäuden

Das Klosterensemble und seine Geschichte
Kloster Eberbach ist eine der umfangreichsten und am besten erhaltenen hochmittelalterlichen Klosteranlagen Deutschlands, und durch seine abseitige Lage ist das Ensemble auch heute noch unbeeinträchtigt von moderner Bebauung, so daß man die Lage inmitten des Waldtales ungestört genießen kann. Insbesondere beeindruckt dieses Kloster durch die Vollständigkeit seiner Gesamtanlage. Das Kloster wurde um 1116 von Erzbischof Adalbert I. von Mainz im Kisselbachtal gegründet, damals noch für wenige Jahre als Augustiner-Chorherrenstift, welches aber nur bis 1131 bestand. Dann gehörte das Kloster kurzfristig 1131-1136 den Benediktinern, die auf dem Johannisberg saßen, und 1136 hielten zwölf Zisterziensermönche aus Clairvaux unter Abt Ruthard Einzug; und die Zisterzienser blieben bis 1803.

Eberbach, das als eine der erfolgreichsten rechtsrheinischen Zisterzen gelten kann, war nach dem 1134 gegründeten Himmerod in der Eifel das zweite deutsche Filialkloster des 1115 gegründeten Mutterklosters Clairvaux, das seinerseits vom 1098 gegründeten Kloster Citeaux gegründet wurde. Damit war Eberbach die 22. Tochtergründung in der Linie von Clairvaux. Andererseits wurde Eberbach selber zum Mutterkloster eigener Tochtergründungen. Diese waren das 1142 von Bischof Buggo II. von Worms gegründete und 1145 von Eberbacher Mönchen besiedelte Kloster Schönau bei Heidelberg (um 1560 aufgehoben und mit wallonischen Glaubensflüchtlingen besiedelt), das um 1155 gegründete und um 1180 neu gegründete und besiedelte Val-Dieu (Gottesthal, heute in Belgien), das 1142/43 von Graf Siegfried IV. von Northeim-Boyneburg gegründete und 1145 besiedelte Kloster Otterberg in der Westpfalz bei Kaiserslautern (1561 aufgehoben) und das 1151/1174 gegründete und 1197 endgültig besiedelte Arnsburg bei Gießen (1803 aufgehoben).

Und die Filiation ging noch weiter, denn von Schönau aus wurde Bebenhausen bei Tübingen besiedelt, welches um 1185 für Prämonstratenser gegründet und 1191 mit Schönauer Zisterziensern besiedelt, aber 1535 aufgehoben wurde. Vom Eberbacher Tochterkloster Otterberg aus wurde wiederum Disibodenburg besiedelt. Dieses war 1095/98 mit Benediktinern besetzt, und 1259 wurde das bestehende Kloster durch die Zisterzienser aus Otterberg übernommen (heute Ruine). Damit hat der Eberbacher Stammbaum zwei "Enkelklöster". Das ist wichtig, weil jedes neue Kloster nach Filiationen strebte, weil eine starke "Mutterrolle" die Position innerhalb des Ordens stärkte. Nur Himmerod und Eberbach standen in der Filiationslinie von Clairvaux, alle anderen deutschen Gründungen gingen von Morimond aus, das zusammen mit dem erstgenannten, mit La Ferté und mit Pontigny zu den vier ältesten burgundischen Tochterklöstern von Citeaux gehört.

Die Zisterzienser entstanden als Reformbewegung des Benediktinerordens. Ziel der Reform unter Bernhard von Clairvaux war die kompromißlose Anwendung der Regeln des Benedikt von Nursia. Die Architektur war sehr schlicht, das Mönchsleben ebenfalls einfach und asketisch, und harte körperliche Arbeit wechselte sich mit einer strengen Gottesdienstordnung ab. Der Tag begann für die Mönche früh: Um zwei Uhr nachts begannen die Vigilien, und bei Sonnenaufgang erfolgten Laudes, das Lob zur Morgendämmerung und die Matutinalmesse. Nach der Prim ging es ca. um fünf Uhr ohne Frühstück an die erste Arbeitseinheit, unterbrochen von der Terz, dem Gebet zur dritten Stunde um ca. acht Uhr. Danach kam das Konventamt, die gemeinsame Meßfeier, und von ca. 9 bis 11 Uhr waren religiöse Lektüre oder Arbeit angesetzt. Die Sext fand um ca. 11 Uhr statt, nach der Mittagspause und dem Mittagessen traf man sich um ca. 14 Uhr zur Non, dann folgte bis 18 Uhr Arbeit, und nach Vespergebet, Abendessen und Komplet ging man um 20 Uhr zu Bett. Sprechen war verboten außer im Parlatorium, einem eigens für die Kommunikation vorgesehenen Raum. Ein System gegenseitiger Visitation kontrollierte die Einhaltung der Regeln.

Man wandte sich auch ab von üblichen Methoden der Finanzierung wie Grundherrschaft oder Pfarreieinkünfte, sondern setzte auf die eigene Arbeitskraft auf klostereigenem Land. Entsprechend lagen die Klöster nicht in den Städten, sondern inmitten ihrer Hofgüter und Grangien.

Damit setzte sich der Orden von einer anderen Reformbewegung, der der Cluniazenser, deutlich ab. Die Cluniazenser suchten das Gotteslob durch ehrgeizige Architektur, festliche Kunst, kulturelle Leistungen zu einem Fest für Geist und Sinne zu machen - den Zisterziensern war das viel zu viel Prunk, Öffentlichkeit und Schau. Vielmehr suchten sie schon durch die Wahl ihrer Niederlassungen die Zurückgezogenheit. Ein einsames Waldtal war genau richtig, menschliche urbane Siedlungen sollten fern sein, um ein gottgeweihtes Leben ganz für sich führen zu können.

Die Bauten waren schlicht, aber funktionell und sehr qualitätvoll, ihr Prunk war die perfekte Ausführung. Die Bauten wurden nicht als Kunstwerke empfunden, sondern als Zweckbauten. Der "bernhardinische Entwurf" des Klostergründers war eine unanfechtbare Vorgabe. Vergebens sucht man Kirchtürme, Wandmalereien, bunte Glasfenster, Heiligenbilder etc. Statt dessen begnügte man sich mit einem einfachen Dachreiter für die Glocke, und die Ausstattung der Kirchen war bis auf ein Kreuz und ein Bild Mariens auf das Allernotwendigste reduziert. Der Chorabschluß ist gerade und ohne Umgang, und auch sonst ist die Rechtwinkligkeit das ordnende Prinzip der Baukörper. Das Material wurde am liebsten in seiner natürlichen Form mit seiner materialtypischen Oberfläche verwendet, und Licht und Schatten waren das künstlerische Gestaltungsmittel. Paradoxerweise machte gerade das die Bauten der Zisterzienser zu Kunstwerken wegweisender Modernität. Der gesuchten Abgeschiedenheit entsprachen blickdichte Klostermauern um das ganze Gelände. Die Einhaltung der Regeln zur Architektur wurde vom Generalkapitel überwacht; so erneuerte dieses z. B. im Jahr 1235 seine Entscheidung, alle nicht statutenkonformen Bauten der Ordensklöster abzureißen. Und jedes Mutterkloster überwachte seine Filiationen. Soweit das mittelalterliche Ideal, das auf vielfältige Weise in späteren Zeiten verlassen wurde.

Das nach wie vor mauerumschlossene, weitläufige Klosterensemble gliedert sich in mehrere Baugruppen. Das Kernstück der Anlage ist die Klausur, ein Geviert rings um den Kreuzgang, das im Süden von der Klosterkirche gebildet wird. Bereits an deren Bauweise ohne Türme, nur mit einem hölzernen Dachreiter, erkennt man, daß es sich um ein Zisterzienserkloster handelt. Die Westseite der Klausur ist ein malerischer Bau mit Fachwerkobergeschoß und zur Hofseite hin vorspringendem Treppenturm, der sog. Bibliotheksbau. Das Erdgeschoß wird durch den Kreuzgang gebildet, an dessen Wand etliche alte Grabplatten aufgestellt sind. Das Obergeschoß enthält die ehemaligen Bibliotheksräume, die z. T. vom Abteimuseum genutzt werden. Die Nordseite der Klausur enthält im Erdgeschoß die ehemalige Küche und das Mönchsrefektorium sowie im Obergeschoß das Abteimuseum. Der Kreuzgang ist nur auf der Nord- und auf der Westseite erhalten, die beiden anderen, romanischen Teile wurden 1803-1815 abgebrochen, wobei aber noch etliche Kapitelle und die Reste der rundbogigen Arkaden von der einstigen Schönheit zeugen (heute Kopien, Originale im Abteimuseum). Auch das hofseitig dem Nordflügel vorgebaute Brunnenhaus existiert nicht mehr, wohl aber steht hier wieder ein Brunnen im Kreuzgarten.

 

Der romanische bzw. gotische Ostflügel der Klausur, der an das Querschiff der Basilika angrenzt und mit einer Länge von 86 m nach Norden vorstößt, enthält einige der schönsten Räume des Klosters. Im Erdgeschoß enthält der Flügel den wunderschönen Kapitelsaal von ca. 1350 mit einem auf einer schlanken Mittelsäule ruhendem Sterngewölbe, das Dormitoriumstreppenhaus mit dem reichverzierten Portal von 1270, das Armarium, das Parlatorium (Sprechzimmer) und die Fraternei, ein zweischiffiger Raum mit Kreuzgewölben, der um 1240-50 errichtet wurde und seit Ende des 15. Jh. teilweise als Weinkeller (Cabinet-Keller) genutzt wurde. Im Obergeschoß befindet sich das riesige, zweischiffige, kreuzrippengewölbte, frühgotische Mönchsdormitorium von 74 m bzw. elf Doppeljochen Länge, das mit einer Treppe direkt mit dem nördlichen Querhaus der Basilika in Verbindung stand, über die die Mönche gleich nach dem Aufstehen den Tag mit den Vigilien beginnen und nach der Komplet gleich zu Bett gehen konnten. Dieses Dormitorium ist einer der größten nichtkirchlichen Räume des europäischen Mittelalters, nur übertroffen vom Laiendormitorium außerhalb der Klausur (s. u.). Das Kloster war personell entsprechend ausgestattet: Um 1200 lebten im Kloster schätzungsweise 200 Mönche und Konversen, was um 1500 auf ca. 100 Ordensangehörige abnahm. Im 18. Jh. waren es nur noch ca. 40 Mönche. In diesen genannten Räumen des Nord- und des Ostflügels der Klausur spielte sich fast das gesamte mönchische Leben ab, ergänzt nur von Chorgebet in der Kirche und Feldarbeit draußen vor den Mauern.

Außerhalb der Klausur befindet sich im Westen der Bereich der Laien (Konversen). Der sog. Konversenbau enthält ihr Refektorium und ihr Dormitorium, getrennt von dem mönchischen Lebensbereich. Dieser Bereich, der mit dem Laiendormitorium eine weitere erstklassige Raumschöpfung des Mittelalters von herausragender Dimension enthält, wurde später, mit abnehmender Anzahl der Laienbrüder und zunehmendem Platzbedarf der Mönche zur barocken Neuen Abtei umgebaut. Nach Westen steigt der Hang an, und dort sind die ehemaligen Wirtschaftsbauten zu finden, Scheunen, Pferdeställe - Bereiche, die heute als Gaststätte und Gästehaus genutzt werden. Auch im Norden des Konversenbaus schließen Wirtschaftsbauten wie Backhaus und Brauhaus an. Im Norden des Kleinen Klosterhofs befinden sich der Remisenbau, der Schlosserbau, die Gärtnerei und - an das Hospital angesetzt - das ehemalige Schlachthaus. Im Osten der Klausur, wo die Mönche nur einen kleinen Ausgang zu den am Bach gelegenen Latrinen hatten, befindet sich der ehemalige soziale Komplex mit dem alten und dem neuen Hospital. Das alte Hospital ist neben Ourscamp in Burgund der einzige erhaltene und unbeschädigte Hospitalraum der Zisterzienser in Europa. Der weitläufig ummauerte Klosterkomplex bot noch Platz für mehrere Gärten, den Klostergarten südöstlich der Kirche mit eigener Orangerie, den Prälatengarten im Westen sowie den Schmidtgarten im Norden, und im Osten fand noch ein Klosterweinberg Platz innerhalb der Mauern.

 

Aber der Einflußbereich des Klosters endete nicht an der Klostermauer. Schon 28 Jahre nach seiner Gründung war Kloster Eberbach im Besitz von zwölf Grangien (klostereigenen Höfen). Um die Wende vom 15. zum 16. Jh. hatte Eberbach einen Grundbesitz von zusammen ca. 25000 Morgen Land in 205 Orten des Mittelrheingebiets. Als eines der bedeutendsten und reichsten Klöster der Region besaß Eberbach zahlreiche Klosterhöfe in der Umgebung, wovon der erste, die Domäne Neuhof, auf dem langsam ins Tal abfallenden Bergrücken im Südwesten sichtbar ist. Auch diese Rolle des Klosters als Grundbesitzer und Wirtschaftsfaktor insbesondere im Bereich des Weinbaus kann heute noch gut nachvollzogen werden. Das Kloster besaß sogar in den Reichsstädten Köln und Frankfurt eigene Klosterhöfe (nicht mehr erhalten).

Eine weitere Bedeutung erhielt das Kloster Eberbach durch seine Rolle als Begräbnisstätte der Grafen von Katzenelnbogen, von denen sich in der Basilika mehrere Epitaphien erhalten haben, weiterhin als letzte Ruhestätte mehrerer Mainzer Erzbischöfe aus dem Hause der Grafen von Nassau.

Zu allen Zeiten wurde in sämtlichen Stilrichtungen an der Klosteranlage gebaut. Wir finden romanische, gotische, barocke und moderne Räume. Und trotz späterer Umbauten und beträchtlicher Erweiterungen können wir nicht zuletzt dank hervorragender Wiederherstellungsarbeiten romanische und frühgotische Räume in den Hauptgebäuden in exemplarischer Schönheit genießen, weil die künstlerische Qualität der Einzelbauten überzeugt und der Originalzustand der Architektur nur wenig, und wo doch, in reparablem Ausmaß verändert wurde.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgehoben und gemäß der Verteilung der Kirchengüter dem Haus Nassau-Usingen als Entschädigung für den Verlust linksrheinischer Gebiete zugewiesen und der nassauischen Domänenverwaltung unterstellt. Abt Leonhard II. Müller, der seit 1795 im Amt war, 22 Mönche und 6 Novizen mußten ausziehen; ihr Überleben wurde mit einer Staatspension gesichert. Die Gebäude wurden ausgeschlachtet, das Inventar versteigert, verschenkt oder vernichtet. Interessant für die neuen Besitzer waren nur die wirtschaftlich nutzbaren Weingüter, und so gründete Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen nach der offiziellen Aufhebung des Klosters eine Weinbaudomäne. Die Gebäude wurden ansonsten 1815-1849 als Irrenanstalt und 1813-1912 als Gefängnis genutzt (erst bis 1873 "Korrektionshaus", seit 1877 preußisches Strafgefängnis). Zeitweise waren hier 400-500 Gefangene untergebracht nebst Wachpersonal. In gewissem Sinne entging dadurch die Anlage einer gutgemeinten historistischen "Renovierung". 1912-18 war hier ein Militärgenesungsheim eingerichtet.

Erst ab 1926 begann man mit dem Erhalt und der Rettung der alten Bausubstanz, der 1929-1939 eine umfassende Wiederherstellung von Mönchsdormitorium und Klosterkirche in der bauzeitlichen Raumgestaltung folgte. Von 1866 (Annexion des Herzogtums Nassau durch das Königreich Preußen) bis 1945 blieb Kloster Eberbach unter preußischer Verwaltung, welche die Weinbautradition fortführte, danach kam es 1946 in den Besitz des Landes Hessen und unter Verwaltung der Hessischen Staatsweingüter (staatlich hessische Domänenverwaltung). 1986 begann das Land Hessen mit einer alle Baukörper des Klosters umfassenden Generalsanierung. 1998 wurde die Anlage in eine gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts überführt mit den Zielen der Öffnung des Klosters für die Allgemeinheit und dem dauerhaften Erhalt der Anlage durch entsprechende Nutzung und Bewirtschaftung. Im Jahr 2003 wurde das Weingut in die "Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach" überführt. Im Jahre 2011 konnte man nach der im Vorjahr erfolgten Aufnahme der Stiftung Kloster Eberbach in die Charte europeénne des Abbeyes et Sites Cisterciens den 875. Jahrestag des Gründungskonvents (13.02.1136) und den 825. Jahrestag der Weihe der Klosterkirche (23.05.1186) feiern.

Wappen von Abt Leonhard I. Klunckard (amtierte 1618-1632)
Der älteste mit Wappen im Außenbereich vertretene Abt ist Leonhard I. Klunckard (Klunckhard). Er stammte aus Rüdesheim, wo die angesehene Familie den nach ihr benannten Klunckardshof besaß. Er wurde nach seiner Wahl im Jahr 1618 als Nachfolger von Valentin Molitor der 45. Abt des Klosters und amtierte bis zu seinem Tod am 29.11.1632. Das Kloster erlebte in seiner Amtszeit stürmische Zeiten, denn vor dem Einfall schwedischer Truppen floh der Abt gemeinsam mit den Brüdern nach Köln, wo das Kloster einen Stadthof besaß und wo er auch verstarb. Sein Nachfolger wurde Johannes Nikolaus V. Weinbach aus Oberlahnstein, der erst im April 1633 in Köln gewählt werden konnte und die Amtsgeschäfte übernahm, worauf 1635 die Rückkehr von Köln nach Eberbach stattfinden konnte. Dieser nachfolgende Abt resignierte jedoch 1642.

 

Das Wappen von Leonhard I. Klunckard ist zu finden über dem Eingang des Treppenturmes auf der Ostseite des Konversenbaus, unter dem Portikus, der den Laienbereich mit dem Mönchsbereich (Klausurbereich) verbindet. Über die hinter dieser Tür liegende Wendeltreppe gelangt man in das Laienrefektorium. Es handelt sich bei dem Wappen um ein durch Initialen personalisiertes Hauszeichen. Es zeigt einen Schaft mit Kopfschragensprosse und Fußsprosse, letztere mit den Initialen "L" und "K" verbunden, Hier sind die Tinkturen Gold und Rot. Die anderen drei Buchstaben stehen für F(rater) und A(bbas) E(berbacensis). Der Renaissance-Wappenstein ist reichverziert, auf der ovalen Kartusche ruht ein Puttenkopf, der die Inful trägt, hinter diesem ragt schrägrechts der Krummstab mit anhängendem Sudarium hervor, und zwei weitere Puttenköpfe bilden mit den Laubgirlanden und den Fruchtgebinden einen üppigen Rahmen. Unter der Kartusche ist das Wappen auf 1623 datiert.

Die Inful steht dem jeweiligen Eberbacher Abt seit 1401 zu, als der damalige Abt mit der Verleihung der Mitra durch den Papst dieses Recht erhielt. In Bezug auf das Jahr 1623 kann man pointiert sagen: Hier besaß der Abt noch die Inful. Denn im Dreißigjährigen Krieg war die wirtschaftliche Not so groß, daß man die Abtsmitra an das Kloster Altenberg verpfändete. Erst 1698 wurde sie wieder für 1100 fl. eingelöst und nach Eberbach zurückgebracht.

An anderer Stelle ist ein vermehrtes, auf 1622 datiertes Wappen dieses Abtes zu finden, nämlich an der Decke des Treppenturmes des Bibliotheksbaus (ohne Abb.). Dort wird das Stuck-Wappen durch eine eingebogene Spitze in drei Felder geteilt, Feld 1: in Schwarz ein in zwei Reihen silbern-rot geschachter Schrägrechtsbalken (Zisterzienserorden), Feld 2: ein schreitender Eber (Eberbach), Feld 3: ein Schaft mit Kopfschragensprosse und Fußsprosse, letztere mit den Initialen "L" und "K" verbunden (persönliches Zeichen des Abtes).

Diese Abbildung zeigt den Blick von der Position des beschriebenen Wappensteines in die Klostergasse (Konversengasse), die auf der Westseite an den Laienbereich und an der Ostseite (im Bild) an den Klausurbereich grenzt. Am Ende des schmalen Hofes ist die Basilika zu sehen. Vier Flügel, wovon die Kirche einen bildet, formten die Klausur, die im Mittelalter nur durch einen einzigen, in der Konversengasse gelegenen Zugang zu betreten war. Die Klausur enthielt alle Räume, die für den Tagesrhythmus der Mönche und die Erfüllung ihrer Pflichten notwendig waren. Der im Bild befindliche Bibliotheksbau bildet die westliche Seite des dahinterliegenden Kreuzganges. Dieser den Kreuzgang überbauende Fachwerkbau entstand um 1480 und enthält im südlichen Teil des Obergeschosses den die ganze Breite einnehmenden, 21 m langen Saal, die 1502 sog. "Große Bibliothek" (im Photo der rechte Teil). Im nördlichen Teil war die aus mehreren Einzelzimmern bestehende "Kleine Bibliothek" (im Photo der linke Teil). Ehe diese Räume auch zur Unterbringung von Büchern genutzt wurden, waren hier Logierzimmer für fürstliche Gäste eingerichtet.

Die Bibliothek wurde im Dreißigjährigen Krieg erst von den Schweden und dann von hessischen Truppen geplündert und zerstört. Weil in diesen Räumen während der schwedischen Besatzung 1631/35 Kanzler Oxenstierna logiert haben könnte, kam für den Bibliotheksbau auch der Name "Schwedenbau" auf, entsprechend für den in den Kreuzgarten vorspringenden, fünfseitigen Treppenturm der Name "Schwedenturm". Glücklich ist das nicht, denn die Schweden haben ihn weder gebaut noch sonstwie geprägt, sie haben nur geplündert und zerstört. In der Barockzeit wuchsen die geplünderten Bestände durch erneute Sammeltätigkeit wieder an, bis zur Säkularisation brachte man es wieder auf ca. 8000 Bände. Danach wurde die Bibliothek erneut geplündert, ihre Bestände wurden weitgehend verschleudert. 1817-35 nutzte man die Bibliothek als Gefängnis- und Irrenhauskirche, ehe man in der Klosterkirche einen Bereich dafür abmauerte. Aus den alten Beständen vor 1631 sind einige Bände in das Britische Museum in London und in die Bodleian Library in Oxford gelangt, aus dem barocken Bestand kamen etliche Bände nach Wiesbaden in die Nassauische Landesbibliothek. Der Großteil ist jedoch einfach "weg". Der Urkundenbestand des Klosterarchivs kam ebenfalls nach Wiesbaden ins Hessische Hauptstaatsarchiv.

Positionen der beschriebenen und abgebildeten Wappenfunde im Klosterbereich.

Wappen von Abt Alberich Kraus (amtierte 1667-1702)
Alberich Kraus aus Boxberg war der 53. Abt des Klosters Eberbach. Er war der Nachfolger des am 15.8.1666 verstorbenen Abtes Eugen Greber aus Mainz. Alberich Kraus war von seiner Wahl am 8.3.1667 bis zu seinem Tod am 11.5.1702 Abt. Seiner Wahl gingen chaotische Verhältnisse voraus: Sein Vorgänger war an der Pest gestorben, und der Konvent suchte sein Heil in der Flucht aus Angst vor Ansteckung. Zwei Gruppen bildeten sich, die eine mit dem Subprior flüchtete sich in den klostereigenen Hof Reichartshausen, die andere mit dem damaligen Bursar suchte auf dem Klosterhof Geisgarten Zuflucht. Der Mainzer Fürstbischof übertrug der zweiten Gruppe die Verwaltung, und nach der Rückkehr wurde der Bursar Alberich Kraus zum Abt gewählt. Seine Hauptaufgaben waren Wiederherstellung der Disziplin und wirtschaftliche Gesundung des Klosters. In letzterem Zusammenhang ließ er die Klosterhöfe in Bingen, Mainz und den Neuhof erneuern. Sein Amtsnachfolger wurde Michael Schnock aus Kiedrich.

Der Schlosserbau befindet sich im nördlichen Teil des Klostergeländes außerhalb der Klausur. Er bildet die nördliche bauliche Begrenzung des Großen Klosterhofes, auch wenn seine einstöckige Schlichtheit kein optisches Gegengewicht zu den südlicheren Klostergebäuden darstellt, zumal große Teile des Gebäudes hinter dichtem Gebüsch verborgen liegen. Sowohl durch Maueranker als auch durch datierte Steinelemente ist der Schlosserbau auf 1694 datiert. Das Dach ist durch Zwerchgiebel mit Luken als Lagerraum ausgewiesen. Hier befinden sich Werkstätten und die letzten Privatwohnungen auf dem Klostergelände. Hinter dem Schlosserbau liegen die ehemaligen Remisen und dahinter die Gärtnerei.

Zweimal taucht das Abtswappen von Alberich Kraus mit den drei (2:1) schwebenden, griechischen Kreuzen auf: einmal an einem Fenster am unteren Steinrahmen (Abb. oben) im mittleren Teil des Gebäudes und einmal am Türsturz (Abb. unten) zwischen Tür und Oberlicht im rechten Teil des Gebäudes. Beide sind auf 1694 datiert und tragen die Initialbuchstaben A(bbas) E(berbacensis), wobei der Buchstabe A ebenso als A(lberich) gelesen werden könnte, wobei dann aber das Auslassen des Abtstitels zu erklären wäre. Nur bei dem Wappen am Türsturz sind über der geohrten Kartusche die Inful heraldisch rechts und der Krummstab heraldisch links erhalten.

Noch einmal taucht das Wappen von Alberich Kraus auf: An der hölzernen Tür, die in das ehemalige Laienrefektorium führt, in dem heute viele alte Weinkeltern ausgestellt sind, ist es in geschnitzter Form zu sehen:

 

Alternativ zu diesem vereinfachten Wappen existiert noch ein mehrfeldriges Wappen, das im Abteimuseum in zwei Ausführungen ausgestellt ist. Dieses ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Schwarz ein in zwei Reihen silbern-rot geschachter Schrägrechtsbalken (Zisterzienserorden), Feld 2 und 3: ein schreitender Eber (Eberbach), Herzschild: drei (2:1) schwebende, griechische Kreuze (Alberich Kraus). Einmal taucht dieses Wappen auf dem Vorsatzblatt eines in Antwerpen gedruckten Missales von 1688 auf, welches 2006 von der Stiftung und dem Freundeskreis Kloster Eberbach aus privater Hand zurückgekauft werden konnte. Die andere Darstellung des Wappens im Abteimuseum ist auf einer gußeisernen Platte von 1668 zu finden, mit seitenverkehrter Felderanordnung und Lage des Zisterzienserbalkens; dort sind die Kreuze golden auf schwarzem Feld (ohne Beleg für die Authentizität der Farbgebung). Sein Wappen können wir ferner auf seiner Kalkstein-Grabplatte in der Abteikirche sehen.

Ein vermehrtes Wappen, diesmal wieder in der korrekten Anordnung, ist außerhalb des Klostergeländes auf einem Wappenstein des Jahres 1696 am Dilthey-Haus in Wiesbaden-Biebrich zu finden. Ein weiteres Wappen dieses Abtes, ebenfalls von 1696, befindet sich in Form einer Sandsteintafel am Steinheimer Hof, in der Wand des östlichen Hofhauses eingelassen. Dieser Hof liegt in der offenen Feldgemarkung zwischen Eltville und Niederwalluf. Er war bis 1803 Eberbacher Klosterhof und ist seit 1956 Staatsdomäne und wird von der Allgemeinen Hessischen Domänenverwaltung geführt. Zwei weitere Wappen sind an der Domäne Neuhof bei Hattenheim im Rheingau zu finden, und zwar im Türsturz des Hofportals des zweigeschossigen Herrenhauses von 1682, und noch einmal in erheblich schönerer Darstellung auf der Ostseite des Herrenhauses in die Wand eingelassen, beide Darstellungen mit Inful und Krummstab. Dieser Hof war bis 1803 eine Grangie (ursprünglich ein Vorratshaus, später ein landwirtschaftlicher Gutskomplex) des Klosters Eberbach. In der Pfarrkirche in Ockenheim bei Bingen gibt es eine aus dem Jahr 1688 stammende Ewig-Licht-Lampe mit seinem Wappen. In der St.-Bonifatius-Kirche in Wiesbaden wird ferner eine Kasel mit seinem Wappen aufbewahrt.

Positionen der beschriebenen und abgebildeten Wappenfunde im Klosterbereich.

Liste der Äbte von Kloster Eberbach unter Hervorhebung der hier beschriebenen Wappenbesitzer:

Literatur, Quellen und Links:
Äbteliste: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Eberbach/Äbteliste - http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/abts-chronologie.html -
Kloster Eberbach:
http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20100918-0017
Kloster Eberbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Eberbach
Lageplan:
http://kloster-eberbach.de/fileadmin/media/Stiftung/Lageplan_Legende_v2_A4_140dpi.pdf
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-422-02166-2
Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach, DKV-Kunstführer Nr. 267, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 20. Auflage 2014, ISBN 978-3-422-02242-3
Yvonne Monsees, Grabmäler im Kloster Eberbach, ein Rundgang, hrsg. vom Freundeskreis Kloster Eberbach e. V., Eltville 2009, ISBN 978-3-00-027060-4
Dagmar Söder: Klosterlandschaft Eberbach. Das Kloster Eberbach als Wirtschaftsbetrieb und seine Spuren in der Rheingauer Landschaft. In: Meier, Johannes (Hrsg.): Klöster und Landschaft. Das kulturräumliche Erbe der Orden. Schriftenreihe des Westfälischen Heimatbundes, Münster, 2010, S. 39-59. Vgl. auch:
http://p7115.typo3server.info/fileadmin/alumni/CampusLandschaft2006/CL_Klosterlandschaft_Eberbach.pdf
Dagmar Söder, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau), hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2013.
Steinheimer Hof:
http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20110316-0021
Dilthey-Haus:
http://www.dilthey-haus.de/images/img/dilthey/dh4.jpg
Domäne Neuhof:
http://de.wikipedia.org/wiki/Domäne_Neuhof - http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=P-TB-20100918-0021
Michael Schnock:
http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Schnock
Abteigeschichte:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/abtei-geschichte.html
Zisterzienser:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/zisterzienser.html
Stiftung Kloster Eberbach:
http://kloster-eberbach.de/kloster/historie/die-stiftung.html
Klosterführer zum Download:
http://kloster-eberbach.de/fileadmin/media/Stiftung/Media/KlosterEberbach_Entdeckungsreise_web_2015-Feb.pdf
Die Zisterzienser - Ordensleben zwischen Ideal und Wirklichkeit, Schriften des Rheinischen Museumsamtes Nr. 10, Rheinland-Verlag, in Kommission bei Rudolf Habelt Verlag GmbH, Bonn, 1980, ISBN 3-7927-0557-5
Jens Rüffer: Die Zisterzienser und ihre Klöster - Leben und Bauen für Gott, WBG Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, Primus-Verlag 2008, ISBN 978-3-89678-618-0
Jean-Francois Leroux-Dhuys, Henri Gaud: Die Zisterzienser - Geschichte und Architektur, Éditions Mengès, Paris 1998, ISBN 2-84459-000-4, H. F. Ullmann Verlag 2007, ISBN 978-3-8480-0359-4

Kloster Eberbach, Klosteranlage (2) - Kloster Eberbach, Klosteranlage (3) - Kloster Eberbach, Grabdenkmäler im Kreuzgang

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2015
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de