Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2192
Innsbruck (Österreich, Bundesland Tirol)

Das Prechthaus (Pfarrgasse 4)

Das Prechthaus in der Pfarrgasse 4 stammt aus dem 15. Jh. Es gehörte, bevor es 1541 von der aus dem Elsaß stammenden Familie Precht erworben wurde, dem Kloster Georgenberg. Gregor Türing baute es im Jahre 1541 für Dr. Basilius Precht um, und dabei entstanden die Reliefs an der untersten Brüstung des dreiseitigen, polygonalen Erkers der fünfstöckigen Fassade. Gregor Türing (-1543) entstammte einer österreichischen Steinmetz- und Baumeisterfamilie, denn auch sein Vater Niklas Türing d. Ä. (-1518) und sein Sohn Niklas Türing d. J. (-1558) waren im selben Metier tätig. Gregor Türing wurde 1509 Meister und stieg in den väterlichen Betrieb ein, den er 1518 ganz übernahm. Auch den Erkerschmuck am Trautsonhaus verdanken wir ihm, und er war auch an anderen Innsbrucker Patrizierhäusern tätig. Direkt unter dem Erker befindet sich der rundbogige Hauseingang.

Die Precht hatten nicht lange Freude an ihrem Haus. Schon im Jahr 1554 kam es an den Tiroler Kanzler Dr. Matthias von Alber zu Albersheim und Ehrentreitz (1493-1562), dann auf seinen Erben Wolfgang, und um 1611 kam das Haus an den Hofvizekanzler Dr. Justinian von Moser-Weylern (1525-1609). Über die Ehe von Ursula von Moser-Weylern mit Hans Ernst von Stachelburg (-1638) wechselte das Prechthaus erneut die Familie. 1678 kam das Prechthaus an Jakob Christof Wagner (1649-1702), der Buchdrucker war. Michael Wagner (-1669) gründete 1639 die Wagnersche Universitätsbuchhandlung (heute Thalia) und wurde Hofbuchdrucker, und nach dessen Tod wurde das Geschäft von Jakob Christof Wagner gekauft. Er führte auch die Druckerei, welche sich bis 1875 in diesem Haus befand. Von Jakob Christof Wagner kam das Haus an seine Nachkommen, und vom letzten derselben, Michael Alois Wagner, an die Familie Schuhmacher, denn der aus Stuttgart stammende Casimir Schumacher war sein Schwager und Buchhalter und seit 1801 auch Firmengesellschafter. Nach dem Erlöschen der Familie Wagner wurde die Druckerei als "k.k. Hof-, Landschafts- und Buchdruckerei" weitergeführt. Heute ist das Prechthaus ein Wohn- und Geschäftshaus. Es gehört seit 1977 dem Uhrmacher und Juwelier Georg Schmollgruber und seinem im gleichen Metier tätigen Sohn Philipp Schmollgruber, der seit 1979 hier auch sein Ladengeschäft betreibt.

Das Relief auf dem mittleren Feld enthält eine prächtig gerahmte Inschriftentafel im Stil der Renaissance mit dem Wortlaut: "SAPIENTER ILLI COGITANT QVI TEMPORIBVS SECVNDIS CASVS ADVERSOS REFORMIDANT ANNO MDXXXXI" - Jene denken weise, die in günstigen Zeiten widrigen Umständen vorbeugen. Die Familie stammt eigentlich aus Schwaben und gehörte in Ravensburg und in Augsburg zum Patriziat. Eine Linie lebte im Breisgau und besaß das Erbküchenmeisteramt des Hochstifts Konstanz. Dr. iur. Basilius Precht wurde Kammerprokurator in Innsbruck, während sein Bruder Georg, vormals Pfleger in der Grafschaft Hohenberg, in Rothenburg ob der Tauber lebte und sein anderer Bruder, Kasimundus Precht, Landsknechthauptmann war. Alle drei wurden zusammen mit ihrem Vetter Hans Georg Precht, Erbküchenmeister des Stiftes Konstanz, am 2.12.1561 von Kaiser Ferdinand I. zu Prag in den rittermäßigen Reichsadel erhoben. Das Prädikat "von Hohenwart" bezog sich auf einen Besitz in Niederbayern, wo die Familie nach Aufgabe des Innsbrucker Hauses hinzog. Später kam wieder ein Familienmitglied nach Innsbruck, als Franz Xaver Eustach von Precht Amtsschreiber der Staatsschuldentilgungskassa und der Landschaftskassa wurde. Die Familie ist mit Hauptzollamtsoffizial Ernst von Precht im 19. Jh. in Bregenz erloschen.

Auf der optisch linken Relieffläche des Erkers ist das gewendete Wappen des Dr. Basilius von Precht zu sehen. Es ist geteilt, oben in Rot drei goldene Rauten, unten golden und ledig, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein goldener Spitzhut mit rotem, mit drei goldenen Rauten belegtem Stulp, aus der Krone an der Spitze ein schwarzer Federbusch hervorkommend (Tinkturen nach Siebmacher). Das Wappen der Precht von Hohenwart wird beschrieben im Siebmacher Band: Tir Seite: 23-24 Tafel: 27 und im Bay Seite: 104 Tafel: 126. Hier ist der Federbusch offensichtlich ein Straußenfedernbusch, im Siebmacher wird ein Hahnenfederbusch beschrieben.

Auf der optisch rechten Relieffläche des Erkers ist das Wappen seiner Frau zu sehen, Barbara Bruckhardt. Sie führt einen Löwen, auf dem Helm ein wachsender Mannesrumpf mit einer Stirnbinde (Hinweise zu Tinkturen willkommen). In den beiden Zwickeln rechts und links des Bogens sieht man zwei schräggestellte, geflügelte Engelsköpfe.

Literatur, Links und Quellen:
Rudolf von Granichstaedten-Czerva: Alt-Innsbrucker Stadthäuser und ihre Besitzer, Band 1-4, Sensen-Verlag, Wien 1962-1966.
Dieses Haus betreffender Auszug:
http://www.austroaristo.com/themen/genealogie/59-gen-chroniken/gra-innsbruckhaus/2628-gra-precht.html
Denkmalgeschützte Objekte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Innsbruck-Innsbruck/L-Z
Hinweistafel am Objekt
Türing: Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), 2. Ausgabe, hrsg. von Rudolf Vierhaus, Band 10. Thies-Zymalkowski, Walter de Gruyter 2008, 914 S., S. 136, online:
https://books.google.de/books?id=-MAlCv4xROAC
Wagnersche Buchdruckerei:
http://www.uvw.at/page.cfm?vpath=verlag/verlagsportraet
Juwelier Schmollgruber:
http://www.schmollgruber.cc/
Ludwig Hohenbühel genannt Heufler zu Rasen: Beiträge zur Geschichte des Tiroler Adels, Jahrbuch Adler 1891, Seite 52-54. Betr. Abschnitt online:
http://www.austroaristo.com/themen/genealogie/62-gen-chroniken/hohenbuehel/3303-heuf-precht-rotenburg.html

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