Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2188
Koblenz-Ehrenbreitstein

Die Kameralhäuser in Ehrenbreitstein

In der Humboldtstraße steht unterhalb der Einmündung der Meesgasse auf der Südseite ein größerer, dreigeschossiger Gebäudekomplex aus kurfürstlicher Zeit (Humboldtstraße 127-130). Es handelt sich um die ehemaligen Kameralhäuser, die als Wohnhäuser für die Hofräte Koch und Scheben in den Jahren 1709-1710 errichtet wurden. Der Architekt war der Hofbaumeister Philipp Honorius von Ravensteyn. Das eine der beiden Häuser wurde 1799 dem Kanzler Eschermann geschenkt. Das andere Haus bewohnten nacheinander der Hofkanzler Münch, der Hofrat Coenen und dessen Erben, bis es ein Herr Mayer-Goetz 1801 kaufte. Ab 1890 nutzten die Kapuzinermönche das Anwesen als Kloster, nachdem die Ordensleitung um 1850 eine Wiederansiedlung in der von der Säkularisation von klösterlichem Leben leergefegten Rheinprovinz beschlossen hatte und um 1861 die Kapuziner wieder in Ehrenbreitstein Fuß gefaßt hatten, 1875 durch die Kulturkampfgesetze wieder aufgelöst worden waren und 1887 wieder zurückkehren durften. Das ehemalige Kloster war zwar Kaserne geworden, aber die Kirche war noch nutzbar, und die Kameralhäuser erwiesen sich wegen der engen räumlichen Nachbarschaft als ideale Behausung. Sie konnten 1888 vom Orden erworben werden. Einst hatte das zwölfachsige Anwesen nur zwei Stockwerke und zwei Zwerchgiebel mit Segmentbogengiebeln. Im Jahr 1890 bzw. 1905 wurde das Doppelhaus umgebaut. Durch den Ausbau der Dachgeschosse zu Vollgeschossen und durch Änderung der Fenster wurde das Ensemble architektonisch verdorben. Die Segmentbogengiebel sitzen jetzt dem dritten Geschoß direkt auf; die einst lebhafte Dachlandschaft ist verloren. 1980 erfolgte eine Modernisierung des Gebäudes. Das Kapuzinerkloster wurde 2008 wegen Personalmangels aufgelöst, das Gebäude kam an die Diözese. Heute ist in dem 2012 außen und innen umfassend renovierten Gebäudeensemble die Rendantur Koblenz des Bistums Trier untergebracht.

 

An diesem Gebäudekomplex findet man insgesamt dreimal das Wappen des Trierer Fürstbischofs Johann Hugo von Orsbeck (regierte 1676-1711), aber in allen drei Fällen ist es nur das stark vereinfachte Wappen, nicht nur ohne Kleinode und Helme, sondern auch ohne die Symbole für Prüm, Speyer und Propstei Weißenburg (Wissembourg/Elsaß). Der Hauptschild zeigt in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz für das Fürstbistum Trier (Kurtrier), der Herzschild zeigt in Gold ein rotes Schragenkreuz, begleitet von vier grünen Seeblättern, das Stammwappen der von Orsbeck. Alle Wappensteine zeigen die ovale Kartusche mit einem Kurhut darüber und einem Krummstab schrägrechts und einem gestürzten Schwert schräglinks hinter dem Wappen.

 

Das erste dieser drei Wappen befindet sich in der Humboldtstraße im rechten Teil des Gebäudeensembles zwischen den Fenstern des ersten Obergeschosses über einer Tordurchfahrt (Abb. ganz oben), das zweite ebenfalls in der Humboldtstraße in der dritten Fensterachse von links, eingefügt in den gesprengten, geschwungenen Giebel des einzigen mit einem solchen versehenen Erdgeschoßfenster (Abb. oben), welches früher einmal der ursprüngliche Eingang war, und das dritte Wappen, welches unrestauriert und beschädigt ist, ist auf der Rückseite zum Hof hin zu finden. Der letztgenannte ist der einzige Stein mit zwar ausgeblichener und abgewitterter Farbe, aber dennoch korrekter Tingierung, während bei den beiden anderen Steinen nicht zwischen silberner und goldener Tingierung unterschieden wurde und statt dessen ein unheraldisches, blasses Gelb für beide Bereiche gewählt wurde, genauso wie der Hermelinstulp der Kurhüte weiß mit schwarzen Schwänzchen sein müßte, ein eindeutiger Restaurierungsfehler, denn auch dort wurde das Blaßgelb verwendet.

 

Literatur, Links und Quellen:
Kulturdenkmäler in Ehrenbreitstein: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmäler_in_Koblenz-Ehrenbreitstein
Geschichte der Kapuziner:
http://www.kapuzinerkirche.ehrenbreitstein.de/3__periode.html
Joachim J. Kneis: Koblenz-Ehrenbreitstein - ein Führer durch die ehemalige Residenzstadt, Garwein-Verlag, Koblenz 2006, ISBN 3-936436-08-8 bzw. 978-3-936436-08-2, S. 51.
Fritz Michel: Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Band 1, Stadt Koblenz, - die profanen Denkmäler und die Vororte, Deutscher Kunstverlag 1954, Nachdruck 1986.
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 3.3 Stadt Koblenz, Stadtteile, bearb. von Ulrike Weber, hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms 2013, ISBN 978-3-88462-345-9, S. 106.

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