Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2169
Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)

Schloß Weikersheim, Wappen im Georg-Friedrich-Zimmer

Das nachfolgende Allianzwappen befindet sich im nördlichsten Raum des ersten Obergeschosses des Küchenbaus (sog. Raum 75, Georg-Friedrich-Zimmer). Es befindet sich oberhalb der Tür zum Korridor und ist aus Holz geschnitzt. Das Ehewappen gehört zu Carl Ludwig Graf von Hohenlohe-Weikersheim und Gleichen (23.9.1674-5.5.1756), Herr zu Langenburg und Cranichfeld, regierender Graf und Herr in Weikersheim, vermählt in erster Ehe am 8.7.1711 in Weferlingen mit Markgräfin Dorothea Charlotte von Brandenburg-Kulmbach (15.3.1691-18.3.1712).

Der Ehemann war der Sohn von Johann Friedrich Graf von Hohenlohe-Öhringen (31.7.1617-17.10.1702) und Luisa Amoena Herzogin von Schleswig-Holstein-Norburg (15.1.1642-11.6.1685). Die Ehefrau war die Tochter von Christian Heinrich Markgraf von Brandenburg-Kulmbach (29.7.1661-26.3.1708) und dessen erster Frau, Sophie Christiane Gräfin von Wolfstein (24.10.1667-23.8.1737). Graf Carl Ludwig und Dorothea Charlotte von Brandenburg-Kulmbach hatten keine Kinder bekommen. Erst in seiner zweiten Ehe mit Elisabeth Friderica Sophia Prinzessin von Oettingen-Oettingen (14.3.1691-14.5.1758) bekam Graf Carl Ludwig einen Sohn geschenkt, Albert Ludwig Friedrich Graf von Hohenlohe-Weikersheim (24.3.1716-9.7.1744), der aber bei einem Sturz mit dem Pferd ums Leben kam und noch vor dem Vater kinderlos verstarb. Das Wappen kann durch dadurch auf die Zeit zwischen 1711 und 1712 datiert werden.

Die ovale, mit einer Laubkrone bedeckte Schildkartusche für Carl Ludwig Graf von Hohenlohe-Weikersheim (23.9.1674-5.5.1756) ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber einwärts zwei rotgezungte, schwarze Leoparden (schreitende, hersehende Löwen) für die Grafschaft Hohenlohe, Feld 2 und 3: geteilt, oben in Schwarz ein einwärts schreitender goldener Löwe, rot gezungt, golden gekrönt, unten golden-schwarz gerautet, für die Herrschaft Langenburg, Herzschild: in Blau ein silberner Löwe, golden gekrönt, Grafschaft Gleichen.

Die ovale, mit einem mit Hermelin aufgeschlagenen Fürstenhut bedeckte Schildkartusche für Dorothea Charlotte von Brandenburg-Kulmbach (15.3.1691-18.3.1712) weist erheblich mehr Felder auf: Ihr Wappen ist zweimal gespalten und viermal geteilt zu insgesamt 15 Feldern. Dieses Wappen wurde in der vorliegenden Form von 1648 bis 1703/1704 geführt und spiegelt die weitreichenden territorialen Umwälzungen im Westfälischen Frieden wieder, durch den bisher heraldisch repräsentierte Territorien wie Rügen verloren gingen und andere Territorien hinzukamen. Der Inhalt Zeile für Zeile, von optisch links oben nach optisch rechts unten:

Diese Felder lassen sich inhaltlich in mehrere Gruppen aufteilen, die nun im Detail erklärt werden sollen. Die erste Gruppe umfaßt das Stammwappen und die ältesten Felder und führt zu den Wurzeln der Markgrafen von Brandenburg, anhand derer auf die unterschiedlichen Linien eingegangen werden soll.

Die zweite Gruppe von Feldern illustriert die Entstehung der brandenburgisch-preußischen Linie der fränkischen Hohenzollern und führt in die große Reichspolitik. Der wichtigste Schritt sowohl zum weiteren Aufstieg der Familie als auch zur weiteren Verschiebung ihres territorialen Schwerpunktes war die Belehnung von Burggraf Friedrich VI. mit der Mark Brandenburg. Das war so bedeutend, daß die Familie sogar ihren bevorzugten Namen änderte: Statt Burggrafen von Nürnberg nannten sie sich nun erstrangig Markgrafen von Brandenburg. Und das war erst der Anfang, der eingeschlagene Weg führte noch weiter nach Osten, nach Preußen, was schließlich zu dem Staat wurde, der alles andere inkorporierte.

Die dritte Gruppe von Feldern ist sehr ähnlich, denn alle enthalten Greifenwappen. Alle vier Felder stehen für Pommern in verschiedenen Aspekten. Davon ist der rote Greif in Silber das älteste pommersche Wappen, und die anderen drei sind von ihm abgeleitet und lediglich farbliche Variationen mit anderer Detailbedeutung. Bereits viel früher, nämlich 1231-1338, hatten die Markgrafen von Brandenburg die Lehenshoheit über Pommern inne. 1338 wurde Pommern zum Reichslehen gemacht, und 1348 wurde die immer noch umstrittene Reichsunmittelbarkeit Pommerns von Kaiser Karl IV. noch einmal bestätigt. Doch es blieb lange eine strittige Frage, ob Pommern nun ein Reichslehen oder ein Lehen Brandenburgs sei. Am 21.3.1465 schlug in Wiener Neustadt wieder das Pendel in die andere Richtung aus, denn Kaiser Friedrich III. (1440-1493) teilt den Prälaten, Grafen, Herren, Rittern, Städten etc. des Herzogtums Stettin die Belehnung des Kurfürsten Friedrich II. und des Markgrafen Albrechts von Brandenburg mit den nach dem Tod Herzog Ottos III. von Pommern-Stettin an das Reich heimgefallenen Herzog- und Fürstentümern Stettin, Pommern, der Kaschuben, Wenden und Rügen mit und befiehlt ihnen aus kaiserlicher Machtvollkommenheit bei Verlust ihrer Rechte und unter Androhung von des Reiches schwerer Ungnade, Kurfürst Friedrich II. und Markgraf Albrecht von Brandenburg als nunmehrigen Herren des Fürstentums Stettin Erbhuldigung zu leisten und ihnen gehorsam zu sein. Doch es kam wieder anders, eine Nebenlinie der Herzöge von Pommern übernahm. 1472/1479 (Prenzlauer Verträge) und 1493 (Vertrag von Pyritz) und noch einmal durch eine Erbverbrüderung 1529 (Vertrag von Grimnitz) erlangte Brandenburg wieder einen Anspruch auf Pommern, der 1530 von Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg bestätigt wurde, wo es zu einer formellen Belehnung der Pommernherzöge Barnim IX. und Georg I. mit Pommern kam. Die Rechtslage war so verworren, daß zeitweise sogar sowohl die Markgrafen als auch die Greifenherzöge mit Pommern gleichzeitig belehnt worden waren, was für langjährigen politischen Zündstoff sorgte. Dieser Anspruch der Brandenburger auf Pommern konnte schließlich 1637 mit dem Aussterben der pommerschen Herzöge eingelöst werden, mehr oder weniger, gemessen an den Verwicklungen des 30jährigen Krieges. Gemäß den Bestimmungen des Grimnitzer Vertrages fiel das Herzogtum an Georg Wilhelm, Markgraf von Brandenburg. Doch bereits 7 Jahre vor seinem Tod hatte Herzog Bogislaw XIV. im Vertrag von Stettin den Schweden die Regierungsgewalt in Pommern nach seinem Ableben versprochen, so daß die Schweden Pommern nicht hergaben. In das markgräfliche Wappen hielt anläßlich der Belehnung mit den Herzogtümern Pommern und Stettin im Jahre 1465 erst einmal nur der rote Greif in Silber Einzug, so daß es vier Felder hatte: Brandenburg, Burggrafentum, Zollern, Pommern, mit einem Herzschild für die Reichserzkämmererwürde. Später kam noch der Stettiner Greif hinzu, und noch später die beiden anderen Greifen. Auch über die Berechtigung zur Führung des pommerschen Greifen gab es Streit, der z. B. im Grimnitzer Vertrag 1529 so gelöst wurde, daß die Brandenburger Markgrafen auch weiterhin die pommerschen Wappen und Herzogstitel führen durften, außer in Anwesenheit der Greifenherzöge. Nach dem Ende des 30jährigen Krieges kam Vorpommern mit Stettin und Rügen an Schweden (Schwedisch-Pommern), und die Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg mußten sich mit Hinterpommern begnügen (Brandenburgisch-Pommern, ab 1701 Preußisch-Pommern). Um die fehlenden Gebiete wurde im Nordischen Krieg gekämpft, 1679 blieb nur ein Streifen an der Oder, 1721 bekam man mehr, und erst 1815 wurde Pommern wiedervereinigt, nun eine preußische Provinz.

Die vierte Gruppe von Feldern ist dem Thema Schlesien und Böhmen/Mähren zuzuordnen. Beide Territorien kamen Ende des 15. Jh. bzw. Anfang des 16. Jh. an die Markgrafen von Brandenburg, und beide waren nicht unumstritten.

Die nächste Gruppe umfaßt die territorialen Zugewinne nach dem Westfälischen Frieden 1648, insbesondere die vier säkularisierten Bistümer bzw. vielmehr die in Fürstentümer umgewandelten Hochstifte Magdeburg, Minden, Cammin und Halberstadt, die anläßlich der friedensbedingten Neuordnung hinzukamen, Bistümer, die der protestantischen Lehre sehr aufgeschlossen waren und teilweise protestantische Administratoren bzw. Bischöfe hatten.

In diesem Allianzwappen von Carl Ludwig Graf von Hohenlohe-Weikersheim und Markgräfin Dorothea Charlotte von Brandenburg kondensieren mehrere Jahrhunderte spannender Geschichte, und der Bogen spannt sich bis zur Ostsee, bis nach Polen, bis nach Schlesien. Diese Felder sind Zeugen gewaltiger politischer und religiöser Umwälzungen. Der beispiellose Aufstieg der Hohenzollern, die Geschichte des Deutschen Ordens, Preußens, Pommerns, Schlesiens, die reformationsbedingte Säkularisierung der Hochstifte, die territorialpolitischen Verwerfungen des 30jährigen Krieges - alles ist in diesen fünfzehn Feldern enthalten, große Reichspolitik, die in der beschaulichen Residenz in der idyllischen Provinz heute so unendlich weit weg erscheint. Und es zeigt auch, wie gerne sich die Weikersheimer Hohenloher mit jemandem verheirateten, der den Glanz der bedeutenderen Geschlechter und der großen Politik nach Weikersheim zu bringen verhieß.

 

Ein weiteres Wappen befindet sich am großen gußeisernen Ofen. Er stammt aus dem 17. Jh., wie noch im oberen Teil mit den spiralförmig gedrehten Säulen gut zu erkennen ist, wurde aber im frühen 18. Jh. umgebaut und "aktualisiert". Dabei wurde die gußeiserne Frontplatte mit der Jahreszahl 1708 eingebaut. Die Reihe von Buchstaben ist die abgekürzte namentliche Zuordnung Carl Ludwig Graf von Hohenlohe und Gleichen Herr zu Langenburg und Cranichfeld (23.9.1674-5.5.1756). Das Wappen folgt inhaltlich dem bei seinem Allianzwappen mit seiner ersten Frau Gesagten, lediglich ergänzt durch zwei Löwen als Schildhalter. Man vergleiche mit einer ähnlichen Platte am Ofen in der Säulenhalle, die ebenfalls auf 1708 datiert ist.

Literatur, Links und Quellen:
Schloß: http://www.schloss-weikersheim.de/
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Menth vom 2.5.2014, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Schloß Weikersheim in Renaissance und Barock, Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe, Staatsanzeiger Verlag (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Mai 2006, ISBN 3-929981-58-0
Carla Fandrey, Schloß Weikersheim, Führer Staatliche Schlösser und Gärten, Deutscher Kunstverlag Berlin München, 2010, ISBN 978-3-422-02239-3, S. 60
Gradmann, Wilhelm: Burgen und Schlösser in Hohenlohe, DRW-Verlag /KNO, 1982
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 566-567
Herrn Wolfgang Willig ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise
Siebmachers Wappenbücher
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992, ISBN 3-7686-7012-0, S. 18-22
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Herzogtum Magdeburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Magdeburg
Minden, Hochstift und Fürstentum
http://de.wikipedia.org/wiki/Fürstentum_Minden - http://de.wikipedia.org/wiki/Hochstift_Minden
Bistum und Fürstentum Halberstadt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Halberstadt
Die Grafen von Zollern:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hohenzollern#Die_Grafen_von_Zollern - http://de.wikipedia.org/wiki/Schwäbische_Hohenzollern - Stammliste: http://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Hohenzollern
Herzogtum Jägerndorf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Jägerndorf
Burggrafschaft Nürnberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burggrafschaft_Nürnberg - http://de.wikipedia.org/wiki/Burggraf - http://de.wikipedia.org/wiki/Raabs_(Adelsgeschlecht)
Mark Brandenburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Brandenburg
Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg, Verlag Böhlau, Köln, 1. Auflage 2007, ISBN-10: 3412171069, ISBN-13: 978-3412171063
Herzogtum Preußen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Preußen
Vereinigung Brandenburg und Preußen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Brandenburg-Preußen
Ingo Materna, Wolfgang Ribbe: Brandenburgische Geschichte, Akademie Verlag, Berlin, 1995, ASIN: B00K6GMM4K
Wappen Pommerns:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_Pommerns
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Lauenburg und Bütow:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lande_Lauenburg_und_Bütow
Warschauer Vertrag:
http://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Vertrag_(1773)
Vertrag von Bromberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Bromberg
Herzogtum Groswin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Groswin
Georg Schmidt: Der Dreißigjährige Krieg, Verlag: C. H. Beck, 8. Auflage, 2010, ISBN-10: 3406606644, ISBN-13: 978-3406606649
[RI XIII] H. 20 n. 114, in: Regesta Imperii Online
http://www.regesta-imperii.de/regesten/13-20-0-friedrich-iii/nr/1465-03-21_3_0_13_20_0_114_114.html
Vertrag von Grimnitz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Grimnitz
Klaus Neitmann, Wolfgang Neugebauer, Michael Scholz: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Verlag Walter de Gruyter, Band 55, 2009, 502 Seiten,
https://books.google.de/books?id=iMMlQPjNfqkC
Hans Branig, Werner Buchholz: Geschichte Pommerns I: Vom Werden des neuzeitlichen Staates bis zum Verlust der staatlichen Selbständigkeit, 1300-1648, Verlag Böhlau, 1997, ISBN 3412071897.
Herzogtum Jägerndorf:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Jägerndorf

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