Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2148
Treis-Karden (Landkreis Mayen-Koblenz)

Treis, Gedächtniskapelle

Von der ehemaligen katholischen Pfarrkirche St. Katharina (ursprünglich St. Castor, im 17. Jh. geändert) in Treis, die bereits 1830 aufgegeben und profanisiert wurde, ist nach diversen Umbauten und Kriegsschäden von 1945 (fast der ganze Ort wurde Kollateralschaden bei der Bombardierung der Moselbrücke) nicht mehr übrig als ihr im 15. Jh. errichteter Chor, der heute als Gedächtniskapelle einen östlichen Anbau des in den 1950ern errichteten Rathauses bildet. Dieser Rest besitzt jedoch ein sehenswertes gotisches Netzgewölbe, figürliche Konsolen und reichgeschmückte Schlußsteine sowie den oberen Teil einer spätgotischen Sakramentsnische, der durch seinen heraldischen Schmuck auf die Stifterfamilie und den amtierenden Fürstbischof hinweist. Darunter befindet sich ein vergittertes Wandtabernakel. Heute wird die Kapelle u. a. für musikalische Aufführungen genutzt.

Ein außen mit sechs Krabben besetzter Kielbogen läuft oben in eine Kreuzblume aus. Seitlich greifen zwei Fialen die Vertikale auf. Unter dem Kielbogen ist ein Schmerzensmann zu sehen. Die obere Zone des Reliefs wird im Hintergrund von Blendbögen mit Blendmaßwerk gegliedert, auf jeder Seite drei und ein angeschnittener Bogen. Dem jeweils mittleren Blendbogen ist, leicht die angrenzenden Felder überlappend, jeweils ein aufrecht gestellter Wappenschild aufgelegt.

Der optisch linke, heraldisch rechte zeigt das Wappen Pyrmont/Ehrenberg. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein roter, rechtsschräger Zickzackbalken (Pyrmont a. d. H. Schönberg/Beaumont), Feld 2 und 3: in Blau ein goldener Schrägbalken, begleitet von mehreren, hier silbernen Lilien, in Feld 2 fünf (2:3), in Feld 3 sechs (3:3) (Ehrenberg). Zur Vereinigung dieser beiden Inhalte kam es durch die Ehe zwischen Cuno von Pyrmont und von Ehrenberg (ca. 1375/1380-1447) und Margaretha von Schönburg auf Wesel (-1439), welche die Erbin der Ehrenburg (bzw. eines Teiles daran) war (vgl. Grabplatten in Karden, dort ausführliche Erläuterungen zur Familie). In dieser gevierten Form ist das Wappen auch am sog. "Schwarzer-Ritter-Kreuz" in Brodenbach angebracht, aber bei weitem nicht so gut erhalten. Hier sind wir aber zeitlich bei den Nachkommen von Cuno und Margaretha, denn durch das gleichzeitig vorhandene Bischofswappen (s. u.) von Johann II. von Baden (1456-1503) wird das mögliche Zeitfenster der Entstehung nach unten begrenzt. Cuno und Margaretha hatten drei Söhne, Heinrich V. von Pyrmont, Herr von Pyrmont und Ehrenberg, vermählt mit Elisabeth von Sombreffe, Johann von Pyrmont, Herr von Pyrmont und Ehrenberg, 1443 Pfandherr zu Alken, Thurandt und Rhens, 1450 pfalzgräflicher Amtmann auf der Ehrenburg, vermählt mit Elisabeth Boos von Waldeck, und Friedrich von Pyrmont, gest. 1492, Herr von Pyrmont und Ehrenberg, vermählt mit Catharina von Eltz. Die Familie erlosch 1524 mit Johann von Pyrmont, einem Enkel des zuvor erwähnten Heinrich V. von Pyrmont. Das Stifterehepaar wird auch auf den Konsolsteinen figürlich dargestellt.

Der optisch rechte, heraldisch linke Schild gehört zum Trierer Fürstbischof Johann II. von Baden (reg. 1456-1503) als Landesherr. Er ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, Fürstbistum Trier, Feld 2 und 3: in Gold ein roter Schrägrechtsbalken, Stammwappen der Markgrafen von Baden. Ein identisches Wappen führte sein Nachfolger aus der gleichen Familie, Jakob II. von Baden (reg. 1503-1511), was aber zeitlich zu spät für die bauliche Entstehung des Chores ist, der in die Mitte des 15. Jh. datiert wird.

Literatur, Links und Quellen:
Genealogie der von Pyrmont in: Walther Möller: Stammtafeln Westdeutscher Adels-Geschlechter im Mittelalter, 1. Band der alten Folge, Darmstadt 1922.
von Ehrenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herren_von_Ehrenberg_(Untermosel)
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Josef Ruland, Treis an der Mosel, Rheinische Kunststätten Heft 102, 2. Auflage 1987, ISBN 3-88094-575-6
Gedächtniskapelle:
http://www.treis-karden-mosel.de/sehenswuerdigkeiten/stkatharina/ (Text aus Rheinische Kunststätten Heft 102)
Treis auf Moseltouren:
http://moseltouren.de/3-cochem-koblenz/3-06-treis-karden/index.html
Rundgang durch Treis-Karden:
http://www.treis-karden-mosel.de/PDF/Treis-Karden.pdf

Karden, Cuno von Pyrmont und Margaretha von Schönburg

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