Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2143
Kiedrich (Rheingau-Taunus-Kreis)

Der Langenhof

In der Kammstraße 3 liegt der sog. Langenhof, nach einem früheren Besitzer benannt. Aufgrund seiner heutigen Nutzung ist er auch als Winzerhaus bekannt. Die Freiherren von Lange(l)n besaßen aber den Hof nur von 1650 bis ins 18. Jh., und sie haben ihn auch nicht erbaut. Davor war das Hofgut Eigentum der von Lindau. 1453 wird hier als Bewohner ein Philipp von Lindau genannt, vermählt mit Lisa von Hochweisel. Philipp von Lindau war 1459-1492 Schultheiß von Kiedrich, und seinem Engagement verdanken wir die spätgotischen Erweiterungen der Pfarrkirche und den Bau der Michaelskapelle. Lindau war eine kleine Herrschaft östlich von Walluf. Die nächste Familie auf diesem Hof waren die Frey von Dehrn, die durch Erbheirat an die Immobilie kamen. Danach ging 1650 der Hof an die Freiherren von Lange(l)n. Von ihnen allen sind keine heraldischen Spuren mehr am Gebäude erhalten, und von den Vorgängerbauten überlebten nur die mittelalterlichen Kellergewölbe.

Caspar Wilhelm Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn kaufte den Hof im 18. Jh. und errichtete das Gebäude vollständig neu. Es wurde ein langgestreckter Bau mit Fachwerkobergeschoß und zwei Türen. Beide Türen haben auf dem Sturz zwischen Tür und Oberlicht ein unter einer Krone aus zwei Ovalschilden zusammengestelltes Ehewappen von Caspar Wilhelm Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn (-11.4.1729), 1674 kurmainzischer Hofgerichtspräsident und 1691 Geheimer Rat, und dessen Frau Odilia Anna Maria von Spieß zu Büllesheim. Diese beiden sind die Eltern des berühmten Architekten Anselm Franz Anton Freiherr von Ritter zu Groenesteyn (15.9.1692-31.5.1765). In der nachfolgenden Abb. ist das Paar vom linken Türsturz zu sehen, in der unteren Abb. das vom rechten Türsturz. Die beiden Personen hatten im Jahre 1691 geheiratet.

Das Wappen der von Ritter zu Groenesteyn ist geviert, Feld 1 und 4: von Gold und Grün geteilt, unten sechs (3:2:1) silberne Kugeln, Feld 2 und 3: in Rot eine goldene, gequaderte Zinnenmauer. Hier werden durch den modernen Anstrich die Tinkturen völlig verfälscht. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: He Seite: 23 Tafel: 25, Band: Pr Seite: 60 Tafel: 77 und Band: Bay Seite: 54 Tafel: 55.

Das Wappen der Spieß von Büllesheim zeigt in Schwarz einen goldenen, gekrönten Löwen, begleitet von fünf goldenen Pilgermuscheln. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu golden-schwarzen Decken ein wachsender, goldener, gekrönter Löwe. Das Wappen wird uneinheitlich beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 66 Tafel: 84 (silberne Muscheln), Band: Pr Seite: 386 Tafel: 434 (goldene Muscheln), im Zobel auf Tafel 57 (silberne Muscheln) und im Westfälischen Wappenbuch (goldene Muscheln).

Das Gebäude gehört heute dem 1893 gegründeten und etwa 30 Mitglieder zählenden Winzerverein Kiedrich, der ältesten Weinbaugenossenschaft im Rheingau, und wird als Gaststätte, Genossenschaftssitz und Vinothek genutzt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Hinweistafel des Fördervereins Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen e. V. am Objekt
Wolfgang Einsingbach, Kiedrich im Rheingau, Rheinische Kunststätten, Heft 4/1973, herausgegeben vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.
Kiedrich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kiedrich
Langenhof: http://www.kiedrich-geschichte.de/cms/front_content.php?idcatart=58&lang=1&client=1
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.

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