Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2131
Limburg an der Lahn (Landkreis Limburg-Weilburg)

Die alte Limburger Lahnbrücke

Im Norden der Limburger Altstadt, wo sich der Dom auf seiner Anhöhe malerisch über der Flußaue erhebt, befindet sich die alte Lahnbrücke mit einer Besonderheit, dem einzigen zumindest im Kern noch alten Brückenturm Deutschlands. Diese steinerne, 107 m lange und 1345 fertiggestellte Brücke ersetzte ab 1315 schrittweise die alte Holzkonstruktion des Vorgängers. Vergleichbare Brückentürme gibt es noch außerhalb Deutschlands, etwa der auf der von Peter Parler ab 1357 errichteten Karlsbrücke in Prag auf der Altstädter Seite oder die Brückentürme von Cahors. Der über dem sechsten Brückenpfeiler stadtauswärts errichtete Brückenturm Limburgs stand weit außerhalb der eigentlichen mittelalterlichen Stadtbefestigung, die am stadtseitigen Ende der Brücke ein weiteres Stadttor besaß, welches aber nicht mehr erhalten ist. Dieser innere Brückenturm wurde 1818 abgebrochen, wie die meisten anderen Wehrtürme der Stadtmauer, so daß dieser Brückenturm zugleich der einzige erhaltene städtische Wehrturm Limburgs ist. Weitere Tore der Stadt waren das Diezer Tor und das Frankfurter Tor. Fast hätte dieser Turm das Schicksal der anderen geteilt, allein Bedenken wegen der Auswirkungen eines Abrisses auf die Stabilität und Statik der Brücke retteten den Turm. So riß man nur eine Brückenkapelle vom Ende des 15. Jh. ab und nutzte den Turm als Gefängnis. Diese Brücke, an der entsprechender Brückenzoll erhoben wurde, war zugleich eine wichtige Einnahmequelle der Stadt Limburg. Finanziert werden konnte die Brücke aber nicht alleine durch die Zollerhebung, dies geschah zusätzlich durch mehrere päpstliche Ablässe. Die Brücke mit heute sechs, einst acht Bögen, davon zwei auf dem Land und sechs über dem Wasser, ging früher nicht komplett durch, sondern außen vor dem Brückenturm befand sich eine Zugbrücke, und durch Hochziehen derselben konnte man den Fahrweg wirkungsvoll unterbrechen. Erst später wurde der steinerne Bogen an dieser Stelle gespannt. Die einzige nennenswerte Zerstörung war die Sprengung gegen das Vordringen der amerikanischen Truppen im Jahre 1945, dabei gingen zwei Bögen kaputt, die bis 1948 wiederhergestellt wurden, dabei wurde die ursprünglich 6,90 m breite Brücke auf 8 m verbreitert. Der heutige Eindruck des Turmes täuscht durch das moderne, niedrige Dach: Die Basis mit den beiden spitzbogigen Durchfahrtsöffnungen und mit den noch erhaltenen Führungsschienen des einstigen Fallgatters auf der Nordseite stammt aus der Bauzeit der Brücke, also aus der ersten Hälfte des 14. Jh., die drei Turmgeschosse wurden jedoch 1543 erneuert, wovon die Datierung des Wappensteines zeugt. Diesen Turm muß man sich mit einer hohen Haube vorstellen, das heutige flache Dach mit dem kleinen Dreiecksgiebel mit Halbkreisfenster stammt aus dem 19. Jh. Instandsetzungsarbeiten fanden 1555, 1657 und zuletzt 1982/83 statt.

 

Über der Durchfahrt befindet sich ein datierter Wappenstein. Er zeigt das Wappen der Herren von Limburg, in Blau ein in zwei Reihen rot-silbern geschachter Balken, begleitet oben und unten von je sieben (4:3) goldenen Schindeln. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-goldenen Decken ein wie der Schild bez. blauer Flug. Das Wappen wird beschrieben im Gruber, bei Zobel auf Tafel 201-202 und im Siebmacher Band: NaA Seite: 7 Tafel: 10 und im Band: Souv1 Seite: 41 Tafel: 87. Die Herren von Limburg waren eine anläßlich einer 1258 durchgeführten Erbteilung entstandene Seitenlinie der Grafen von Isenburg und werden auch als Herren von Isenburg-Limburg bezeichnet. Die Herrschaft Limburg, zu der neben der gleichnamigen Stadt die Vogtei über das St. Georgs-Stift und etliche Dörfer gehörten, war einst Besitz der Leininger, und als diese im Mannesstamm ausstarben, kam es an die Grafen von Isenburg, und dann teilten Gerlach I. und Heinrich II. Grafen von Isenburg das Territorium dergestalt auf, daß Gerlach I. (1227-1289) die Stadt Limburg für sich alleine bekam, und bereits 1247 nannte er sich vorauseilend Herr von Limburg. Die Herren von Limburg lebten auf der alten Burg Limburg, ehe die Kurfürsten kamen. Gerlach II. Herr von Limburg (-14.4.1355), der ab 1312 die Herrschaft innehatte, war es, unter dem die Lahnbrücke errichtet wurde. Erst im 14. Jh. konnten die Trierer Kurfürsten langsam Fuß fassen, weil die Stadtherren wirtschaftlich klamm wurden und die Herrschaft ab 1243 Stück für Stück verpfänden mußten. Gerlach III. starb 1365 ohne Stammhalter an der Pest, und eigentlich war das Geschlecht damit am Ende. Doch es gab noch eine letzte Chance: Johann von Limburg, sein Bruder, war Dompropst in Trier, und er durfte resignieren und als Johann II. von Limburg bis zu seinem Tod 1406 über Limburg herrschen. Doch dann war endgültig Schluß, und Kurtrier übernahm die Herrschaft. Dieses Wappen der alten Stadtherren ist auch im heutigen Kommunalwappen der Stadt Limburg berücksichtigt: In Blau eine silberne Burg mit drei Zinnentürmen, der mittlere Turm unterhalb der Wehrplattform belegt mit einem blauen Schildchen, darin ein in zwei Reihen rot-silbern geschachter Balken, begleitet oben von sieben, unten von sechs waagrechten goldenen Schindeln. Das seit 1908 amtliche Wappen, das die Symbole für Stadtrechte mit dem Herrschaftswappen vereinigt, taucht in dieser Form bereits auf einem Siegel des Jahres 1243 auf. Das Limburger Stadtwappen wird beschrieben im Siebmacher Band: St Seite: 213, 307 Tafel: 231, 296.

 

In der Mitte der Brücke befinden sich zwei Skulpturen, ein Kreuz auf der Westseite und eine barocke Statue des Brückenheiligen Nepomuk auf der Ostseite. Die Inschrift auf dem bis an die Brüstungsoberkante reichenden Sockel, der unten auf 1714 datiert ist, nennt den Stifter: "GOTT UND SEINEM H(EILIGEN) MARTYRER (NEPOMUK) ZU EHREN HAT DIESE(S) BILDNIS MACHEN LASSEN IOH(ANN) PHILIPPUS SCHEUERER DERO ROM(ISCHEN) KAYS(ERLICHEN) MAIEST(AET) POSTVERWALTER IN HEYLBRON(N)". Der Stifter, der kaiserliche Postverwalter zu Heilbronn Johann Philipp Scheurer (1681-1737), dessen Schild einen von zwei voneinander abgekehrten Mondsicheln beseiteten und von drei (2:1) sechszackigen Sternen begleiteten Doppelhaken und dessen Kleinod den Doppelhaken zwischen einem offenen Flug zeigt (Tinkturen unbekannt, Hinweise willkommen), war der Sohn von Johann Theodor Scheurer (1632-1711), Limburger Bürgermeister. Das Original der Nepomuk-Statue steht heute sicher im Stadtarchiv Limburg, die gegenwärtig aufgestellte Figur ist eine neue, 1965 vom Bildhauer Karl M. Winter gefertigte Figur.

Literatur, Links und Quellen:
Herren von Limburg: http://de.wikipedia.org/wiki/Limburg_(Adelsgeschlecht)
Wappen von Limburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Limburg_an_der_Lahn#Wappen
Limburger Lahnbrücke:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?gg=167872244&obj=53176&session=876&event=Query.Details
G. Ulrich Großmann, Limburg an der Lahn, Führer durch die Stadt und ihre Geschichte. 5. Auflage. Trautvetter & Fischer Verlag, Marburg 2000, ISBN 3-87822-114-2.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter", S. 84/85
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.

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