Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2117
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Domkreuzgang zu Würzburg, Philipp Rudolph Heinrich Joseph von Rotenhan

Diese Platte im Würzburger Domkreuzgang ist für den am 4.8.1706 geborenen und am 3.11.1775 verstorbenen Kleriker Philipp Rudolph Heinrich Joseph von Rotenhan. Nachdem sein eigener Bruder, Lothar Franz von Rotenhan, der zuvor in Würzburg Domherr war, resigniert hatte, konnte er diesem am 13.10.1719 als Inhaber dieser Präbende am Domstift nachfolgen. Am 27.6.1736 wurde er ins Domkapitel aufgenommen. Er wurde zudem 1738 Universitäts-Receptorats-Präsident, und vom 10.6.1756 bis zu seinem Tod 1775 war er der neunzehnte Propst des Ritterstifts Comburg.

 

Die Inschrift lautet: "ANNO 1775 DIE 3TIA NOVEMB(RIS) OBIIT P(LURIMUM) R(EVEREN)DUS AC PERILLUST(R)IS DOM(INUS) PHILIPPUS RUDOLPHUS HEINRICUS JOSEPHUS L(IBER) B(ARO) A ROTENHAN ECCLES(IAE) WIRCEBURG(ENSIS) CANONICUS CAPITULARIS ET JUB(ILAEUS) EQUEST(R)IS COMBURGENSIS PRAEPOSITUS ALMA UNIVERSITATIS JULIO DUCALIS WIRCEBURGENSIS RECEPTORATUS PRAESES R(EQUIESCAT) I(N) P(ACE)."

Das zentrale Vollwappen ist das vollständig gewendete Rotenhan-Wappen, in Silber ein schrägrechter (hier durch die Wendung scheinbar schräglinker), roter Wellenbalken, oben links (durch die Wendung jetzt scheinbar oben rechts) begleitet von einem roten, fünfzackigen Stern, auf dem ungekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Hahn (redendes Wappen). Die Helmdecken werden rot-silbern geführt. Die Darstellung ist zeittypisch heraldisch unzulänglich mit viel zu kleinem Helm mit zu engem Hals, außerdem ist der Schild ziemlich schief gehauen.

     

Die Ahnenprobe umfaßt insgesamt acht Schilde, je vier auf jeder Seite. Der erste Schild wiederholt das bereits zuvor beschriebene, auch hier aus Courtoisie gewendete Rotenhan-Wappen und steht für den Vater, Joachim Ignaz Heinrich von Rotenhan, den Großvater väterlicherseits, Georg Wolf von Rotenhan, sowie für dessen Vater, Veit Ulrich von Rotenhan. Der zweite Schild auf der heraldisch rechten Seite steht für die Großmutter väterlicherseits, Margaretha Susanna von Neuhausen, Tochter von Julius Rudolph von Neuhausen. Diese führen in Silber einen roten, doppelschwänzigen Löwen, einen grünen oder schwarzen, gekrümmten Ast haltend bzw. auf ihm reitend. Das Schildbild ist hier gewendet, und der Ast erinnert fast an ein Kammradsegment. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken der Löwe mit dem Ast wie im Schild. Der dritte Schild steht für die erste Urgroßmutter väterlicherseits, Barbara von Heldritt. Ihr Schild ist von Rot, Silber und Blau zweimal gespalten (umgekehrte Reihenfolge kommt auch vor). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein bärtiger Männerrumpf, dessen Gewand wie der Schild tingiert ist, auf dem Kopf eine gestulpte, spitze Mütze, diese in den Schildfarben tingiert (Varianten möglich), oben an der Spitze mit Federn besteckt, Helmdecken rot-silbern oder blau-silbern oder gespalten rot-silbern / blau-silbern. Der letzte Schild der väterlichen Ahnenreihe steht für die zweite Urgroßmutter, Agnes Agatha Voit von Salzburg. Sie führt in Silber einen schwarzen Zickzackbalken mit 5 Spitzen. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre zu schwarz-silbernen Decken ein silberner Spitzhut, der oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt ist, der Hut ist meistens mit dem schwarzen Zickzackbalken des Schildbildes belegt.

     

Nun zu den Ahnen mütterlicherseits: Der oberste Schild der Reihe steht für die Mutter, Maria Amalia Truchseß von Wetzhausen, den Großvater mütterlicherseits, Johann Eitel Truchseß von Wetzhausen, sowie für dessen Vater, Joachim Valerius Truchseß von Wetzhausen. Ihr Wappen zeigt in Gold zwei in je zwei Reihen silbern-rot geschachte Balken. Die hier nicht dargestellte Helmzier zu rot-goldenen Decken bestünde aus zwei wie der Schild bezeichneten Büffelhörnern, dazwischen ein Jungfrauenrumpf in roter Gewandung mit goldenem Zopf und ebensolcher Krone. Der nächste Schild steht für die Großmutter mütterlicherseits, Magdalena Dorothea von Franckenstein, Tochter von Johann Friedrich von Franckenstein. Ihr Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schräg nach innen gestelltes rotes Axteisen mit rechteckiger Stielöffnung, aber ohne Stiel (Franckenstein), Feld 2 und 3: in Gold drei mit den Stielen dreipaßförmig zusammengestellte Kleeblätter oder herzförmige Blätter (von Klee, Clee, Cleen). Der dritte Schild steht für die dritte Urgroßmutter des Klerikers, Martha Amalia von Rotenhan, Inhalt wie oben beschrieben. Der vierte und letzte Schild der mütterlichen Seite steht für die vierte und letzte Urgroßmutter, Anna Maria von Eppe. Ihr Schild zeigt offensichtlich eine nackte, wilde Frau mit einer Blume in der Rechten und einem Ast in der Linken, Tinkturen unbekannt, Hinweise zu Literaturnachweisen willkommen (wenn es sich um die von Eppe aus der Waldecker Gegend handeln sollte, wäre das Schildbild nicht korrekt wiedergegeben, denn die hätten einen schwarzen Affen mit der roten Rose in goldenem Feld).

Eltern:
  • Joachim Ignaz Heinrich von Rotenhan
  • Maria Amalia Truchseß von Wetzhausen (18.10.1682-)

Großeltern:

  • Georg Wolf von Rotenhan
  • Margaretha Susanna von Neuhausen
  • Johann Eitel Truchseß von Wetzhausen
  • Magdalena Dorothea von Franckenstein (-4.9.1714)
  Urgroßeltern:
  • Veit Ulrich von Rotenhan
  • Barbara von Heldritt
  • Julius Rudolph von Neuhausen
  • Agnes Agatha Voit von Salzburg
  • Joachim Valerius Truchseß von Wetzhausen
  • Martha Amalia von Rotenhan
  • Johann Friedrich von Franckenstein (1618-1691)
  • Anna Maria von Eppe (-1.9.1656)

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenwerk
Beschreibung in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 694.
Bistum Würzburg:
http://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Genealogie:
http://www.eberstadt-frankenstein.de/content/dieburg.neu.pdf

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