Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2084
Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)

Die Ahnentafel in der ehem. Hofstube im Schloß (sog. Säulenhalle)

In der ehemaligen Hofstube (sog. Säulenhalle) des Schlosses Weikersheim ist eine Ahnen- und Stammtafel aufgehängt, die die Vorfahren von Anna zu Solms-Lich (12.11.1522-9.5.1594) in fünf Generationen und ihre Nachfahren in einer Generation aufführt. Hintergrund ist, wie die eingerahmte Inschrift links unten erläutert, daß ihr Gemahl, Ludwig Kasimir Graf von Hohenlohe-Waldenburg-Neuenstein (12.1.1517-24.8.1568), der in Neuenstein (mit Döttingen, Forchtenberg, Hollenbach, Kirchensall, Langenlautingen, Michelbach, Zweiflingen und Niedernhall), in Weikersheim, Oehringen und Künzelsau regierte, ab 1558 auch in Langenburg, Kirchberg und Ingelfingen und außerdem kaiserlicher Rat war, für sich und seine Frau eine solche Ahnenübersicht zusammengetragen und in Auftrag gegeben hat und im August 1566 zwei Jahre vor seinem Tod hat "aufrichten" lassen. Die hier aufbewahrte Fassung wurde von Prinz Constantin angefertigt.

Alle Wappen der Ahnentafel sind als Vollwappen ausgeführt, außer wenigen Ausnahmen in den oberen Bereichen, wo die darstellerischen Angaben fehlen. Alle Wappen sind mit Schriftbändern den betreffenden Vorfahren zugeordnet. Unten in der Mitte befindet sich das Wappen für Anna Gräfin von Hohenlohe und Frau zu Langenburg, geborene Gräfin von Solms und Frau zu Münzenberg (12.11.1522-9.5.1594).

Ausschnitt 1: Das Wappen der Grafen von Solms ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein blauer Löwe, rot bewehrt und rot gezungt (Grafen von Solms), Feld 2 und 3: rot-golden geteilt (Herrschaft Falkenstein-Münzenberg). Beide Solms-Felder wenden ihre Löwen aus Courtoisie einander zu. Das Wappen trägt zwei Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein blauer Löwe sitzend zwischen einem goldenen Flug (Solms), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein roter, silbern gestulpter Turnierhut, in dessen Stulp zwei rot-silbern geteilte Fähnchen stecken, der Hut mit goldenem Knopf und Pfauenfederbusch (Falkenstein-Münzenberg).

Ausschnitt 2: Darüber folgt die zweite Generation: Annas Eltern waren Otto I. Graf von Solms-Laubach (11.5.1496-14.5.1522) und Anna von Mecklenburg (14.9.1485-12.5.1525). Das väterliche Wappen ist inhaltsgleich hinsichtlich des Schildes; die Löwen wenden sich beide dem Wappen der Ehefrau zu, aber im Oberwappen wird nur das Solmser Kleinod verwendet, auch dieses aus Courtoisie linksgewendet.

Ausschnitt 3: Das Wappen von Annas Mutter, Anna Herzogin von Mecklenburg (14.9.1485-12.5.1525), ist geviert mit Herzschild, Feld 1: in Gold ein schwarzer hersehender Stierkopf mit Halsfell und ausgestreckter roter Zunge, silbernen Zähnen und Augen, Herzogtum Mecklenburg, Feld 2: in Blau ein goldener Greif, Grafschaft Rostock, Feld 3: in Rot ein silberner rechter Arm, aus einer silbernen Wolke wachsend, einen goldenen Ring mit blauem Juwel haltend, Grafschaft Stargard, Feld 4: in Gold ein schwarzer, schräggestellter Stierkopf ohne Halsfell mit roter Zunge, Fürstentum Wenden. Beide Stierköpfe sind vereinfacht dargestellt. Der mögliche Herzschild für die Grafschaft Schwerin fehlt hier (im Rittersaal ist er, wenn auch falsch, so doch vorhanden). Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken hinter einem Schirmbrett aus golden-rot-blau abwechselnd tingierten Palisaden ein wachsender, schwarzer, golden gekrönter Stierkopf mit silbernen Hörnern und roter Zunge vor einem natürlichen Pfauenfederbusch (Mecklenburg).

Der obige Ausschnitt 4 leitet über in die dritte und vierte Ebene der Ahnentafel, hier zu sehen sind die Wappen und Namen der Großeltern und Urgroßeltern väterlicherseits. In der dritten Ebene sind die Wappen der Großeltern Philipp Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (15.8.1468-3.10.1544) und Adriana Gräfin von Hanau-Münzenberg (1.5.1470-12.4.1524) zu sehen. Neu ist hier das Wappen der Grafen von Hanau-Münzenberg, geviert, Feld 1 und 4: in Gold drei rote Sparren (Grafschaft Hanau), Feld 2 und 3: rot-golden geteilt (Herrschaft Falkenstein-Münzenberg), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Schwan (Grafschaft Hanau).

In der vierten Ebene sind die Wappen der Urgroßeltern väterlicherseits zu sehen, von optisch links nach rechts sind das Kuno (Cuno) Graf zu Solms-Hohensolms-Lich (1420-1477), Walpurga (Walpurgis) Wild- und Rheingräfin von Dhaun (1440-1493), Philipp Graf von Hanau-Münzenberg (1449-26.8.1500) und Adriana von Nassau-Dillenburg-Breda (7.2.1449-11.6.1477). Heraldisch neu hinzugekommen sind die Wappen der Rheingrafen zum Stein, in Schwarz ein silberner Löwe, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein roter, hermelingestulpter Turnierhut, in dessen Stulp zwei silberne Federstöße stecken, und der Grafen von Nassau-Dillenburg, mit geviertem Schild, Feld 1 und 4: in blauem und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreutem Feld ein goldener Löwe, Grafschaft Nassau, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Balken, Grafschaft Vianden, auf dem Helm mit hier schwarz-silbernen Decken (normalerweise blau-golden) ein schwarzer Flug, im unteren Teil silbern und mit goldenen Blättchen besät, eine Variante der Helmzier der ottonischen Linie.

Dieser Ausschnitt 5 ist das Pendant zum vorherigen und zeigt die Wappen und Namen der Großeltern und Urgroßeltern mütterlicherseits. In der dritten Ebene sind die Großeltern Magnus II. Herzog von Mecklenburg-Schwerin (1441-20.11.1503) und Sophia Herzogin von Pommern-Stettin (ca. 1460-26.4.1504) zu sehen. Neu ist das Wappen der Herzöge von Pommern, in Blau ein roter, golden bewehrter Greif (Herzogtum Stettin). Eigentlich steht der pommersche Greif in silbernem Feld, aber Anfang des 16. Jh. wurde nach einer Linienteilung der Greif des Herzogtums Pommern-Stettin unter Verstoß gegen die Farbregel farblich differenziert. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken (hier haben sich die alten Stammfarben erhalten) wird ein naturfarbener Pfauenstoß geführt.

In der vierten Ebene sind die Urgroßeltern mütterlicherseits zu sehen, von optisch links nach rechts sind das Heinrich Herzog von Mecklenburg (1417-9.3.1477), Markgräfin Dorothea von Brandenburg (9.2.1420-19.1.1491), Erich II. Herzog von Pommern-Wolgast (1425-5.7.1474) und Sophia Herzogin von Pommern-Stargard (ca. 1435-24.8.1497, Tafel: 1494). Neu sind in dieser Reihe die Wappen der Markgrafen von Brandenburg, in Silber ein roter Adler, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer, mit Lindenblättchen bestreuter Flug, und das ursprüngliche Wappen der Herzöge von Pommern, in Silber ein roter Greif, die ursprüngliche Farbfassung des pommerschen Greifen, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein naturfarbener Pfauenstoß. Erichs Greif wird hier in einer dritten Farbvariante angegeben, schwarz in goldenem Feld, bei identischer Helmzier. Das geht zurück auf eine 1295 erfolgte Landesteilung in die Herzogtümer Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast, anläßlich der die Wolgaster Linie einen schwarzen Greif im goldenen Feld zur Unterscheidung erhielt. Die nächste Differenzierung fand dann Anfang des 16. Jh. statt, die Hauptlinie behielt das silberne Feld, und das Herzogtum Pommern-Stettin setzte sich farblich vom Herzogtum Pommern durch die Wahl eines blauen Hintergrundes ab. So kommt es, daß wir hier in engster Beziehung zueinander drei verschiedene Varianten des Pommerschen Greifen sehen, je nach Linie.

Der obige Ausschnitt 6 leitet über in die fünfte und sechste Ebene der Ahnentafel, hier zu sehen sind Namen und Wappen von acht Ururgroßeltern und sechzehn Urururgroßeltern väterlicherseits.

Ausschnitt 7: Der erste Teil der Ururgroßeltern listet von links nach rechts die Vollwappen für Johannes V. Graf zu Solms-Lich (-1457), Elisabetha Catharina von Cronberg-Rödelheim (-15.7.1438) und Johann IV. Wild- und Rheingraf zu Dhaun und Kyrburg (1422-30.6.1476) auf, gefolgt von dem für Elisabeth Gräfin von Hanau (1416-20.2.1446). Neu in dieser Gruppe ist nur das Wappen der Herren von Cronberg, geviert, Feld 1 und 4: in Silber 4 (2:2) blaue Eisenhütlein (silbern-blauer pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh), Feld 2 und 3: ledig und rot, auf dem gekrönten Helm mit hier rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein schwarzer Federstoß, wie er vom Kronenstamm geführt wurde, nur die Krone ist nicht im Schild vorhanden. Der Schild ist so korrekt, die Helmzier ist es nicht, denn Elisabeth entstammte dem Ohrenstamm, und die Helmzier müßte aus zwei Ohren bestehen, und die Helmdecken wurden nur rot-silbern geführt. Bei der Anfertigung dieser Tafel wurde übersehen, daß die drei Stämme der von Cronberg drei unterschiedliche Kleinode hatten.

Die oberste Ebene führt die ersten acht Urururgroßeltern väterlicherseits auf und beginnt mit Otto I. von Solms-Braunfels und Agnes von Falkenstein und Münzenberg (-1409). Dies ist eine Schlüsselheirat, die den Grafen von Solms ihren Anteil an der Falkenstein-Münzenbergischen Erbschaft bescherte, denn das Paar wurde am 28.5.1420 Erbe von Lich, Laubach, Hungen und Münzenberg. Ganz frisch hat hier der Ehemann schon das Münzenberg-Feld im Schild, das er erst durch seine Frau bekam. Beim nächsten Paar ist nur der Mann gelistet, und das Wappen der nicht näher bezeichneten Frau ist nicht korrekt. Es handelt sich um Frank XII. von Cronberg, gen. der Reiche, geb. um 1397, gest. 5.3.1461, verheiratet mit Katharina von Isenburg-Grenzau (-21.12.1465). Frank der Reiche war das letzte männliche Mitglied des Ohrenstammes, und seine einzige Tochter Elisabeth (s. o.) brachte solche Gebiete in die Ehe, daß ihr Ehemann mit ihrem Erbe die Linie Solms-Assenheim-Rödelheim begründen konnte. Dann folgen Johann III. Rheingraf vom Stein und Wildgraf von Dhaun (-1428) und Adelheid von Kyrburg und Schmidtburg (-6.10.1438), auch dies eine Schlüsselheirat, die Ländereien und Wappen vereinigte. Das vierte und letzte Paar dieses Ausschnittes sind Reinhard Graf von Hanau (-26.6.1451) und Katharina von Nassau-Beilstein (-6.9.1459).

Neu ist in dieser Reihe das Wappen der Herren von Falkenstein-Münzenberg, geviert, Feld 1 und 4: in Blau ein silbernes Wagenrad, Feld 2 und 3: rot-golden geteilt, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Brackenrumpf zwischen zwei auswärts gestellten Fähnchen an goldenen Stangen, das rechte rot-silbern geteilt, das linke blau mit silbernem Wagenrad. Ebenfalls neu ist das hier nicht korrekt wiedergegebene Wappen der Herren und Grafen von Isenburg-Grenzau, in Silber zwei rote Balken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silberner, mit zwei roten Balken belegter Flug. Hier ist durchweg eine Teilung zu wenig dargestellt, und anstelle die Flügel mit dem Schildmotiv zu belegen, wird der Schild verkleinert dazwischen gestellt. Weiterhin neu ist das Wappen der Grafen von Kyrburg, in Rot drei (2:1) goldene Löwen, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein beiderseits wie der Schild bezeichneter Flug.

Ausschnitt 8: Der zweite Teil der Ururgroßeltern listet von links nach rechts die Vollwappen für Reinhard III. Graf von Hanau-Münzenberg (22.4.1412-20.4.1452), Margarete Pfalzgräfin bei Rhein zu Mosbach (2.3.1432-1457), Johann IV. Graf von Nassau-Dillenburg (1.8.1410-3.2.1475) und Maria von Loon-Heinsberg (1424-20.4.1502). Neu in der Gruppe sind die Wappen, der Wittelsbacher, Herzöge von Bayern, silbern-blau schräggerautet, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken zwei silbern-blau schräggerautete Büffelhörner (hier noch ohne Löwe dazwischen), und der Grafen von Loon-Heinsberg, geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein eigentlich silberner, hier goldener Löwe, von Heinsberg, Feld 2 und 3: gespalten, rechts zu 10 Plätzen von Gold und Rot geteilt, Grafschaft Loon, links in rotem, eigentlich mit goldenen Steckkreuzchen bestreutem (fehlt hier) Feld zwei goldene, voneinander abgekehrte Barben, Grafschaft Chiny. Ein hübscher Knoten verbrämt hier die Tatsache, daß das Kleinod fehlt.

Die oberste Ebene dieses Ausschnittes führt die nächsten acht Urururgroßeltern väterlicherseits auf und beginnt mit Reinhard II. Graf von Hanau (-26.6.1451) und Katharina von Nassau-Beilstein (-6.9.1459), dann kommen Otto I. Pfalzgraf bei Rhein zu Mosbach Herzog von Bayern (-5.7.1461) und Johanna von Bayern (1413-20.7.1444), schließlich Engelbert I. Graf von Nassau-Dillenburg (1370-3.5.1442) und Johanna von Polanen-Wassenaer und Breda (10.1.1392-15.5.1445), zuletzt Johann II. von Loon Herr von Jülich, Heinsberg, Löwenberg und Gennep, Dalenbroich (-24.6.1438), dessen Ehefrau hier nicht angegeben wird, nach der genealogischen Literatur aber Anna von Solms-Braunfels (-1433) war, die wiederum eine Tochter des zuvor auf der selben Ebene in der Ahnentafel genannten Otto I. von Solms-Braunfels und dessen Frau Agnes von Falkenstein und Münzenberg (-1409) war und somit das dort angegebene Wappen gehabt hätte.

Neu ist in dieser Reihe der Wappen lediglich das um den pfälzischen Löwen in den Feldern 1 und 4 eines gevierten Schildes vermehrte bayerische Wappen, das nun den pfälzischen Löwen auch als Kleinod besitzt, das andere Wappen, das neu wäre, nämlich Polanen-Wassenaer, wurde hier nicht ausgeführt, es wäre gespalten, rechts in Silber drei (2:1) liegende schwarze Mondsicheln, Herrschaft Polanen, links in Rot drei silberne, schwebende Andreaskreuze, Herrschaft Breda - so ist es im Rittersaal zu sehen.

Der obige Ausschnitt 9 zeigt das Pendant der fünften und sechsten Ebene mit den Wappen und Namen von acht Ururgroßeltern und sechzehn Urururgroßeltern mütterlicherseits.

Ausschnitt 10: Der dritte Teil der Ururgroßeltern gibt von links nach rechts die Vollwappen für Johann Herzog von Mecklenburg-Schwerin (-16.10.1422) und Katharina von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg, sowie für Friedrich I. Kurfürst von Brandenburg (1371-1440) und Elisabeth Herzogin von Bayern (1383-13.11.1442) wieder. Neu ist in dieser Reihe einzig das sächsische Wappen, eigentlich von Schwarz und Gold neunmal geteilt, hier einmal zuviel, darüber ein grüner, schrägrechter Rautenkranz, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein gekrönter Spitzhut, wie der Schild bez., in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß. Hier wird das einfache sächsische Wappen, nicht das zusammengesetzte für Sachsen-Lauenburg verwendet.

Die oberste Ebene dieses Ausschnittes führt die dritte Achtergruppe von Urururgroßeltern, diesmal den ersten acht mütterlicherseits, auf und beginnt mit Magnus I. Herzog von Mecklenburg-Schwerin (-1.9.1384) und dessen Frau Elisabeth von Pommern (-1377), gefolgt von Erich IV. Herzog von Sachsen-Lauenburg und Sophie von Braunschweig, dann kommen Friedrich V. von Zollern Burggraf von Nürnberg (-21.1.1398) und Elisabeth von Meißen (22.11.1329-21.4.1375), und zuletzt erscheinen Friedrich Herzog von Bayern (-4.12.1393) und dessen Frau Magdalena Visconti aus der Herrscherfamilie Mailands (1366-1404).

Vier Wappen sind in dieser Gruppe neu, zunächst das der Braunschweiger Herzöge, gespalten, rechts in Rot zwei goldene, schreitende, hersehende Löwen, Fürstentum Braunschweig, links in goldenem, mit roten Herzen bestreutem Feld ein rotbewehrter und rotgezungter, blauer Löwe, Fürstentum Lüneburg, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein aufspringendes silbernes Pferd vor einer roten Säule, aus deren goldener Krone ein naturfarbener Pfauenstoß hervorkommt. Dann haben wir den bemerkenswerten Fall, daß Vater und Sohn völlig verschiedene Wappen führen: Bei beiden wird das Zollern-Feld unterschlagen, so daß der Sohn hier nur mit dem brandenburgischen Adler dargestellt wird, der Vater aber nur den Schild der Burggrafen von Nürnberg hat, innerhalb eines rot-silbern gestückten Bordes in Gold ein schwarzer, rotgezungter und -bewehrter Löwe, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter, hermelingestulpter Hut, auf dem ein schwarzer Löwe zwischen zwei rot-silbern gestreiften Büffelhörnern hervorwächst. Die Markgrafen von Meißen werden hier nur mit dem Symbol ihrer Kurwürde im Schild und dem sächsischen Kleinod dargestellt, in schwarz-silbern geteiltem Schild zwei schräggekreuzte, rote Kurschwerter, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein gekrönter Spitzhut, schwarz-golden neunmal geteilt und mit einem schrägrechten, grünen Rautenkranz belegt, in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß, das Ganze zwischen zwei schwarz-silbern geteilten Büffelhörnern. Die Herzöge Visconti führen in Silber eine sich in mehreren Windungen nach oben schlängelnde, blaue Schlange, einen roten (naturfarbenen) Menschen (Knaben) ausspeiend, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken das Schildbild wachsend.

Ausschnitt 11: Der vierte und letzte Teil der Ururgroßeltern in der unteren Ebene der Abbildung gibt von links nach rechts die Vollwappen für Wartislaw IX. Herzog von Pommern-Wolgast (ca. 1400-17.4.1457) und Sophie von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (-1462), gefolgt von Bogislaw IX. Herzog von Pommern-Stargard (-7.12.1446, hier 1466) und Maria von Masowien (hier -1450). Das hier zu erwartende, aus Drache und Adler gevierte Wappen für Masowien fehlt.

In der nächsten Ebene darüber sehen wir die vierte Achtergruppe von Urururgroßeltern, jetzt die letzten acht mütterlicherseits, Barnim VI. Herzog von Pommern-Wolgast (-22.9.1405) und seine hier nicht näher bestimmte Frau namens Veronika von Hohenzollern, dann Erich IV. Herzog von Sachsen-Lauenburg (1354-21.6.1411) und Sophie von Braunschweig, gefolgt von Bogislaw VIII. Herzog von Pommern-Stargard und Sophia von Holstein, zuletzt Herzog Ziemowit IV. von Masowien und Alexandra von Litauen.

Bisher noch nicht aufgetretene Wappen finden wir in dieser Reihe zwei, zum einen das holsteinische Wappen, in Rot ein silbernes Nesselblatt, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken sechs Fähnchen mit dem Schildbild, wobei hier aber durchgehend die Tinkturen vertauscht wurden, zum andern der litauische Reiter bzw. Verfolger, der Vitys, silbern auf rotem Feld.

Ausschnitt 12: Die unterste Zone ist den Nachkommen der Probandin Anna zu Solms-Lich (12.11.1522-9.5.1594) gewidmet, und in diesem Abschnitt wird aus der Ahnentafel eine Stammtafel. Das Wappen ihres Ehemannes Ludwig Kasimir Graf von Hohenlohe-Waldenburg-Neuenstein (12.1.1517-24.8.1568) tritt jedoch auf dieser Tafel nicht in Erscheinung. In einem Halbkreis sind um Annas Wappen insgesamt 12 namentlich zugeordnete Schilde gruppiert, 8 für ihre Kinder und vier für angeheiratete Ehepartner. Alle Kinder führen das gevierte Hohenlohe-Wappen, Feld 1 und 4: in Silber einwärts zwei schwarze Leoparden, das Stammwappen Hohenlohe, Feld 2 und 3: geteilt, oben in Schwarz ein schreitender, gekrönter, goldener Löwe, unten golden-schwarz gerautet, für die Herrschaft Langenburg. Diese ganze Reihe unterscheidet sich stilistisch von der sonstigen Tafel, sowohl hinsichtlich des Weglassens der Oberwappen als auch hinsichtlich der bogenweisen Anordnung als auch hinsichtlich der weniger verspielten Schriftbänder.

Ausschnitt 13: Der erste Sohn der Reihe ist Albrecht Graf von Hohenlohe-Weikersheim (23.5.1543-16.11.1575), der in Weikersheim und Langenburg regierte. Er hatte am 24.2.1566 in Neuenstein Eleonore von Hanau-Lichtenberg (1544-1585) geheiratet, die Tochter von Philipp IV. Graf von Hanau-Lichtenberg (1514-19.2.1590) und Eleonore Gräfin von Fürstenberg (11.10.1523-23.4.1544). Das Paar war kinderlos. Das Wappen der Ehefrau ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold drei rote Sparren, Grafschaft Hanau, Feld 2 und 3: eigentlich innerhalb eines roten Bordes (fehlt hier) in Silber ein schwarzer Löwe, Herrschaft Lichtenberg. Daneben folgt der jung und kinderlos verstorbene Friedrich Magnus von Hohenlohe-Weikersheim (1545-).

Der dritte Sohn der Reihe ist der für Weikersheim so wichtige Wolfgang Graf von Hohenlohe-Weikersheim (14.6.1546-28.3.1610), der 1586 zu Weikersheim regierte, 1606 auch zu Neuenstein und Langenburg. Der Erbauer der Schlösser Weikersheim und Kirchheim hatte in Dillenburg Magdalena von Nassau-Dillenburg (15.12.1547-16.5.1633) geheiratet, die Tochter von Wilhelm I. Graf von Nassau-Dillenburg (10.4.1487-6.10.1559) und Juliana zu Stolberg-Wernigerode (15.2.1506-16.6.1580). Ihr Wappen ist geviert, Feld 1: in blauem und mit goldenen aufrechten Schindeln bestreutem Feld ein goldener Löwe, rot gezungt, golden gekrönt und rot bewehrt, Grafschaft Nassau, Feld 2: in Gold ein roter, hersehender Löwe, blau bewehrt und blau gekrönt, Grafschaft Katzenelnbogen, Feld 3: in Rot ein silberner Balken, Grafschaft Vianden, Feld 4: in Rot zwei goldene, blau bewehrte, hersehende, schreitende Löwen übereinander, Grafschaft Diez. Dieses Wappenpaar wird gefolgt von dem der unvermählt gebliebenen Wandelbar von Hohenlohe-Weikersheim.

Ausschnitt 14: Der nächste der Reihe ist Sohn Philipp Ernst Graf von Hohenlohe-Neuenstein (17.2.1550-6.3.1606). Dieser, der als Student 1561-1563 in Straßburg und 1566-1567 in Tübingen weilte, wurde niederländischer Generalleutnant von Holland, Seeland und Westfriesland. Er hatte am 17.2.1595 auf Schloß Büren Maria von Nassau-Oranien (7.2.1556-10.10.1616) geheiratet, die Tochter von Wilhelm I. Fürst von Nassau-Oranien (1533-10.7.1584) und Anna von Egmond Gräfin von Büren, Leerdam und Lingen, Frau von Ijsselstein, Sint-Maartensdijk, Kortgene, Cranendonck und Jaarsveld (1533-24.3.1558). Letztere war die Erbtochter von Maximilian Egmond Graf von Büren, niederländischer General, Statthalter von Friesland, Groningen und Overijssel und 1540 Generalkapitän der Niederlande. Philipps Sohn war Philipp Moritz Graf von Hohenlohe-Neuenstein. Die Ehefrau führt als Basis und Hauptschild das Wappen von Nassau-Dillenburg wie beschrieben, zusätzlich aber Mittelschild und Herzschild der Oranier: Mittelschild: geviert: Feld 1 und 4: Châlon, in Rot ein goldener Schrägrechtsbalken, Feld 2 und 3: Fürstentum Oranien, in Gold ein blaues Jagdhorn mit roten Beschlägen und ebensolchen Bändern, Herzschild: Grafschaft Genf, in drei Reihen zu neun Feldern golden-blau geschacht. Daneben steht das Wappen für Dorothea Katharina von Hohenlohe-Weikersheim (1551-14.8.1559), sie starb jung und unvermählt.

Hier wird das jüngere Datum der Tafel deutlich: Ludwig Kasimir Graf von Hohenlohe-Waldenburg-Neuenstein (12.1.1517-24.8.1568), der als Initiator der Zusammenstellung in der Inschrift genannt wird, konnte keine Kenntnis von den hier dargestellten Verbindungen haben, denn hier ist mit Maria von Nassau-Oranien eine Person gelistet, die erst am 17.2.1595 geheiratet wurde, Jahre nach Annas und Ludwig Kasimirs Tod.

Der nächste Sohn ist Friedrich Graf von Hohenlohe-Langenburg (27.6.1553-12.4.1590), der ab 1586 zu Langenburg herrschte. Er wurde Landkomtur des Deutschen Ordens und Statthalter der Ballei Thüringen sowie 1587 kursächsischer Oberst. Im Mai 1585 heiratete er in Celle Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg-Celle (19.11.1565-17.7.1621), die Tochter von Wilhelm V. Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Celle (4.7.1535-1592) und Dorothea von Dänemark (1546-1617). Friedrich und Elisabeth hatten eine jung verstorbene Tochter, Dorothea Sophia von Hohenlohe-Langenburg (9.2.1589-29.7.1597). Elisabeths Wappenschild ist gespalten und zweimal geteilt: Feld 1: Fürstentum Braunschweig, in Rot zwei goldene, schreitende, hersehende Löwen (Leoparden), Feld 2: Fürstentum Lüneburg, in goldenem, mit roten Herzen bestreutem Feld ein rotbewehrter und rotgezungter blauer Löwe, Feld 3: Grafschaft Everstein, in Blau ein silberner Löwe, golden gekrönt, rotbewehrt und rotgezungt. Feld 4: Herrschaft Homburg, innerhalb eines eigentlich blau-silbern (hier abweichend) gestückten Bordes in Rot ein goldener Löwe, blau bewehrt und ebenso gezungt, Feld 5: Grafschaft Hoya, in Gold zwei aufgerichtete und nach außen gewendete, schwarze Bärentatzen mit roter Bewehrung, Feld 6: Grafschaft Bruchhausen, geviert: Feld a und d: Alt-Bruchhausen, achtfach silbern-blau geständert, Feld b und c: Neu-Bruchhausen, dreimal rot-silbern geteilt. Zuletzt folgt die als Kind verstorbene Helena von Hohenlohe-Weikersheim (1541-1556); es fehlt in der Aufstellung die früh verstorbene Katharina von Hohenlohe-Weikersheim (1548-1549).

Auch für Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg-Celle gilt, daß Ludwig Kasimir sie nie als Schwiegertochter kennengelernt haben konnte, denn als er selbst verstarb, war seine zukünftige Schwiegertochter noch nicht einmal drei Jahre alt, und geheiratet wurde erst 1585. Auch daran wird deutlich, daß diese Tafel in dieser Fassung nicht unter Ludwig Kasimir entstanden sein kann.

Abb.: Markierung der gewählten Tafel-Ausschnitte in der Reihenfolge der Beschreibung.

Es gibt große genealogische Überlappungen zwischen dieser Ahnentafel und der im Rittersaal. Beide haben sechs Ebenen; diese hier setzt eine Generation früher ein und leitet eine Generation weiter nach hinten, ist also um eine Generation nach hinten versetzt. Während im Rittersaal nur Schilde zu sehen sind, gibt diese Ahnentafel hier Vollwappen mit allen Kleinoden, soweit bekannt. Insgesamt ist bei dieser Ahnentafel die Übereinstimmung mit der genealogischen Literatur besser als bei der von Ludwig Kasimirs Sohn Wolfgang in Auftrag gegebenen Ahnentafel im Rittersaal: Die Eltern werden korrekt ihren Kindern zugeordnet, die Namen, Titel und Lebensdaten stimmen besser, kurzum - dieser Tafel liegt genealogisches Wissen zugrunde, das noch nicht einmal Ludwig Kasimirs Sohn Wolfgang besaß, der seinen Rittersaal sicher nach bestem Wissen und Gewissen ausschmücken ließ. Auch hierdurch wird das jüngere Entstehungsdatum deutlich. Prinz Constantin, der diese Tafel angefertigt hatte, hat seine erheblich besseren Quellen bei der Gestaltung dieser Tafel einfließen lassen, es ist Wissen darin verarbeitet, das der inschriftlich genannte Ludwig Kasimir nicht hatte und nicht haben konnte.

Literatur, Links und Quellen:
Schloß: http://www.schloss-weikersheim.de/
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Menth vom 2.5.2014, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Siebmachers Wappenbücher
Prinz Constantin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Constantin_Prinz_zu_Hohenlohe-Langenburg
Das Haus Solms:
http://de.wikipedia.org/wiki/Solms_Adelsgeschlecht)
Hartmut Platte: Das Fürstliche Haus Solms-Braunfels, Schriftenreihe Deutsche Fürstenhäuser im Börde-Verlag, Werl, 1. Auflage 2002, ISBN 3-9807740-5-8
Pommersche Greifen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_Pommerns

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