Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2081
Schwelm (Ennepe-Ruhr-Kreis)

Haus Martfeld in Schwelm

Haus Martfeld, wörtlich ein sumpfiges Gelände bezeichnend, ist ein Herrenhaus am östlichen Ortsrand von Schwelm mit wechselvoller Geschichte, das seine Wurzeln vermutlich in einem kurkölnischen Burgmannssitz hatte und dessen unterschiedliche Bauteile aus dem 15., 17., 18. und 19. Jh. die völlig unterschiedlichen Rollen widerspiegeln, die dieses Anwesen im Lauf der Geschichte gespielt hat. Das Erzstift Köln hatte in Burg Volmarstein den wichtigsten Sicherungspunkt seiner Besitzungen und Hoheitsrechte zwischen Ruhr und Wupper, und von Volmarstein aus wurde Martfeld im frühen 14. Jh. mit einem Ministerialen besetzt. Die allererste Befestigung befand sich noch nicht in der feuchten Niederung, sondern war eine Turmhügelburg (Motte) östlich der heutigen Anlage. 1324 dehnten die Grafen von der Mark ihren Besitz auf Kosten von Köln aus und erstürmten die Burg Volmarstein. Der Schwelmer Raum war nun märkisch, und auf Martfeld wurden märkische Gefolgsleute eingesetzt.

Ein Ritter Wandhoff ist gegen Ende des 14. Jh. belegt, und unter dieser Familie wurde das Rittergut im 15. Jh. ausgebaut und die Anlage in der Niederung errichtet. 1431 wurde Ritter Heinrich Wandhoff von Graf Adolf IV. von der Mark und Herzog von Kleve belehnt, unter zwei Auflagen: Er solle die Burg ausbauen und bewohnen, und es bestand ein landesherrliches Öffnungsrecht, d. h. das verteidigungsrelevante Haus Martfeld mußte dem Herzog jederzeit als Offenhaus zur Verfügung stehen, um seine landesherrlichen Rechte wahrnehmen zu können. Zu dieser Zeit bestand Martfeld aus nicht viel mehr als einem auf Eichenpfahlgründung erbauten Zweiraumhaus mit Rundturm, und beide Elemente sind heute noch zu erkennen als Teil des Mittelflügels im Osten und stellen die ältesten noch vorhandenen Gebäudeteile dar. Der noch mittelalterliche Rundturm besitzt einen Durchmesser von 8 m und eine Wandstärke von 1.5 m. Das geschieferte Dach desselben mit Laterne ist freilich barock und stammt von 1746. Die Nebengebäude der im 15. Jh. noch schlichten Anlage dürften aus Holz gewesen sein. Im 16. Jh. setzte der Niedergang der Ritter Wandhoff ein: Bedeutungsverlust als militärischer Stützpunkt, Erbstreitigkeiten, Brudermord destabilisierten die Situation, und schließlich ging ihnen Haus Martfeld verloren. 1546 kam Haus Martfeld an die von Ascheberg. Aus dem landesherrlichen Stützpunkt von strategischer Relevanz war ein Adelssitz mit landwirtschaftlicher Nutzung geworden.

 

Im Jahre 1591 hatten die Raitz von Frentz das Rittergut erworben. Über der Tordurchfahrt ist in einer kleinen Aedikula ein Allianzwappen von Adolf Raitz von Frentz (-1642), Sohn von Arnold Raitz von Frentz zu Schlenderhan und Petronella von Baaren zu Schönau, und seiner 1615 geehelichten Ehefrau Johanna von Illmen (-24.4.1632), Tochter von Adolf von Illmen zu Mettinghoven und Elisabeth Waldbott von Bassenheim, zu sehen. Adolf Wilhelm Raitz von Frentz, Fürstlich Pfalz-Neuburgischer Rat und Kämmerer, ließ die ältere Anlage ausbauen und modernisieren und 1618 den Nordflügel errichten sowie 1627 den viereckigen Torturm mit Zugbrücke anstelle des alten Tores erbauen. In Zeiten des 30jährigen Krieges mußte sich die Familie, die stets ein klares Bekenntnis zur katholischen Seite gelebt hatte, ihr Anwesen entsprechend verteidigungsbereit befestigen. Die Öffnungen mit den Rollen zum Hochziehen der über die Gräfte gelegten Zugbrücke sind noch vorhanden, ebenso ist der Falz als Anschlag der Brücke zu erkennen. Der Turmaufbau mit den zwei abgetreppten, geschieferten Stockwerken und der achteckigen, geschweiften Haube ist erst im Barock entstanden. Der aus der Renaissance stammende Wappenstein ist unten mittig auf dem Schriftband datiert. Das Paar hatte an Kindern Ursula Cunigunde Raitz von Frentz (-3.3.1663), Anna Maria Raitz von Frentz, Adolf Wilhelm Raitz von Frentz (-8.4.1659, Epitaph in der Klosterkirche zu Schwelm mit den Wappen der Eltern beider Ahnenreihen), Petronella Raitz von Frentz und Hans Arnold Raitz von Frentz. Der zweitälteste Sohn, Adolf Wilhelm Raitz von Frentz, wurde der Erbe von Haus Martfeld, weil der älteste Sohn eine Bürgerliche geheiratet hatte und enterbt worden war. Mit ihm starb die Schwelmer Linie jedoch aus, und Haus Martfeld kam an einen Neffen.

Das Stammwappen der Raitz von Frentz zeigt in Schwarz ein durchgehendes, goldenes Kreuz, auf dem Helm mit eigentlich schwarz-goldenen Decken wachsend Hals und Kopf eines schwarzen Ochsens mit goldenen Hörnern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Na Seite: 9 Tafel: 9. Später wurde das Wappen anläßlich der Erhebung in den Reichsfreiherrenstand vermehrt mit unterschiedlichen Inhalten für die Linien zu Kendenich und zu Schlenderhan. Das Stammwappen der Herren von Illmen, einem jülichschen Rittergeschlecht, besitzt in Gold einen schwarzen, mit drei silbernen Kugeln belegten Balken, auf dem Helm mit eigentlich schwarz-goldenen Decken wachsend der wachsende Rumpf eines goldenen Hundes mit schwarzem, beringtem, mit drei silbernen Kugeln belegtem Halsband. Das Wappen der von Illmen oder auch von Illem wird bei Anton Fahne, Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter, auf S. 185 abgebildet, mit dem Hinweis, daß es auch in den Tinkturen golden/schwarz/golden beschrieben und schwarz/golden/silbern gefunden wird.

 

Am Nordflügel befindet sich ein weiterer Wappenstein (Abb. oben links) des gleichen Bauherren-Ehepaares, auf 1618 datiert, nur aus den beiden an mehreren Ringen aufgehängten Schilden bestehend, und im Gegensatz zu dem Wappen am Torturm nicht farbig gefaßt, aber dafür namentlich mit "FRENS" und "ILLEM" zugeordnet.

Nach den Raitz von Frentz kam Haus Martfeld 1659 im Erbgang erst an die Stael von Holstein, die den Besitz wirtschaftlich ruinierten, dann wurde das Gut 1724 schuldenhalber an den Hildesheimer Domherr Adolf Arnold von Gysenberg verkauft, dann kam es auf dem Erbwege an Adolf Carl von Brüggeney gen. Hasenkamp, der den Besitz 1745 verkaufte. Die auf 1746 datierte Wetterfahne (Abb. oben rechts) auf dem Rundturm verweist mit ihren Initialen "IPH" und "MMW" auf den nun nachfolgenden Besitzer, nämlich auf Johann Peter Hochstein (1682-1759), ein bürgerlicher Kaufmann aus Barmen und Wuppertal, vermählt mit Maria Margaretha Wichelhausen (1697-1771). Diese beiden Eigentümer verwandelten nun das einst wehrhafte Wasserschloß in einen barock überformten Landsitz. Der ursprüngliche Wehrcharakter blieb zwar durch die Belassung der beiden Türme erhalten, doch es entstand durch den Bau des neuen Südflügels (Abb. unten) und den 1755 erfolgten Abriß des Westflügels eine auf der Westseite offene Dreiflügelanlage, und der Innenhof öffnet sich nun zum Garten. Der Mittelteil erhielt in der Mittelachse einen typisch bergischen Dachaufsatz mit geschwungenem Giebel und verschieferter Front. Insofern ist Haus Martfeld eine Kuriosität unter den westfälischen Rittersitzen, als die baulichen Charakterzüge, die ihm etwas Symmetrisches, Großzügiges, Schloßartiges verleihen, ausgerechnet unter seinen bürgerlichen Besitzern entstanden sind und eigentlich der bergischen Bürgerhausarchitektur entstammen. Und die Rolle als gesellschaftliches und kulturelles Zentrum geistiger Geselligkeit mit Künstlern und Literaten und sogar als Zufluchtsort vor der Revolution geflohener französischer Aristokraten erwarb Haus Martfeld unter bürgerlicher Regie.

1839 kam Haus Martfeld wieder in adeligen Besitz. Die Familie Wichelhausen, Erben der Hochstein, hatte das Anwesen an Friederike von Elverfeldt verkauft. Zeugnisse davon finden wir etwas abseits: Die unter altem Baumbestand gelegene, lt. inschriftlicher Datierung 1860 erbaute Martfelder Grabkapelle ist ein neugotisches Bauwerk von Diözesanbaumeister Vincenz Statz, einem wichtigen Neugotiker im Rheinland. Die Kapelle verfiel in der zweiten Hälfte des 20. Jh. und wurde zudem durch unsachgemäße An- und Zubauten verschandelt. Erst dem Engagement des Schwelmer Verschönerungsvereins, der im Zuge der Sanierung Eigentümer des Gebäudes wurde, des Vereines für Heimatkunde und der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz ist es zu verdanken, daß dieses denkmalgeschützte Gebäude, wenn auch weitaus jünger und unbedeutender als das Herrenhaus, das dennoch ein wichtiger Bestandteil des Gesamtensembles ist, in Privatinitiative saniert und wiederhergestellt wurde. Die wiederhergestellte Kapelle wird als Veranstaltungsraum für Lesungen, Konzerte und kleine Ausstellungen genutzt. Im Spitzbogenfeld über der Tür befindet sich ein neugotisches Allianzwappen (Abb. unten) der auch hier begrabenen Bauherrin, Freifrau Friederike von Elverfeldt (-1872), Ehefrau von Ludwig Freiherr von Elverfeldt (14.6.1793-2.3.1873). Ein weiteres, aus Ton gefertigtes Paar von Wappensteinen gleichen Inhalts, aber mit den entsprechenden Kleinoden, befindet sich im Innern des Heimatmuseums im Herrenhaus (Abb. oben, Wappensteine ohne Abb.) in der westlichen Dielenwand.

Das Wappen der von Elverfeldt füllt den heraldisch rechten Schild an der Kapelle und zeigt in Gold fünf rote Balken. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein rot gekleideter Mannesrumpf mit golden aufgeschlagener und mit drei Straußenfedern, einer roten zwischen zwei goldenen, besteckter Mütze zwischen goldenen, mit je fünf roten Balken belegten Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben im Westfälischen Wappenbuch, im Siebmacher Band: PrGfN Seite: 6 Tafel: 3 und Band: Han Seite: 6 Tafel: 6, im Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums von Dr. H. Grote sowie im Ostpreußischen Geschlechterbuch, Bd. 1, 1928, außerdem bei Otto Hupp, Münchener Kalender 1934. Dieses alte rheinisch-westfälische Geschlecht stammt von den Herren von Eppendorf (Heppendorf bei Köln) ab. Angehörige der Familie waren kurkölnische Vögte auf der Burg Elberfeld im Tal der Wupper, und deshalb nahmen diese eigentlich von Eppendorf heißenden Vorfahren im 13. Jh. den Namen von Elverfeldt an. Ludwig Freiherr von Elverfeldt, Sohn von Ludwig Freiherr von Elverfeldt und Julie Edle von Scheibler (8.8.1800-14.6.1860), Herr zu Canstein, hatte eine militärische Karriere gemacht und war preußischer Premierleutnant und bekam die Kriegsmedaille 1813/14. Weitere Güter in seinem Besitz waren Steinhausen, Dahlhausen, Hove, Horst, Adorf und Reckenberg. Seine wirtschaftliche Grundlage bildeten daneben etliche Bergwerksanteile, so an den Zechen Trappe, Adler, Schlebuscher Erbstollen, Dachs und Grevelsloch, Neue Mißgunst. Daneben hatte er auch Salinenanteile. Das zweite Wappen ist das der Herren von Schwachenberg, das Geburtswappen von Freifrau Friederike von Elverfeldt, gemäß Westfälischem Wappenbuch in Blau zwei in drei Reihen von Blau und Silber geschachte Balken, wobei diese Struktur nicht zu erkennen ist, dazwischen zwei goldene Sterne (im Westfälischen Wappenbuch und in der Diele des Herrenhauses sind es jedoch Rosen). Die hier nicht dargestellte Helmzier können wir im Foyer des Herrenhauses sehen, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein goldener Stern (im Westfälischen Wappenbuch ist es eine Rose) oben angestemmt zwischen zwei goldenen Büffelhörnern.

Nach den von Elverfeldt besaßen ab 1885 die von Hövel, erst Balduin von Hövel, dann dessen Sohn Johannes, Haus Martfeld, und letzterer verkaufte es wegen Kinderlosigkeit 1954 an die Stadt Schwelm. Damit waren die von Hövel die letzten adeligen Besitzer des Rittergutes. Das Haus wurde umfassend saniert, und 1962 hielt das Heimatmuseum im Mittel- und Südflügel Einzug, und auch das Stadtarchiv befindet sich hier im Südflügel. Der 2002 neu eröffnete Nordflügel besitzt das Museumscafé mit Restaurant und einem Tagungsraum. Die ehemaligen Parkanlagen sind zur Freizeitanlage mit Spiel- und Sportplätzen geworden.

Literatur, Links und Quellen:
Gerd Helbeck, Haus Martfeld, westfälische Kunststätten, Heft 14, Herausgeber: Westfälischer Heimatbund Münster, in Verbindung mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege Münster, Druck- und Verlagshaus Bitter, Recklinghausen 1981
Haus Martfeld:
http://wiki-de.genealogy.net/Haus_Martfeld und http://www.schwelm.de/Das-Rittergut-Haus-Martfeld.113.0.html und http://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Martfeld
Rundgang durch das Museum:
http://www.schwelm.de/Rundgang-durch-das-Museum.112.0.html
Raitz von Frentz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Raitz_von_Frentz
Genealogie Raitz von Frentz:
http://www.raitz-von-frentz.de/tng/familygroup.php?familyID=F134&tree=rvf und http://www.raitz-von-frentz.de/tng/getperson.php?personID=I347&tree=rvf, basierend auf Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e.V., Band V, Heft 4/5, Juni/August 1927 
Martfelder Grabkapelle:
http://www.nrw-stiftung.de/projekte/projekt.php?pid=349
von Elverfeldt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Elverfeldt_(Adelsgeschlecht)
von Elverfeldt:
http://www.elverfeldt.de/
von Elverfeldt:
http://www.rambow.de/die-freiherren-von-elverfeldt.html
Eduard Aander-Heyden: Geschichte des Geschlechtes der Freiherren von Elverfeldt. Baedeker, Elberfeld:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-97793 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/3429677 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/3430440 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/3430041
W. Serlo, Bergmannsfamilien XXI, in: Glückauf Nr. 48 S. 1490, http://delibra.bg.polsl.pl/Content/11703/Vol67_No48.pdf
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums, Braunschweig.
Ostpreußisches Geschlechterbuch, Bd. 1, 1928.

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