Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2079
Würzburg (Unterfranken)

Das Franziskaner-Kloster in Würzburg

Das Würzburger Franziskanerkloster ist eine nach außen eher unscheinbare Klosteranlage zwischen Franziskanerplatz, Neubaustraße und Franziskanergasse, wobei der Zugang auf der Westseite des Ensembles in letzterer liegt. Der Norden des damals vor der Erweiterung am südlichen Rand der mittelalterlichen Stadt gelegenen Ensembles wird durch die Klosterkirche gebildet, die drei anderen Flügel schließen das Geviert um den Kreuzgang. Das Kloster kann auf eine lange Tradition zurückblicken, denn es wurde 1221 noch zu Lebzeiten des Ordensstifters Franz von Assisi (-1226) unter Führung von Caesar von Speyer mit Unterstützung des Würzburger Fürstbischofs Otto von Lobdeburg (regierte 1207-1223) als eines der ersten deutschen Franziskanerklöster gegründet, und eigentlich nie formal aufgehoben, auch wenn durch die Säkularisierung 1803 ein faktisches Aussterben vorgesehen war. Die berühmte Bibliothek wurde zugunsten der Universitätsbibliothek geplündert, wertvolle Bilder nach München verschafft. Die Neuaufnahme von Novizen war verboten worden, und der Konvent dünnte infolgedessen bis auf zwei Patres aus, der Ordenseintritt wurde aber 1839 vom bayerischen König Ludwig I. wieder erlaubt, so daß die franziskanische Tradition an diesem Ort eine ungebrochene, fast 800jährige ist. Die erste Bleibe wurde schnell zu klein. Das erste Kloster an dieser neuen Stelle wurde 1249 bezogen;, der Bau der zugehörigen, groß dimensionierten Kirche wurde 1250 päpstlich genehmigt und sogar 1257 durch einen entsprechenden Ablaß mitfinanziert, wodurch sie bis 1280 fertiggestellt werden konnte. Sie war für damalige Verhältnisse, insbesondere in Relation zum nie besonders mitgliedsstarken Konvent, riesig und konnte geschätzt ein Sechstel der damaligen Würzburger Bevölkerung aufnehmen.

 

1574 kümmerte sich Julius Echter um die Renovierung und ließ einen Kostenvoranschlag für die Reparatur des Kirchendaches erstellen. Bis 1576 war der Schaden behoben. Es war eine erste, aber bei weitem nicht die letzte Baumaßnahme dieses Fürstbischofs an Kloster und Kirche. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617) förderte die Franziskaner, deren Kirche Ort der Gründungsfeierlichkeiten für die Würzburger Universität am 2.1.1582 war. Einige Räume wie der Valentinussaal dienten auch zeitweise als Hörsaal. Er ließ auch die baufällige Anlage erneuern, wobei 1614-1646 das gotische Kirchenschiff neu eingewölbt und gedeckt wurde, desgleichen wurde der frühgotische Kreuzgang 1611-1612 nun eingewölbt und mit Konventsgebäuden überbaut, außerdem entstand die Valentinskapelle 1612-1613 neu, und auch die Konventsgebäude wurden ausgebaut, wobei auch der östliche Flügel verlängert wurde und einen Saal erhielt. Im Zuge dieser umfangreichen Baumaßnahmen entstand auch 1613 dieses Portal mit einem Sandsteinrelief mit der Darstellung der Stigmatisation des hl. Franz von Assisi (Auftreten der Wundmale Christi am 17.9.1224), angefertigt von Michael Kern d. J. in Dettelbach und dann per Schiff auf dem Main nach Würzburg verbracht. Hoch über dem Portal ist eine Statue des Hl. Kilian. Kloster und Kirche wurden im Zweiten Weltkrieg schwerst beschädigt und nach fast vollständiger Zerstörung vereinfachend bis 1950/52 wieder aufgebaut. Zum Altbestand gehört neben diesem Portal von 1612 (zwar nur in rudimentärem Zustand und stark erneuert) der gerade abgeschlossene, kreuzrippengewölbte Chor von vier Jochen Tiefe.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (regierte 1573-1617) über dem Mauerportal zwischen Kirche und Konvent ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Das Wappen wird vollständig mit drei Helmen geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, rechts schräglinks, links schrägrechts, Stammkleinod der Echter von Mespelbrunn, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau (Reihenfolge kann variieren) zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Hinter dem Schild sind außen schrägrechts das gestürzte Schwert und schräglinks der Krummstab zu sehen.

In der Franziskanergasse befindet sich ein weiterer, nicht farbig gefaßter Wappenstein des selben Fürstbischofs, als Spolie eingemauert in der die Gasse östlich begrenzenden Bruchsteinmauer, zu finden nahe der Einmündung in die Neubaustraße, gegenüber dem Parkhaus. Ein weiterer Wappenstein dieses Fürstbischofs ist im Gewölbe der Valentinuskapelle (ohne Abb.).

Literatur, Links und Quellen:
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Erich Schneider, Franziskanische Tradition seit fast 800 Jahren, in:
Klöster in Bayern: http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail?id=KS0447 - Geschichte: http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail/geschichte?id=KS0447
P. Alexander Büchner OFM, Franziskaner-Minoritenkloster in Würzburg, in: Bavaria Franciscana Antiqua II, Landshut 1954, S. 87-136
Konrad Eubel, die 700jährige Niederlassung der Franziskaner-Minoriten in Würzburg, in: Franziskanische Studien 9, 1921, S. 1-47
Franziskanerkloster:
http://www.franziskanerkloster-wuerzburg.de/
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 294-296.

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