Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2073
Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis)

Turm des Münsters St. Johannes Baptist

Der Turm des Münsters St. Johannes Baptist erhebt sich an der Südseite des Chores. Er ist von außergewöhnlicher Höhe und wurde nach der ersten Fassung mehrfach aufgestockt. Er besitzt insgesamt sieben Stockwerke. Bis zum sechsten Stockwerk inklusive ist der Querschnitt quadratisch, dann folgt eine Balustrade ringsum, während der Turm noch ein weiteres Stockwerk mit achteckigem Querschnitt weitergeführt und mit einer Zwiebelhaube abgeschlossen wird. In der Gestaltung der einzelnen Geschosse ist die Baugeschichte ablesbar, so haben die vier untersten Etagen Friese mit dichten Rundbogenstellungen, im vierten Stock Kleeblattfenster, im fünften gotische Spitzbogenfenster mit zwei lanzettlichen Untereinheiten und Maßwerk. Im sechsten Stockwerk kommen breite Spitzbogenfenster. Die Aufstockung mit dem allerletzten Stockwerk läßt sich auf 1593 datieren, als Hochmeister Maximilian III. von Habsburg den Turm um 56 Fuß erhöhen ließ. Sogar die Baukosten sind überliefert: 1218 Gulden und 3 Heller. Der Bauherr ließ nämlich in den Knopf des Daches eine Urkunde legen, in der er seine Maßnahme dokumentierte, und als 1633 die Helmstange ausgebessert wurde, wurden die Urkunden ausgetauscht. Des Bauherrn Wappen ist oben am Aufsatz angebracht, genau genommen sind es sogar drei Wappen von drei Personen entsprechend ihrer Hierarchie: Hochmeister, Landkomtur und örtlicher Komtur.

 

Bei dem oberen, erzherzoglich gekrönten Schild handelt es sich um das Wappen des Deutschordenshochmeisters Maximilian III. von Habsburg, Erzherzog von Österreich (lebte 12.10.1558-2.11.1618, Hochmeister 1590/95-1618). Er war der Sohn von Kaiser Maximilian II. (31.7.1527-12.10.1576) und Maria von Spanien (21.6.1528-26.2.1603), letztere die Tochter von Kaiser Karl V. (24.2.1500-21.9.1558) und Isabel von Portugal (4.10.1503-1.5.1539). Ein vergleichbares Wappen hängt am Kirchturm in Gelchsheim, weitere dieses Typs sind auf Burg Neuhaus zu finden. Es ist wie folgt aufgebaut:

Nach Maximilian III von Habsburg, Erzherzog von Österreich, folgten im 17. Jh. noch etliche weitere Habsburger als Hochmeister nach, nämlich Karl von Habsburg, Erzherzog von Österreich (Hochmeister 1618-1624), Leopold Wilhelm von Habsburg, Erzherzog von Österreich, Fürstbischof von Passau, Straßburg, Halberstadt, Olmütz und Breslau (Hochmeister 1641-1662) und Karl Joseph von Habsburg, Erzherzog von Österreich, Fürstbischof bzw. Bischof von Passau, von Olmütz, von Magdeburg, Halberstadt, Straßburg und von Breslau, Statthalter der Spanischen Niederlande (Hochmeister 1662-1664).

Unter diesem Hochmeisterwappen sind noch zwei weitere Wappen von Ordensrittern zu sehen. Optisch links ist das von Volprecht von Schwalbach (-1602). Dieser wurde 1563 Komtur auf Burg Horneck und 1586 Landkomtur der Ballei Franken, außerdem war er Komtur zu Ellingen und Nürnberg. Der mit dem Deutschordensschild unterlegte Schild zeigt in Rot drei silberne Ringe schrägbalkenweise; die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar silbern-schwarz geteilter Büffelhörner mit roten Ohren, die jeweils mit den drei silbernen Ringen belegt sind.

Das dritte und letzte Wappen gehört zu Johann Eustachius von Westernach auf Kronburg, zur Erbauungszeit Komtur, später 1618-1624 Landkomtur der Ballei Franken und noch später selber Hochmeister des Deutschen Ordens. Der mit dem Deutschordensschild unterlegte Schild zeigt in Silber einen golden gekrönten, schwarzen Wolf (Schöler S. 113, Tafel 87); die hier nicht dargestellte Helmzier wäre der gekrönte Wolf sitzend, die Decken je nach Quelle schwarz-silbern (Siebmacher), blau-silbern (Scheiblersches Wappenbuch) oder rot-silbern (Aschaffenburger Wappenbuch).

Literatur, Links und Quellen:
800 Jahre Deutscher Orden, Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens, Ausstellungskatalog, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München 1990, ISBN 3-570-07434-x und 3-570-06676-2.
Die Hochmeister der Residenz Mergentheim, Heft 15 der Schriftenreihe der Vereinigung zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens e.V. und der Historischen Deutschordens-Compagnie Bad Mergentheim e.V., 1997
Julius Hartmann und Eduard Paulus der Jüngere, Beschreibung des Oberamts Mergentheim,
Kohlhammer, Stuttgart 1880: http://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Mergentheim/Kapitel_B_1
Hochmeister Maximilian von Habsburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_III._(Vorderösterreich)
Heinz Noflatscher, Maximilian, Erzherzog von Österreich, in: Neue Deutsche Biographie, Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 511 f., online: http://www.deutsche-biographie.de/sfz59387.html

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