Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2065
Schwaz in Tirol (Österreich, Bundesland Tirol)

Die Heiliggrabkapelle der Burg Freundsberg über Schwaz

Südöstlich von Schwaz liegt auf einem Bergkegel, der etwas abgesetzt vom Hauptgebirgszug steht, die relativ kleine, aber hübsche Burg Freundsberg in malerischer Position (Burggasse 55). Sie besteht aus zwei Hauptelementen, im Süden befindet sich der mächtige, ca. 20 m hohe, fünfgeschossige Bergfried mit einem Eingang in 3 m Höhe, und im Norden steht eine für Burgverhältnisse überdimensionierte Kirche, wohingegen man eigentliche Wohngebäude vermißt. Das hat seinen Grund darin, daß der alte gotische Palas einst zur Kirche umgebaut wurde. Die wenigen Verbindungsbauten aus dem 15. bzw. 16./17. Jh., die den winzigen Burghof umstehen, fallen in der Wahrnehmung kaum ins Gewicht. Nördlich dieser Kirche steht etwas tiefer am Hang die Heiliggrabkapelle (Schmerzenskapelle) mit Stukkaturen und Fresken aus der Bauzeit, um deren heraldischen Schmuck es in diesem Artikel vorrangig gehen wird; sie steht im Bereich einer hier geräumigen Vorburg, die diese nur leicht abfallende Seite des Hügels sicherte, von der aber nicht mehr viel übrig ist. Viele Besitzer hat diese Burg in malerischer Lage seit ihrer Erbauung gehabt: Die seit 1122 urkundlich in Tirol nachweisbaren Herren von Freundsberg (Frundsberg), Ministerialen der Grafen von Andechs und danach der Tiroler Landesfürsten, waren die ersten Eigentümer, und die Burg war ihr Stammsitz und im 13. Jh. ihr freies Eigengut. Unter ihnen erlebte Schwaz einen großen wirtschaftlichen Aufschwung durch den 1409 beginnenden Silberbergbau. Die Herren von Freundsberg erwarben oder bauten etliche Burgen und feste Schlösser in der Umgebung und emanzipierten sich im komplexen Herrschaftsgefüge jener Zeit durch Schaffung von steinernen Tatsachen, und diese Familie gehörte sogar zum Spitzenfeld der damaligen burgengründenden und burgenbauenden einstigen Dienstmannengeschlechter, die dadurch selbst zu ernstzunehmenden Mitspielern im Prozeß der Herrschaftsbildung wurden. Die Burg wirkt zwar klein, aber von hier aus wurde einst über die reichen Silbervorkommen eine riesige Quelle von Macht und Reichtum kontrolliert. Von der ersten Burg, wohl ein einfacher Wohnturm aus romanischer Zeit, ist nichts mehr zu sehen außer dem untersten Drittel des Bergfriedes, bis zum Wechsel der Art des Mauerwerks, denn 1230 ff. wurde die Burg komplett erneuert, wobei der Wohnturm durch Aufstockung zum Bergfried wurde, typisch aus dieser Bauphase sind die Tuffsteinblöcke an den Kanten. Berthold von Freundsberg verkaufte 1319 die Burg an Heinrich König von Böhmen und nahm sie von ihm wieder zu Lehen. Aufgrund des Silberbergbaus geriet Schwaz immer mehr in den Focus der landesherrlichen Interessen, und schließlich verkauften Ulrich und Hans von Freundsberg unter gewissem politischen Druck 1467 das Burglehen an Erzherzog Sigmund den Münzreichen und kauften sich statt dessen die Herrschaft Mindelheim in Schwaben, und dort wurden sie unter der Schreibweise Frundsberg bekannt. Der berühmte Feldherr Georg von Frundsberg war Ulrichs Sohn und kam 1473 in Mindelheim zur Welt.

Erzherzog Sigmund baute die Burg 1472-1475 um, wobei das oberste Drittel des Bergfriedes mit seinen Erkern entstand, gemauert aus Ziegeln und Bruchsteinen, und nutzte sie als Jagdschloß. So kann man am Bergfried anhand des Mauerwerk gut die Entstehungsphasen ablesen, unten die gerundeten Quader der Romanik, dann die sorgfältig gehauenen Blöcke der Gotik mit den Tuffsteinkanten, und schließlich das verputzte Mauerwerk geringster Qualität ganz oben aus der Spätgotik. Auch Maximilian I. weilte ab und zu zur Jagd hier. Danach wechselten die Besitzer durch Verpfändung (nun eine andere Art der Geldbeschaffung) der kleinen landesherrlichen Burg häufig: 1507 kam sie an die Stöckl, 1516 an die Spaur, 1569 an die Kastner, 1614 an die Burglechner (der Tiroler Kartograph und Geschichtsschreiber Matthias Burglechner ließ 1634-1637 den verfallenen Palas mit der Burgkapelle zu einer einzigen großen Schloßkirche vereinigen, wobei die Dankbarkeit über das Ende der Pestepidemie Anlaß war), 1652 an die Praun und 1709 an die Tannenberg (diese ließen am Nordhang 1688 die Heiliggrabkapelle errichten), alle als Pfandnehmer, und 1788 kam die Burg zurück an den Landesfürsten, 1812 an die Pfarre und 1939 an die Stadt Schwaz. Zu Beginn des 19. Jh. schwankte man, ob man die Burg abreißen sollte, glücklicherweise entschied man sich für die Restaurierung, im wesentlichen der Intervention von Kronprinz Ludwig von Bayern zu verdanken. 1966 erfolgte eine weitere Restaurierung, und seitdem dient die Burg als Museum.

Bei dem aufgemalten Allianzwappen im Dreiecksgiebel handelt es sich um das Wappen für Joseph Anton Ignaz Graf von Tannenberg Freiherr von Tratzberg (14.6.1709-7.11.1791) und seine Frau Maria Anna Leopoldine Josepha Theresia Johanna Philippina Gräfin von Starhemberg (1716-1781). Joseph Anton Ignaz Graf von Tannenberg war der Sohn von Johann Joseph Ignaz Freiherr Tannauer von Tannenberg (9.6.1669-17.7.1721) und dessen Frau Elisabeth Marie Helena Margarethe Freiin von Risenfels. Maria Anna Leopoldine Josepha Theresia Johanna Philippina Gräfin von Starhemberg war die Tochter von Adam Franz Joseph Anton Erasmus Graf von Starhemberg (1682-1.5.1742) und dessen Frau Maria Antonia Freiin von Ulm-Ehrbach (-18.9.1753). Das einzige Kind dieser beiden mit dem Allianzwappen hier Verewigten war Ignaz Maria Joseph Graf von Tannenberg Freiherr von Tratzberg (15.8.1743-27.12.1810), der erst am 21.11.1765 in Schwaz Maria Theresia v. Sarnthein und danach Victorie von Taxis-Bordogna heiratete.

Heraldisch rechts befindet sich das Wappen der Grafen von Tannenberg, es ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Blau zwei goldene, je mit einer schwarzen Kugel belegte Schrägbalken, dazwischen ein goldener Stern (wegen Tratzberg), Feld 2 und 3: in Rot auf einem schwarzen Dreiberg drei aufrechte, goldene, beiderseits gestümmelte Baumstämme, auf jedem Gipfel einer (Stammwappen Tannauer von Tannenberg), gekrönter Herzschild: in Silber eine rote, zweitürmige Burg (redendes Wappen, wegen Rottenburg am Inn). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: OÖ Seite: 432 Tafel: 108, Band: Tir Seite: 16 Tafel: 19, Band: Bö Seite: 176 Tafel: 77. Eine weitere Abbildung findet sich bei Tyroff jeweils in den Bänden Bayern, höherer Adel deutscher Bundesstaaten, österreichische Monarchie und gräfliche Häuser der österreichischen Monarchie.

Das Stammwappen war nur das Feld 2, in Rot auf einem schwarzen Dreiberg drei aufrechte, goldene, beiderseits gestümmelte Baumstämme, dazu wurde auf dem Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-goldenen oder rot-silbernen Decken ein wachsender Mannesrumpf in schwarzem Rock und mit schwarzer oder silberner Leib- und silberner oder auch roter Kopfbinde geführt. Ein erster Wappenbrief datiert aus dem Jahre 1433, als Kaiser Sigmund dem Friedrich Tannauer - so der ursprüngliche Name der Familie - aus einem alten Tiroler Gewerkengeschlecht zu Schwaz einen solchen ausstellte. Selbiger wurde am 28.5.1493 von Kaiser Maximilian den Brüdern Andree (Andreas), Martin und Simon Tannauer (Tannawer) bestätigt.

Kaiser Leopold I. erhob am 19.5.1685 den Gewerken und Schmelzherren Georg Tannauer mit dem Prädikat "von Tannenberg" in den erbländisch-österreichischen Adelsstand. Johann Tannauer von Tannenberg wurde vom gleichen Kaiser am 14.7.1692 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Damit war eine Wappenbesserung verbunden. 1704 wurde Johann in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen. Das freiherrliche Wappen von 1692 bildet die zweite Entwicklungsstufe, dieses war gespalten, rechts das Stammwappen, links in Blau zwei goldene, je mit einer schwarzen Kugel belegte Schräglinks(!)balken, dazwischen ein goldener Stern. Dieses Wappen wurde mit zwei Kleinoden geführt, Helm 1 (rechts) trug zu schwarz-goldenen Decken das Stammkleinod, Helm 2 (links) trug zu rot-silbernen Decken vier Straußenfedern blau-schwarz-golden-blau.

Am 5.12.1727 erlangte die Familie den oberösterreichischen Herrenstand, und am 4.7.1737 wurde der oberösterreichische Hofkammerrat Joseph Anton Ignaz Freiherr von Tannenberg (also der von der Kapelle!), zusammen mit seiner Mutter Elisabeth Helene und seinen Schwestern Josepha Maria Helena, Maria Anna und Maria Elisabeth in den erbländisch-österreichischen Grafenstand mit dem Recht auf die Anrede "Hoch- und Wohlgeboren" erhoben. Die dritte Entwicklungsstufe, die wir damit hier an der Kapelle sehen, ist das seit 1737 geführte gräfliche Wappen. Die bisherigen beiden Motive wurden in einen gevierten Schild gesetzt, die Richtung der Balken wurde umgedreht, und der Herzschild kam neu hinzu. Dieses gräfliche Wappen, hier in einer ovalen Kartusche ohne Oberwappen, wurde optional mit drei gekrönten Helmen geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender Mannesrumpf in schwarzem Rock und mit schwarzer Leib- und silberner Kopfbinde (Stammkleinod) zwischen zwei rot-silbern geschachten, außen mit naturfarbenen Pfauenfedern besteckten Büffelhörnern, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wie Feld 1 bezeichneter, geschlossener Flug, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken fünf abwechselnd rote und goldene Straußenfedern.

Die Grafen von Tannenberg waren Freiherren von Rottenburg am Inn, Herren von Kampan, Liebeneich, Grienberg, Schönwert und Tratzberg, 1804-1846 waren sie Erbland-Jägermeister in Tirol, beginnend mit dem K. K. Landeshauptmann in Tirol, Ignaz Graf von Tannenberg, danach ging das Amt an die Grafen von Thun über. Die 1812 auch im Königreich Bayern bei der Grafenklasse immatrikulierte Familie ist mit dem kinderlosen Alois von Tannenberg (-11.12.1846) im Mannesstamm erloschen.

Heraldisch links befindet sich das Wappen der Grafen von Starhemberg, es ist ebenfalls geviert mit Herzschild: Feld 1: silbern-rot gespalten (Grafen von Schaunberg und Julbach im bayerischen Landkreis Rottal-Inn, Motiv Neu-Schaunberg), Feld 2: in hier nur dreimal, üblicherweise fünfmal silbern-rot geteiltem Feld ein blauer Sparren (Grafen von Schaunberg, altes Stammwappen, Motiv Alt-Schaunberg, auch Julbach zugeschrieben), Feld 3: in Rot ein gestürzter silberner Anker ohne Stock, durch dessen Ring meist ein goldenes oder silbernes Seil geschlungen ist (übernommen von den von Pettau, Feld für die Herrschaft Ankenstein bzw. Anchenstein bei Pettau), Feld 4: in Gold eine golden gekrönte, verschlungene, schwarze Schlange (Stammwappen der von Pettau, denen auch die Herrschaft Wurmberg gehörte), Herzschild: silbern-rot geteilt, oben ein wachsendes, blaues Pantier (Stammwappen Starhemberg).

Das Stammwappen der Familie zeigt in Silber ein aus einem roten Schildfuß wachsendes, rot bewehrtes, blaues, rot feuerspeiendes Pantier, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsendes, rot bewehrtes, blaues, feuerspeiendes Pantier, der rote Rückenkamm besteckt mit silbernen Büscheln. So wird es bei Conrad Grünenberg und bei Otto Hupp im Münchener Kalender 1902 abgebildet. Weitere Darstellungen des Wappens finden sich im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 441, dort ist das Pantier jeweils golden gekrönt, und die Helmdecken sind blau-rot. Weitere Beschreibungen sind im Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 199 Tafel: 85, Band: OÖ Seite: 390 Tafel: 100-101, Band: Un Seite: 597 Tafel: 423, Band: NÖ2 Seite: 199-200 Tafel: 84-85, Band: SteiU Seite: 199 Tafel: 10 und Band: SchlA3 Seite: 57 Tafel: 33 sowie im Band Fürsten zu finden.

Zu diesem gräflichen Wappen würden drei gekrönte Helme gehören, Helm 1 (Mitte): Stammhelm (Starhemberg), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei silbern-rot übereck geteilte Büffelhörner (eigentlich Hifthörner), in der Mitte mit verschlungenen goldenen oder silbernen Schnüren verbunden (Neu-Schaunberg, zu Feld 1), Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wie Feld 2 bez. Flug (Alt-Schaunberg, obwohl früher ein Schirmbrett geführt wurde, zu Feld 2).

Die seit 1467 im Freiherrenstand befindliche Familie, ein altes oberösterreichisches Herrengeschlecht, erwarb anläßlich einer 1530 erfolgten Heirat zwischen Erasmus von Starhemberg (-1560), Sohn von Bartholomäus von Starhemberg (-19.4.1531) und Magdalena von Losenstein (-1523), und Anna Gräfin von Schaunberg, Tochter von Georg III. Graf von Schaunberg (1472-1554) und Genovefa von Arco, u. a. die Herrschaften Schaunberg und Eferding in Oberösterreich, ferner Mistlbach, Peuerbach und Erlach, was am 23.7.1559 zu einer Wappenbesserung um die Symbole der 1559 mit Annas Bruder Wolfgang II. von Schaunberg (1512-11.6.1559) erloschenen Grafen von Schaunberg (Hauptschild und die beiden äußeren Helme) und der Verleihung des Prädikates "zu Schaunberg" führte. Die gleichnamige Stammburg der Schaunberger, heute eine Ruine, stand im Hausruckviertel in Österreich ob der Enns. Eferding hatten die Grafen von Schaunberg 1367 vom Fürstbischof von Passau käuflich erworben. Sie hatten eine gewisse Sonderstellung und Unabhängigkeit, was mehrfach Anlaß zu politischen und militärischen Unterwerfungsbemühungen seitens der Habsburger war, so z. B. 1380-1390 in der Schaunberger Fehde und 1548 durch Verlust der Reichsstandschaft.

Das Wappen der Grafen von Schaunberg wird beschrieben im Siebmacher Band: OÖ Seite: 322 Tafel: 85, Band: NÖ2 Seite: 38 Tafel: 11, Band: OÖ Seite: 780 Tafel: 162 und Band: Souv4 Seite: 33 Tafel: 30. Die Zuordnung der Bedeutung der einzelnen Felder ist in der Literatur oft unübersichtlich bis willkürlich, was daran lag, daß die Schaunberger zwei verschiedene Motive führten, ein älteres und ein jüngeres, und dann beide in geviertem Schild kombinierten, um dann noch später wieder jedes Feld nur einmal abzubilden (Feld 1 und 2) und die neu erworbenen Pettauer Inhalte in die Felder 3 und 4 zu positionieren, als das Geschlecht der steiermärkischen von Pettau in der Friedauer Linie im Mannesstamm erlosch und die Grafen von Schaunberg die Erbgüter Ankenstein und Wurmberg, Friedau, Rosegg und Wartbert erbten und ebenso das Marschallamt. Das Wappen Pettau findet man übrigens auch einzeln z. B. im Stifterfenster im Chor der Stiftskirche Viktring, mit dem Wurm im Schild und dem Anker als Helmzier.

Das ältere Wappen der Schaunberger ist das mit den Teilungen und mit dem darübergelegten Sparren. Zu Beginn des 14. Jh. erlangten sie den 1316 erstmals verwendeten Grafentitel, was mit der Wahl des deutschen Königs 1314 zusammenhing, als die Schaunberger Bundesgenossen von König Friedrich wurden. Zeitnah zu diesen Ereignissen wurde nun ein gespaltenes Wappen mit zwei Motiven geführt. Eine Ähnlichkeit zum Wappen der Grafen von Hohenberg-Haigerloch ist unverkennbar, die Farben, das Kleinod - nur hatten diese eine Teilung, die Schaunberger eine Spaltung. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang, vor allem, weil Graf Chunrat (Konrad) von Schaunberg (-7.6.1353) mit Alhaid (Adelheid) von Haigerloch (-23.2.1333) vermählt war. Später wurde das zu einem gevierten Schild, dann kamen die Pettauer Inhalte hinzu. Waren in den Wappen der Schaunberger die Hifthörner noch als solche zu erkennen, wurden daraus unter den Starhemberger Büffelhörner, die Bänder wurden zu Zierschnüren im Zwischenraum.

Die Familie von Starhemberg erlangte am 21.2.1634 den erbländischen Grafenstand, am 27.2.1643 den Reichsgrafenstand (böhmische Bestätigung am 25.6.1643) und in einer Linie am 18.11./12.12.1765 den Reichsfürstenstand, wobei der Begünstigte der k. k. Geheimrat, Staats- und Konferenzminister Georg Adam Graf von Starhemberg war. Die Familie hatte seit dem 6.3.1717 das Erblandmarschallamt in Österreich ob und unter der Enns inne. Das Incolat in Böhmen erwarb die Familie am 4.8.1667 und das ungarische Indigenat am 17.6.1647, 16.7.1655 für Johann Richard und 1723 für Thomas Gundakar Guido, Konrad, Maximilian, Gundakar und Franz Josef Grafen von Starhemberg.

Vom vermehrten Wappen wurden noch viele weitere und weiter gebesserte Versionen geführt, in denen u. a. das Pantier in der erhobenen Rechten einen lorbeerumwundenen Degen, in der gesenkten Linken einen vom Rumpfe getrennten Türkenschädel beim Schopfe hält und in denen sich im unteren Platz des Herzschildes ein von der kaiserlichen Krone überhöhter Buchstabe "L" für Leopold befindet, auch solche mit gänzlich anderem Inhalt in Feld 1, nämlich mit dem Wiener Stephansturm hinter einer Bastion aufragend, mit Mond und Stern.

Das sind alles Gnadenzeichen, Bezug nehmend auf die Verteidigung der Landeshauptstadt Wien gegen die türkischen Belagerungsheere durch Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg (12.1.1638-1701), Sohn von Konrad Balthasar Graf v. Starhemberg Freiherr auf Schönbüchel (-1687) und Anna Elisabeth Freiin v. Zinzendorf (-28.9.1659). Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg hatte schon 1664 unter Montecuccoli gegen die Türken gekämpft und war kaiserlicher Kämmerer, Generalfeldmarschall, Staats- und Conferenz-Minister und auch Ritter des Goldenen Vlieses, 1680 wurde er kaiserlicher Feldmarschall und Kommandant von Wien und trug 1683 erheblich zur Rettung Wiens bei. Ein entsprechendes kaiserliches Wappenbesserungsdiplom datiert vom 28.11.1686, wobei im Schild erst einmal nur das gekrönte "L" hinzukam, auf dem Schild aber eine höchst verwunderliche Konstruktion jenseits allen guten heraldischen Geschmacks kam: Hinter einer Krone ragen strahlenförmig fünf Pfauenfedern hervor, und dahinter erhebt sich - ohne heraldischen Helm - der Stephansturm, neben dem filigranen Turmhelm Mond und Stern schwebend, und das eigentliche Starhemberger Pantier wächst aus der Turmbrüstung, mit den genannten Zutaten, außerdem ist das Pantier grün und linksgekehrt. Dieses dem Befreier Wiens gewährte Wappen mit seiner abenteuerlichen Konstruktion im Oberwappen ging nach dem Erlöschen seiner Linie auf seinen Schwiegersohn, Franz Wolfgang Anton Joseph Eustach Graf v. Starhemberg (30.7.1691-9.5.1743) über, der Graf Ernst Rüdigers Tochter, Maria Antonia Theresia Rosalia Monika Gräfin v. Starhemberg (5.5.1692-27.12.1742) geheiratet hatte.

Im fürstlichen Wappen wurde auf diese abenteuerliche Konstruktion zugunsten eines Wappenmantels verzichtet, Bastion und Turm kamen in Feld 1.

Literatur, Links und Quellen:
Wilfried Bahnmüller, Burgen und Schlösser in Tirol, Südtirol und Vorarlberg, Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten, Wien, Linz 2004, ISBN 3-85326-333-X, S. 30-32.
Schloß Freundsberg:
www.freundsberg.com
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www.tibs.at/burgen/burgen_schlosser_tirol/freundsberg.htm2012
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http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Freundsberg
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http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1516
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http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=200
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http://www.freundsberg.com/freundsberg/index.php
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http://www.freundsberg.com/freundsberg/freundsberg-web.pdf
Schloß Freundsberg:
http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schlösser/Tirol/Freundsberg
Schloß Freundsberg:
http://www.wehrbauten.at/trl/freundsberg/freundsberg.html
Schloß Freundsberg:
http://burgenkunde.at/tirol/t_schloss_freundsberg/t_schloss_freundsberg.htm
Grafen von Tannenberg:
http://www.coresno.com/index.php/adelslexikon/2136-lex-tannenberg
Grafen von Tannenberg: Sighard Graf Enzenberg, Geschichte der Tiroler Familien Enzenberg und Tannenberg, Tratzberg 1961.
Grafen von Tannenberg: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser 1842-1874 und 1875.
Grafen von Starhemberg:
http://www.coresno.com/index.php/adelslexikon/1492-lex-starhemberg
Grafen von Starhemberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Starhemberg
Genealogie Starhemberg:
http://genealogy.euweb.cz/austria/starhemb1.html
Grafschaft Schaunberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schaunberger
von Pettau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pettau_(Adelsgeschlecht)
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Grafen von Starhemberg: Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser, Band 1 (1951)
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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