Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2041
Gaukönigshofen (Landkreis Würzburg, Unterfranken)

Die Schutzengelkirche in Gaukönigshofen

Am nordwestlichen Ortsrand steht in Gaukönigshofen die katholische Pfarrkirche Hl. Schutzengel und St. Jakobus Major, weithin sichtbar auf einer kleinen Anhöhe (sog. "Dom vom Gau"). Es handelt sich um einen barocken Saalbau mit eingezogenem Chor und mit einem im Westen angesetzten Chorflankenturm mit eleganter Bekrönung. Die Kirche wurde nach Plänen des Tiroler Architekten Mathias Kolb errichtet, der neben Anderen auch an der Würzburger Residenz arbeitete. Die Hauptfassade weist nach Süden und ist klar durch Pilaster gegliedert. Der Bau ist 1724-30 entstanden, der Außenbau noch unter dem Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten, die Innenausstattung schon unter seinem Nachfolger, unter dem die Kirche auch am 13.5. /14.5.1730 geweiht wurde. Bei der Weihe fehlte noch Vieles, u. a. besaß der Turm noch keinen Helm. Die Innenausstattung wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten noch weiter ergänzt und vervollkommnet. Im Zentrum der Fassade befindet sich eine Figur der Maria Immaculata aus der Werkstatt von Johann Georg Auwera mit Lilie in der Rechten vor einer Muschelnische. Ganz oben wird die Fassade bekrönt von einer vergoldeten Schutzengelstatue mit Kind.

   

Über dem Südportal befindet sich in einem oben gesprengten Segmentbogengiebel das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten (amtierte 1724-1729), es ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Rot zwei goldene Schrägbalken, Stammwappen der Hutten von Stolzenberg und Frankenberg, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg. Auf dem Schild liegt ein hermelingefütterter Fürstenhut, schrägrechts ist das gestürzte Schwert hinter dem Schild, und schräglinks hinter dem Schild befindet sich der Krummstab.

Zusätzlich zum Fürstenhut wird das Wappen mit drei Helmen geführt (was eigentlich nicht den klassischen Konventionen entspricht, denn entweder nimmt man einen Ranghut oder Helme, nicht aber beides zusammen), aber mit einer nicht unerheblichen Abweichung vom Erwarteten: Helm 1 (Mitte): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, für das Herzogtum zu Franken, Helm 2 (rechts) und Helm 3 (links): auf einem Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten an goldenen Schäften, Helmdecken rot-silbern, für das Hochstift Würzburg. Das eigentliche Stammkleinod der Familie des Fürstbischofs fehlt, das wäre ein wachsender bärtiger Männerrumpf, rot gekleidet mit goldenen Aufschlägen, auf dem Kopf eine mit drei Hahnenfederbüschen an der Spitze und im Stulp geschmückte Spitzmütze mit Aufschlag, Helmdecken rot-golden. Statt dessen werden die Straußenfedern mit den Fähnchen zweimal dargestellt.

Unter diesem Wappen ist im Gebälk über der Tür ist die Bauinschrift eingeschlagen: "HAEC CONSTRVCTA DEI CASTAE GENITRICIS HONORI ERIGITVRQVE AEDES SANCTE IACOBE TIBI ANNO QVO MITRA DONANS NEO PRAESVLIS HVTTEN ET PATRIS ORNABAT FILIA TERRA CAPVT". Die rot hervorgehobenen Buchstaben ergeben als Chronogramm das Baujahr, und zwar sowohl die ersten beiden Zeilen für sich als auch die letzten beiden Zeilen für sich: C + C + V + C + D + I + I + I + C + I + I + I + V + V + D + C + I + C + I + I und V + M + I + D + V + L + I + V + I + I + L + I + C + V = 100 + 100 + 5 + 100 + 500 + 1 + 1 + 1 + 100 + 1 + 1 + 1 + 5 + 5 + 500 + 100 + 1 + 100 + 1 + 1 und 5 + 1000 + 1 + 500 + 5 + 50 + 1 + 5 + 1 + 1 + 50 + 1 + 100 + 5 = 1010 + 715 = 1725 und 1567 + 158 = 1725. Die Inschrift erwähnt auch den Baubeginn im Amtsantrittsjahr des damals neuen Fürstbischofs (das Jahr, in dem ihm die Mitra gegeben wurde).

   

Abb. links: Portal der nach Süden gerichteten Hauptfassade mit Figurennische darüber. Abb. rechts: An der östlichen Längsseite springt ein Anbau hervor, der niedriger als das Kirchenschiff ist. An dessen Südseite ist über dem die Skulpturengruppe schützenden Pultdach ein älterer Wappenstein eingelassen, datiert auf 1614. Es handelt sich um die Bautafel des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617). Der über der Bauinschrift zu sehende Wappenschild ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau (hier fälschlicherweise weiß) eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg.

Die Bauinschrift lautet: "Bischoff Julius im Regiment / Löblich das Vierzigst Ja(h)r Vollen(de)t / Bringt wi(e)der die Religion / Und mit hülf seines underthan / Thuet er die Kirch(e) Zi(e)r(e)n u(n) Restauri(e)r(en) / Das Pfarrhaus auch ga(n)z Neu (a)ufführ(e)n / Dotiert die Pfarr(e) aus Vatters treiu / Dessen Gott ewiger Lohner sey / 1614". Wie an so vielen Bauten, die unter diesem Fürstbischof errichtet wurden, ist auch diese Widmungsinschrift in schlichten deutschen Reimen abgefaßt, und zusammen bilden diese Baugedichte eine höchst bemerkenswerte Gattung in der Epigraphik der Region, weder inhaltlich noch formal von höherem literarischen Anspruch, eher holprige Knittelverse, doch durch ihre Fülle des Auftretens und die immer ähnliche Thematik (1. Aufzählung der Bauten des bischöflichen Auftraggebers, 2. Wiedereinführung des katholischen Glaubens - hier bringt er sie wieder, also war der Ort zum Protestantismus gekommen, 3. Treue des Landesherrn, 4. lange Zeit der Regierung - hier im 40sten Jahr der Regierung, 5. Ausstattung der Pfarrei mit Geld - hier dotiert er die Pfarrei, 6. Beschwörung von Gottes ewigem Lohn etc.) eine bemerkenswerte Besonderheit der Region, welche die Bautätigkeit dieses Bischofs auf bemerkenswerte Art im Stile einer gereimten Huldigung dokumentiert. Es gibt unzählige dieser Tafeln, alle sind sich ähnlich, doch keine zwei sind identisch.

Ein weiteres Wappen ist innen am Hochaltar zu sehen, es gehört zum Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn, der die Innenausstattung der unter seinem Amtsvorgänger errichteten Kirche vollendete (ohne Abb.).

Literatur, Links und Quellen:
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 Seiten.
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 91-99
http://de.wikipedia.org/wiki/Gaukönigshofen
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Gaukönigshofen
http://www.gaukoenigshofen.de/kirche.htm
http://wuerzburgwiki.de/wiki/Heilige_Schutzengel_und_St._Jakobus_der_Ältere_(Gaukönigshofen)

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