Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2033
Stadtlauringen (Landkreis Schweinfurt, Unterfranken)

Stadtlauringen: kath. Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer befindet sich im Zentrum der ehemaligen Altstadt und stellt die historische Ortsmitte dar. Der älteste Teil ist das Turmuntergeschoß, es stammt noch aus dem 15. Jh. Der 49 m hohe, nachgotische Turm im Südosten stammt aus der Echterzeit und hat die zeittypische Spitze aus der Zeit um 1580. Als 1958 ein Sturm die alte Spitze beschädigte, wurde sie erneuert, aber um 4 m niedriger. Das alte Kirchenschiff (Langhaus) wurde um 1732 von Johann Martin Bader vergrößert. Eine zweite Vergrößerung fand 1935 statt, dabei verlängerte man die Kirche um 5 m. 1972 fand die nächste Erweiterung statt. Als Fazit hat man heute ein weder einheitliches noch ästhetisches bauliches Potpourri.

Ein einziges Wappen läßt sich im Außenbereich der Kirche finden: An einem Türsturz ist der Wappenschild des Würzburger Bischofs Matthias Ehrenfried (3.8.1871-30.5.1948, amtierte 1924-1948) angebracht. Sein Wappen ist geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Blau drei silberne Getreideähren, Feld 2 und 3: in Rot eine silberne Sichel; Herzschild: von Rot und Silber mit drei Spitzen geteilt. Einerseits greift dieses Wappen mit dem Fränkischen Rechen eines der traditionellen Motive Würzburger Bischofswappen auf, andererseits verweisen die Elemente des Hauptschildes auf die Abstammung aus einem festverwurzelten Bauerngeschlecht, die dem aus Absberg stammenden Matthias Ehrenfried stets wichtig war. Seine Eltern waren der Landwirt Anton Ehrenfried und dessen Frau Anna Maria Gruber. Als Bischof führte er dieses Wappen entweder mit einem grünen Galero mit 2x 6 (1:2:3) grünen Fiocchi, oder, wie in der Schloßkirche Absberg zu sehen ist, mit Mitra auf dem Schild und mit Krummstab und Kreuz (sehr schwertähnlich!) schräg gekreuzt hinter dem Schild, ebenso in Wildflecken über dem Eingang zur Pfarrkirche St. Josef, dort die Mitra noch auf einem Kissen. Auf seinem Epitaph im Würzburger Dom ist nur der Schild wiedergegeben. Die zum Bischofswappen gehörende Devise lautet: Gloria et pax Deo et mundo, Ehre und Frieden für Gott und für die Welt. Das Wappen wurde von Dr. phil. Ferdinand von Werden entworfen, einem Freund des Bischofs.

Matthias Ehrenfried machte seinen Schulabschluß in Eichstätt, dann studierte er ab 1891 am Collegium Germanicum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Theologie als Alumnus des Deutsch-Ungarischen Kollegs. Er promovierte 1899 in Philosophie und Theologie. Nach der Priesterweihe am 28.10.1898 wurde er Kaplan in Hilpoltstein. 1900 ging er für einen Lehrauftrag im Bereich Dogmatik an die Bischöfliche Hochschule Eichstätt, danach wurde er Professor und unterrichtete Fundamentaltheologie, Exegese des Neuen Testamentes, Apologetik und Homiletik. Am 30.9.1924 wurde er vom Papst zum 84. Bischof von Würzburg als Nachfolger des verstorbenen Ferdinand von Schlör ernannt, und er wurde als Widerstandsbischof bekannt. Seine Ernennung war insofern ein Novum, als er der erste Bischof war, der nicht aus der Diözese stammte, und er gehörte auch nicht wie vorher stets üblich dem Domkapitel an. 24 Jahre lang war er Professor, ebensolange war er Bischof.

Literatur, Links und Quellen:
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 Seiten.
Liste der Baudenkmäler in Stadtlauringen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Stadtlauringen
Stdtlauringen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtlauringen
Bischof Matthias Ehrenfried:
http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Ehrenfried - http://wuerzburgwiki.de/wiki/Matthias_Ehrenfried
Irina Seifert, Matthias Ehrenfried. Bischof von Würzburg, GRIN Verlag, 2009, 60 S., Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg, Bayerische Julius-Maximilians-Universitat Würzburg, Institut fur Geschichte, Lehrstuhl fur Neueste Geschichte. Online:
http://books.google.de/books?id=7Q7QngNU4zgC

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