Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2026
Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt, Unterfranken)

Das fürstbischöfliche Amtshaus in Gerolzhofen

Das ehemalige Amtshaus (oder Rentamtsgebäude) der Würzburger Fürstbischöfe steht am westlichen Rand der inneren Altstadt (Bürgermeister-Weigand-Str. 5), in der Nähe des Eulenturmes und nahe der einst hier verlaufenden westlichen, inneren Stadtbefestigung, wobei das Amtshaus durch einen kleinen Zwinger von der Mauer abgesetzt war. Eine weitere Mauer trennte das Amtshausgelände von der Stadt ab. Das markante Gebäude von rechteckigem Grundriß ist in Nord-Süd-Richtung aufgestellt mit einem polygonalen Treppenturm an der Ostseite mit Schneckenstiege im Innern mit profiliertem Sandsteinholm und mit einer geschweiften Haube als Dach. Das Amtshaus besitzt zwei geschweifte Giebel im Norden und im Süden, die jeweils oben mit einer Muschelhalbscheibe abgeschlossen werden.. Das Gebäude ist ein Putzbau mit abgesetzter Eckquaderung. Die Fenster sind größtenteils zweiteilig mit gekehlten Mittelpfosten und Gewänden.

Schon Fürstbischof Lorenz von Bibra hatte 1495 hier eine neue Vogtei errichten lassen, in der der fürstbischöfliche Stadtvogt Quartier bezog und seine Amtsräume hatte. 1520 konnte das Gelände durch Zukauf unter Fürstbischof Konrad II. von Thüngen vergrößert werden. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ließ den Komplex von 1600 bis 1614 von Grund auf neu gestalten und erweitern. Dazu gehörte der dreigeschossige Bau des Amtshauses von 2 x 7 Fensterachsen ebenso wie mehrere Scheunen, ein Sudhaus, ein Waschhaus und Keller. Das Amtshaus diente auch dem Fürstbischof auf seinen Reisen als Unterkunft, wenn er die Stadt besuchte.

 

Der rundbogige Eingang zum Treppenturm liegt im Nordosten und besitzt eine reich profilierte Archivolte mit Löwenmaske im Bogenscheitel. Die Inschrift des auf 1614 datierten Wappensteines über diesem Turmportal lautet: "Guet werckh in Francke(n) Gott vol(l)fiert / Als Bischoff Julius da Regi(e)rt / Gestaltet die Religion / In friedt erhält die underthan / Führt beides wo(h)l de(n) Stab u(n)d das Schwert / Wacht als ein hirt(e) ob seiner herdt / Baut Spithl Schuel Kirche Clöster Schlos(s) / Wie auch dies A(m)btshaus ni(ch)t oh(ne) Last". Dieser Stein markiert durch seine Datierung den Abschluß nicht nur der Bauarbeiten am Amtshaus, sondern auch der gesamten Bautätigkeit des Fürstbischofs in Gerolzhofen. Entsprechend ist der inschriftliche Rückblick auf das bislang Erreichte und Erbaute, auf Spitäler, Schulen, Kirchen, Klöster und Schlösser zu verstehen, nicht zu vergessen die von ihm erheblich ausgebaute Stadtbefestigung.

 

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (amtierte 1573-1617) ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg.

Die außen mit Rollwerk eingefaßte Wappenkartusche wird zu beiden Seiten von einem auswärts blickenden, geflügelten Engelskopf begleitet, der jeweils der obersten Volute der seitlichen Verzierungen aufliegt.

Ein weiterer, qualitativ und künstlerisch besserer Wappenstein befindet sich an der nördlichen Giebelseite des Amtshauses. Der Stein ist in drei Zonen eingeteilt: Über einer annähernd quadratischen Wappenzone folgt eine Inschriftenzone, und über dem oberen Gesims schließt eine Muschelhalbscheibe die Komposition ab.

         

Die Inschrift des auf das Jahr 1600 datierten und hervorragend restaurierten Steines lautet: "Bischoff Julius sein Undertan / Bracht wi(e)der zur alt(e)n Religion / Darüber er hat Gott vertraut / Auch di(e)ses new Ambtshaus erbaut / Zu sein(e)s stiffts zier und gemeine(m) nutz(en) / Und der verwan(d)ten trost und schutz". Das Jahr 1600 kennzeichnet den Beginn des Ausbaus des Amtshauskomplexes unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Ursprünglich gab es hier ein rundbogiges Hoftor, über dem dieser Wappenstein einst angebracht war. Tor und Mauer sind verschwunden, und den Wappenstein hat man an die Gebäudeschmalseite versetzt.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (amtierte 1573-1617) ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg.

Die Detailaufnahmen zeigen die hohe künstlerische Qualität dieses Steines, der sich diesbezüglich mit dem aus dem gleichen Jahr stammenden Wappenstein in der Marktstraße 16 messen kann. Die ovale Kartusche wird von einer reichverzierten Bischofsmütze mit jeweils einem Kreuz an der Spitze jedes Mützenzipfels und mit zwei aus der Mütze unten heraushängenden und zu beiden Seiten wehenden Bändern überhöht, hinter ihr sind schräggekreuzt das gestürzte Schwert und der Krummstab zu sehen. In den beiden oberen Ecken befinden sich schräg nach außen gestellte, stilisierte Lilien als Ornament.

Rechts und links der Schildkartusche stehen zwei hersehende Löwen mit untergeschlagenen Schwänzen als Schildhalter. Die eigentliche Schildeinfassung ist oval, der Außenrand ist schalenförmig nach vorne gezogen und jeweils oben an der Seite mit einer tiefen Einbuchtung versehen, dem Trend der Zeit folgend, die Identität zwischen innerer Begrenzung der Felder mit heraldischen Inhalten und der äußeren, zunehmend verzierten Form aufzuheben, um mehr Gestaltungsfreiheit für die Einfassung zu haben.

 

Das ehemalige Amtshaus wurde nach der Säkularisierung ab 1805 als königlich bayerisches Rentamt, ab 1920 als Finanzamt und ab 1978 als Forstamt genutzt. 2003 übernahm die Caritas das Gebäude. Das historische Gebäude wurde seit 2008 durch das Würzburger Architekturbüro Amann + Gress ab 2008 generalsaniert und barrierefrei umgebaut. Die 2010 fertiggestellte Senioren-Wohnanlage des Namens "Julius-Echter-Amtsvogtei" des Kreis-Caritasverbandes Gerolzhofen-Volkach-Wiesentheid e.V. umfaßt 10 Einheiten Betreutes Wohnen und ist organisatorisch eine Erweiterung des Wohnstifts Steigerwald.

Literatur, Links und Quellen:
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 S.
Liste der Baudenkmäler in Gerolzhofen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Gerolzhofen
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 328-329.
Hans Karlinger, Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Gerolzhofen, Band 3, Band 8, Oldenbourg Verlag, 1983, 324 Seiten, online:
http://books.google.de/books?id=AWxvXd0VkCkC S. 133 ff.
Stadtrundgang Gerolzhofen:
http://www.gerolzhofen.de/Stadtrundgang_Stadtrundgang_184_kkmenue.html
Denis André Chevalley, Unterfranken. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler. Hrsg. von Michael Petzet, Luftaufnahmen von Otto Braasch, Oldenbourg Verlag 1985, ASIN: B006R9NSP2, ISBN 3-486-52397-X, S. 288 ff.,
http://books.google.de/books?id=6AjUlDuvRhcC
Norbert Vollmann, Senioren residieren jetzt in der Vogtei, Artikel in der Mainpost,
http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Senioren-residieren-jetzt-in-der-Vogtei;art769,6186690

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