Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2024
Bischofsheim an der Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken)

Das fürstbischöfliche Amtshaus in Bischofsheim

Direkt neben der Kirche und dem romanischen Kirchturm (sog. Zentturm) befindet sich am Nordrand der Altstadt das ehemalige würzburgische Amtshaus (Kirchplatz 5). An den dreigeschossigen, massiven Putzbau ist auf der Nordseite ein polygonaler Treppenturm mit schräg geschnittenen Fenstern angebaut, wobei das flache Zeltdach nicht original ist, vielmehr ist eine welsche Haube anzunehmen. Auf der Südseite befindet sich ein Renaissanceportal von 1611. Einziger Bauschmuck ist ansonsten die Eckquaderung. An den beiden dreiachsigen Schmalseiten stehen je zwei massive, stark geböschte Strebepfeiler, ein weiterer stützt die Nordostecke an der Längsseite. Die Dachlösung, ein einfaches Satteldach, ist sicher nicht original; vielmehr darf man von einst vorhandenen geschweiften Giebeln ausgehen, vielleicht waren sogar Zwerchhäuser vorhanden. Südwestlich ist im Winkel ein wesentlich jüngeres Remisengebäude mit Satteldach angebaut.

Das Schmuckportal auf der Südseite besitzt im Scheitel des stark profilierten Portalbogens auf dem Keilstein ein fürstbischöfliches Wappen. Wie auch an der Pfarrkirche steht es für den Bauherrn Julius Echter von Mespelbrunn (amtierte 1573-1617) und ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg. Ein weiteres fürstbischöfliches Wappen befindet sich im Inneren über der im Erdgeschoß befindlichen Tür zum rückseitigen Treppenturm.

 

Etwas seltsam sieht heute das frei auskragende Gesims aus: Wo die beiden Verkröpfungen sind, befanden sich früher einst tragende Säulen, die unten aufsetzten, wo man heute die Blumentöpfe hingestellt hat. Etliche Details sind verlorengegangen, so auch die anzunehmende Inschriftentafel in dem von zwei Voluten flankierten, heute leeren Rechteckfeld über dem besagten Gesims. Die Portalblende wird ganz oben mit einem Muschelornament abgeschlossen, auf dem noch ein kleiner Obelisk steht (eventuell standen einst zwei weitere auf den Verkröpfungen des Gesimses).

Literatur, Links und Quellen:
Reinhold Albert, Chronik von Bischofsheim a. d. Rhön: mit Haselbach und dem Kreuzberg, Bischofsheim a.d. Rhön, 2010.
Bischofsheim:
http://www.franken-wiki.de/index.php/Bischofsheim_an_der_Rhön - http://de.wikipedia.org/wiki/Bischofsheim_an_der_Rhön
Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bischofsheim_an_der_Rhön
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 S.
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 326-327.

achteckiger Marktbrunnen von 1582 - rechteckiger Marktbrunnen von 1592 - kath. Pfarrkirche St. Georg

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
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