Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2023
Bischofsheim an der Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken)

Die Pfarrkirche St. Georg in Bischofsheim

Die katholische Pfarrkirche St. Georg und das ehemalige würzburgische Amtshaus bilden den Schwerpunkt der historischen Bebauung am Nordrand der Altstadt, deren Hervorgehen aus einem fränkischen Rundling noch deutlich zu sehen ist. Kirchenbereich und Amtshausbezirk bildeten einst hier im Norden der Stadt einen Verwaltungssitz des Landesherrn, des Hochstifts Würzburg. Die Pfarrkirche hatte einen spätromanischen Vorgänger, von dem nur noch der massive Westturm mit durch Bogenfriese abgesetzten Geschossen und einem Fachwerkobergeschoß als sog. Zentturm übriggeblieben ist. Der heutige Bau ist ein typischer Kirchenneubau der Echter-Zeit, eine 1608-1615 errichtete, dreischiffige Basilika im Stile der Nachgotik mit polygonal geschlossenem, springrautengewölbtem Chor, der nur so breit ist wie das Mittelschiff. Einst besaß das Langhaus nur drei Joche. Im 20. Jh. wurde die Kirche nach Westen durch einen Zwischenbau bis zum Zentturm verlängert, so daß das einstige Westportal nun zugebaut ist. Der einzige Turm der neuen Kirche ist ein sechsgeschossiger Chorflankenturm auf der Südseite, mit Spitzhelm; das Pendant im Norden ist die dort angebaute Sakristei. Das linke Südportal stammt von 1965/66.

 

Die Bauinschrift befindet sich auf der südlichen Außenwand des Seitenschiffes und ist auf 1615 datiert. Der Text lautet: "FVNFFZEHENHVNDERT 73 MAN Z(A)EHLT / ALS IVLIVS BISCHOFF WART ERW(A)E(H)LT / WAS ER VOL(L)BRACHT IM REGEMENT / DIR ZEIGEN AN VI(E)L MONVMENT / WIE MAN VOR AVGEN DAN(N) HIE(R) SCHAVT / DIES(E) KIRCH(E) VON IHM GANTZ NEV GEBAVT / EIN TREVER HIRTH(E) IST ER GEWESEN / BEI DEM VI(E)L TAVSENT SEELEN GENESEN 1615". Diese Inschrift nennt zwei der wichtigsten Grundideen seiner Regierung: Gegenreformation, Wiedereinführung der katholischen Liturgie, Rückgewinnung der "vielen Tausend Seelen" und Gewinnung der Bevölkerung durch eine ungeheure Bautätigkeit in Bezug auf Kirchen, Schulen, Amtshäuser, Spitäler etc. ("viele Monumente"). An den Seiten und an den unteren Außenecken wird die Rechtecktafel von schneckenförmig eingerollten Ornamenten eingefaßt; unten in der Mitte, an den beiden oberen Ecken und ganz oben in der Mitte sind insgesamt vier geflügelte Engelsköpfe zu sehen. Das zentrale Wappen des Fürstbischofs oben in der Mitte wird von zwei Fruchtgebinden beseitet.

Über der rechteckigen Inschriftentafel befindet sich im Aufsatz das oval eingefaßte fürstbischöfliche Wappen von Julius Echter von Mespelbrunn (amtierte 1573-1617). Es ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg.

Ein zweites Mal begegnet uns das fürstbischöfliche Wappen am auf 1608 datierten Spitzbogenportal, welches nur wenige Meter rechts neben der Bautafel in das südliche Seitenschiff führt. Dies ist das alte Südportal unter dem zweiten, verkürzten Seitenschiff-Fenster. In den beiden oberen Zwickeln befinden sich zwei beidseitig eingebauchte Renaissance-Wappenschilde, optisch links mit dem Wappen von Julius Echter von Mespelbrunn wie beschrieben, optisch rechts mit dem Stadtwappen von Bischofsheim, in Rot eine silberne Stadtbefestigung mit drei Zinnentürmen, unter der gebogenen Mauer befindet sich ein aus dem unteren Rand wachsender Bischof mit silberner Mitra auf dem Haupt, mit Schwert in der Rechten und Krummstab in der Linken. Heute wird das Wappen etwas anders geführt, mit einem Bischofskopf unter einem Torbogen vor blauem Hintergrund, die Stadtsilhouette mit blaubedachten Türmen. Die Tinkturen sind seit dem 16. Jh. belegt. Damit wird der Name der Stadt redend umgesetzt: Das Zuhause des Bischofs.

 

Literatur, Links und Quellen:
Reinhold Albert, Chronik von Bischofsheim a. d. Rhön: mit Haselbach und dem Kreuzberg, Bischofsheim a.d. Rhön, 2010.
Bischofsheim:
http://www.franken-wiki.de/index.php/Bischofsheim_an_der_Rhön - http://de.wikipedia.org/wiki/Bischofsheim_an_der_Rhön
Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bischofsheim_an_der_Rhön
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 S.
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 273-275
Stadtwappen:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9673117

achteckiger Marktbrunnen von 1582 - rechteckiger Marktbrunnen von 1592 - fürstbischöfliches Amtshaus

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2013
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de