Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2021
Bischofsheim an der Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld, Unterfranken)

Der achteckige Brunnen von 1582 auf dem Marktplatz

Auf dem dreieckigen Marktplatz von Bischofsheim an der Rhön befinden sich zwei gußeiserne Brunnen vom Ende des 16. Jh., die ringsum mit heraldischen Inhalten verziert sind. In Bischofsheim lag früher ein Eisenhammer, wo diese Platten und sonstiger fürstbischöflicher Bedarf hergestellt wurden. Der Brunnen am breiteren Nordwestende des Marktplatzes ist von der Grundfläche her der kleinere, und er hat einen achteckigen Brunnentrog. Auf der steinernen Brunnensäule befindet sich ein schmiedeeiserner Aufsatz, der das Motiv der geharnischten Wächter, die auf vier der acht Seiten auftauchen, aufgreift. Die nachfolgenden Aufnahmen sind teilweise bei Tag, teilweise zur Verbesserung der Schatten nachts mit Seitenblitz gemacht worden.

 

Die Aufteilung der acht Flächen ist wie folgt: Vier Flächen tragen jeweils zwei Wächterfiguren, vier keine. Beide Typen alternieren jeweils. Zwei Platten sind für den Fürstbischof und die geistlichen Verwalter (Dompropst und Domdechant) reserviert, zwei für den fürstbischöflichen Amtmann als weltlichen Verwalter. Die restlichen vier Platten sind für die Stadt Bischofsheim und die bürgerliche Selbstverwaltung (Bürgermeister etc.). Insgesamt haben wir also drei Typen von Platten, mit einer Verteilung 2:2:4, wobei die Platten eines Typs jedoch nicht gleich sind, sondern ganz individuell aus einheitlichen Modulen (Guß-Vorlagen) wie bei einem Baukastensystem zusammengesetzt sind. So konnte man relativ einfach aus vorgefertigten Motiv-Modulen Platten individueller Größe und nach Bedarf zusammengestellter inhaltlicher Programme gießen, und es darf angenommen werden, daß es früher noch viel mehr solcher Brunnen in der Gegend gegeben hat.

Die erste Platte besitzt drei Wappen, die alle mit Abkürzungen zugeordnet sind. Das zentrale Wappen ist für I(VLIVS) D(EI) G(RATIA) E(PISCOPVS) W(IRTZBVRGENSIS ET) F(RANCONIAE ORIENTALIS) D(VX). Das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn ist von einem Lorbeerkranz umgeben, der an vier Stellen mit einem verzierten Bund zusammengehalten wird. Außerhalb dieses Kranzes sieht man eine recht grobe und unregelmäßige achteckige Kontur, die zeigt, wie die Platten produziert wurden: Die von kunstfertiger Hand angefertigte Motivvorlage (das Modul) hatte diesen äußeren Zuschnitt und wurde mit mehreren anderen Vorlagestücken kombiniert, und der großformatige und relativ grobe Guß zeichnet die ungeglätteten Konturen jeder einzelnen Vorlagenkomponente nach. Dieses zentrale fürstbischöfliche Wappen wird von zwei Wappen von Domherren flankiert. Ganz unten ist die Datierung "ANNO DOMINI 1582".

Das fürstbischöfliche Wappen von Julius Echter von Mespelbrunn ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg. Zum Wappen gehören drei Helme: Helm 1 (Mitte): ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, Helmdecken blau-silbern, Stammkleinod der Echter von Mespelbrunn, Helm 2 (rechts): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, für das Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): auf einem Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau (Reihenfolge kann variieren) zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Helmdecken rot-silbern, für das Hochstift Würzburg.

 

Heraldisch rechts ist das Wappen von H R V(ON) D(ER) K(ERE), THVMPROBST (Würzburger Dompropst), von Silber und Schwarz geteilt, belegt mit einem Vogelbein in verwechselten Farben (Teilung fehlt hier), auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender Rumpf eines schwarzgekleideten Mannes, statt der Arme zwei Flügel, wie der Schild geteilt und belegt, statt des Mundes einen roten spitzen Schnabel. Heraldisch links ist das Wappen von H N V(ON) T(HÜNGEN), THVMDECHANT (Würzburger Domdechant), in Silber ein goldener, mit drei nach rechts ausgebogenen roten Pfählen (drei Wellenpfählen) belegter Balken, hier aus gußtechnischen Gründen erheblich simplifiziert, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, rot mit silbernem Kragen gekleideter Mannesrumpf, auf dem Kopf eine rote, silbern aufgeschlagene Mütze, hier mit einem schwarzen Hahnenfederbusch auf einer Kugel an der Spitze und drei weiteren, die an einem kurzen Stab in den Stulp gesteckt sind.

Das gleiche inhaltliche Programm, sowohl hinsichtlich der Wappen als auch hinsichtlich der abgekürzten Initialen, begegnet uns auf einer zweiten Platte dieses Typs. Im Unterschied zur ersten sind die Funktionen abgekürzt: TP = Dompropst, TD = Domdechant. Und die Inschrift lautet anders: "ANNO DOMINI 1582 IM SEPTEMBER SIND ........ ZV DIES(E)M BRVN(NEN) GE..... WORDEN"

Der zweite Plattentyp zeigt zwei Bewaffnete, dazwischen ein Wappen, oben in der ersten Variante. Unter dem mit den Initialen H.I.V.E. beschrifteten Wappen wird die Zuordnung desselben präzisiert: "ANNO 1582 ALS DIESER BRVN(NEN) GEMACHT WAR DER EDEL VND ERNVEST HANS JÖRG VON ERTHAL AMPTMAN(N)". Auch diese Platte ist doppelt datiert, denn neben der Nennung der Jahreszahl in der Inschrift erscheint selbige über den beiden aus geraden Abschnitten gestückten Bögen.

Diese Platte ist vom gleichen Typus, aber eine Variante, denn eine lange Inschrift fehlt, dafür ist das Wappen diesmal tief gesetzt, und die beiden "eckigen Bögen" schließen auf einer Kartusche mit Jahreszahl ab. Auch diese Platte ist damit zweimal auf 1582 datiert, denn die zweite Jahreszahl ist oben im Zwickel zwischen den beiden Bögen. Die beiden Wächter haben das gleiche Erscheinungsbild wie bei der ersten Platte dieses Typs.

 

Der heraldisch rechte Wächter ist vollständig gerüstet, hat das Visier des mit drei Straußenfedern geschmückten Helmes jedoch hochgeschoben. In der Linken hält er einen Stab, die Rechte ist eingestemmt, das Schwert ist umgebunden. Das Gegenüber wird in bürgerlicher Kleidung mit bauchig weit geschnittenen Kniehosen dargestellt, auf dem bärtigen Haupt hat er ebenfalls einen federgeschmückten Helm, aber von anderer Bauart und ohne Visier. In der Rechten hält er eine Hellebarde, die Linke faßt an den Gürtel.

 

Das Wappen des Amtmannes Hans Jörg von Erthal (oben linke Abb.) ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Balken, Feld 2 und 3: ledig und blau, auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein Paar geteilter Büffelhörner, rechts oben rot mit zwei silbernen Balken, unten blau, rechts umgekehrt, hier bis zur Unrichtigkeit simplifiziert, so daß die Balken auf gleicher Höhe erscheinen. Die rechte obere Abb. leitet über zu dem dritten Plattentyp, zu dem insgesamt vier Platten gehören. Davon gibt es zwei mit den beiden Wächterfiguren, die jeweils nur einen Schild unten haben, und zwei Platten ohne Wächterfiguren, die jeweils 3 bzw. 4 Schilde haben. In beiden Fällen befindet sich oben auf der Platte das Stadtwappen von Bischofsheim, in Rot eine silberne Stadtbefestigung mit drei Zinnentürmen, unter dem gemauerten Torbogen der Kopf eines Bischofs mit silberner Mitra. Damit wird der Name der Stadt redend umgesetzt. Heute wird das Wappen mit blaubedachten Türmen geführt, und der Hintergrund des Bischofskopfes ist ebenfalls blau. Die Tinkturen sind seit dem 16. Jh. belegt. Die anderen Wappen auf diesem Plattentyp stehen für örtliche Bürgermeister.

Hier sind die beiden anderen Schilde, der rechte mit einem sechsspeichigen Wagenrad, der linke mit einem Faß (?), mit den Initialen HWS und TBB zugeordnet, wohingegen die Initialen ESB auf der einen Platte (Abb. oben) ohne Wappenschild sind, auf der zweiten Platte (Abb. unten) in den Schild selbst ohne weiteres Wappenbild hineingesetzt werden. Die Inschrift im ersten Fall lautet: "IN DIESEM 1582 IA(H)R HABEN DIESE BEYDE(N) BVRGERMEISTER VON WEGEN RHATS EINEN STEINE(RNE)N FVS(S)PFAT 45 GERTEN LANG VOR DEM VNDER(E)N THOR LASSEN MACHEN".

Die zweite Platte dieses Typs hat eine andere Inschrift: "IN DEM IA(H)R HABEN BEMELTE BVRGERMEISTER ...... WEGEN EINES E(H)RBAR........". Ganz deutlich ist auch an dieser Platte sowohl an den Initialbuchstaben als auch an den Wappenschilden der modulare Aufbau der Gußvorlage aus individuell zusammengesetzten Vorlagen erkennbar, deren Übergänge nicht geglättet wurden.

Literatur, Links und Quellen:
Reinhold Albert, Chronik von Bischofsheim a. d. Rhön: mit Haselbach und dem Kreuzberg, Bischofsheim a.d. Rhön, 2010.
Bischofsheim:
http://www.franken-wiki.de/index.php/Bischofsheim_an_der_Rhön - http://de.wikipedia.org/wiki/Bischofsheim_an_der_Rhön
Baudenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bischofsheim_an_der_Rhön
Stadtwappen:
http://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9673117
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 326-327
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 S.

rechteckiger Marktbrunnen von 1592 - kath. Pfarrkirche St. Georg - fürstbischöfliches Amtshaus

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