Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2013
Volkach (Landkreis Kitzingen)

Das Sommeracher Tor in Volkach

Volkach besitzt zwei historische Stadttore, beide in Form hoher Türme auf annähernd quadratischem Grundriß mit rundbogigen Durchfahrten. Einst waren es sogar vier Tore, die beiden anderen sind im 19. Jh. abgebrochen worden. Das tiefergelegene am Nordwesteck der Altstadt ist das Untere Tor, auch Gaibacher Tor genannt, es steht abseits der heutigen Führung der Hauptstraße. Am Südende der Stadt steht das siebengeschossige Obere Tor von ca. 18 m Höhe, auch Sommeracher Tor genannt, das hier die nach wie vor durch die historische Toröffnung verlaufende Hauptstraße abschließt und vor dem sich im Süden der Obere Markt öffnet. In den unteren Stockwerken sind nur kleine Lichtschlitze, wohingegen das obere Stockwerk quadratische Fenster mit profilierter Laibung besitzt. Errichtet wurde der Torturm im Jahr 1258 im Zuge der Umwehrung der Stadt Volkach. Erstmals wird es im Jahre 1328 urkundlich erwähnt. Da der Turm auch als Gefängnis benutzt wurde, trägt er auch den Namen Diebenturm. Zweimal wurde das Tor verstärkt und durch Erweiterungen gesichert, zuerst 1597 unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, wovon die Inschrift unter dem Wappen zeugt: "REGIMI(N)E JVLII REVERENDISSIMI N(OBILISSIMI) PRINCIPIS ET DOMINI EPISCOPI WIRCEBVRGENS(IS) F(RA)NC(ON)IAE ORIENTALIS DVCIS RESTAVRATA A(NNO) D(OMINI) MDXCVII" - wiederhergestellt im Jahre des Herrn 1597 unter der Herrschaft des hochwürdigen und hochedlen Fürsten und Herrn Julius, Bischof von Würzburg und Herzog von Ostfranken. Anläßlich dieses Umbaus entstand auch der verspielt wirkende obere Abschluß mit mehrzonigen Volutengiebeln. Unter diesem Fürstbischof fanden umfangreiche Verbesserungen der Stadtverteidigungsanlage statt, die Mauer wurde erhöht, der Graben wurde ausgehoben und befestigt, zwei Brücken wurden gebaut, und die Tore erhielten Torhäuser und Zwingertore, und die hindurchführenden Straßen wurden gepflastert. Für die Erhöhung des Oberen Torturmes wurden 1597 403 fl. ausgegeben. Das Gaibacher Tor wurde kurz nach dem Sommeracher Tor entsprechend umgebaut, nämlich 1605. Der zweite Umbau des Sommeracher Tors fand 1633 statt. Im Zuge dieser beiden Maßnahmen entstanden ein Vortor, ein Torhaus und ein äußerer Zwinger mit Türmchen an der Stirnseite, was jedoch alles 1871 dem Verkehr weichen mußte. Selbst der eigentliche Torturm sollte abgerissen werden, konnte aber gerettet werden. Das seitlich stehende Torwächterhaus mit Stufengiebel und unhistorischer Fußgängerpassage ist ein Neubau vom Beginn des 20. Jh.

 

Ursprünglich war Volkach ein Besitz der Grafen zu Castell, die den Besitz untereinander aufgeteilt hatten. Als diese in Geldnot waren, verpfändeten sie die mittlerweile in eine Hälfte (Hermann von Castell) und zwei Viertel (Ruprecht und Hermann, Söhne Heinrichs von Castell) aufgeteilte Stadt teilweise. Ruprecht verpfändete 1312 sein Viertel an Heinrich von Hohenlohe-Speckfeld (3/12). Ruprechts Bruder Hermann löste nach Ruprechts Tod dieses Viertel nicht ein, sondern verpfändete auch sein Viertel. Die Hohenloher besaßen nun 6/12 an Volkach. Heinrich von Hohenlohe verkaufte seine Hälfte an Volkach 1328 weiter an den Würzburger Fürstbischof Wolfram von Grumbach (6/12). Nun zur anderen Hälfte, die vorerst im Besitz der Grafen von Castell geblieben war: 1447 verpfändete Wilhelm von Castell seine Hälfte an der Stadt, wobei jeweils ein Drittel an Graf Otto von Henneberg (gegen 2998 fl.), an Konrad Schenk von Limpurg (gegen 3212 fl.) und an Konrad von Weinsberg (gegen 3500 fl.) ging. Der Bischof war Vormund der Söhne von Konrad von Weinsberg, und als solcher "verschob" er die Hälfte von deren Anteil (1/12) an die Schenken von Limpurg, die nun 3/12 an Volkach innehatten, während den Herren von Weinsberg nur noch 1/12 verblieb. 1457 löste der Würzburger Bischof Johann III. von Grumbach den Anteil der Schenken von Limpurg (3/12) und den der Herren von Weinsberg (1/12) ein. 1479 willigte der Graf von Castell in diesen Besitzübergang ein, allerdings unter dem Vorbehalt der Wiedereinlösung. 1479 konnte der Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg nun de facto 10/12 von Volkach als Besitz des Hochstifts betrachten. Neben Rudolf von Scherenberg hielt noch Graf Otto von Henneberg (2/12) Anteile an der Stadt. Die Mitbesitzer hatten jedoch keinerlei Interesse an Volkach und machten den Weg frei zum Erwerb der letzten Anteile im Jahr 1510, genausowenig wie die Grafen von Castell, die 1514 und 1520 auf ihre 1479 bzw. 1509 für den letzten Anteil eingeräumten Wiederkaufsrechte verzichteten. Bei diesem letzten Besitzübergang flossen im Jahr 1510 2998 fl. an die Grafen von Henneberg an Kaufsumme, im Jahr 1514 3780 fl. an Graf Johann von Castell und im Jahre 1520 1500 fl. an Graf Wolfgang von Castell zur Ablösung des Wiedereinlöserechts. Von 1520 bis zur Säkularisation waren die Würzburger Fürstbischöfe nun alleinige und unangefochtene Herren der Stadt, fast dreihundert Jahre lang.

Der Wappenschild von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (amtierte 1573-1617) ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Zum Wappen wird nur ein einziger Helm geführt, ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, für das Herzogtum zu Franken, in den Mündungslöchern steckend zwei rot-silbern gevierte Standarten mit goldenem Schaft für das Hochstift Würzburg, zwischen den Büffelhörnern eine Bischofsmütze, insgesamt eine ungewöhnliche Komposition. Schrägrechts hinter dem Wappen steht das Schwert, schräglinks der Krummstab. Unter der Inschrift ist noch ein kleines Wappen ohne Kleinod, dieses ist gespalten, rechts der fränkische Rechen, links der mit Ringen belegte Schrägbalken. Die Wiederholung des Bischofswappens unter Weglassen des Rennfähnleins macht keinen Sinn, vermutlich war hier einmal das Stadtwappen, welches unangemessen restauriert wurde.

Hauptstraße 22

Ein weiteres Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn befindet sich an dem Eckgebäude Hauptstraße 22 (Abb. oben), einem dreigeschossigen Satteldachbau mit Volutengiebel zur Hauptstraße zu, dessen erstes Obergeschoß auf einem konsolgestützten Blendbogenfries ruht. Die Schmalseite hat im Erdgeschoß zwei Arkaden, die Längsseite deren vier. Der 1574 bezeichnete Wappenstein (Abb. unten) befindet sich an der Südseite des Gebäudes (Traufseite) und zeigt das fürstbischöfliche Wappen in relativ nachlässiger Qualität (Ringe fehlen) neben zwei mit Initialen personalisierten Bürgerwappen, wovon das heraldisch rechte (C.H.) einen wachsenden Mann mit Hellebarde, das andere (A.H.) einen Mann mit zweizinkiger Mistgabel zeigt.

Literatur, Links und Quellen:
Volkach: http://de.wikipedia.org/wiki/Volkach
Stadtrundgang in Volkach:
http://www.volkach.de/themen_stadtrundgang2_uebersicht_de.html
Kulturpfad:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/volkach.html
Denkmalroute Volkach:
http://denkmalroute.de/volkach/Altstadt-Tour/106
Oberes Tor:
http://de.wikipedia.org/wiki/Oberes_Tor_%28Volkach%29
Besitzgeschichte von Volkach: Karl Friedrich Hohn, Johann Adam Stein, Atlas von Bayern: Geographisch-statistisch-historisches Handbuch zur Kenntniß des Zustandes von Bayern in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit für alle Stände, 1840, online:
http://books.google.de/books?id=TyRKAAAAcAAJ, S. 90-93
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_Baudenkmäler_in_Volkach&stable=0&shownotice=1&fromsection=Volkach
Barbara Schock-Werner, Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, 536 S., Schnell & Steiner Verlag 2005, ISBN-10: 379541623X, ISBN-13: 978-3795416232, S. 349-350

Schelfenhaus - Turm der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus

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