Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2012
Volkach (Landkreis Kitzingen)

Der Kirchturm der Volkacher Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus

Im Herzen der Volkacher Altstadt steht die spätgotische Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus und St. Georg. Ganz früher stand hier eine ältere St. Georgs-Kapelle, und die erste Pfarrkirche von Volkach stand außerhalb des Ortes auf der Höhe. Doch 1413, ein halbes Jahrhundert nachdem man die Stadtrechte erworben hatte, begann man mit dem Bau einer neuen Kirche innerhalb der Stadtmauern, und die neue Kirche wurde beiden Heiligen zugleich gewidmet. Bis 1442 wurde der Chor fertiggestellt, 1472-1512 erfolgte der Bau des dreischiffigen Langhauses, und 1512-1597 wurde der siebengeschossige Turm an der nördlichen Seite des Chores mit dem schlanken, runden Treppenturm an der Ostseite und mit dem achteckigen Aufbau errichtet, der insgesamt 45 m Höhe erreicht. Der hier vorgestellte fürstbischöfliche Wappenstein befindet sich am im Grundriß viereckigen Unterbau und stammt aus der Zeit 1512-1517, als der Unterbau von vier kreuzgewölbten Stockwerken Höhe errichtet wurde. Dieser Unterbau wird oben mit einer umlaufenden, vorkragenden Brüstung mit geschlossenen Brüstungsfeldern auf Renaissancekonsolen abgeschlossen. In einer nachfolgenden Bauphase wurde bis 1597 der achteckige Aufsatz mit seinen drei Stockwerken und vier Uhren hinzugebaut. Dort oben befand sich einst die Türmerwohnung.

 

An der Ostseite des Kirchturmes befindet sich in Höhe des zweiten Geschosses das fürstbischöfliche Wappen von Lorenz von Bibra (lebte 1459-6.2.1519, amtierte 1495-1519), wobei die Farben nicht ganz korrekt sind. Es ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, für das Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Gold ein steigender schwarzer (hier fälschlicherweise mitvergoldeter) Biber mit geschupptem Schwanz, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, für das Hochstift Würzburg. Auf dem Helm ist eine Kombinationshelmzier, welche die Elemente der beiden Würzburger Kleinode zu einem vereint, aber das Familienkleinod wegläßt, ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, oben dazwischen drei Straußenfedern in den Farben Rot, Silber und Blau, die beiden rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft sind hier in die Mündungslöcher der Büffelhörner gesteckt.

 

In den vier Ecken der Relieftafel befindet sich eine aus vier Schilden bestehende Ahnenprobe. Heraldisch rechts oben befindet sich der einwärts gewendete Schild der von Bibra, in Gold ein steigender schwarzer (hier fälschlicherweise mitvergoldeter) Biber mit geschupptem Schwanz. Er steht hier für die väterliche Stammlinie des Fürstbischofs Lorenz von Bibra. Sein Vater war Hans von Bibra (-1473), fürstbischöflicher Amtmann, sein Großvater war Georg von Bibra. Gegenüber sehen wir auf der heraldisch linken, oberen Stelle der Ahnenprobe das Wappen der Schenk von Schenkenwald, fünfmal im Zinnenschnitt geteilt, wobei als Tinkturen alternierend einerseits Gold und andererseits eine silbern-rote mehrfache Schrägteilung benutzt werden. Die Mutter des Fürstbischofs war Margaretha Schenk von Schenkenwald (gest. ca. 1481), Tochter des Peter Schenk von Schenkenwald und dessen Frau Agatha Schenk von Schweinsberg. Heraldisch unten rechts ist das Wappen der Voit von Salzburg, in Silber ein schwarzer Zickzackbalken mit 5 Spitzen. Hier steht der Schild für die Großmutter väterlicherseits, Sophia Voit von Salzburg, Tochter des Otto Voit von Salzburg und der Margaretha von der Kere. Als vierten und letzten Schild der Ahnenprobe sehen wir den der Schenk von Schweinsberg, er ist geteilt, oben in Blau ein schreitender goldener Löwe, unten in Silber 4 (3:1) rote Rauten. Hier steht der Schild für die Großmutter mütterlicherseits, Agatha Schenk von Schweinsberg. Eine ganz ähnliche Wappentafel dieses Fürstbischofs mit Ahnenprobe finden wir jeweils auf der Würzburger Festung Marienberg, am Alten Schloß in Mellrichstadt und an der Haßfurter Zehntscheuer. Im Gewölbe der Wallfahrtskirche Dettelbach ist diese Wappenkombination ebenfalls zu finden, aber auf Einzelwappen aufgeteilt. Und schließlich taucht diese Ahnenprobe noch einmal für den Bruder des Fürstbischofs, Hans von Bibra, auf einer Wappentafel am Unteren Schloß in Bibra (Grabfeld) auf.

Ein weiteres, aber künstlerisch minderwertiges Wappen befindet sich etwas tiefer am Turm in Höhe des ersten Geschosses, dieses ist das Vollwappen der Voit von Salzburg. Die rechteckige, mit Wasserschlagprofil umrahmte Sandsteinplatte ist auf 1517 datiert.

Literatur, Links und Quellen:
Volkach: http://de.wikipedia.org/wiki/Volkach
Stadtrundgang in Volkach:
http://www.volkach.de/themen_stadtrundgang2_uebersicht_de.html
Kulturpfad:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/volkach.html
Denkmalroute Volkach:
http://denkmalroute.de/volkach/Altstadt-Tour/101
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Lorenz von Bibra:
http://www.wuerzburgwiki.de/wiki/Lorenz_von_Bibra
Lorenz von Bibra:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_von_Bibra
Alfred Wendehorst, das Bistum Würzburg: Teil 3: Die Bischofsreihe von 1455-1617, 1978, ISBN 3-11-007475-3, S. 51-72
Göbl, Lorenz von Bibra, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 19, Duncker & Humblot, Leipzig 1884, S. 174-178, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Lorenz_von_Bibra
Alfred Wendehorst, Lorenz von Bibra, in: Neue Deutsche Biographie, Band 15, Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 169, online:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz54238.html
Genealogie: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
St. Bartholomäus: http://de.wikipedia.org/wiki/St._Bartholomäus_und_St._Georg

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