Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2011
Volkach (Landkreis Kitzingen)

Das Schelfenhaus in Volkach

In der Schelfengasse, einer von der Hauptstraße nach Osten abzweigenden Nebengasse der Volkacher Altstadt, befindet sich ein spätbarockes Stadtpalais, das sog. Schelfenhaus. Die üppig verzierte und reich gegliederte Straßenfront überrascht in der engen Gasse der fränkischen Kleinstadt, die Fülle des Schmucks (Kapitelle, Fries am Dachansatz etc.) und die Liebe zum Detail am wohl aufwendigsten Bürgerhaus zwischen Würzburg, Schweinfurt und Bamberg überwältigen den Betrachter. Erbauer war Johann Georg Adam Schelf, Handelsmann und Ratsherr, der vermutlich aus Oberitalien stammte. Das Haus wurde 1719/1729 nach Abriß eines Vorgängerbaus in zwei Bauphasen errichtet, der Architekt ist nicht bekannt. Ob es der Würzburger Hofbaumeister Joseph Greissing war, der manchmal genannt wird, ist zwar Spekulation, aber aufgrund der Fassadengestaltung im Rahmen des Möglichen.

Das zweigeschossige Gebäude mit Walmdach, dessen Vorderfront auf einem Sandsteinsockel ruht und seitlich durch Eckquaderung eingefaßt wird, hat zwei figurengeschmückte Portale, wobei das linke mit einer kleinen Freitreppe Zugang zum Inneren des Hauses gibt und das rechte, auf zwei Prellsteinen ruhend, als Hofeinfahrt Zugang zum Innenhof gibt. Diese Toreinfahrt hat im Scheitelstein eine Fratze, und darüber steht eine Marienstatue. Das Hauptportal wirkt besonders lebendig durch die beiden übereck gestellten, schlanken, viereckigen Pfeiler mit Kapitellen, deren Enden schneckenförmig eingerollt sind, über denen die beiden Teile des geschwungenen Sprenggiebels quasi in die Straße hinein gedreht werden, wobei auch deren obere Abschlüsse eingerollte Voluten formen, auf denen zwei Putten mit ausgreifender Gestik sitzen. Über dem Hauptportal befindet sich ein Oberlicht, darüber ein Muschelornament, und darüber befinden sich die Wappen des Erbauers und seiner Ehefrau. Auch auf der Rückseite sind schmückende Statuen aus Sandstein angebracht. Der weniger repräsentative Nebentrakt ist hingegen schlicht und schmucklos.

   

Im Inneren gibt es gut erhaltene historische Räume mit reichverzierten Stuckdecken und kunsthistorisch wertvollen Gemäldefeldern mit Szenen aus der antiken Mythologie in denselben, insbesondere im ersten Stock des Hauses, so den Ofensaal mit einem relief- und figurengeschmückten Kachelofen von 1711 mit biblischen Szenen, den Bildersaal, den Weißen Saal im rückwärtigen Gebäude und das Professor-Rösser-Zimmer. Heute ist das Anwesen Sitz der Volkacher Stadtbibliothek (im Seitentrakt), nachdem das zuvor privat bewohnte Haus 1979 von der Stadt Volkach käuflich erworben wurde und bis 1992 umgebaut und renoviert wurde. Die Prunkräume im Inneren stehen für Repräsentationszwecke, gesellschaftliche Anlässe, Vorträge, Konzerte, Feiern, Seminare oder Tagungen zur Verfügung und können angemietet werden, Raum ist für Veranstaltungen bis zu 120 Personen. Eine ehemalige Scheune wurde 1980/81 in einen Festsaal mit Eichenkassettendecke umgewandelt. Im Untergeschoß ist die Geschäftsstelle der Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur sowie diejenige der Märchenstiftung Walter Kahn.

Das Wappen des Georg Adam Schelf (heraldisch rechts) zeigt über zwei erniedrigten Balken einen wachsenden Mann mit Mütze, der die rechte Hand eingestemmt hat, in der erhobenen linken Hand aber einen Apfel hält, um den sich eine teilweise abgelöste Schale (= Schelfe) ringelt, wodurch das Wappenbild ein redendes wird. Hier ist als Feldfarbe Grün gewählt, die Farben müssen nicht stimmen, können jedoch mangels Einträgen in den Standardregistern nicht verifiziert werden. Zwischen den beiden stark nach innen geneigten Ovalkartuschen befindet sich ein geflügelter Kopf mit einer riesigen goldenen Krone, deren Spitzen sieben Blüten tragen.

Das Wappen der Ehefrau Margaretha Anna Regina Balbus (heraldisch links) zeigt über zwei erniedrigten Sparren einen auf dem oberen Sparren stehenden, auffliegenden Adler. Hier ist als Feldfarbe Rot gewählt worden, im Rietstap findet sich das Wappen jedoch mit anderen Tinkturen verzeichnet: "D'or à deux chevrons abaissés de sable, la première supp. une aigle du même. Cimier: un buste d'homme, habillé d'un écartelé d'or et de sable." - In Gold zwei schwarze erniedrigte Sparren, auf dem oberen sitzend ein schwarzer Adler, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken wachsend das Brustbild eines Mannes, die Kleidung golden-schwarz geviert.

 

Die beiden hatten zusammen sechzehn Kinder. Die Familie Schelf ist jedoch um 1800 ausgestorben, das letzte Familienmitglied war eine Äbtissin im Würzburger Kloster St. Afra.

Literatur, Links und Quellen:
Volkach: http://de.wikipedia.org/wiki/Volkach
Stadtrundgang in Volkach:
http://www.volkach.de/themen_stadtrundgang2_uebersicht_de.html
Schelfenhaus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schelfenhaus_%28Volkach%29
Gerhard Egert, die Volkacher Patrizierfamilie Balbus, ein Beitrag zur Familienforschung Frankens, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst, Würzburg 1988
Claudia Kneifel, ein lebendiges Denkmal - Schelfenhaus in Volkach, Artikel vom 25.07.2011 in der Mainpost, online:
http://em.mainpost.de/regional/franken/historische_bauwerke_serie_2011.artikel/Ein-lebendiges-Denkmal;art1727,6255549
Sehenswürdigkeiten in Volkach:
http://www.volkach-ferienhaus.de/sehenswertes.html
Kulturpfad:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/volkach.html
Denkmalroute Volkach:
http://denkmalroute.de/volkach/Altstadt-Tour/104
Markus Josef Maier, das Schelfenhaus in Volkach, seine Architektur und seine Stuckdecken, ein Beitrag zur fränkischen Barockforschung, Magisterarbeit am Institut für Kunstgeschichte an der Universität in Würzburg, Volkach 2001

Turm der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus - Sommeracher Tor

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