Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1991
Obereisenheim (Landkreis Würzburg)

Die Kirchhofmauer der Pfarrkirche in Obereisenheim

Der Ort Obereisenheim ist alter Gräflich-Castellscher Besitz, der seit dem 13. Jh. genannt wird. Erst hatten sie zu ihrem Besitz im Dorf die Vogteirechte, später konnten sie diese zu einer tatsächlichen Herrschaft über den Ort ausbauen, und auch das Kirchenpatronat ging von St. Stephan in Bamberg auf die Grafen von Castell über und bestand bis 1969; 1963 wurde das Patronatsrecht von Siegfried Fürst zu Castell-Rüdenhausen zum letzten Mal anläßlich der Präsentation eines neuen Pfarrers, Johannes Bosch, ausgeübt. 1558 führten die Grafen von Castell die Reformation in Obereisenheim ein. Sie mußten den Ort zeitweise aus Liquiditätsmangel verpfänden, konnten ihn aber immer zurückkaufen, auch wenn angeblich die Obereisenheimer Bürger einmal (1484) selbst die Summe aufbringen mußten. Von dieser engen Verbindung des Ortes und der Kirche zeugen noch mannigfache heraldische Spuren. Das größte und schönste erhaltene Wappen ist über dem Rundbogenportal der Kirchhofmauer zu sehen, wobei die im 15./16. Jh. entstandene Mauer früher eigentlich der Abwehr von Gefahren und der Verteidigung diente, wie die noch vorhandenen Schießscharten zeigen. Bis 1612 umschloß sie einen Gottesacker, bis der Friedhof nach draußen vor die Mauern verlegt wurde. Graf Johann Friedrich v. Castell-Rüdenhausen ließ dann 1744 dieses neue Rundbogenportal östlich vor der Kirche einbauen.

Das Allianzwappen besteht auf der heraldisch rechten Seite aus dem Wappen der Grafen von Castell, der Schild ist rot-silbern geviert. Die eine Helmzier, die hier durch die vielen Kleinode des Partnerwappens etwas zur Seite gedrängt wird, ist ein rot-silbern gevierter, hoher Hut mit Stulp in verwechselten Farben, oben golden gekrönt, und in anderen Darstellungen wächst aus der Krone noch ein Federstoß, meist Pfauenfedern, welche aber hier nicht (mehr) zu sehen sind. Die Tinkturen der Helmdecken sind Rot und Silber.

Das Wappen auf der heraldisch linken Seite ist das der Grafen von Hohenlohe. Der Hauptschild ist geviert, Feld 1 und 4: Stammwappen Hohenlohe, in Silber zwei rotgezungte, schwarze Leoparden (schreitende, hersehende Löwen), Feld 2 und 3: Langenburg, geteilt, oben in Schwarz ein schreitender goldener Löwe, golden gekrönt, unten golden-schwarz gerautet, Herzschild: Grafschaft Gleichen, in Blau ein silberner Löwe, golden gekrönt. Auf dem Schild befinden sich 3 Helme: Helm 1 (Mitte): gekrönt, und der Rest fehlt, das wäre der silberne Löwe aus dem Herzschild, sitzend, seine Krone ist mit 3 Straußenfedern in den Farben blau-silbern-blau geschmückt, all das fehlt hier. Die Helmdecken wären blau-silbern (Grafschaft Gleichen). Helm 2 (rechts): ungekrönt, ein silberner, sich aus rot-goldenen Flammen erhebender Phönix mit roten Schwungfedern, Helmdecken rot-silbern (Stammkleinod Hohenlohe), Helm 3 (links): gekrönt, ein goldener Löwe, golden gekrönt, rot gezungt, zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern, die hier nur noch ansatzweise vorhanden sind. Die Helmdecken wären schwarz-golden (Kleinod Langenburg).

Dieses Wappen von 1744 steht für Johann Friedrich Graf v. Castell-Rüdenhausen (6.2.1675-23.6.1749), Sohn von Philipp Gottfried Graf v. Castell-Rüdenhausen (11.11.1641-10.6.1681) und Anna Sibylle Florentine v. Dhaun (29.9.1648-12.3.1685), und seine Frau Eleonora Christiane zu Hohenlohe-Oehringen (1.3.1720-17.2.1746), Tochter von Johann Friedrich Fürst zu Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen (22.7.1683-24.8.1765) und Dorothea Sophia Landgräfin v. Hessen-Darmstadt (14.1.1689-7.6.1723). Graf Johann Friedrich war 1720/1721 markgräfl.-brandenburg-ansbachischer Landhofmeister, 1729-1732 Direktor des fränkischen Grafenkollegiums, und 1732 wurde er kaiserlicher Geheimrat.

Johann Friedrich Graf v. Castell-Rüdenhausen hat insgesamt fünfmal geheiratet. Am 3.2.1695 heiratete er in Castell in erster Ehe eine Verwandte aus einer anderen Linie des Geschlechts, Charlotte Juliana v. Castell-Castell (14.9.1670-5.2.1696). Aus dieser Ehe entsprang eine Tochter, Dorothea Charlotte v. Castell-Rüdenhausen (26.1.1696-1.12.1729), die Friedrich Wilhelm Graf v. Rechteren-Nordenringen (18.1.1701-1770) heiratete.

Seine zweite Ehe ging Johann Friedrich am 5.8.1696 in Oehringen ein mit Charlotte Luise Gräfin v. Hohenlohe-Oehringen (4.9.1671-1.6.1697), die Tochter aus dieser Ehe wurde nur anderthalb Jahre alt, Friederike Charlotte v. Castell-Rüdenhausen (22.5.1697-5.12.1698).

In dritter Ehe heiratete Johann Friedrich dann schließlich am 22.2.1699 in Drage Catharina Hedwig v. Rantzau (8.6.1683-12.3.1743). Ihrer beider Allianzwappen ist im Innern der Kirche zu sehen (ohne Abb.), das Castell-Wappen wie beschrieben, das Rantzau-Wappen ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: silbern-rot gespalten (in Feld 4 jedoch abweichend), Feld 2 und 3: in Gold ein schwarzer Schräglinksbalken, von schwarzen Schindeln begleitet (zu sehen sind jedoch gänzlich abweichende Farben), Herzschild: in Blau ein goldener, golden gekrönter Löwe (auch hier farbliche Differenzen), dazu drei Kleinode. Aus dieser dritten Ehe stammt die Tochter Friederike Eleonore v. Castell-Rüdenhausen (14.5.1701-21.3.1760), die einen Verwandten des Vaters aus einer anderen Linie heiratete, nämlich Carl Friedrich Gottlieb Graf v. Castell-Remlingen (16.4.1679-9.5.1743). Die anderen drei Kinder starben früh, Wolfgang Christian v. Castell-Rüdenhausen (7.12.1702-16.2.1707), Sophia v. Castell-Rüdenhausen (9.4.1704-10.4.1704), Wilhelmina Charlotte Luise v. Castell-Rüdenhausen (12.4.1705-4.2.1707) und Philipp Friedrich v. Castell-Rüdenhausen (31.7.1706-24.10.1706).

Nach dem Tod seiner dritten Frau, er war immerhin schon 68 Jahre alt, heiratete Johann Friedrich zum vierten Mal, diesmal suchte er sein Glück wieder im Hause Hohenlohe-Oehringen. Er heiratete am 19.7.1743 in Rüdenhausen Eleonora Christiane zu Hohenlohe-Oehringen (1.3.1720-17.2.1746), und dieser Beiden Wappen sehen wir über dem Kirchhofportal. Die vierte Frau schenkte ihm endlich den ersehnten Stammhalter, Friedrich Ludwig Carl Christian Graf v. Castell-Rüdenhausen (17.2.1746-7.2.1803). Doch dieser Sohn führte kein glückliches Leben, heiratete zweimal, erst Friderica Maria Johanna Gräfin Reuss-Greiz (9.7.1748-14.6.1816), dann am 17.1.1770 Carolina Friederike Helene Johanna v. Voss (15.12.1755-2.3.1827), der Sohn aus der zweiten Ehe starb als Kleinkind, und Friedrich Ludwig Carl Christian starb in geistiger Umnachtung.

Johann Friedrich startete einen neuen, fünften Versuch und heiratete, selbst mittlerweile 72 Jahre alt, am 23.2.1747 in Rüdenhausen Magdalena Dorothea v. Hohenlohe-Ingelfingen (9.9.1705-18.4.1762), und diese Ehe blieb kinderlos. Wie man sieht, stammen drei seiner fünf Frauen aus dem Haus Hohenlohe, davon zwei noch aus der gleichen Linie. Die exakte Zuordnung ist also nur über die Datierung 1744 möglich.

Literatur, Links und Quellen:
Kulturpfad Grafen Castell: http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/obereisenheim.html
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Festschrift zur Feier der 500jährigen Kirchweih der Pfarrkirche Obereisenheim, hrsg. von Pfarrer Peter Dölfel, ev. luth. Pfarramt in Obereisenheim, 1996
denkmalpflegerische Erhebung zur Dorferneuerung Obereisenheim:
http://www.kerstin-gruber.de/pdf/32_DEB_Obereisenheim.pdf

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