Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1965
Heilbronn (Regierungsbezirk Stuttgart)

ev. Kilianskirche in Heilbronn, Wilhelm Kotz von Metzenhofen

Dieses auf 1651 datierte Epitaph ist in der westlichen Vorhalle angebracht, als dritte Platte (von links gezählt) einer Vierergruppe am südlichen Teil der Westwand. Die Platte in einem frühbarocken Stil besitzt eine zentrale Inschriftenzone und vier Vollwappen, die paarweise oberhalb bzw. unterhalb der Inschrift angeordnet sind, wobei die beiden oberen durch einen geflügelten Engelskopf getrennt sind und die beiden unteren durch eine von der Schrifttafel herabhängende Troddel. Alle vier Wappen sind namentlich zugeordnet.

 

Die Inschrift in der Mittelzone lautet: "AN(N)O CHRISTI 1651 de(n) 7. MARTY ist in Gott seeliglich entschlaffe(n) deß Hochwohl Edelgebor(e)nen Gestrenge(n) Herr(n) EMANVEL Kotz von Metzenhoffen Churf(ürstlich) Pfältz(ischen) geheime(n) Raths Oberst GOUVERNEUR Zu Heilbron(n) und Ober Amptman(n)s zu Oppenheim Hertzgeliebtes Söhnlein WILHELM seines Alters dritthalb Jahr weniger 2 woche(n)."

Heraldisch oben rechts befindet sich das Wappen der oberpfälzischen, in der Eisenverhüttung tätigen Familie Kotz von Metzenhofen, es zeigt in Rot einen goldenen Hirschrumpf, auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken ein goldenes Hirschgeweih. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 99 Tafel: 54, vgl. auch Tafel 61 für die Kotz von Feilershammer, letzteres gemäß einer Adelserhebung vom 20.1.1613 für die drei Brüder Johann, Johann Georg und Balthasar Kotz. Das aus diesem Anlaß vermehrte und farblich sehr zum Nachteil veränderte Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein natürlicher Hirschrumpf, Feld 2 und 3: in Gold ein eisenfarbiger Spitzhammer mit braunem Schaft. Der Vater des früh verstorbenen Kindes war Emmanuel Kotz (31.1.1604-21.12.1665). Dieser machte eine militärische Laufbahn im 30jährigen Krieg, wurde Obrist und stand erst in Diensten von Hessen-Kassel, insbesondere im Hessenkrieg war er Stadtkommandant der wichtigsten Festungen wie z. B. Dorsten und Neuß. Das Wappen der aus den Niederlanden stammenden Familie Junius, welches wir oben auf der anderen Seite sehen, wird im Rietstap beschrieben: In Blau ein goldenes Schildchen, darin drei (2:1) rote Flanchis (schwebende kleine Andreaskreuze), bewinkelt von vier, manchmal - wie hier - auch nur drei goldenen Lilien, die mit ihrem Fuß zur Schildmitte gerichtet sind, auf dem Helm ein golden-blauer Flug, beiderseits mit einer Lilie belegt. Französischer Blason nach Rietstap: D'azur à un écusson d'or, chargé de trois flanchis de gueules et cantonné de quatre fleurs-de-lis du seconde, les pieds dirigés vers le coeur de l'écu (quelquefois on ne trouve que trois fleurs-de-lis). Cimier: un vol d'or et d'azur.

Das Wappen unten rechts ist das der Familie Weisman (Weismann von Weissenstein), es zeigt in Rot ein unten von zwei silbernen Rosen beseitetes Instrument, das aus einem pfahlweise gestellten Stab und darauf balkenweise befestigtem Joch besteht, von dessen Enden zwei Linien dreiecksförmig zum Fuß des Stabes gespannt sind.

Im Siebmacher Band: Bay Seite: 63 Tafel: 67 wird das anders dargestellt: "In Rot eine jederseits von einer silbernen Rose begleitete gestürzte silberne Spitze, in dieser ein Instrument, das in manchen Abbildungen, z. B. Tyroff, bayr. Wappenbuch IX, 40 aussieht wie ein Bohrer, in anderen aber wie ein goldener Dolch oder die Spitze einer Hellebarde." Bei der hier vorliegenden Darstellung enden die Linien an den hakenförmigen Enden des horizontalen Joches und werden nicht bis zum Schildrand weitergeführt, während in der Literatur von einer Feldeinteilung in Form einer Sturzspitze die Rede ist. Von der Form her könnte es sich bei dem zentralen Objekt tatsächlich um einen Handbohrer handeln. Eine historische Darstellung ist in einem Stammbuch aus Franken zu finden, dort ist es ebenfalls eindeutig in Rot eine eingebogene Sturzspitze, und das metallisch-grau dargestellte, unten zugespitze Objekt besitzt im oberen Teil eine um den Schaft gezogene, zu beiden Seiten griffartig abstehende, goldene Handhabe.

Einigkeit herrscht hingegen hinsichtlich der Helmzier zwischen Siebmacher und Befund: Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, silbern gekleideter Mann mit roter, silbern aufgeschlagener Mütze, mit der Rechten eine Hellebarde schulternd, die Linke eingestemmt. Diese Darstellung wird durch vorerwähnte Stammbuch-Abbildung bestätigt, ergänzt durch eine rote, vorne geknotete Gürtelschärpe mit herabhängenden Enden und durch rote Ärmelaufschläge.

Ganz unzutreffend wird das Wappen unter Weissmann von Weissenstein im Rolland abgebildet, dort ist es eine eingebogene Spitze, und die Rosen kommen dadurch oben im Schild zu liegen; das widerlegt die Darstellung hier. Die Lage stimmt hingegen beim Text im Rietstap: D'argent, chaussé-ployé de gueules, l'argent chargé d'une vrille de fer, emm. d'or, le manche en haut, le gueules chargé de deux roses d'argent, bout. d'or. Casque couronné. Cimier: un homme issant, habillé d'argent, au rabat de gueules, ceinturé et rebr. du meme, coiffé d'un bonnet d'argent, retr. de gueules, tenant de sa main dextre la vrille, posée sur son épaule, la senestre appuyée sur sa hanche. Lambrequins d'argent et de gueules. Rietstap postuliert also den Drillbohrer auch in der Helmzier, wohingegen diese Darstellung auf dem Stein eindeutig eine Hellebarde zeigt, ebenso vorerwähnte Stammbuchdarstellung. Die Familie wurde am 19.1.1615 geadelt.

Das Wappen heraldisch unten links stellt das Wappen Hildebrants (Hildebrandt) dar, im Schild ist ein Kesselhaken zu sehen, desgleichen auf dem Helm zwischen einem Flug (nicht in der Literatur, Hinweise willkommen).

Literatur, Links und Quellen:
Evangelische Kilianskirche Heilbronn: http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.de/
Kirchengemeinde:
http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.....gemeinde/
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Pfarrer Hans-Jörg Eiding für die Publikationserlaubnis der Innenaufnahmen

Evangelische Kilianskirche Heilbronn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kilianskirche_%28Heilbronn%29
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Emmanuel Kotz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Kotz
Emmanuel Kotz: http://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_und_Abbildung_Aller.....Einzug_der_Kurpfalz
Emmanuel Kotz: http://www.30jaehrigerkrieg.de/kotz-kolz-von-metzenhoven-metzenhof-emanuel/
Emmanuel Kotz: http://books.google.de/books?id=bPYcAQAAMAAJ......EkQ6AEwBw
Rietstap/Rolland
Tyroffsche Wappenbücher
Weismann-Wappen: ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Daniel Solling, Uppsala, für den Hinweis auf die Darstellung in einem Stammbuch aus Franken.

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2013
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de