Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1964
Heilbronn (Regierungsbezirk Stuttgart)

ev. Kilianskirche in Heilbronn, Catharina von Sparr geb. v. Bredow

Dieses auf 1641 datierte Epitaph ist in der westlichen Vorhalle angebracht, als zweite Platte (von links gezählt) einer Vierergruppe am südlichen Teil der Westwand. Die Platte in manieristischem Stil besitzt einen äußeren Rahmen mit einer umlaufenden Inschrift. Das durch einen rechteckigen, erhabenen Rand abgeteilte Innenfeld ist zweigeteilt, die untere Hälfte gibt Raum für ein an drei Rändern umlaufend mit Randornamenten verziertes Inschriftenfeld, und im oberen Teil schließt ein kreisrunder Blattkranz ein Allianzwappen aus zwei zusammengestellten Vollwappen ein, während in den vier sich daraus ergebenden Zwickeln vier Wappenschilde für Ahnen zu sehen sind, die allesamt eine stark asymmetrische, ca. 45 Grad geneigte Form haben, die oberen beiden sind nach innen geneigt, die unteren beiden nach außen. Die beiden oberen wiederholen die Inhalte des zentralen Allianzwappens, die beiden unteren zeigen neue Inhalte. Alle vier Schilde sind mit kleinen, in das Feld eingefügten Schriftbändern namentlich zugeordnet, ein gestalterisches Zugeständnis an die besondere Form und Ausrichtung der Schildkartuschen, wobei aber angemerkt sein sollte, daß nichtheraldische Inhalte innerhalb des Schildes normalerweise nichts zu suchen haben.

 

Die Inschrift im inneren Feld lautet: "Auff Donnerstag den 18 FEBRVARRII ANNO 1641 morgens zwischen 5 und 6 uhrn vor mittag Ist in Gott selliglich Endtschlaffen Deß hochwo(h)lgebor(e)nen herrn herr Ernst Georgen Graff von Sparrn herr auff Tramppen und Brenden der Röm(isch) Keiß(erlichen) auch zu Pohllen (= Polen) und Schweden König(lichen) May(estät) Kriegs Rath Cämmer(er) GENERAL Feldt zeigmeister und Obristen zu Roß und Fuß sellig gemahlen die hoch un(d) wo(h)lgebor(e)ne Fraw Fraw Catharina Gräffen von Sparr gebor(e)ne von Bredow vom haus gremmen Ihres alters 43 Jahr(e) deren Gott genedig sey amen." Die äußere Umschrift ist religiöser Natur: "Ich Hab(e) Einen Guten Kampff gekempffet Ich Hab(e) Den Lauff vollendett Ich Habe Glauben gehalten hinfortt ist mir beygelegt die Kron(e) der gerechtigkeit welche mir der Herr an jenem Tag der gerechtigkeit Richter geben wird nicht mir allein sondern allen die sein(e) Erscheinung lieb haben (2.Timotheus 4, 7-8).

Das Wappen der von Sparr zeigt in Blau ein silbernes Schildchen, bordweise begleitet von sieben (3:2:2) goldenen Sternen. Im Einzelnen findet sich auch eine abweichende Anzahl der Sterne, von sechs bis acht reichen die Literaturangaben, die auch hinsichtlich der exakten Tinktur von Schildchen und Sternen eine einheitliche Linie vermissen lassen. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ist ein silberner Flug (hier im Profil eingedreht, nicht zum fast frontal dargestellten Helm passend), beiderseits belegt mit einem blauen, mit vier goldenen Sternen belegten Schrägbalken, rechts schräglinks, links schrägrechts. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bö Seite: 171 Tafel: 75, Band: PoA Seite: 92 Tafel: 58, ferner im Münchener Kalender 1934 und im Westfälischen Wappenbuch, wo die Helmzier aber abweichend aus einem blauen Flügel besteht. Bei dem Ehemann der Verstorbenen handelt es sich um den berühmten Generallieutenant, Generalfeldwachtmeister (11.7.1632) und Generalfeldzeugmeister (1633) Ernst Georg v. Sparr (1596-28.6.1666) vom Stamme der Sparr auf Trampe bei Eberswalde im Märkischen Kreise Oberbarnim, der in königlich-polnischen, markgräflich-brandenburgischen, kaiserlichen und königlich-schwedischen Diensten stand, erst im Einsatz gegen Türken, dann im Dreißigjährigen Krieg, erst unter Wallenstein und gegen die Schweden, dann auf der anderen Seite, dann wieder für den Kaiser - die Dienstherren und die Fronten wechselten je nach Auftragslage und militärischem Glück. Später lange nach Kriegsende wurde er am 17.2.1654 in den Grafenstand erhoben (was bereits 1641 zugesagt worden war). Das Wappen wurde in einer anderen Form durch den schwarzen, doppelköpfigen Reichsadler im zentralen Schildchen verbessert und mit silbernen Sternen geführt.

Das andere Wappen steht für Catharina Marie Louise v. Bredow (-18.2.1641). Das Stammwappen der von Bredow zeigt in Silber einen roten Steigbaum (Steighaken), auf dem Helm mit silbern-roten Decken einen silbernen, rotbewehrten Bock wachsend (Tingierung nach Hupp, Münchner Kalender 1907). Das Wappen dieser uradeligen Familie aus der Mark Brandenburg, dessen namengebender Stammsitz Bredow bei Nauen lag und welche als weitere Hauptsitze Friesack und Kremmen besaß, wird beschrieben im Siebmacher Band: AnhA Seite: 11 Tafel: 5, Band: Me Seite: 7 Tafel: 3, Band: MeA Seite: 16 Tafel: 8, Band: Pr Seite: 98 Tafel: 127, Band: PrAE Seite: 7 Tafel: 4, Band: Sa Seite: 22 Tafel: 23, vgl. auch Band: Pr Seite: 4 Tafel: 5 und Band: PrGfE Seite: 4 Tafel: 3, Band: Pr Seite: 36 Tafel: 43, ferner im Münchener Kalender 1907 und im Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 1, 1896. Von diesem Wappen gibt es farbliche Varianten, so sind die Sprossen des Steigbaumes im alten Siebmacher golden tingiert, was sich dann ausbreitete, gleiches gilt für die Hörner des Bocks, die ebenfalls auch golden tingiert dargestellt werden, was dann zur bestimmenden Wiedergabe wurde. Einen ganz ähnlichen Schild führen übrigens die v. Donop in Westfalen und die v. Ramin in Pommern. Die Verstorbene gehörte zum erloschenen Familienzweig Kremmen.

Der Ehe Catharinas mit Ernst Georg v. Sparr sind folgende Kinder entsprossen: Christian, Anna Elisabeth, Ernst Ludwig, Ernst Georg, Gottliebe (1635-12.9.1638), Wladislaus (-1672), Elisabeth Sabine und Johann Ernst Ludwig v. Sparr (-28.8.1704).

Die beiden oberen Wappenschilde wiederholen die Inhalte der Hauptwappen, heraldisch links v. Sparr, heraldisch rechts v. Bredow. Hier steht der rechte Schild für den Vater des Ehemannes, Ernst v. Sparr (29.5.1540-13.6.1596), und der linke Schild steht für den Vater der Ehefrau.

Der Schild unten rechts trägt das Wappen der Gans zu Putlitz ("BVDLITZ"), es zeigt in Rot eine auffliegende, golden gekrönte, silberne Gans mit goldener Halskrone. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre auf einem Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild zwischen zwei geharnischten Armen, die eine goldene Laubkrone emporhalten. Das Wappen dieses Geschlechts der Kurmark Brandenburg, das von Markgraf Otto von Brandenburg mit dem obersten Marschallamt erblich belehnt wurde, wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 101 Tafel: 59, PoA Seite: 27 Tafel: 18, MeA Seite: 36 Tafel: 19, PrGfN Seite: 8 Tafel: 5, im Münchener Kalender 1915 und im Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 1, 1896.

Der Schild unten links trägt das Wappen der mecklenburgischen und pommerschen Familie Moltzan, gespalten, rechts aus dem Spalt wachsend eine Traube zwischen zwei Blättern, links zwei aus dem Spalt nach links wachsende Hasenrümpfe. Heute findet man dieses uradelige Geschlecht unter dem Namen Maltzan (Joachim von Maltzan (1492-1556) hatte die Schreibweise geändert). Es gibt die Schreibweise Maltzan für den Stamm Penzlin und Maltzahn für den Stamm Sarow. 1530 wurden sie Reichsfreiherren, 1728 Reichsgrafen. 1774 wurden sie im Herzogtum Schlesien Obererblandkämmerer. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 18 Tafel: 19-20, in Band: Bö Seite: 238 Tafel: 106, in Band: Me Seite: 14 Tafel: 12, Band: Pr Seite: 54 Tafel: 69, Band: Pr Seite: 252 Tafel: 303, ferner in Band: SchlA2 Seite: 78 Tafel: 50. Die Farben der Hasenrümpfe oder Hasenköpfe ist golden auf blauem Feld, die andere Seite zeigt auf goldenem Grund Blätter und Traube in Rot, wobei auch die Pflanze grün und nur die Traube rot sein können. Die Helmdecken sind blau-golden/rot-golden, und die Helmzier ist ein Pfauenstoß. Welche Traube es ist, darüber gehen die Ansichten auseinander, sie wird sowohl als Weintraube als auch als Maulbeertraube beschrieben. Hier sehen wir die Traube heraldisch rechts und die Hasenköpfe links, die meist übliche Darstellung in der Literatur ist vice versa. Üblicher ist auch eine Darstellung, nach der die Pfauenfedern der Helmzier aus einem goldenen Köcher hervorkommen oder aus einem gezackten Schirmbrett, hinter sieben goldenen Pfählen oder ebensolchen Palisaden (bei einigen Linien auch bunte Palisaden).

Literatur, Links und Quellen:
Evangelische Kilianskirche Heilbronn: http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.de/
Kirchengemeinde:
http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.....gemeinde/
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Pfarrer Hans-Jörg Eiding für die Publikationserlaubnis der Innenaufnahmen

Evangelische Kilianskirche Heilbronn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kilianskirche_%28Heilbronn%29
Sparr: Otto Hupp, Münchener Kalender 1934
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Sparr: Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Ernst Georg v. Sparr:
http://www.30jaehrigerkrieg.de/sparr-sparre-spara-zu-trampe-auf-greifenberg-ernst-georg-graf-von-3/
Bernhard von Poten, Artikel Ernst Georg Graf von Sparr in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 62-63,
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Sparr,_Ernst_Georg_Graf
Ernst Georg v. Sparr:
http://www.deutsche-biographie.de/xsfz80640.html
Ernst Georg v. Sparr:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008393/images/index.html?seite=64
v. Bredow: Otto Hupp, Münchener Kalender 1907
v. Bredow: Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 1, 1896.
v. Bredow:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bredow_%28Adelsgeschlecht%29
Hans Branig, Bredow, in: Neue Deutsche Biographie, Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 567,
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016318/images/index.html?seite=587
Familienverband v. Bredow:
http://www.familie-von-bredow.de/ - Geschichte: http://www.familie-von-bredow.de/geschichte.html
Ganz zu Putlitz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gans_zu_Putlitz
v. Putlitz: Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 1, 1896.
v. Putlitz: Otto Hupp, Münchener Kalender 1915
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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