Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1953
Esch (Landkreis Bernkastel-Wittlich)

Die ehemalige Burgkapelle in Esch

In unmittelbarer Nähe der einstigen Burg der Kurfürsten von Trier, auf der die Herren von Esch saßen, befindet sich die ehemalige Burgkapelle St. Nikolaus auf einer Anhöhe. Die Herren von Esch waren Ministerialen der Trierer Fürstbischöfe und bekleideten seit Gerhard von Esch bis zu ihrem Aussterben am 15.10.1560 das Amt des fürstbischöflichen Kämmerers. Die erste Kapelle an dieser Stelle wurde 1408 errichtet, wurde aber später zerstört bis auf den 4,05 m breiten und 5,10 m langen, dreiseitig geschlossenen Chor mit Strebepfeilern.

1771 gab der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Kirche. Aus dieser Zeit stammt auch der kleine Dachreiter mit Glockenstuhl. Damals war die kurfürstliche Burg längst verfallen, und die Herren von Esch waren längst ausgestorben. Die unterschiedlichen Bauepochen kann man auch gut an den Fensterformen ablesen, der Chor hat noch gotische, spitzbogige Fenster mit breiter Laibung. Das 5,05 m breite und 7,75 m lange Kirchenschiff wurde 1912 renoviert. Rechts oberhalb der rund geschlossenen Kapellentür auf der Westseite ist eine querrechteckige Inschriftentafel als Spolie eingemauert. Von den verwitterten Minuskeln kann man nur noch wenig lesen.

Der als Spolie links oberhalb der Kapellentür eingemauerte Wappenstein besteht insgesamt aus drei Wappenschilden, wobei die beiden oberen einander in Courtoisie zugeneigt sind. Der erste Schild zeigt unzweifelhaft das Wappen der Herren von Esch, geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender, roter Löwe, unten silbern-blaues Eisenhutfeh. Der zweite Schild zeigt einen Balken. Möglicherweise und vorbehaltlich weiterer Quellen handelt es sich um das Wappen der von Raesfeld (in Gold ein blauer Balken), das auch in der Ahnenprobe für Philipp von Ottenesch (-1535) auf dessen Epitaph in der Wallfahrtskirche Klausen vorkommt und ebenso auf dem Epitaph des Georg von Esch (-1560) in der Eingangshalle der Pfarrkirche von Sehlem, wobei bei letzterem nur die Beschriftung noch lesbar ist, der Schild selbst aber verwittert ist. Der dritte Schild zeigt drei (2:1) Adler. Bei der Zuordnung ist ein weiterer Blick in die Pfarrkirche Sehlem hilfreich, wo auf einem Retabel von Georg von Esch (-15.10.1560) neben seinem Wappen das seiner Frau Apollonia von Thann zu Thanstein (-1576) dargestellt wird, und diese führt in Rot drei (2:1) silberne Adler (vgl. Zobel Tafel 337), so daß auch hier diese Zuordnung wahrscheinlich ist (Hinweise willkommen).

Auf der Südseite befindet sich in der Nähe des kreuzrippengewölbten Chores ein weiterer, aber leerer Wappenschild, der an einem geknoteten Strick aufgehängt ist (ohne Abb.), angebracht über einer Tür mit Kielbogenkehle im geraden Sturz, auf dem die Zahl 1408 nachträglich aufgemeißelt worden ist.

Literatur, Links und Quellen:
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der 'landeskundlichen Vierteljahresblätter'
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Esch: http://www.vg-wittlich-land.de/vg_wittlich_land/B%C3%BCrger%20und%20Service/Ortsgemeinden/Gemeinden%20der%20VG/Esch/
St. Nikolaus:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=1718
Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 12, Abt. 4, Die Kunstdenkmäler des Kreises Wittlich, 1934, S. 273-278 bzw. 1085-1088.

Sehlem: Pfarrkirche St. Georg, Georg von Esch - Pfarrkirche St. Georg, Retabel - Pfarrkirche St. Georg, Albrecht von Esch
Esch:
Koppenstein-Kreuz

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