Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1951
Kastellaun (Rhein-Hunsrück-Kreis)

Sponheimisches Amtshaus

Kastellaun gehörte zur Grafschaft Sponheim. Die Grafen von Sponheim errichteten im 13. Jh. die Burg über dem Ort, gaben den Ort aber 1340 als Residenz auf und gingen nach Bad Kreuznach. Nach der Unterteilung vor 1237 gehörte Kastellaun zur Vorderen Grafschaft Sponheim, die bis zum Aussterben der Vorderen Linie 1417 Bestand hatte. Ein Fünftel der Vorderen Grafschaft kam an Baden, der Rest an die Linie Sponheim-Starkenburg. 1422 verpfändete Johann V. Graf von Sponheim ein zweites Fünftel der ererbten Vorderen Grafschaft an Baden. Nach dem Aussterben der Grafen von Sponheim auch in der anderen Linie 1437 kam der restliche Besitz, also die ganze Hintere Grafschaft und die restlichen 3/5 der Vorderen Grafschaft, einerseits über Veldenz an Pfalz-Zweibrücken, später Pfalz-Simmern und andererseits an Baden und stand unter gemeinsamer Verwaltung. Auf der Burg lebten bis 1594 die verschiedenen Amtmänner, die Kastellaun im Auftrag der Landesherren verwalteten. Kurzfristig wurde die Burg Kastellaun noch einmal unter Markgraf Eduard von Baden gen. Fortunatus 1594 Residenz, als dieser aus Baden-Baden vertrieben worden war. Durch komplexe Zusammenhänge und Verträge kam es zu mehreren Gebietsübergängen. Erst 1707 wurden die Vordere Grafschaft und 1776 die Hintere Grafschaft wirklich geteilt. Man beendete die gemeinsame Herrschaft und teilte die einzelnen territorialen Kuchenstücke konkret den Erben zu, wobei Amt und Stadt Kastellaun schließlich an Pfalz-Zweibrücken kamen.

Das bereits 1628 erwähnte Amtshaus (Schloßstraße 11) wurde 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg genauso wie die Burg und die Stadt Kastellaun zerstört. Ab 1691 erfolgte der Wiederaufbau als zweiflügelige Anlage mit L-förmigem Grundriß. Die Fachwerkobergeschosse sind verschiefert. Am Eingang des sponheimischen Amtshauses am Zusammenstoß beider Flügel ist ein Wappen mit dem Sponheimer Schach zu sehen, das von zwei schräggekreuzten Palmwedeln beseitet und von einem Fürstenhut überhöht wird. Als dieses Wappen entstand, waren freilich die Grafen von Sponheim längst erloschen, aufgrund der noch gemeinsamen Verwaltung wurde hier jedoch das neutrale sponheimische Wappen für das Rentamt der Markgrafen von Baden bzw. der Pfälzer gewählt. Das Schach wird von der Vorderen Grafschaft blau-golden geführt, von der hinteren Grafschaft rot-silbern.

Während der Zeit napoléonischer Besetzung war hier das Friedensgericht im Kanton Kastellaun untergebracht, dann war das Gebäude Gendarmerie-Kaserne und schließlich, nachdem Kastellaun 1815 zur preußischen Rheinprovinz kam, war hier die kgl. preußische Oberförsterei. Seit 1931 dient das später umfassend wiederhergestellte Gebäude als katholisches Pfarrhaus.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafel am Objekt
Zeittafel von Kastellaun:
http://www.stadt-kastellaun.de/fileadmin/user........./Kastellaun_Erlebnisfuehrer.pdf
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Grafschaft Sponheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Sponheim
Grafschaft Sponheim:
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~jv8/archiv/fpi_galerie/kurpfalzkarte/Sponheim.htm
Genealogie Sponheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Grafen_zu_Sponheim

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