Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1950
Kaimt (zu Zell, Landkreis Cochem-Zell)

Der St. Maximiner Hof in Kaimt

Im Weindorf Kaimt hatten neben einigen Adeligen der Region auch etliche Klöster ihre Höfe, darunter das Kloster Himmerod, das einen 1139 gestifteten und 1250/1269 vergrößerten Hof besaß, das Trierer Kloster St. Matthias, dessen Hof bereits seit 1440 erwähnt wird, die Abtei Wadgassen, deren Hof 1179 als klösterlicher Besitz bestätigt wurde und 1410 dem Johann Waldecker zu Lehen gegeben wurde, und der hier vorgestellte Hof der Trierer Abtei St. Maximin. Dieser liegt im alten Ortszentrum an der Maximinergasse, südwestlich von deren Knick. Er wird auch Hof Nijdeck genannt. Nach vielfacher Umgestaltung und starker Erneuerung erinnert nur Weniges heute an den alten Klosterhof, doch haben sich an der östlichen, abgewalmten Giebelseite des aus dem 16./17./18. Jh. stammenden, zweistöckigen Haupthauses mit rot abgesetzten Steingewänden und Krüppelwalmdach zwei bauplastische Darstellungen mit Wappen St. Maximiner Äbten erhalten.

 

Neben dem Hofgut in Kaimt besaß die Abtei St. Maximin flußabwärts von Trier etliche weitere Güter, so in Kenn, Detzem, Niederemmel, Pölich, Longuich, Büdlich, Breit, Kirsch, Riol, Fell mit Lorscheid und Herl, Schweich, Issel, Naurath und Schönberg etc. und in Richtung Koblenz in Löf, Rübenach und Brohl. Überhaupt war die Abtei, deren Reste heute kaum die einstige Größe und den einstigen Reichtum widerspiegeln, einer der größten Grundbesitzer der Region mit Grundbesitz in Trier, Wasserbillig, Mertert, Mersch, Remich, Luxemburg, Mertesdorf, Olk, Dudeldorf, Niederehe, Oberehe, Tarforst, Oberemmel, Mandern, Wasserliesch, Manternach, Auw, Hosten, Heining an der Nied und weiterem Fernbesitz in Rheinhessen und an der Nahe. Kaimt gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung, sondern kam durch Zukauf im 13. Jh. ins Immobilien-Portfolio der Abtei hinzu. Das Weingut wurde durch Zukäufe vergrößert, so daß z. B. 1695 insgesamt 53500 Weinstöcke von hier aus bewirtschaftet wurden.

Über der asymmetrisch nach Süden gesetzten Tür befindet sich ein Wappen des St. Maximiner Abtes Willibrord Scheffer (amtierte 1738-1762). Er wurde als Henri Scheffer am 1.3.1697 geboren, trat am 15.8.1720 in das Benediktinerkloster St. Maximin zu Trier ein, legte am 14.9.1721 seine Gelübde ab und nahm den Namen Pater Willibrord an. Zum Priester wurde er am 23.9.1724 ordiniert, am 21.4.1738 wurde er vom Kapitel zum 79. Abt des Klosters gewählt, am 9.11.1738 wurde er von Lothar von Nalbach inthronisiert. Dieses Amt versah er bis zu seinem Tode am 29.10.1762. Das in eine spätbarocke Kartusche einbeschriebene Wappen ist geteilt, oben ein doppelköpfiger Adler mit kaiserlicher Krone zwischen den Häuptern und Schwert und Reichsapfel in den Fängen, Symbol für den einst reichsunmittelbaren Status der Abtei, welcher aber im 17. Jh. verlorenging, unten in Blau ein goldenes, von einem goldenen Stern überhöhtes Kirchengefäß (Pokal) mit Deckel, beseitet von zwei weiteren goldenen Sternen, das persönliche Wappen des Abtes, wobei hier durchgängig die Farbfassung nicht den korrekten Tinkturen entspricht. Auf der Kartusche ruht eine Inful, schrägrechts hinter dem Schild ist der Krummstab des Abtes, während schräglinks als weitere Erinnerung an den reichsunmittelbaren Status das Schwert zu sehen ist.

 

Während man das Wappen des Willibrord Scheffer noch häufiger sehen kann, so in Trier an dem Torbogen der Abtei, in Trier als Spolie am modernen Postkomplex, in Mertesdorf an Schloß Grünhaus sowie am Klosterhof in Kenn und am Amtshaus in Schweich, befindet sich nördlich vom zuerst gezeigten Wappenstein oberhalb eines kleinen, eingeschossigen Vorbaus ein weiterer Wappenstein, der eine echte Rarität ist, sowohl personell als auch inhaltlich als auch hinsichtlich seiner darstellerischen Qualität. Dieser Stein zeigt sehr schönes Renaissancewerk und ist im halbkreisförmigen Giebelaufsatz auf 1575 datiert. Zwei Wappenschilde stehen rechts und links des durch die Inful gesteckten Krummstabes. Die beiden oberen Zwickel des Rechteckfeldes sind mit je zwei schräggestellten Delphinen geschmückt, deren geringelte Schwänze von einem kleinen Bund zusammengehalten werden.

   

Es handelt sich um den Wappenstein des St. Maximiner Abtes Matthias aus Saarburg (oder Matthias von Saarburg, latinisiert zu Mathias ab Saracastro, amtierte 1568-1581). Nicht nur ist dies ein Abt, von dem nur wenige heraldische Spuren existieren (außer diesem ist mir nur eine Spolie erheblich schlechterer Erhaltung in Detzem bekannt), sondern auch ein Abt mit einem außergewöhnlichen Geschmack bei der Wahl seines Wappenmotives: Er führte drei (2:1) silberne Totenköpfe im Wappen. Nach der Wappentafel der Maximiner Äbte ist die Feldfarbe Rot. Der andere Wappenschild auf der optisch linken Seite des Abtsstabes ist der doppelköpfige Adler (müßte natürlich korrekt schwarz tingiert sein) der Abtei mit Reichsunmittelbarkeitsanspruch, wobei genau unter diesem Abt diese Unmittelbarkeit durch Entschluß des Reichskammergerichts 1570 verlorenging. Im Gegensatz zum Scheffer-Wappen wird der Doppeladler hier ohne Insignien dargestellt.

Der ca. 1540 geborene Matthias aus Saarburg war der 2 Jahre jüngere Bruder von Jakob Reuter aus Saarburg. Mit 26 Jahren wurde er am 3.5.1568 zum Abt gewählt, nachdem seinen Vorgänger Petrus Reck am 1.5.1568 ein plötzlicher Tod nach einem vergifteten Trunk bei einem Gastmahl in Pfalzel ereilte. Abt Matthias hatte eine Menge Aufbauarbeit im Kloster zu leisten, denn wenige Jahre vorher hatten erst Franz von Sickingen und dann Markgraf Albrecht Alcibiades das Trierer Land verwüstet, und die draußen vor den Stadtmauern liegende Trierer Abteigebäude mußten wieder aufgebaut werden. Franz von Sickingen hatte sogar das Einverständnis des Trierer Erzbischofs zur Zerstörung von St. Maximin, denn wegen der Frage der Reichsunmittelbarkeit war der Fürstbischof der Abtei nicht wohlgesonnen, und durch den großen Reichtum hatte sich die Abtei innerhalb Triers Mauern keine Freunde gemacht. Und in die Opposition zwischen Kurfürst und Trierer Bürgern wurde die Abtei ebenfalls hineingezogen. In dieser Zeit des Wiederaufbaus war die Abtei personell sehr eingeschränkt und hatte nur wenige Mönche. Der mit den Jesuiten ein gutes Verhältnis pflegende Abt Matthias wurde 1577/78 Rektor der Universität Trier. Abt Matthias verstarb am 15.12.1581 nach vierzehnjähriger Amtszeit.

Liste der Äbte von St. Maximin vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben die hier mit Wappen vertretenen Äbte):

Literatur, Links und Quellen:
Reichsabtei St. Maximin: http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsabtei_St._Maximin
Christian König: Trier - St. Maximin, in: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz
http://www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/trier-st-maximin.html
Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/2010/05/08/abte-von-sankt-maximinus-bertholet/
Wappen der Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/saint-maximin-treves/?PHP
Wappen von Matthias von Saarburg
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/saint-maximin-treves/mathias-a-saracastro/
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.
Klöster in Trier von der Spätantike bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Erwachsenenbildung anläßlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier vom 25.3. bis 1.11.1984 im Domkreuzgang. Konzeption: Prof. Dr. Franz J. Ronig.
Philipp Wey, Matthias Saarburg, Abt von St. Maximin 1568-1581, in: Neues Trierisches Jahrbuch, Bd. 14 (1974) S. 72-77.
Hinweistafel am Objekt
Moseltouren:
http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-18-kaimt/index.html
Besitz von St. Maximin: Josef Hilgers, Ad decimum Lapidem, Detzem, die Geschichte eines Moseldorfes, hrsg. von der Gemeinde Detzem und der Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde des Trierer Raumes, Nr. 34 der Reihe Chroniken des Trierer Landes, S. 66.
Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 19, Abt. 3, Kreis Zell an der Mosel, 1938, S. 176-186.

Boos von Waldeck-Hof

Äbte der Abtei St. Maximin in Trier
Besondere Motive:
Totenkopf

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