Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1949
Kaimt (zu Zell, Landkreis Cochem-Zell)

Der Boos von Waldeck-Hof in Kaimt

Die Boos von Waldeck besaßen einst in Kaimt zwei Herrenhäuser. Das eine davon existiert leider nach einem Brand nicht mehr. Der andere Hof ist auch unter dem Namen Haus Treis bekannt, so nach den Nachbesitzern benannt, und befindet sich an der Uferfront von Kaimt. Weithin sichtbar ist der stattliche Fachwerkgiebel des um 1580 errichteten Hauses, das von zwei barocken Pavillonbauten flankiert wird, wodurch die moselseitige Erscheinung noch breiter wirkt. Die Pavillons besitzen eine gebrochene, geschweifte Dachkonstruktion. Das Fachwerk selbst mit seinen dichtgestellten Kreuzstreben der Brüstungsfelderreihen verweist noch in die spätgotische Formenwelt. Im 19. Jh. war das Fachwerk überputzt, wurde aber im Zuge einer Renovierung wieder freigelegt.

Neben dem barocken, pavillonartigen Anbau an der Südecke des Herrenhauses gelangt man in den romantischem Innenhof des imposanten Gebäudekomplexes. 1824 verkauften die Boos von Waldeck, die sich nach Böhmen zurückzogen, den Hof an ihren Verwalter Reineri. Im Jahre 1889 kam der Hof dann durch Heirat an die Familie Treis, die das Weingut heute noch betreibt und im historischen Anwesen auch zwei Ferienwohnungen bereitstellt.

Während sich am Hofgut selbst keine heraldischen Spuren finden, lohnt ein Gang um den linkerhand der Moselfront gelegenen Garten in die nächste Seitenstraße landeinwärts, denn an dem Bogen der Gartenpforte ist ein Wappenstein mit zwei in einer spätbarocken Kartusche unter einer Krone vereinigten Wappenschilden.

Der Ehemann ist Wilhelm Lothar Joseph Freiherr Boos von Waldeck (-1763), Sohn von Hugo Eberhard Freiherr Boos von Waldeck und Montfort und dessen Frau Maria Rosina Catharina von Kesselstatt (1.8.1661-6.8.1717). Wilhelm Lothar Joseph stand in kurtrierischen Diensten und war Regierungsrat, Kämmerer, Oberamtmann in Zell und Balduinstein und Oberstallmeister. Besonders unter dem Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff besaß er Einfluß. Wilhelm Lothar Joseph hatte noch einen Bruder, Franz Carl Ludwig Freiherr Boos von Waldeck. Das Wappen der Boos von Waldeck zeigt in Rot drei schrägbalkenweise aneinandergestellte, rautenförmige, silberne Schnallen (Rincke) mit Dorn. Hier ist der Schildinhalt aus Courtoisie gewendet. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein schwarzer Flug, belegt mit einer Scheibe mit dem Schildbild.

Die Ehefrau ist Amalia Sophia Luisa von Hohenfeld. Sie war die Tochter von Wilhelm Lothar von Hohenfeld (1651-1710), Bad Camberger Oberamtmann, und dessen 1691 geehelichter Frau Maria Margaretha (oder Magdalena) Elisabeth von Bicken zum Hain. Das Wappen der aus Niederösterreich stammenden und auch in Bayern und am Rhein vorkommenden, seit 1484 im Herrenstand befindlichen, seit 1652 freiherrlichen, seit 1669 bzw. 1714 gräflichen Familie von Hohenfeld ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz zwei mit dem Rücken zueinander und mit den Mundstücken nach oben gekehrte silberne, golden beschlagene Jagdhörner (Hifthörner, Trinkhörner) mit roten Bändern (Wappen der abgestorbenen von Symanning, welches schon im 16. Jh. im Hohenfelder Wappen ist), Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Balken, belegt mit einer roten Rose (Stammwappen von Hohenfeld). Hier ist aus der Rose beim Anstreichen irrtümlicherweise ein Stern geworden, was natürlich ein Fehler ist.

Gemeinsam hatte das hier an der Gartenpforte repräsentierte Paar sechs Söhne, von denen aber nur ein einziger die Familie fortführte, weil alle anderen eine geistliche Laufbahn einschlugen. Das waren Ludwig Joseph Wilhelm, Graf Boos zu Waldeck und Montfort (1734-11.3.1813), letzter kurtrierischer Amtmann in Zell und Balduinstein, kurtrierischer Oberstallmeister und Oberhofmarschall, Reichs- und bayerischer Grafenstand am 29.5.1790, vermählt mit Sophia Maria Anna von Reiffenberg, Franz Georg Boos von Waldeck, kurtrierischer Vizehof- und Reisemarschall, Hugo Ferdinand (-1792), Mitglied im Trierer Domkapitel, Damian Hugo Boos von Waldeck (-1787), Mitglied der Domkapitel von Hildesheim und Lüttich, Philipp Lothar Carl Franz Valentin Fidel Freiherr Boos von Waldeck, Domdechant und Statthalter von Trier, und der am 16.2.1724 geborene Casimir (Carl) Friedrich Freiherr Boos von Waldeck (16.2.1724-15.2.1781), Landkomtur des Deutschen Ordens der Ballei Lothringen mit Sitz in Trier und kurpfälzischer General der Kavallerie, dazu 1773-1780 Rektor der Trierer Universität.

Genealogie zum Wappenstein mit Hinweisen zu weiteren Fundstellen:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Boos von Waldeck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Boos_zu_Waldeck
Boos von Waldeck:
http://www.geocities.ws/gudrun_bn/kurtrier7-boos.html
Boos von Waldeck:
http://www.coresno.com/index.php/adelslexikon/2015-lex-boos-waldeck
Genealogie:
http://www.geneall.net/D/per_page.php?id=1748227 und abgeleitete Seiten
Genealogie von Bicken:
http://www.hgv-bicken.de/resources/R+-+Haincher+Linie+1+mit+Wappen.pdf
Hinweistafel am Objekt
Weingut Treis:
http://www.weingut-treis.de/
Moseltouren:
http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-18-kaimt/index.html
Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 19, Abt. 3, Kreis Zell an der Mosel, 1938, S. 176-186.
Franz Karl Wissgrill: Schauplatz des landsässigen niederösterreichischen Adels vom Herren- und Ritterstande, 1800, Band 4, S. 411 ff.
https://books.google.de/books?id=XSgTAAAAYAAJ
Ludwig Corden: Limburger Geschichte, Band III (1406-1806), aus dem Lateinischen übersetzt von Joseph Wingenbach und bearbeitet von Franz-Karl Nieder, 2007, S. 217

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