Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1944
Rings um Trier: Schweich (Landkreis Trier-Saarburg)

Der Isseler Hof in Schweich (Isseler Hof 17)

Im Schweicher Stadtteil Issel (seit 1969 eingemeindet) befindet sich in Flußnähe eine ehemalige Hofanlage, die einst Eigentum des Trierer Klosters St. Irminen war. St. Irminen war nicht das einzige Trierer Kloster, welches hier Besitz hatte, auch St. Maximin war hier ein wichtiger Grundeigentümer. Heute umfaßt die ehemalige Hofanlage die Adressen Isseler Hof 4, 8, 10, 13, 15 und 17. Der Name Issel leitet sich vom lateinischen "insula" ab - Insel. Dieser im Jahre 1344 erstmals urkundlich erwähnte Klosterhof von St. Irminen bestand aus einem Gutshaus, Wirtschaftsgebäuden und einer Kapelle und 30 Hektar Ackerland. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude formten eine dreiseitig geschlossene Anlage, die zur Mosel hin offen war, wo sich die Luzienkapelle befand. Das Benediktinerinnen-Kloster, das vom 12.-15. Jh. zwischenzeitlich ein Augustinerchorfrauenstift war, nachher aber zur benediktinischen Regel zurückkehrte, wurde in der Säkularisation 1802 aufgelöst, und das an den Staat gefallene Grundeigentum in Issel wurde 1805 meistbietend versteigert und anschließend in kleinere Eigentumseinheiten unterteilt, so daß das ehemalige Hofgelände nun aus einer Vielzahl von Privathäusern besteht. Auch die Kapelle wurde zu zwei Wohnhäusern umgebaut (Isseler Hof 8 und 10). Trotz dieser Umgestaltung des Areals läßt sich das ursprüngliche Konzept der Anlage noch anhand der vorhandenen Bebauung nachvollziehen.

Von besonderem heraldischen Interesse ist die Haus-Nr. 17, vom Typ her ein Quereinhaus (sog. Lothringer Bauernhaus). Es ist ein Drittel der ursprünglichen Bebauung dieser Hofseite, die nach 1805 in drei Wohnteile unterteilt wurde. Der Türsturz nennt die Jahreszahl 1866, die einen Umbau markiert. Das Haus besitzt drei Fensterachsen und wurde nachträglich an seiner linken Seite in Richtung auf die Kapelle um eine Torachse erweitert. Weitere Veränderungen des Komplexes erfolgten im 20. Jh., wobei das aber mehr die Häuser Nr. 13 und 15 betraf, während die Nr. 17 noch am ursprünglichsten von allen Teilen wirkt, ein Eindruck, zu dem wesentlich das historische Türblatt mit Strahlenraute und die alten Fenster beitragen. Hier ist an der Fassade ein Wappen einer Äbtissin von St. Irminen angebracht, datiert auf 1696.

Dieses Wappen gehört zur Äbtissin Anna Christina Cob von Nüdingen (amtierte von 1677 bis zu ihrem Tod 1718). Über der barocken Schildkartusche ruht eine Perlenkrone, hinter der senkrecht die Krümme eines Äbtissinnenstabes hervorragt, hinter der sich das beidseitig in zwei Zipfeln endende Schriftband mit der Jahreszahl windet. Hier ist nur das Familienwappen wiedergegeben, allein der Krummstab verweist auf die Position einer Äbtissin. Spezielle Felder für die Abtei sind nicht vorhanden. Der Schild dieser in der Eifel ansässigen Familie ist geviert und zeigt korrekterweise in Feld 1 und 4 in Gold zwei (1:1) schwarze Vögel (Krähen, Raben) übereinander, in Feld 2 und 3 in Blau ein goldenes, von vier goldenen Pilgermuscheln bewinkeltes Kreuz. Die Farben entsprechen hier nicht den Literaturangaben und sind Phantasie des Anstreichers.

Das Stammwappen der Cob findet sich unter Kobe von Bitburg im Gruber beschrieben, weiterhin ist es bei Zobel auf Tafel 34 abgebildet, aber unter dem abweichenden Namen "Kolbe". Eine korrekte Beschreibung des vermehrten Wappens der Cob von Nüdingen ist im Loutsch S. 293 zu finden. Er blasoniert: "Écartelé: aux I et IV d'or à deux corbeaux de sable, l'un sur l'autre (Cob), aux II et III d'azur à la croix d'or cantonnée de quatre coquilles du même (Ypres)". Die Helmzier ist zu schwarz-goldenen Decken ein wachsender, auffliegender, schwarzer Rabe, in seinem Schnabel einen goldenen Ring haltend. Nach Loutsch: "Un corbeau éployé de sable, issant, tenant en son bec un annelet d'or." Diese Helmzier wird von den Cob und von den Cob von Nüdingen gleichermaßen geführt. Die vermehrende Komponente d'Ypres (von Ipern) erscheint bei Loutsch auf S. 833: "D'azur à la croix d'or cantonnée de quatre coquilles du même. Cimier: Un panache de plumes d'autruche ou un vol." Diese von Loutsch angegebenen Tinkturen sind durch eine zeitgenössische Wappenabbildung (Gallica, s. u.) und durch eine farbige Wappenscheibe von 1698 (Link s. u.) belegt (außer daß in letzterer der rechte Flügel golden ist).

Eine in der Literatur zu findende Herkunft der Familie aus Böhmen ist ins Reich der Legende zu verweisen, das entspricht Wunschdenken bei der Standeserhöhung (s.u.) und entbehrt jeder Grundlage. Die Familie stammt aus der Eifel und lebte im deutsch-luxemburgisch-lothringischen Grenzraum. Es wird darüber spekuliert, ob es sich um ein redendes Wappen handelt, weil im frz. Rabe = corbeau zu Cob verballhornt sein könnte. Wahrscheinlicher scheint jedoch eine Herkunft des Namens durch Ableitung vom Vornamen Jakob, so daß allenfalls eine falsch redende Interpretation des Wappenbildes vermittels moselfränkischen Dialekts möglich wäre. Aus den Cob ist durch Belehnung mit Nüdingen (auch Noytingen, existiert nicht mehr, lag bei Messerich) der Zweig der Cob von Nüdingen (auch von Niedingen, von Neudingen, de Nudange) geworden. Die Cob von Nüdingen besaßen neben Nüdingen aufgrund einer Erbheirat auch die Herrschaft Niederweis in der Eifel von ca. 1580-1680. Eine weitere Wappendarstellung findet sich in der Pfarrkirche zu Niederweis. Die Cob von Nüdingen waren auch Mitherren in Wolsfeld, Oberstedem und Niederstedem. Weiteren Besitz hatten die Cob in Bitburg (Kobenhof) und in Schönecken (ein Burghaus).

Ein Zweig der Familie blühte in Böhmen, und der in österreichischen Militärdiensten stehende k. k. Kämmerer und kaiserliche Generalfeldzeugmeister Wolfgang Friedrich Cob von Nüdingen (1614-1679) erlangte am 16.8.1653 den Freiherrenstand und am 26.4.1673 den Grafenstand. Die Angaben im Siebmacher für die böhmischen, erst freiherrlichen und dann gräflichen Cob von Nüdingen sind jedoch hinsichtlich der exakten Tinkturen widersprüchlich: In Band ÖSchl Seite: 11 Tafel: 6 (Cobb v. Neuding) sind Kreuz und Muscheln silbern. Das Wappen wird mit Grafenkrone abgebildet; die Angabe einer Helmzier entfällt. In Band: SchlA1 Seite: 18 Tafel: 14 sind zwar Kreuz und Muscheln golden, doch die Felder 2 und 3 sind blau-rot gespalten, außerdem kam ein blauer Herzschild hinzu, in dem aus einer goldenen Krone zwei schwarze Gemshörner hervorkommen, klassischer Fall einer Wappen-Verschlimmbesserung, einer gutgemeinten Verhunzung des schönen angestammten Wappens. Dazu werden drei Helme angegeben, Helm 1 (Mitte): Stammhelm, Helm 2 (rechts): blau-goldene Decken, natürlicher (grüner) Pfauenfederbusch, Helm 3 (links): rot-goldene Decken, wachsender gestümmelter Mohr in roter Kleidung und mit roter Kopfbinde mit abfliegenden Enden. Der Eintrag in Siebmacher Band: Bg4 Seite: 79 Tafel: 86 für den gräflich anhaltinischen Fähnrich Christian Cob von Nüding entspricht nicht den historischen und zeitgenössischen Belegen (s. u.), gänzlich abweichend mit silbernem Feld für die Raben und rechts schwarz-silbernen, links blau-goldenen Decken und weiteren Differenzen beim Raben der Helmzier, eine nicht belastbare Quelle.

Am Isseler Hof Nr. 8/10 gibt es übrigens noch einen weiteren Wappenstein, diesmal für die Äbtissin Maria Anna von Beck (amtierte 1718-1744), der aber bis zur Unkenntlichkeit angegriffen und mit Wildem Wein überwuchert ist. Das Wappen, das auf 1719 datiert ist, stammt vom ehemaligen Kapellenportal.

Literatur, Links und Quellen:
Isseler Hof: http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=10134
Isseler Hof 17:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=10136
Schweich-Issel:
http://www.moseltouren.de/1-trier-bernkastel-kues/1-08-issel/
Liste der Kulturdenkmäler in Schweich:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_Schweich
Ewald Wegner (Bearbeiter),  Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Band 12.2,  Kreis Trier-Saarburg,  Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich und Trier-Land, Verlag Werner, Worms 1994, ISBN 3-88462-110-6, S. 256
Klöster in Trier von der Spätantike bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Erwachsenenbildung anläßlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier vom 25.3. bis 1.11.1984 im Domkreuzgang. Konzeption: Prof. Dr. Franz J. Ronig.
Cob von Nüdingen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cob_von_N%C3%BCdingen_%28Adelsgeschlecht%29
Wappen Cob:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/datenbank/ccc/cob/
Wappen Cob von Nüdingen:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/datenbank/ccc/cob-nudingen/
Wappen Cob von Nüdingen:
http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k111469d/f404.image
Wappen Cob von Nüdingen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/Kabinettscheibe_Philipp_Christoph_Cob.JPG
Freiherrliches und gräfliches Wappen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/81/Wolfgang_Friedrich_Cob.jpg
St. Irminen Trier:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=2420
Christian König, Trier-Oeren - Kloster St. Irminen. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz,
http://www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/trier-oeren-kloster-st-irminen.html
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
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