Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1943
Trier - in der ältesten Stadt Deutschlands

Trier: Ehemaliges Landhaus der Abtei St. Marien

Das ehemalige Landhaus der Abtei St. Marien trägt heute die Adresse Am Stadion 1 und beherbergt die unweit des Moselstadions gelegene Geschäftsstelle des Trierer Fußballvereins SV Eintracht Trier 05 e.V. Dieses Gebäude gehörte früher zu der auf der anderen Seite der Neuen Zurmaiener Straße gelegenen Benediktinerabtei St. Marien, oder mit vollem Namen: St. Maria ad Martyres. Von dieser im 7. Jh. gegründeten, immer außerhalb der Stadtmauern gelegenen und in der Säkularisation aufgelösten Abtei ist nach diversen Abrissen unter Napoléon 1804-1807 nicht allzuviel erhalten. Man sieht von der einst zusammen mit St. Matthias, St. Martin und St. Maximin zu den vier großen, außerhalb der Trierer Stadtmauern gelegenen Benediktinerabteien gehörenden Anlage heute nur die rückwärtigen, östlichen Wirtschaftsflügel des Klosters, dessen Hauptgebäude einst parallel zur Mosel stand, die nach militärischer Nutzung durch Franzosen und Preußen und anschließendem Leerstand und Verfall seit 1972 ein zweifelhaftes Dasein als selbstverwaltetes Jugendzentrum fristen, was der Erhaltung des Barockbaus nicht gerade förderlich ist. Neben dem sog. Exzellenzhaus und ein paar Gartenpavillons gehört das ehemalige Landhaus zu den wenigen Gebäuden, die von dem großen Klosterkomplex erhalten geblieben sind. In der Nähe dieses Häuschens befanden sich einst die Gärten und Fischteiche (siehe Inschrift) des Klosters St. Marien.

Das rechteckige, zweistöckige Gebäude mit Krüppelwalmdach steht auf drei Seiten frei und hat jeweils drei Fensterachsen im Norden, Westen und Süden, wobei alle Fenster mit einfachen Sandsteinrahmen mit Stichbogen ausgestattet sind. Das Gebäude wirkt nach oben gestreckt, weil die Fenster des Obergeschosses höher sind als die des Erdgeschosses. Nur die unteren Fenster sind mit hölzernen Läden ausgestattet. An der Nordseite ist ein niedrigeres, schmuckloses Gebäude angebaut.

An der Südwestecke eingemauert befindet sich ein großer, barocker Wappenstein. Wie die seitliche und niedrige Position schon nahelegt, befindet er sich nicht am ursprünglichen Ort, sondern wurde 1930 von der gegenüberliegenden Hausseite hierher versetzt. Die Inschrift unter dem Wappen lautet: HIC BENE IVCVNDIS SOCIATVR ET VTILE FVNDI VT LOCVS EST SVAVIS SIC AQVA PISCE GRAVIS. "Hic bene iucundis sociatur et utile fundi ut locus est suavis sic aqua pisce gravis" bedeutet frei übersetzt: Das Fröhliche möge sich hier mit dem Nützlichen verbinden. So wie der Ort voller Liebreiz ist, so ist das Wasser voller Fische. Gleichzeitig birgt die Inschrift ein Chronogramm: I + C + I + V + C + V + D + I + C + I + V + V + I + L + V + D + I + V + L + C + V + V + V + I + I + C + V + I + C + V + I = 1 + 100 + 1 + 5 + 100 + 5 + 500 + 1 + 100 + 1 + 5 + 5 + 1 + 50 + 5 + 500 + 1 + 5 + 50 + 100 + 5 + 5 + 5 + 1 + 1 + 100 + 5 + 1 + 100 + 5 + 1 = 1765 = Baujahr.

 

Zu beiden Seiten der Wappenkartusche sind dem Zweck des Gebäudes entsprechend Karpfen und Rohrkolben zu sehen, eine äußerst ungewöhnliche Dekoration für ein Abtswappen, das ansonsten in klassischer Weise auf dem oberen Rand den oberen Teil eines Vortragekreuzes und eines Krummstabes sowie eine Inful als Kennzeichen eines infulierten Abtes aufweist.

Zu dieser Jahreszahl paßt der 1761-1786 amtierende Abt Thomas Valentini vom Kloster St. Marien. Die barocke Kartusche zeigt als Wappeninhalt auf blauem Grund ein schwebendes silbernes Kreuz, hier ähnlich einem Dreilappenkreuz geformt und mit hervorgehobenen Konturen, gleichermaßen wie das Kreuz über dem Schild gestaltet.

Liste der Äbte von St. Marien vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben der hier mit Wappen vertretene Abt):
Abtsliste nach Germania Benedictina, mit gekennzeichneten Unregelmäßigkeiten der dort zu findenden Angaben:

Literatur, Links und Quellen:
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 17.2 Stadt Trier - Stadterweiterung und Stadtteile. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 978-3-88462-275-9 (1. Auflage 2009), S. 42 ff., der entsprechende Abschnitt ist online: http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=16902
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999, S. 974-975.
Klöster in Trier von der Spätantike bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Erwachsenenbildung anläßlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier vom 25.3. bis 1.11.1984 im Domkreuzgang. Konzeption: Prof. Dr. Franz J. Ronig.
Kloster St. Marien ad Martyres:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_St._Marien
Hausgeschichte Exzellenzhaus:
http://exhaus.de/exzellenzhaus/hausgeschichte/
Christian König, Trier - St. Maria ad martyres. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz,
http://www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/trier-st-maria-ad-martyres.html
St. Marien:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=11090
Eintracht Trier:
http://www.eintracht-trier.com/aktuell/news

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