Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1940
Kröv (Landkreis Bernkastel-Wittlich)

Der Echternacher Hof in Kröv

Der 1764 erbaute Echternacher Hof (Moselweinstraße 24) liegt im nordöstlichen Teil von Kröv zwischen der Robert-Schumann-Straße und der Moselweinstraße mit langgestreckter Schauseite zur letzteren. Nach hinten bildet das Gebäude eine Dreiflügelanlage um einen nach Nordwesten offenen Hof. Während die flußseitige Schauseite von sehr einheitlicher Architektur ist, ist die Rückseite unerwartet vielgesichtig und bestand früher aus Scheunen und Weinkellern. Das Anwesen ist der ehemalige Zehnthof der Abtei Echternach im Großherzogtum Luxemburg, einer von einst ca. 20 Höfen in Kloster- oder Adelsbesitz in Kröv. Derzeit ist im vorderen Teil ein Hotel / Restaurant, die rückwärtige Bebauung wird privat bewohnt.

Der elfachsige Bau mit Risalit-Architektur betont die jeweils mittlere und äußere Achse durch eine bis zum Hauptgesims reichende Rustika-Einrahmung aus rotem Sandstein und durch die Bekrönung mit einem Giebel, in der Mitte mit einem Dreiecksgiebel, außen mit einem Segmentbogengiebel, die wie aus dem reich profilierten, um das ganze Gebäude herumgeführten Gesims nach oben herausgezogen wirken. In dem mittleren Giebel befindet sich das Wappen des Bauherrn, die äußeren Giebel haben ein flachovales, offenes Ochsenauge. Der Mittelrisalit ist zusätzlich durch flache Pilaster akzentuiert. Alle drei dergestalt risalitartig betonten Achsen haben ein Portal im gänzlich in rotem Sandstein ausgeführtem Erdgeschoß, wobei die beiden äußeren Portale verglaste Türen enthalten, das mittlere aber eine mit einem doppelflügeligen Holztor verschlossene Einfahrt in den rückwärtigen Hof ist.

Das Wappen im mittleren Giebel ist eine Rokoko-Komposition, die sehr gewagt und ornamental mit den Elementen der Heraldik umgeht. Zwei Kartuschen mit ca. 45 Grad Schräglage sind einander zugeneigt. Aus deren oberen Rändern wachsen konsolartige, schrägstehende Fortsätze nach oben, auf denen optisch links die Inful und optisch rechts die Krümme des Abtsstabes zu sehen sind. Die heraldisch rechte Kartusche trägt das Wappen der Abtei Echternach, auf einem Doppeladler (für das Reich) mit Reichsapfel in der rechten und Schwert in der linken Klaue liegt ein Glevenkreuz (hier wie ein Dreilappenkreuz gestaltet) mit verlängertem unteren Schenkel, das wiederum mit einer aufrechten Schwurhand belegt ist.

Die andere Kartusche enthält das persönliche Wappen des Echternacher Abtes Michael Hormann. Er war der 71. Abt und leitete das Kloster von 1751 bis 1775, was zu der Jahreszahl 1764 paßt, die über dem Tor zu lesen ist. Nach Loutsch führte er als Wappen in blauem Feld ein goldenes, mit der Schallöffnung nach links gelegtes Jagdhorn (Hifthorn) mit ebensolchem Band, oben begleitet von drei (1:2) goldenen Sternen. Französischer Blason: D’azur au cor de chasse contourné d’or, accompagné en chef de trois étoiles mal ordonnées du même. Die Farben sind auch durch die entsprechende Äbtetafel belegt. Das Posthorn führt der Abt, weil die aus Ettelbruck stammende Familie in ihrem Heimatort nicht nur diverse Bürgermeister, sondern auch Postmeister stellte. In der Mitte zwischen beiden Konsolen oben befindet sich die Helmzier des Abtes, ohne zugehörigen Helm. Sie zeigt einen wachsenden Jünglingsrumpf ohne Arme mit einem um den Kopf gewundenen Tuch. Loutsch beschreibt weitere Möglichkeiten der Darstellung dieser Helmzier: Un buste d’homme issant (soit coiffé d’un chapeau à rebras, soit les cheveux liés en queue de cheval).

Ein weiteres, schlecht erhaltenes und noch schlechter farbig gefaßtes Wappen befindet sich auf der Rückseite des flußparallelen Gebäudetraktes im Schlußstein des Portalbogens. Die gemeinen Figuren haben die falsche Farbe, das Band des Hifthornes ist anzustreichen vergessen worden, die erhabenen Inhalte des Schildes, die Inful und der Abtsstab sind abgeschlagen worden, allein die Helmzier (wieder entgegen den heraldischen Regeln ohne Helm) ist in guter Erhaltung über die Zeiten gekommen.

Liste ausgewählter Echternacher Äbte (unter Hervorhebung des hier vertretenen)
Jean Glatz = Johann Gladt (61. Abt 1586-1594)
Johannes Bertels = Johan Bertels (1544-19.6.1607, 62. Abt 1595-1607)
Pierre Richardot = Petrus Richardotus (ca. 1575-1628, 63. Abt 1607-1628)
Petrus Fisch (64. Abt 1628-1657)
Richard Paschasius (65. Abt 1657-1667)
Philippe de la Neufforge (Neuveforge, Neuforge) (8.5.1621-10.9.1684, 66. Abt 1667-1684)
Willibrord Hotton (67. Abt 1684-1693)
Benedikt Zender = Benoît Zender (68. Abt 1694-1717)
Matthias Hartz (69. Abt 1717-1728)
Gregorius Schouppe (70. Abt 1728-1751)
Michael Hormann (71. Abt 1751-1775) 
Emmanuel Limpach (72. Abt 1775-1793)

Literatur, Links und Quellen:
Paul Clemen, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 12, Abt. 4, Die Kunstdenkmäler des Kreises Wittlich, 1934, S. 92-93 bzw. 902-903
Liste der Kulturdenkmäler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_Kr%C3%B6v
Wappen der Echternacher Äbte:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/echternach/
Wappen von Michael Hormann:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/echternach/michael-hormann/
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974, S. 444

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