Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1923
Schwäbisch Hall (Landkreis Schwäbisch Hall)

Sandelsches Haus, Marktstraße 9

Das Geschäftshaus in der Marktstraße 9 ist ein dreistöckiger barocker Putzbau mit Mansarddach, mit der Schmalseite von nur drei Achsen Breite zur Marktstraße hin und mit seiner längeren Seite zur Straße Am Spitalbach hin. Es gehört zur Neubebauung um 1730 des durch den Stadtbrand 1728 verwüsteten Viertels. Während die beiden Obergeschosse schlicht gehalten sind, weist das Erdgeschoß schöne Sandstein-Gliederungselemente und Umrahmungen von Fenstern und Arkaden auf. In der Mitte der Schmalseite durchbricht ein einachsiger Zwerchgiebel das Mansarddach. An der Straßenecke stützt eine Atlas-Skulptur das erste Obergeschoß.

Zwischen den zur Marktstraße gewandten drei Arkadenbögen sind zwei Wappen angebracht. Das erste, optisch linke, ist von Johann Christoph Sandel d. J. (15.11.1693-3.9.1764), Sohn des Händlers und Mitglieds des Äußeren Rats Johann Christoph Sandel d. Ä. (1664-1738) und dessen Frau Maria Magdalena Churr aus Weinsberg, selbst ebenfalls Kaufmann, seit 1736 Mitglied des Äußeren und seit 1738 Mitglied des Inneren Rates, Baudeputierter, Hauptmann über die Große Zunft und über die Kürschnerzunft. Das optisch rechte Wappen ist für seine am 20.2.1721 geehelichte Frau, Anna Margaretha Kreß verw. Düring aus Forchtenberg (6.4.1680-6.11.1758). Das Paar hatte keine Nachkommen. Sandel erbaute dieses Haus nach dem Großen Stadtbrand von 1728 neu.

Das Wappen Sandel ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot eine mit den Spitzen einwärts gerichtete, gesichtete goldene Mondsichel, Feld 2 und 3: in Gold ein schräglinks gelegter und gestümmelter roter Baumstamm mit abgehauenen Ästen (Sandelholz, redendes Wappen). Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken aus einer liegenden goldenen Mondsichel wachsend ein gekrönter Menschenrumpf in hier schwarz-rot gespaltener Gewandung mit goldenem Gürtel und ebensolchen Flügeln. Ein bauplastisches Vergleichswappen befindet sich übrigens am Haus Marktstraße 2 (neue Engel-Apotheke), und ein gemaltes Wappen ist in St. Michael auf der Stiftertafel Gymnasium für Maria Barbara Sandel (1657-1710), die ledige Tochter des Kaufmanns und Haalmeisters Joseph Markus Sandel (1623-1691). Dort stellt sich die Helmzier folgendermaßen dar: Auf dem Helm ein aus einer liegenden goldenen Mondsichel wachsender Mannesrumpf in golden-rot gespaltener Gewandung, auf dem Kopf eine rote, golden aufgeschlagene Mütze, anstelle der Arme zwei goldene Flügel, jeweils mit dem roten, gestümmelten Ast aus Feld 2 und 3 belegt, rechts schrägrechts und links schräglinks. Ein entsprechender Eintrag des seit ca. 1700 geführten und wahrscheinlich von Johann Christoph Sandel d. Ä. (1664-1738) gestifteten Wappens findet sich in der Europäischen Wappenrolle Band 1, auf Antrag von Herrn Otto Sandel, Rotterdam-Hillegersberg. Die Helmzier wird dort in folgender Variante angegeben: Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken zwei gekreuzte rote Sandelhölzer über einem goldenen zunehmenden gesichteten Mond vor einem wachsenden silbernen, rotbekleideten Engel (Erzengel Michael), in der Rechten einen goldenen Kreuzstab, in der Linken einen goldenen Schild haltend.

Das Wappen Kreß (Kress) ist ein redendes Wappen, denn es hat in silbernem Feld vier aus einem Topf (?) wachsende, grüne, beblätterte Kressestengel, auf dem Helm mit grün-silbernen Decken ein silberner Flug, jeder Flügel nach der Figur belegt mit einem grünen, beblätterten Kressestengel. Das Wappen ist nicht in den großen Standardsammlungen enthalten. Anna Margaretha Kreß war die Tochter des Forchtenberger Färbers und Bürgermeisters Johann Kreß und dessen Frau Anna Maria Müller. Sie hatte in erster Ehe 1701 den Händler Jacob Ulrich Düring (5.9.1675-8.4.1720) aus Schwäbisch Hall geheiratet, und als Witwe heiratete sie in zweiter Ehe am 20.2.1721 den oben genannten Johann Christoph Sandel d. J. (15.11.1693-3.9.1764).

 

Literatur, Links und Quellen:
Häuserlexikon Schwäbisch Hall: http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon.html - Gebäudeverzeichnis: http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html
Gebäude:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html?Detail=520
Der Stadt Schwäbisch Hall und dem Stadtarchiv ein herzliches Dankeschön für mustergültige und vorbildliche Präsentation der Häuser und Wappen der Stadt im Internet.
Wappen Sandel: Europäische Wappenrolle, Band 1, Herausgegeben und verlegt von der Heraldischen Gesellschaft e. V. Hamburg 1968.
Wappen Sandel:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-r-sc.html
Wappen Sandel:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_upload.....n/Sandel_T02-R01-P11.jpg
Wappen Kress:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-k-m.html

St. Michael, Personendenkmale (1) - Personendenkmale (2) - Personendenkmale (3) - Personendenkmale (4) - Personendenkmale (5) - Personendenkmale (6) - Personendenkmale (7) - ehem. Unterlimpurgisches Spital - St. Urban, Portal - St. Urban, Grabplatten außen - Stadtpalais Haalstraße 6 - Wohnhaus Am Säumarkt 6 - Geschäftshaus Marktstraße 3 - Widmanhaus, Am Markt 5 - Stellwaghaus, Am Markt 4 - Löchnerhaus, Klosterstraße 8 - Bonhöfferhaus, Klosterstraße 7 - ehem. Engelapotheke, Marktstraße 2 - Egenhaus, Am Markt 9 - Café am Markt, Am Markt 10 - barockes Bürgerhaus, Am Schuppach 2 - Bürgerhaus, Obere Herrngasse 13 - Wibelhaus, Am Markt 8 - Keckenburg, Untere Herrngasse 8-12 - Neubau und Langenfelder Tor - ehem. Johanniterkommende, Heimbacher Gasse 2 - ehem. Pfarrhaus, Unterlimpurger Straße 5 - Berlin-Haus, Unterlimpurger Straße 7 - Seiferheld-Haus, Zollhüttengasse 6 - Vogelmann-Haus, Gelbinger Gasse 28 - die öffentlichen Brunnen - Rathaus - Bürgerhaus, Obere Herrngasse 5 - Clausnizerhaus, Am Markt 2 - Engelhardt-Palais, Gelbinger Gasse 25 - Katharinenkirche

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