Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1921
Schwäbisch Hall (Landkreis Schwäbisch Hall)

Das Haller Rathaus

Einer der schönsten Stadtplätze Deutschlands ist der Marktplatz von Schwäbisch Hall. Von der erhöht stehenden Kirche St. Michael aus ergießt sich eine Flut von Stufen den Hang hinunter, eine Dynamik, die vom an der tiefsten Stelle stehenden Rathaus mit seinem zentralen Turm als Kontrapunkt aufgefangen wird. Vor der Turmhalle von St. Michael stehend, befindet man sich praktisch auf Augenhöhe mit dem Wappen im dreiachsigen Giebelaufsatz des Rathauses. Dabei ist diese Anordnung im Stadtbild relativ neu, denn früher stand hier die spätromanische Kirche St. Jakob, und links daneben, wo heute Bürgerhäuser sind, war das zugehörige Kloster. Beide Gebäude fielen jedoch dem verheerenden Stadtbrand vom 31.8.1728 zum Opfer, und deshalb konnte im späten Barock das untere Ende des Platzes neu gestaltet werden. Das Rathaus steht also auf den Ruinen der alten Klosterkirche, die 1236 von Abt Konrad von der Comburg auf Wunsch der Bürger den Franziskanern übertragen worden war, zu dem Zeitpunkt des Brandes aber eh nicht genutzt wurde, weil das Franziskanerkloster zu Hall 1524 aufgelöst worden war. Bereits 1534 hatte man einen Teil der Kirche niedergelegt, weil man den Marktplatz erweiterte.

Vor dem Stadtbrand und seinen Folgen befand sich das alte mittelalterliche Rathaus aus dem späten 13. Jh. am Hafenmarkt, daneben eine um 1400 erbaute Erweiterung, die sog. Kanzlei oder auch das "Neue Rathaus" oder "Salzhaus". Auch diese beiden Bauten brannten 1728 ab. Das war an der Stelle, wo heute Post und Sparkasse sind. Somit hatte man 1728 auch kein Rathaus mehr, dafür aber einen Bauplatz in exzellenter Lage mit überflüssiger Ruine. Das zweigeschossige, als Putzbau errichtete neue Rathaus, dessen Grundstein am 21.8.1732 gelegt wurde und dessen Einweihung am 18.7.1735 stattfand, ist ein Werk von Johann Ulrich Heim (1668-1737), einem Baumeister aus Ludwigsburg, der die Pläne anfertigte, und von dessen Neffen, Eberhard Friedrich Heim (1703-1739), Baumeister aus Stuttgart. Als Maurermeister und Steinmetz ist Johann Georg Arnold überliefert. Zum Marktplatz hin besitzt das Gebäude sieben Fensterachsen, wobei die Fassade durch vier Kolossalpilaster in drei Achsengruppen gegliedert wird, wobei die drei mittleren Achsen mit dem Eingang und dem darüberliegenden Balkon durch Herausschwingen der Fassade und durch den dreiachsigen Giebelaufsatz besonders betont werden. Noch ein zweites Mal wurde die Bebauung an dieser Stelle zerstört, nämlich am 16.4.1945 im Zweiten Weltkrieg durch eine Brandbombe, und was wir heute sehen, ist ein originalgetreuer Wiederaufbau vom Haller Bauhistoriker Dr. Eduard Krüger in den Jahren 1946-1947, der Innenausbau erfolgte später (Einweihung am 30.4.1955).

Die mittlere Achse des Giebelaufsatzes hat zwischen zwei Pilastern mit Kompositkapitellen unter einem in der Horizontale offenen Segmentbogengiebel die Wappentrias von Schwäbisch Hall. Ein nicht in eine Begrenzung gesetzter, schwarzer, golden bewehrter und nimbierter Adler steht für das Reich. Zwei Engel halten eine Krone in der Mitte darüber. Der Adler hat in seinen Fängen die beiden Haller Stadtwappen, optisch rechts den golden-rot geteilten Schild, optisch links das Hellerwappen in der heute geführten Form, geteilt, oben in Gold innerhalb eines roten Kreises (wobei der silberne Saum außenherum heraldisch überflüssig ist und auch kein Bestandteil des heutigen Stadtwappens ist) ein goldenes Kreuz (hier wie ein Tatzenkreuz gestaltet), unten in Rot innerhalb eines blauen, silbern gesäumten Kreises eine silberne aufrechte rechte Hand.

Literatur, Links und Quellen:
Wappen Hall: http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/haeufige-fragen.html
Wappen Hall:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%A4bisch_Hall#Wappen
Heller:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heller_%28M%C3%BCnze%29
Wappen Hall:
http://www.ngw.nl/int/dld/s/schw-hal.htm
Wappen Hall: K. Stadler, Deutsche Wappen - Bundesrepublik Deutschland, Angelsachsen Verlag, 1964-1971, 8 Bände.
Häuserlexikon Schwäbisch Hall:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon.html - Gebäudeverzeichnis: http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html
Gebäude:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html?Detail=645
Der Stadt Schwäbisch Hall und dem Stadtarchiv ein herzliches Dankeschön für mustergültige und vorbildliche Präsentation der Häuser und Wappen der Stadt im Internet.
Lucrezia Hartmann, das Rathaus in Schwäbisch Hall, in: Württembergisch Franken 53, 1969, S. 63-79
Eduard Krüger, Wilhelm Prinzing, Lucrezia Hartmann, 250 Jahre Rathaus Schwäbisch Hall, Schwäbisch Hall 1985
Rathaus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_%28Schw%C3%A4bisch_Hall%29

St. Michael, Personendenkmale (1) - Personendenkmale (2) - Personendenkmale (3) - Personendenkmale (4) - Personendenkmale (5) - Personendenkmale (6) - Personendenkmale (7) - ehem. Unterlimpurgisches Spital - St. Urban, Portal - St. Urban, Grabplatten außen - Stadtpalais Haalstraße 6 - Wohnhaus Am Säumarkt 6 - Geschäftshaus Marktstraße 3 - Widmanhaus, Am Markt 5 - Stellwaghaus, Am Markt 4 - Löchnerhaus, Klosterstraße 8 - Bonhöfferhaus, Klosterstraße 7 - ehem. Engelapotheke, Marktstraße 2 - Egenhaus, Am Markt 9 - Café am Markt, Am Markt 10 - barockes Bürgerhaus, Am Schuppach 2 - Bürgerhaus, Obere Herrngasse 13 - Wibelhaus, Am Markt 8 - Keckenburg, Untere Herrngasse 8-12 - Neubau und Langenfelder Tor - ehem. Johanniterkommende, Heimbacher Gasse 2 - ehem. Pfarrhaus, Unterlimpurger Straße 5 - Berlin-Haus, Unterlimpurger Straße 7 - Seiferheld-Haus, Zollhüttengasse 6 - Vogelmann-Haus, Gelbinger Gasse 28 - die öffentlichen Brunnen - Bürgerhaus, Obere Herrngasse 5 - Sandelsches Haus, Marktstraße 9 - Clausnizerhaus, Am Markt 2 - Engelhardt-Palais, Gelbinger Gasse 25 - Katharinenkirche

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