Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1919
Schwäbisch Hall (Landkreis Schwäbisch Hall)

Vogelmann-Haus (Gelbinger Gasse 28)

In der Gelbinger Gasse 28 steht ein dreistöckiges, giebelständige Haus mit steinernem Erdgeschoß und verputzten Obergeschossen aus Fachwerk, die sich durch jeweils ein kurzes Nachvornespringen der Fassade über profilierten Horizontalbalken bemerkbar machen. Das Haus entstand im wesentlichen nach 1680. Das Haus ging im Laufe seiner Geschichte durch die Hände vieler Besitzer, z. B. die Familien Kochendörfer, Weber, Seitz, Otho, Strobel, Horlacher, Reichert, und schließlich ab Anfang des 20. Jh. die Familie Vogelmann, wobei der seit 1920 als Besitzer genannte Johann Vogelmann Kupferschmiedemeister war, danach kam Wilhelm Vogelmann, Kupferschmied und Ingenieur für sanitäre Anlagen. Heute befindet sich in dem Haus im 1. Obergeschoß das Geschäft der Hörgeräteakustikmeisterin Doris Vogelmann.

 

Wir können zweimal das Wappen der Vogelmann in identischer Formgebung finden, einmal farblich gefaßt außen über dem steinernen Türdurchgang, und einmal innen im kleinen offenen Foyer vor der eigentlichen Haustür, ohne Tinkturen. Beidesmal sehen wir nur den Schild ohne Oberwappen. Diese Wappen wurden offensichtlich 1951 (Jahreszahl am Gebäude) unter Wilhelm Vogelmann im neobarocken Stil nach historischem Vorbild angefertigt und angebracht, zusammen mit dem Einbau des barockisierenden Oberlichts über dem Eingang.

Das Wappen Vogelmann ist ein redendes Wappen, schwarz-golden geteilt mit einem auf einem grünen Dreiberg stehenden, silbern-schwarz geteilten Fabelwesen (Schwanmensch), oben ein Vogel, unten ein Mann in hautengen Hosen mit angeknöpftem Latz. Zum Vergleich finden wir an historischen Darstellungen einmal eine steinerne Fassung in St. Michael ohne Tinkturen an einem an der Nordwand des Langschiffs aufgestellten Epitaph für Gertraud Halberger (-1563), verheiratet mit Joseph Vogelmann. Diese Darstellung ist auch ohne Oberwappen und weist eine erstaunliche Ähnlichkeit mit diesen nachgefertigten Wappen auf, diente vielleicht sogar als Vorbild.

Zum anderen finden wir ebenfalls in St. Michael eine farbige Vollwappendarstellung auf der Stiftertafel Reichalmosen für Clara Vogelmann, Witwe des Ratsherrn Peter Biermann (-1519). Dort werden die oben angegebenen Tinkturen für den Schild bestätigt, und als Helmzier sehen wir zu schwarz-goldenen Decken einen wachsenden, schwarz mit goldenen Aufschlägen am Hals gekleideten Mannesrumpf mit zwei goldenen Adlerflügeln anstelle der Arme, auf dem bärtigen Kopf eine Mütze mit golden-schwarz gespaltenem Aufschlag.

In der Literatur werden mehrere Varianten beschrieben. Gleich drei finden sich im Siebmacher Band: BayA3 Seite: 122 Tafel: 82, eine im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 43 Tafel: 59, alle haben ihre Ungenauigkeiten. Dabei ist die Wiedergabe nach dem Bassenheimer Wappenbuch die, die am nächsten an die Originale in Hall herankommt, wobei die Vogelhälfte im Schild und der Mann in der Helmzier beide golden gekrönt sind.

Nach der Beschreibung im Siebmacher wurde zunächst in gänzlich goldenem Schild das Fabelwesen ungekrönt und oben silbern und unten schwarz geführt (Wappenbrief von Kaiser Maximilian I. im Jahre 1515 für Konrad Vogelmann). Das Unterteil war unbekleidet ("untere Hälfte eines nackten Mohren"). Die zugehörige Helmzier hatte als Kopfbedeckung ein golden gestulptes, rotes Barett. Die Flügel werden im Siebmacher als golden und silbern angegeben, im Widerspruch zur Darstellung auf der Stiftertafel Reichalmosen, wo sie beide golden sind. Die Form mit gänzlich goldenem Schild findet sich auch in der Fürstschen Ausgabe von Siebmachers Wappenbuch unter "die Vogelmäner" im 5. Teil auf T. 261.

Für die Enkel des Vorgenannten, Söhne des Ludwig Vogelmann (stammte gebürtig aus Hall, wurde Burgvogt zu Augsburg, wurde 1531 in Memmingen hingerichtet), das waren Wolfgang (Comes palatinus, Stadtschreiber zu Nördlingen, gest. 11.1.1553, Totenschild in der Nördlinger Stadtkirche, 1 Sohn: Nördlinger Ratsherr Georg Victor Vogelmann, gest. 5.1.1582 ohne Nachkommen), Konrad, Johann und Joseph Vogelmann, gab es am 15.1.1539 von König Ferdinand I. eine Wappenbesserung. Zum einen wurde der Farbregelverstoß im Feld beseitigt, so daß das Feld nun schwarz-golden geteilt war. Zum anderen wurden beide Köpfe mit einer Laubkrone gekrönt, der obere über einer blauen Kopfbinde.

1540 bekam das Mannesunterteil schwarze Hosen an (auch im vorliegenden Fall ist der Latz deutlich zu sehen). Am 28.10.1540 wurden die Brüder Wolfgang, Konrad und Joseph Vogelmann von Kaiser Karl V. zu Brüssel in den Adelsstand erhoben.

Volborth bildet das Wappen in seinem Buch "Fabelwesen in der Heraldik" ab, aber abweichend vom Original auf der Stiftertafel in Hall: Dort ist der Vogelmann in verwechselten Farben dargestellt, obwohl das Schwanen-Oberteil silbern sein müßte, nicht golden. Die Helmzier entspricht dem Gesagten, gekrönt, beide Flügel golden. Aber auch der Siebmacher Band: Bg1 Seite: 43 Tafel: 59 spricht von verwechselten Farben der Schildfigur im Zusammenhang mit den Nördlinger Familienmitgliedern.

Zur Vollständigkeit der Besprechung des Wappens Vogelmann sei erwähnt, daß die Idee des Mischwesens für einen Eintrag in der Deutschen Wappenrolle Band: XV, Seite: 63 von einer nicht verwandten Familie gleichen Namens aufgegriffen wurde. Unter Nummer: 5754/59 wurde die aus Holzhausen, Krs. Gaildorf stammende und in Heilbronn ansässige Familie Vogelmann mit folgendem, 1959 angenommenen Wappen eingetragen: In golden-blau geteiltem Schilde ein "Vogelmann", bestehend oben aus einem rotbewehrten und rotgezungten blauen Adler, der unten in einen mit zwei goldenen, bis zu den Lenden reichenden Strümpfen bekleideten Menschenkörper übergeht, in der unteren Schildhälfte begleitet von zwei goldenen Weintrauben, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken ein blaugefiederter Jünglingsrumpf, dessen Arme durch goldene Flügel ersetzt sind, und der eine rotbewehrte und -gezungte blaue Adlerkopfmaske hochgeschoben auf dem Kopf (Haupte) trägt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Häuserlexikon Schwäbisch Hall:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon.html - Gebäudeverzeichnis: http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html
Gebäude:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/haeuserlexikon/gebaeudeverzeichnis.html?Detail=843
Der Stadt Schwäbisch Hall und dem Stadtarchiv ein herzliches Dankeschön für mustergültige und vorbildliche Präsentation der Häuser und Wappen der Stadt im Internet.
Wappen Vogelmann:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-t-z.html
Wappen Vogelmann:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_upload/images/Informatio.....03-R01-P11.jpg
Wappen Vogelmann:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_upload/......63.jpg
Wappen Vogelmann:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_upload/images/Inform.......ct_176.jpg
Carl-Alexander von Volborth: Fabelwesen der Heraldik in Familien- und Städtewappen, Belser Verlag 1996
Deutsche Wappenrolle DWR Band: XV, Seite: 63.
Vogelmann Hörakustik:
http://www.vogelmann-hoerakustik.de/

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