Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1892
Groß-Karben (zu Karben, Wetteraukreis)

ev. Pfarrkirche Groß-Karben

Im alten Ortskern von Groß-Karben steht unweit der beiden großen Adelshöfe die evangelische Pfarrkirche mit dem diese umgebenden Kirchhof. Die Kirche mit geschiefertem Dachreiter wird von drei Bauphasen geprägt, denn im Kern handelt es sich um einen spätgotischen Saalbau mit flacher Decke, der zu Beginn des 18. Jh. barockisiert wurde, dabei wurden die winkelförmige Empore und die Kanzel eingebaut. Zuletzt wurde um 1800 an der Südseite ein kleiner Anbau mit separatem Eingang zur Herrschaftsloge angebaut.

Rings um die Außenwände sind diverse Grabdenkmäler aus dem 17. und 18. Jh. aufgestellt, von denen einzig das hervorragend erhaltene Grabdenkmal auf der Südseite durch seinen heraldischen Schmuck hervorsticht. Der Stein mit schlichter Rechteckrahmung ist in zwei Hälften geteilt, wobei die obere innerhalb eines Innenrahmens das Familienwappen über schräggekreuzten stilisierten Palmzweigen enthält, ganz unten befinden sich zwischen den Stielen Schädel und Knochen als Todessymbole.

 

Die Inschrift in der unteren Hälfte lautet: "Epitaphium Anno Salutis 1692 4 t.a. die Marii in Domino obiit Perillustris ac Generosissimus Dominus D(ominus) Helfridus a croneck Liber Baro in Himmelaw Mosburg & Glaneck Serenissimae quondam Ducissae Nassaw Dietzensis Consiliarius & Satrapa. Flores Matrimonii feliciter producti cum Perillustri ac Gratiosa item Conjuge Maria Elisabetha Baronissa ab Hohenfelt tredecim numerati Hosce Maria dedit Caelo tibi Sospite gnatos Ioannes Achatius: Carolus Franciscus: Fridericus: Theophilus: Adamus: Helfridus: Mauritius: Ioannes Hugo Quos praemature tibi mors invisa peremit Et paucos valuere dies numerare puellae Maria Margarita Sophia: Eva: Maria Ludovisia: Vos reliqui praebete piae solatia Matir Tuque Philippe Helfride: Sororque Maria Sophia Amen."

Es handelt sich bei dem Verstorbenen also um Freiherr Helfrid von Croneck (Kronegg) zu Himmelau, Mosburg und Glaneck, Sohn von Johann Christoph Freiherr von Croneck. Helfrid war vermählt mit Maria Elisabeth Salome von Hohenfeld, Tochter von Achaz (Achatius) von Hohenfeld und dessen Frau Anna Ursula von Metternich. Maria Elisabeth ist im Ort als großzügige Unterstützerin der evangelischen Kirche bekannt, der sie im 17. Jahrhundert umfangreiche Zuwendungen schenkte. Für die Familie sind übrigens viele verschiedene Schreibweisen zu finden, auf dem Stein steht Croneck, üblich sind in der älteren Literatur ebenso Cronegg, Kronegg, Kroneck oder Khronegg. Helfridus ist die Schreibweise seines Vornamens auf der Inschrift, ebenso begegnet uns die Schreibweise Helfrich in der Literatur.

Das in der Inschrift erwähnte Himmelau ist ein aus dem späten Mittelalter stammendes Wasserschloß im Lavanttal im Bezirk Wolfsberg in Kärnten, das den von Croneck von 1581 bis 1629 gehörte und das seit 1902 ein Karmelitinnenkloster ist. Das genannte Mosburg ist Schloß Moosburg in der gleichnamigen Ortschaft in Kärnten, eine von den von Ernau erbaute Burg, die wegen Wegzug aufgrund konfessioneller Ausrichtung verkauft wurde und vom 17. Jh. bis 1708 den Freiherren von Kronegg gehörte, danach aber an die Grafen von Goëss kam. Die Familie hatte während ihrer Blütezeit auch noch Schloß und Herrschaft Glanegg, Ratzenegg und Gurnitz in ihrem Besitz, dazu im oberen Drautal die Herrschaften Greifenburg und Rottenstein. Sie waren auch in Gmünd ansässig. Weiterhin gehörten ihr die Burg Loschenthal und die Herrschaft Kollnitz. Von dem eigentlichen namensgleichen Stammsitz Kronegg in Malta (Gemeinde im Bezirk Spittal an der Drau), der im 16. Jh. von David von Kronegg neu errichtet wurde, ist nichts mehr übrig, die Burg wurde vernachlässigt, schließlich baufällig und wurde 1962 abgetragen.

Die Familie stammt eigentlich aus Tirol und Kärnten und hieß früher Cronegger. Den Brüdern Cronegger wurde mit Diplom vom 27.8.1602 zu Graz anläßlich einer Adelsbestätigung das Prädikat "von und zu Cronegg" verliehen. Am 29.3./15.5.1631 wurden die Brüder und Vettern Hans (Johann) Wilhelm, Christoph, Ferdinand, Jonas, Georg Andreas, Albrecht, Hans (Johann) Christoph und Moriz von Cronegg von Kaiser Ferdinand II. mit dem Prädikat "auf Mosburg und Glaneck" in den erblichen Freiherrenstand erhoben (im Siebmacher Band: NÖ1 Seite: 59 wird ein unrichtiges Datum angegeben). Bei dieser Erhebung blieb das Wappen unverändert. Protestanten aus dieser Familie zogen im 17. Jh. als Exulanten nach Württemberg und Baden. Der letztgenannte Moriz von und zu Cronegg, Freiherr auf Himmelau, Mosburg und Glaneck, geb.11.10.1598 auf Schloß Kroneck in Oberkärnten, gest. 12.9.1679 in Tübingen, war übrigens Fürstlich-Württembergischer Geheimer Rat, Hofgerichtspräsident und Obervogt der Städte und Ämter Tübingen, Herrenberg und Sulz.

Der an vorletzter Stelle genannte Hans Christoph von und zu Cronegg auf Himmelau, Freiherr auf Metzlung, bekam 1629 das Weiherschloß bei Emmendingen als Pfand von Markgraf Friedrich von Baden. Er war markgräflich badischer Oberstlieutenant und fiel bei der Belagerung von Rheinfelden. Sein damals noch minderjähriger Sohn Helfrid - genau dieser von der Grabplatte - wuchs unter der Vormundschaft seines Onkels Moriz (s. o.) auf. Moriz bekam 1656 das Weiherschloß zu Emmendingen vom Markgrafen als freies Eigentum. Sein Neffe, der 1692 in Groß-Karben verstorbene Helfridus von Croneck (oder in anderer Schreibweise Helfrich von Kronegg) war ca. 1673 bis 1674 nach Groß-Karben gezogen. Sein Haus stand an der Stelle der späteren Bürgermeisterei. Seine Witwe, Maria Elisabeth Salome geb. von Hohenfeld, blieb nach dem Tod ihres Ehemannes in Groß-Karben und verkaufte im Jahre 1700 das Weiherschloß an Otto Wilhelm von Dungern, Markgräflich Badischer Rat und Oberamtmann der Markgrafschaft Hachberg. Helfrids Schwiegertochter ließ das Degenfeldsche Schloß errichten, in dem auch Maria Elisabeth Salome lebte.

Das Wappen der v. Croneck (Kronegg) ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold auf grünem Hügel (Dreiberg) einwärts ein auffliegender, schwarzer, golden gekrönter Falke, Feld 2 und 3: in Rot einwärts ein oberhalber silberner Widder. Die Figur in Feld 1 und 4 sei aufgrund der Haltung und der Schwanzform als Falke angesprochen, in der Literatur wird sie auch als Adler bezeichnet. Die Figur in Feld 2 und 3 wird wegen der stark einwärts gekrümmten Hörner und dem Ziegenbärtchen als Widder angesprochen, alternativ findet sich in der Literatur die Bezeichnung als Steinbock.

Abb.: Detailausschnitt Felder 1 und 2.

Zwei hier ungekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem grünen Hügel (Dreiberg) ein flugbereiter, schwarzer, golden gekrönter Falke zwischen zwei golden-schwarz übereck geteilten Büffelhörnern, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Widder, wobei die Tinkturen nach einer Ahnenprobe in der von Bernhard Freiherr von Buseck (1715-1789) um 1760 angelegten Sammlung von biographisch-genealogischen Daten ("Stifft Kemptische Hocheit", Staatsarchiv Augsburg, Fürststift Kempten, MüB 368) angegeben werden, wobei in dieser Ahnenprobe jedoch beide Helme gekrönt dargestellt werden.

Abb.: Detailausschnitt der beiden Kleinode.

Weiterhin wird das Wappen beschrieben im Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 55 Seite 68, mit kleinen Unterschieden, dort ist der Falke ungekrönt, und die Büffelhörner sind gänzlich golden, und beide Helme sind gekrönt.

Das Wappen ist im Siebmacher I, S. 45, Nr. 3 und III, S. 41, Nr. 5 zu finden, dort wie hier die Helme ungekrönt, Helm 1 mit schwarz-goldenem Wulst, das Kleinod aber mit gänzlich goldenen Hörnern, die Hörner des Steinbocks schwarz abgesetzt.

Im Rietstap / Rolland ist das Wappen ebenfalls unter dem Namen Cronegg verzeichnet; dort wird die Figur in Feld 1 und 4 als "une aigle de profil de sable, le vol leve, posée sur une terrasse rocheuse de trois coupeaux au naturel" bezeichnet, also als Adler im Profil mit erhobenen Flügeln, die in Feld 2 und 3 als "un bouquetin naissant d argent", also als Steinbock. Die Kleinode werden wie folgt angegeben: "1° l'aigle du 1, entre deux proboscides d'or; lambrequins d'or et de sable; 2° le bouquetin issant du 2; lambrequins d'argent et de gueules".

Im neuen Siebmacher ist das Wappen unter der Schreibweise Croneck in Band: NÖ1 Seite: 59 Tafel: 31 zu finden, dort wird jedoch das gräfliche Wappen mit drei Helmen beschrieben. Die Tiere werden dort als Adler und Steinbock angesprochen. Gravierender sind die Unterschiede beim Oberwappen: Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm eine goldene Krone auf grünem Hügel, überragt von drei Pfauenfedern, Helm 2 (rechts): der golden gekrönte schwarze Adler, Helm 3 (links): ein wachsender schwarzer Steinbock zwischen einem Paar Büffelhörner, rechts rot-golden, links silbern-rot geteilt. Helmdecken rechts schwarz-golden, links rot-silbern. Die Büffelhörner sind also beim gräflichen Wappen vom Adler zum Steinbock gewandert, und die Farben haben sich verändert, und in der Mitte ist ein dritter Helm hinzugekommen. Der Siebmacher vergißt aber zu erwähnen und zu zeigen, daß - passend zum neuen Helm - im gräflichen Wappen auch ein blauer Herzschild mit goldener Krone neu hinzugefügt wurde. Georg Andre(as) Freiherr von und zu Kronegg aus der in der Heimat verbliebenen Linie erlangte mit Diplom vom 12.3.1663 zusammen mit seinen drei noch lebenden Schwestern von Kaiser Leopold den Reichsgrafenstand mit Wappenbesserung. Übrigens war es ein Mitglied der in Kärnten verbliebenen Familie, das maßgeblich an der Ausmalung des Wappensaales in Klagenfurt beteiligt war.

Literatur, Links und Quellen:
Kulturdenkmäler in Hessen (Landesamt für Denkmalpflege Hessen): http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5956&session=441088&event=Query.Details
Hinweistafel am Gebäude
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Ahnenprobe des Epimachus Freiherrn von Kronegg (1709-1787), Stiftsherr im Fürststift Kempten. Seite aus der von Bernhard Freiherr von Buseck (1715-1789) um 1760 angelegten Sammlung von biographisch-genealogischen Daten ("Stifft Kemptische Hocheit"). (Staatsarchiv Augsburg, Fürststift Kempten, MüB 368)
Die von Croneck in Groß-Karben:
http://www.gehspitze.de/heimat/festschrift.html
Alter Siebmacher
Siebmacher Band Niederösterreich
Landeshauptleute Kärnten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landeshauptleute_von_K%C3%A4rnten
Schloß Himmelau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Himmelau
Schloß Moosburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Moosburg - http://www.schloss-moosburg.com/
Julius, Kindler von Knobloch, Oberbadisches Geschlechterbuch, Band 2: He-Lysser, Heidelberg, Hrsg.: Badische Historische Kommission, 1905,
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd2/0386 - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kindlervonknobloch1898bd2/0389
Geschichte der von Kronegg: Friedrich W. Leitner, Ein Portraitgemälde des Ständisch Verordneten Christoph Andreas Graf von und zu Kronegg von Josef Ferdinand Fromiller im Landesmuseum Kärnten
http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/Rudolfinum_2004_0317-0330.pdf (sehr gute Darstellung des österreichischen Zweiges, Angaben zum württembergischen Zweig ungenau und lückenhaft)

ev. Gemeindehaus Groß-Karben - Groß-Karben, Leonhardi-Schloß (1) - Groß-Karben, Leonhardi-Schloß (2)

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