Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1886
Heppenheim (Kreis Bergstraße)

Heppenheim, Schloßschule

Hier war früher ein Lorscher Klosterhof unter der Verwaltung eines Vogtes, danach befand sich an dieser Stelle ein Hof und Lehensbesitz der Herren von Rodenstein. Vermutlich ist die Besiedlungsgeschichte an dieser herausgehobenen Stelle noch älter, und eine hier einst befindliche fränkische Burganlage kann als Keimzelle der Stadt Heppenheim angesehen werden. Das heutige Gebäude zwischen Schulgasse und Marktstraße, ein zunächst nur zweigeschossiger, später 1896/97 auf drei Stockwerke aufgestockter Massivbau mit geohrten Fenstergewänden, wurde nach schwerer Beschädigung beim von plündernden Soldaten unter Marschall de Lorges verursachten schweren Stadtbrand von 1693 als neue Stadtresidenz des Burggrafen und kurmainzischen Oberamtmannes Freiherr Johann Philipp von und zu der Hees um 1700 erbaut. Zunächst besaß die Anlage nur zwei Flügel, doch der Sohn des Erbauers setzte einen viergeschossigen Westbau als Erweiterung an.

 

Heraldischen Schmuck sehen wir an der Schulgassenseite im gesprengten Giebel des barocken Rundbogenportals mit Pilasterrahmung und Radialfugenrustika. Zwei ovale Kartuschen unter gemeinsamer Krone neigen sich inmitten üppiger Akanthusornamentik einander zu. Heraldisch rechts ist das Wappen des Ehemannes, von der Hees, gegenüber das der Ehefrau, von Holdinghausen. Maria Rosina von Holdinghausen, Tochter von Johann Dietrich von Holdinghausen, mit dem der Burgholdinghauser Zweig 1684 im Mannesstamm erlosch, war seit 1681 mit Phillip von der Hees (-1717) verheiratet, und die beiden Wappen gehören zu diesem Paar.

Das Wappen der aus dem Siegerland stammenden Freiherren von der Hees zeigt in Rot einen silbernen Balken, oben von zwei silbernen Mühleisen begleitet. Es wird beschrieben im Aschaffenburger Wappenbuch. Dort wird die hier fehlende Helmzier wie folgt angegeben: Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Schild zwischen zwei roten, je mit einem silbernen Balken belegten Paar Büffelhörner. Etwas anders gibt das Westfälische Wappenbuch die Helmzier an: Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken der Schild oben angestemmt zwischen einem Paar roter Büffelhörner, also die Büffelhörner nicht noch einmal mit dem silbernen Balken belegt, sondern gänzlich rot. Im Rietstap finden sich folgende Angaben: De gueules à la fasce d'argent, accompagné en chef de deux anilles du même. Casque couronné, un écusson des armes, entre deux proboscides de gueules, chargées chacune d'une fasce d'argent, also mit den Angaben bei Wolfert übereinstimmend.

Das Wappen der von Holdinghausen, deren Stammsitz Burgholdinghausen im Siegerland ist, heute ein Stadtteil von Kreuztal im Kreis Siegen-Wittgenstein, ist geteilt, oben in Gold ein roter Pfahl, unten ledig und blau. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre ein wachsender roter Drachenhals, aus dessen goldener Krone fünf Straußenfedern in den Farben rot-blau-golden-blau-rot hervorkommen, so beschrieben im Siebmacher Band: NaA Seite: 26 Tafel: 39. Im Rietstap wird die Helmzier anders beschrieben: une tête et col de dragon d'or, vomissant des flammes de gueules, la tête couronnée et sommée de cinq tiercefeuilles d'azur, also ein goldener Drachenhals, rote Flammen speiend, der Kopf gekrönt und in der Krone fünf blaue Dreiblätter. Angaben zur Farbe der Decken fehlen; im Siebmacher werden selbige uneindeutig mit gemischten Farben dargestellt, plausibel wären z. B. rechts rot-goldene, links blau-goldene Decken. Das Wappen der Familie lebt fort im Kommunalwappen von Burgholdinghausen, geteilt, oben in Gold ein roter Pfahl, unten in Blau ein goldenes Jagdhorn (Hifthorn) mit verschlungenem Band.

Nach den Freiherren von und zu der Hees besaß General Adolph Baron Berghe von Trips das Anwesen, von ihm erwarb es Metzgermeister Franz Mang, und 1814 kaufte die Stadt den Baukomplex. Das Innere wurde umgestaltet, ein Stockwerk wurde aufgesetzt, und ein klassizistisches Glockentürmchen wird aufgesetzt. Seit 1825 ist hier eine Schule untergebracht, erst unter dem Namen Stadtschule, dann unter dem Namen Schloßschule. Eine grundlegende Sanierung wurde 1959/60 durchgeführt.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafel am Gebäude
Kulturdenkmäler in Hessen (Landesamt für Denkmalpflege Hessen):
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?gg=167900426&obj=30315&session=913&event=Query.Details
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=30315&event=Query.Details
http://www.heppenheim.de/Schulgasse.1247.0.html
http://www.schloss-schule-hp.de/cms/de/wir/geschichte/geschichte-x/geschichte-1/index.html
http://www.weststadtverlag.com/leseproben/Routenur%20Heppenheim2.pdf
Burgholdinghausen und von Holdinghausen http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1824
Wappen von der Hees: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 5 Seite 75
Wappen von der Hees: Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901-1903.
Wappen von Holdingshausen: Rietstap, Rolland
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

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