Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1875
Trier: Heraldik in Deutschlands ältester Stadt

Abtei St. Maximin in Trier

Von der Reichsabtei St. Maximin ist wenig übriggeblieben. Sie war eine Benediktinerabtei (eine von vieren in Trier) mit dem Anspruch, die älteste Abtei im deutschsprachigen Raum zu sein. Ob das stimmt, sei dahingestellt, mindestens reicht die Geschichte des auf einem antiken Gräberfeld errichteten Klosters bis ins 6. und 7. Jh. zurück. Einst war die im Mittelalter bedeutende Abtei reichsunmittelbar, wurde dann aber Kurtrier unterstellt, was lange Zeit kontrovers diskutiert wurde, ehe sich St. Maximin 1669 endgültig der kurtrierischen Landeshoheit unterwarf. Mehrfach wurde St. Maximin zerstört, 1522 im Pfälzischen Ritteraufstand, 1674 von Réunionstruppen des Sonnenkönigs, dann von den Revolutionstruppen Frankreichs. 1802 wurde die Abtei aufgelöst, die Gebäude wurden zur Kaserne, und das blieb das Kloster auch in preußischer Zeit, eigentlich sogar bis 1945. Die letzten Zerstörungen brachte der zweite Weltkrieg, ihm fielen die barocken Abteibauten zum Opfer. Heute ist neben dem Torbau nur noch die Abteikirche erhalten, die als Sporthalle einer katholischen Privatschule dient sowie als Veranstaltungshalle. Unter ihrem Boden kann man Teile des antiken Gräberfeldes sehen, denn alte Steinsärge bilden das Fundament der Kirche.

Nur ganz wenige Spuren haben sich von dieser einst mächtigen und reichen Benediktinerabtei erhalten. Die Spurensuche beginnt am über die Straße gespannten Tor zwischen den Häusern Maximinstraße 17a und 20. Dieses Tor bildete den nordwestlichen Eingang in den Maximiner Klosterbering. Die Fassade ist mit Lagerfugenrustika und zwei dorischen Wandvorlagen geschmückt. Auf einem Triglyphenfries ruht der wappengeschmückte Dreiecksgiebel.

Im Dreiecksgiebel sehen wir auf der Außenseite des Portalbaus in einer großen, das Dreieck auch seitlich ausfüllenden Rocaillekartusche das stark beschädigte Wappen des Maximiner Abtes Willibrord Scheffer (1738-1762). Er wurde als Henri Scheffer am 1.3.1697 geboren, trat am 15.8.1720 in das Benediktinerkloster St. Maximin zu Trier ein, legte am 14.9.1721 seine Gelübde ab und nahm den Namen Pater Willibrord an. Zum Priester wurde er am 23.9.1724 ordiniert, am 21.4.1738 wurde er vom Kapitel zum 79. Abt des Klosters gewählt, am 9.11.1738 wurde er von Lothar von Nalbach inthronisiert. Dieses Amt versah er bis zu seinem Tode am 29.10.1762. Das Wappen dieses Abtes ist auch am Maximiner Hof in Kenn und am Maximiner Amtshaus in Schweich sowie am Schloß Grünhaus in Mertesdorf zu finden.

Das Wappen von Willibrord Scheffer ist geteilt, oben ist das Wappen der Abtei, der doppelköpfige schwarze Adler, der in seinen Fängen rechts ein Schwert und links ein ähnliches Objekt (Zepter?) hält. Unten hingegen ist das persönliche Wappenzeichen des Abtes, in Blau ein goldenes, von einem goldenen Stern überhöhtes Kirchengefäß (Pokal) mit Deckel, beseitet von zwei weiteren goldenen Sternen. Auf dem Wappen ruht eine Inful, wenn auch hier stark zerstört, und hinter dem Wappen ragen schrägrechts der Krummstab und schräglinks das Schwert hervor, denn St. Maximin war eine Reichsabtei mit entsprechenden Privilegien. Die Reichsunmittelbarkeit von St. Maximin war jedoch lange umstritten und aus naheliegenden Interessenskonflikten von Kurtrier in Frage gestellt worden. 1669 unterwarfen sich Abt und Konvent endgültig unter Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit der kurtrierischen Landeshoheit. Die Insignien eines Kirchenfürsten blieben. Auf der Innenseite des Tores, die genau wie die Außenseite gestaltet ist, befindet sich ein weiteres Wappen, aber bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

An der südlichen Schmalseite des Tores ist sekundär ein weiterer Wappenstein eingemauert, ebenfalls von deutlichen Spuren der Zerstörung gezeichnet. Weil hier früher die Klostermauer ansetzt, kann es sich keinesfalls um einen originalen Anbringungsort handeln, sondern hier hat man einfach einen zusammenhangslos gewordenen Stein vermauert. Die Rokokokartusche zeigt das Wappen des Abtes Willibrord Wittmann der Reichsabtei St. Maximin, der 1762-1796 als Nachfolger der Abtes Scheffer amtierte. Der Stein ist stark beschädigt. Es ist aber noch deutlich zu sehen, daß hinter der Kartusche schrägrechts das Schwert und schräglinks der Krummstab angebracht sind, und um den asymmetrisch gevierten Schild mit den vier persönlichen Symbolen (Feld 1: eine menschliche Figur, Feld 2: drei kugelförmige Objekte nebeneinander, Feld 3 und 4: jeweils einwärts ein auf einem Grund stehender Vogel) des Abtes ist ein Band mit daranhängendem Ordenskreuz gelegt. Willibrord Wittmann war einer der letzten Äbte vor der Säkularisierung, außerdem war er 1770-1771 und vom 7.3.1781 bis zu seinem Tod Rektor der Trierer Universität. Ein ganz ähnlicher, identisch aufgebauter Wappenstein findet sich an der Grünhäuser Mühle in Mertesdorf im Ruwertal.

Bei der Spurensuche nach heraldischen Hinterlassenschaften Maximiner Äbte werden wir jenseits der Hauptverkehrsstraße "In der Reichsabtei" am modernen Komplex des in den 1970ern erbauten Postamtes fündig: Hier sind in die Ziegelwand einige Spolien eingemauert worden, die auf dem Gelände der ehemaligen Reichsabtei gefunden worden waren. Unter einer runden, barocken Fenstereinfassung und einem Türsturz ist hier ein Wappen des 1680-1698 amtierenden Maximiner Abtes Alexander Henn eingemauert, offensichtlich früher ein Schlußstein eines Portalbogens.

Das Wappen ist zweimal geteilt, oben befindet sich der schwarze Doppeladler des Reiches, mit einem Reichsapfel im rechten Fang, mit einer zwischen den Häuptern schwebenden Krone. Die beiden unteren Zonen bilden gemeinsam das Familienwappen Henn, in der Mitte drei Hennen hintereinander, unten drei Eicheln. Wir haben folgende Quellen für die korrekte Tingierung: a) der Siebmacher, b) drei gläserne Wappenscheiben im Foyer der Stadtbibliothek Trier, aus dem Jahr 1713 stammend, sie wurden 1825 von Kommerzienrat Josef Hayn der Bibliothek geschenkt. Diese Quellen geben Anlaß zu folgender Blasonierung des Henn-Wappens: In blau-silbern geteiltem Schild oben drei silberne Hennen, unten drei grüne bzw. grüngestielte und -benapfte goldene Eicheln. Die Helmdecken wären blau-silbern. So wird es auch bei Georg Jakob Meyer angegeben. Die Familie Henn und ihre besondere Rolle durch das Stellen mehrerer Benediktineräbte in Trierer Klöstern werden im Kapitel St. Matthias detailliert diskutiert, siehe dort. Alexander Henn trat unter den Maximiner Äbten dadurch hervor, daß er nach der Zerstörung durch die Franzosen den Wiederaufbau leitete.

Ein weiterer Wappenstein, diesmal wiederum für Willibrord Scheffer (1738-1762), ist auf der Seite des modernen Gebäudes zur Kürenzer Straße hin zu finden. Während diesmal der Doppeladler und der Pokal mit den drei Sternen relativ gut erhalten ist, man sogar die Blau signalisierende Schraffur des unteren Feldes erkennen kann, sind hier Schwert und Krummstab im Oberwappen stark beschädigt - letzte Fragmente und Spolien einer einst großen und mächtigen Abtei. Dieser Schlußstein befand sich einst am westlichen Kreuzgangflügel des Klosters.

Liste der Äbte von St. Maximin vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben die hier mit Wappen vertretenen Äbte):

Literatur, Links und Quellen:
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 17.2 Stadt Trier – Stadterweiterung und Stadtteile. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 978-3-88462-275-9 (1. Auflage 2009), der entsprechende Abschnitt ist online: http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=22908
Reichsabtei St. Maximin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsabtei_St._Maximin
St. Maximin-Schule:
http://www.st-maximin.de/
Christian König: Trier - St. Maximin, in: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz
http://www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/trier-st-maximin.html
Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/2010/05/08/abte-von-sankt-maximinus-bertholet/
Wappen der Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/saint-maximin-treves/?PHP
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.
Klöster in Trier von der Spätantike bis zur Gegenwart. Katalog zur Ausstellung der Katholischen Erwachsenenbildung anläßlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier vom 25.3. bis 1.11.1984 im Domkreuzgang. Konzeption: Prof. Dr. Franz J. Ronig.
Günther Molz, drei Hennen und drei Eicheln - das Wappen einer Familie des Trierer Landes, Teil 1, in: Familienkundliche Blätter, hrsg. v. d. Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Heft 16, Juli 2007, online:
http://trier.wgff.net/download/FamNach/Heft-16_2007_07.pdf, Teil 2 in Heft 17, Dezember 2007, online: http://trier.wgff.net/download/FamNach/Heft-17_2007_12.pdf
Wappen Henn: Georg Jakob Meyer, Hausmarken und Wappen aus dem moselländischen Raum, Band 3, Wappen bürgerlicher Familien aus dem Raum Trier, Trier 1963, S. 11 und 11a.
Karl Oehms, Anmerkungen zur Genealogie der Familie Henn, in: Familienkundliche Blätter, hrsg. v. d. Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Heft 17, Dezember 2007, online:
http://trier.wgff.net/download/FamNach/Heft-17_2007_12.pdf
Eduard Lichter, Wappen zu Trier im Spiegel der Zerstörungen von 1798, zugleich eine Bestandsaufnahme, Neues Trierisches Jahrbuch, 1991, S. 11-32

Äbte der Abtei St. Maximin in Trier

Kurie Strohdach - Markuskloster - Triers verlorene Wappen - Hauptmarkt 23 / Judengasse - Stiftskurie St. Paulin - Spolie bei der Augustinerkirche

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2013
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de