Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1874
Trier: Heraldik in Deutschlands ältester Stadt

Das ehemalige Franziskanerkloster St. Markus in Trier

Hier geht es um zwei Häuser, das eine in der Seizstraße 6, und das daneben stehende, durch eine große Lücke von ersterem getrennte Haus Am Palastgarten 6. Beide Häuser werden durch eine gemeinsame Geschichte miteinander verbunden. Am Anfang stand ein bereits 1363/64 erwähnter Beginenkonvent, und dann wurde in den 30er Jahren des 15. Jh. das Kloster an dieser Stelle gegründet. Als das Kloster St. Afra aufgelöst wurde, fanden 1785 die heimatlosen Franziskanerinnen hier im Kloster St. Markus eine neue Bleibe. Sie führten und belebten das Kloster bis zu seiner Auflösung 1802.

Das Haupthaus des Klosters war das Gebäude in der Seizstraße 6, ein umgebautes spätgotisches Giebelhaus, und hier lag auch die Kapelle. Das zweite Haus Am Palastgarten 6, wo heute der Kreisverband Trier-Saarburg der Partei Bündnis 90 / Die Grünen seinen Sitz hat, war das Schlafhaus zum Kloster. Von der einstigen Struktur ist nicht mehr viel zu erkennen außer ein paar vermauerten Fenstern, weil die 1944 völlig zerstörten Gebäude als Wohnhäuser wiederaufgebaut wurden. Lediglich ein paar Teile des Bauschmucks wie das von einer Figurennische mit Aedikula überhöhte Portal von 1724 (Abb. oben) in der Seizstraße konnten gerettet werden.

Das Wappen am Türsturz hat nichts mit dem Kloster zu tun, sondern es gehört Johann Michael Heinster, Pfarrer der Pfarrei St. Laurentius, geb. 1647, gest. 11.4.1728/29, Sekretär des Weihbischofs Johann Heinrich von Anethan, der das Gebäude als Pfarrhaus nutzte. Heinster wurde am 17.5.1683 im Fach Theologie promoviert. 1692 war er Stadtdechant geworden. Das Wappen zeigt auf rotem Feld zwei schräggekreuzte silberne Doppelhaken, zwischen denen oben ein ebensolcher Stern schwebt (heutige Farbfassung). Früher war ein zweites solches Wappen noch im Deckenstuck vorhanden, was aber beim Nachkriegsumbau entfernt wurde. Das Wappen wird bei Mayer, Band 3 beschrieben, wo auch noch ein weiteres Auftauchen auf einer Takenplatte in Aach erwähnt wird.

 

Am ehemaligen Dormitoriumshaus des Markusklösterchens (Abb. oben links), Am Palastgarten 6, ist an der Fassade neben dem polygonalen Treppenturm an der südlichen Schmalseite des Hauses ein Wappenfragment eingemauert. Es befindet sich hier nicht am originalen Ort, sondern stammt aus der ehemaligen Kapelle des Haupthauses, von der man nur noch die vermauerten Bogenstellungen an der Außenfassade sieht. Dort war es ein Deckenschlußstein im Gewölbe der Kapelle. Der rundum so stark "angenagte" Stein, dessen ursprünglicher äußerer Umriß nicht mehr bestimmt werden kann, ist ein zusammengeschobenes Ehewappen, es ist gespalten: Heraldisch rechts ist das Wappen von Clais (Clas) von Zerf, ein von drei (1:2) Sternen begleitetes schwebendes, tatzenendiges Antoniuskreuz, und heraldisch links ist das Wappen seiner Ehefrau Adelheid von Besselich (Beßlich), ein von drei (2:1) Rosen begleiteter Stern. Der dritte Stern und die dritte Rose sind jeweils verwittert oder zerstört. Beide Wappen werden bei Mayer, Band 3, beschrieben. Adelheid von Besselich, Tochter des Trierer Stadtschreibers Peter von Besselich, war um 1500 die Stifterin der Klosterkapelle. Die gleichen Wappen tauchen als Stifter in der Liebfrauenbasilika auf, auf dem Bild des Judas. Die vorhandene Farbgebung, rechts blaues Feld, rotes Antoniuskreuz, silberne Sterne, links grünes Feld, rote Rosen, silberner Stern lassen sich nicht anhand der Gegenstücke in der Liebfrauenkirche verifizieren und müssen offen bleiben. Auch im Siebmacher Band: Bg9 Seite: 17 Tafel: 21 findet sich als Tingierungsangabe zum Wappen der von Besselich Rot für das Feld und Gold für die Rosen. Ein weiteres Vorkommen ist am Turm der Gangolfskirche, wo Adelheid von Besselich auch als Stifterin hervortrat. Clais (Clas) von Zerf, Sohn von Hobemanus Hans aus Zerf im Hochwald, hingegen war von Beruf Metzgermeister, vom Charakter her ein Tunichtgut, und er nahm in der Stadt Trier herausragende Ämter wahr: 1476 war er Schöffe, und 1483 war er Bürgermeister. Die Stiftungen für St. Gangolf, für die Liebfrauenkirche, für das Martinsklösterle etc. decken sich mit der Tatsache, daß er einer der reichsten Trierer Bürger seiner Zeit geworden war und seiner Frau ein beträchtliches Vermögen hinterließ, so daß sie im Witwenstand diese Stiftungen vornehmen konnte. Näheres über dieses ungleiche Paar wird im Kapitel zur Gangolfskirche erläutert (siehe dort). Im Siebmacher Band: Bg9 Seite: 33 Tafel: 40 wird als Tingierung angegeben: In Blau ein schwebendes goldenes Antoniuskreuz zwischen drei (1:2) goldenen Sternen..

Literatur, Links und Quellen:
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8, S. 152.
Heinster: Georg Jakob Mayer, Hausmarken und Wappen aus dem moselländischen Raum, Band 3, Wappen bürgerlicher Familien aus dem Bezirk Trier, Trier 1963, S. 2 und S. 25.
von Zerf, von Besselich: Georg Jakob Mayer, Hausmarken und Wappen aus dem moselländischen Raum, Band 3, Wappen bürgerlicher Familien aus dem Bezirk Trier, Trier 1963, S. 19
Kentenich, Aus dem Leben einer Trierer Patrizierin, Trier. o.J.
Eduard Lichter, Wappen zu Trier im Spiegel der Zerstörungen von 1798, zugleich eine Bestandsaufnahme, Neues Trierisches Jahrbuch, 1991, S. 11-32
Siebmachers Wappenbücher, Band Bürgerliche 9
Josefine Wittenbecher: Adelheid von Besselich - Bürgerin von Trier, 181 S., Verlag Porta Alba, Trier 2012, ISBN-10: 3933701465, ISBN-13: 978-3933701466 (Bearbeitung des Lebens von Adelheid von Besselich als Roman)
Gottfried Kentenich, Aus dem Leben einer Trierer Patrizierin -ein Beitrag zur Kunst- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Trier im 15. Jahrhundert, Trier, 1909, online:
http://www.dilibri.de/ubtr/content/pageview/218741
Wolfgang Schmid: Der Bischof, die Stadt und der Tod - Kunststiftungen und Jenseitsfürsorge im spätmittelalterlichen Trier, in: Stiftungen und Stiftungswirklichkeiten, von Michael Borgolte (Hrsg.), 343 S., Akademie-Verlag, Berlin 2000, Verlag De Gruyter, Reprint 2014, ISBN-10: 3050034912, ISBN-13: 978-3050034911, S. 244-245
https://books.google.de/books?id=sQpKAAAAQBAJ
Portrait der Adelheid von Besselich:
https://picturesoftrier.tumblr.com/image/97992546425 und http://www.dilibri.de/ubtr/content/pageview/221136
Es war einmal... Adelheid von Besselich, Artikel vom 13.6.2015 im Wochenspiegel
http://www.wochenspiegellive.de/trier/stadt-trier/artikel/es-war-einmal-adelheid-von-besselich-31215/

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