Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1864
Bischofsstadt Eichstätt

Kloster St. Walburg in Eichstätt

Bei St. Walburg handelt es sich um ein Benediktinerinnenkloster im Norden der Eichstätter Altstadt. Die Kirche wurde aufgrund der Vorgaben durch das Gelände in NW-SO-Richtung erbaut, mit westlich angesetztem Turm. Die Klostergebäude umgeben einerseits als Dreiflügelanlage das Nordwestende der Kirche rings um einen Innenhof, und andererseits den unregelmäßig dreieckigen Platz im Südosten der Kirche, zu dem Walburgiberg und Webergasse hinführen.

Die Kloster- und Pfarrkirche St. Walburg ist ein Werk von Martin Barbieri und wurde 1629-1631 unter Äbtissin Eugenie Thürmeier erbaut. Der barocke Turm wurde ein rundes Jahrhundert später, nämlich 1746, von Baumeister Benedikt Ettl angefügt, von dem auch die Klostergebäude der Abtei 1746/47 auf mittelalterlichem Kern errichtet wurden. Eine umfassende Renovierung der Abteigebäude fand 1998/99 statt.

Dieses Wappen befindet sich an der Außenseite der Alexiuskapelle, die anstelle der vormaligen Agneskapelle gleichzeitig mit der Abteikirche erbaut wurde. 1999 wurde das Gebäude renoviert. Die an der Institution zu findenden Äbtissinnenwappen setzen sich aus jeweils zwei Schilden zusammen, die einander zugeneigt sind. Der heraldisch rechte ist das Abteiwappen, in Rot drei goldene, schreitende Löwen übereinander. Das ist das gleiche Wappenbild, welches auch das Eichstätter Domkapitel führt, die sog. "Leoparden der hl. Walburga", einer Schwester des Hl. Willibald, und beide sollen der Legende nach englische Königskinder gewesen sein und dieses Wappen mitgebracht haben - was aber historisch nicht zutrifft. Willibald, Wunibald und Walburga lebten im 8. Jahrhundert - da gab es definitiv weder Wappen noch Heraldik in unserem Sinne. Und damals herrschten im Königreich der Angelsachsen noch keine Plantagenets, und auch gesamt-englische Könige gab es noch nicht, sondern eine Schar von Kleinkönigen, und einen Richard gab es auch nicht, allein vom Sprachlichen her gesehen. Das wurde alles Walburga und Willibald viel später angedichtet, um ihm eine edle Abstammung nachzuweisen. Wie auch immer, die Abtei hat genau wie das Domkapitel über dieses Legenden-Konstrukt das Wappen in gutem Glauben oder zumindest in guter Absicht angenommen, auch wenn es sich bei strenger Betrachtung um ein Fabelwappen handelt. Die Hl. Walburga sehen wir übrigens als feuervergoldete Statue oben auf dem Turm der Klosterkirche.

Die Bauherrin war Äbtissin Maria Anna Adelgundis Pettenkofer, und ihr Wappen ist auf der heraldisch linken Seite zu sehen, der Schild ist geteilt, oben in Blau ein stehender Mann in rotem Gewand und mit schwarzem Hut auf dem Kopf, in der Rechten eine Weintraube mit grünem Blatt haltend, die Linke eingestemmt, unten in Rot eine kurzgestielte Weintraube mit grünem Blatt (Tinkturen nach einem Kupferstich mit Schraffuren). Die zukünftige Äbtissin, mit bürgerlichem Namen Ursula Pettenkofer, wurde am 10.1.1696 als Tochter von Johann Georg Pettenkofer (1648-8.2.1736) geboren, einem aus einer Küferfamilie stammenden, äußerst wohlhabenden Weinschenk, Weinhändler (insofern ist das Pettenkofer-Wappen ein redendes) und Immobilienbesitzer, der zum Patriziat seiner Heimatstadt Berching gehörte und es bis zum Bürgermeister schaffte (sein ehemaliges Wohnhaus wurde Rathaus) und außerdem 1722 durch seine Schenkung von 3000 Gulden für die Errichtung des Kapuziner-Hospizes in Berching bekannt wurde. 1713 trat Ursula in das Benediktinerinnenstift St. Walburg in Eichstätt ein, und 1730-1756 war sie Äbtissin. Sie wurde eine der bedeutenderen Äbtissinnen, und unter ihrer Leitung wurde der barocke Wiederaufbau des Klosters und der Klosterkirche durchgeführt. Die Äbtissin starb am 10.06.1756.

Dieses Wappen befindet sich am Gästehaus der Abtei St. Walburg. Es wurde von Benedikt Ettl im Jahre 1746 errichtet, wobei mittelalterliche Vorbauten integriert wurden. Hier stand vorher die ehemalige Friedhofskapelle St. Anna. Die Bauherrin war Äbtissin Maria Anna Adelgundis Pettenkofer, Wappenbeschreibung siehe oben. Die Farben weichen hier von denen der ersten Darstellung ab. Ein weiteres Wappen dieser Äbtissin befindet sich im Nonnenchor der Kirche. Ein typisches Element dieser Äbtissinnenwappen ist die in der Mitte zwischen den beiden Schilden aufragende Halbfigur der Klostergründerin.

Dieser Wappenstein befindet sich in einer kleinen Aedikula zwischen zwei Voluten über einem mit "ISE" bez. Türsturz. Er zeigt in barocker Kartusche einen silbern-blau gespaltenen Schild mit einem goldenen Sparren (Hinweise willkommen).

Dieser Wappenstein befindet sich am Marienhaus, dem ehemaligen Richteramtshaus und heutigen Gästehaus der Abtei St. Walburg. Hier handelt es sich um die Äbtissin Maria Anna Benedicta Spiegel von und zu Peckelsheim O.S.B., geboren am 31.01.1874 auf Schloß Helmern in Westfalen, gestorben am 17.02.1950 in Eichstätt. Sie trat 1900 in der belgischen Abtei Maredret dem Benediktinerinnenorden bei, legte am 10.2.1902 die Gelübde (Profeß) ab, danach verließ sie Belgien und kam am 18.6.1915 übergangsweise nach St. Hildegard in Eibingen, am 6.3.1918 kam sie als Nonne nach St. Walburg, und am 29.9.1926 wurde sie in St. Walburg als Äbtissin eingesetzt, nachdem sie am 15.8.1921 Priorin und danach Novizenmeisterin geworden war. Die Äbtissinnenwahl war bereits am 16.8.1926 erfolgt. Wie die Inschrift zeigt, war eine ihrer ersten Amtshandlungen die Renovierung der Abteigebäude. Äbtissin Maria Anna Benedicta Spiegel ist Ehrenbürgerin der Stadt Eichstätt. Das Wappen der westfälischen Spiegel von und zu Peckelsheim, die zum Uradel des Hochstifts Paderborn gehören, zeigt in Rot drei (2:1) silberne, runde, golden gefaßte Spiegel (redendes Wappen), und die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein roter Flug, beiderseits mit den je drei Spiegeln belegt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: He Seite: 26 Tafel: 29, Band: Pr Seite: 386 Tafel: 434, Band: PrGfN Seite: 22 Tafel: 17, außerdem bei Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels. Maria Anna Benedicta ist ihr Ordensname, ihr bürgerlicher Name war Elisabeth Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim, Tochter von Raban von Spiegel.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafeln am Gebäude
Siebmachers Wappenbücher
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Totenzettel von Äbtissin Maria Anna Benedicta Spiegel:
http://baseportal.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/Ste.......d=2069
Spiegel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel_%28westf%C3%A4lisches_Adelsgeschlecht%29
Äbtissin Maria Anna Benedicta Spiegel
http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Anna_Benedicta_von_Spiegel
St. Walburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_St._Walburg
Stephan Adam, Maria Anna Benedicta Spiegel von und zu Peckelsheim, in: Barbara Bagorski und Ludwig Brandl (Hrsg.), Zwölf Frauengestalten aus dem Bistum Eichstätt vom 8. bis zum 20. Jahrhundert, Schnell & Steiner, Regensburg 2008
Portrait von Maria Anna Adelgundis Pettenkofer:
http://www.portraitindex.de/db/apsisa.dll/.......861%22
Maria Anna Adelgundis Pettenkofer:
http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10066&pk=362534&p=1
Wappen innen:
http://www.bildindex.de/obj21002361.html#|home

Luitpoldstraße 16 - Pfleggericht - Spitalkirche - Dompropstei - Generalvikariat - Kanzlei - Kavaliershöfe - Residenz - Oberstjägermeisterei - Kloster Notre Dame - Sommerresidenz - Waisenhaus - Osteiner Hof - Dom, Westfassade - Willibaldsburg: Äußeres Tor - Willibaldsburg: Gemmingenbau - Willibaldsburg: Schaumbergbau - Willibaldsburg: Schildmauer - Willibaldsburg: Tor zum Vorhof - Willibaldsburg: Nordbastion - Schönbornhof - Ulmer Hof - Mortuarium (1): Decke 1-5 - (2): Decke 6-11 - (3): Decke 12-17 - (4): Decke 18-23 - (5): Decke 24-28 - (6): Bistum und Domkapitel - (7): Heltpurg - (8): Seckendorff - (9): Adelshausen - (10): Reichenau - (11): Gemmingen - (12): Suntheim - (13): Adelmannsfelden - Dom (1): Seckendorff - Dom (2): Wirsberg - Dom (3): Gottsmann - Dom (4): Rechenberg - Dom (5): Wolfstein - Dom (6): Eyb - Dom (7): Freyberg - Dom (8): Ulm - Dom (9): Zehmen - Dom (10): Leonrod-Totenschild - Dom (11): Speth - Dom (12): Leonrod-Denkmal - Dom (13): Hirnheim - Dom (14): Knebel-Pforte - Dom (15): Pfeffenhausen/Heideck - Dom (16): Freyberg/Westchor - Dom (17): Knebel-Denkmal - Gasthaus zur Krone (ehem. Domherrenhof Speth) - Dom-Augusto-Haus - ehem. Domdechantei - Schutzengelkirche - Collegium Willibaldinum - Bürgerhaus - Hof Welden

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2013
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de