Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1862
Mertesdorf (Landkreis Trier-Saarburg)

Grünhäuser Mühle

In der Gemeinde Mertesdorf liegt zwischen dem Flüßchen Ruwer und dem Mühlgraben die Grünhäuser Mühle (Hauptstraße 4). Es handelt sich um einen zweistöckigen, spätbarocken Bau aus dem 18. Jh., mit Fenstern, die oben mit einem Segmentbogen mit Keilstein abschließen, und mit schiefergedecktem Krüppelwalmdach, die Schmalseite zur Hauptstraße gewendet. Seit 1992 ist in der Mühle ein Restaurant im Erdgeschoß, dort, wo sich früher die Mühlentechnik befand, zuerst als französisch-bretonisches Restaurant von Anja und François-Yvon Coignard geführt, dann von Alexander Rinke und Mirko Scholz. Die Gasthaustradition geht zurück bis ins 19. Jh., als der Mühlenbetrieb eingestellt wurde und eine Umnutzung des Gebäudes stattfand.

An der zur Hauptstraße gewandten Giebelseite befindet sich eine Rokokokartusche mit einem Wappen. Es handelt sich um den Wappenstein des Abtes Willibrord Wittmann der Reichsabtei St. Maximin in Trier, der 1762-1796 als Nachfolger der Abtes Scheffer amtierte. Deutlich ist trotz der Beschädigungen zu sehen, daß der gevierte Wappenschild vom doppelköpfigen, schwarzen Maximiner Reichsadler unterlegt ist, und daß hinter der Kartusche schrägrechts das Schwert und schräglinks der Krummstab waren. Um den inneren Schild mit den vier persönlichen Symbolen des Abtes ist ein Band mit daranhängendem Orden gelegt.

Willibrord Wittmann, gest. am 15.12.1796 in seinem 80. Lebensjahr, war einer der letzten Äbte vor der Säkularisierung, der er durch Vernachlässigung der Disziplin und durch Spannungen zwischen Abt und Konventsmehrheit Vorschub leistete. 1770-1771 und vom 7.3.1781 bis zu seinem Tod war er zudem zum Rektor der Trierer Universität gewählt worden, wiederum der letzte einer langen Reihe. Während der Zeit französischer Besetzung war er 1794 mit einem Teil der Mönche in die Festung Luxemburg geflüchtet, ehe er 1795 zurückkehrte. Zum Nachfolger in St. Maximin wählte man nach Willibrord Wittmann Benedikt Kirchner, der aber nicht mehr viel bewirken konnte.

Die Mühle war einst St. Maximiner Besitz, genau wie das Gut Grünhaus, dem die Mühle ehemals zugehörte. Die Benediktinerabtei St. Maximin besaß das Gut Grünhaus vom 7. Jh. (Bestätigung der Schenkung durch Kaiser Otto I. am 6.2.966 AD) bis zur Säkularisierung und zur Aufhebung der Abtei 1802, danach erfolgte französische Verwaltung und der Verkauf an Privatleute.

Ein ganz ähnlicher, identisch aufgebauter Wappenstein findet sich in Trier, und zwar sekundär eingemauert am klassizistischen Portalbau der ehemaligen Abtei St. Maximin, zwischen Maximinstraße 17a und 20. Es ist nicht das Wappen im Dreiecksgiebel des Portalbaues, das ist das des Abtes Willibrord Scheffer, sondern das seitlich an der südlichen Schmalseite um die Ecke.

Liste der Äbte von St. Maximin vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben der hier mit Wappen vertretene Abt):

Literatur, Links und Quellen:
Grünhäuser Mühle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 12.2 Kreis Trier-Saarburg. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 3-88462-110-6 (1. Auflage 1994), der entsprechende Abschnitt ist online: http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=7629
Portalbau St. Maximin in Trier: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 17.2 Stadt Trier – Stadterweiterung und Stadtteile. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 978-3-88462-275-9 (1. Auflage 2009), der entsprechende Abschnitt ist online:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=22908
Geschichte Maximin Grünhaus:
http://www.vonschubert.com/de/historie/
Reichsabtei St. Maximin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsabtei_St._Maximin
Grünhäuser Mühle:
http://www.gruenhaeuser-muehle.de/ und Geschichte: http://www.gruenhaeuser-muehle.de/historie.html
Grünhäuser Mühle:
http://www.weingut-rinke.com/restaurant-gruenhaeuser-muehle.html
Michael Müller, die Entwicklung des Kurrheinischen Kreises in seiner Verbindung mit dem Oberrheinischen Kreis im 18. Jh., Verlag Peter Lang, Frankfurt 2008, online:
http://books.google.de/books?id=Ba8mHvFEfqUC
Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/2010/05/08/abte-von-sankt-maximinus-bertholet/
Wappen der Äbte von St. Maximin:
http://wiesel.lu/heraldik/wappenkunde/eglise/saint-maximin-treves/?PHP
Treviris oder Trierisches Archiv für Vaterlandskunde, 2. Band, 1. und 2. Heft, hrsg. von Johann Anton Joseph Hansen, Fr. Lintz Verlag Trier, 1841,
http://books.google.de/books?id=ySADAAAAcAAJ
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.

Äbte der Abtei St. Maximin in Trier

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