Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1857
Münstermaifeld (Landkreis Mayen-Koblenz)

Münstermaifeld, ehemalige Propstei

Die ehemalige Propstei ist ein langgestreckter Putzbau am Münsterplatz 4/6 und stammt bezüglich des Mittelbaus aus dem 17. und 18. Jh. mit Nebengebäuden. Das Anwesen, dessen Grundsubstanz aus dem 15. Jh. stammt, war ab 1515 der Verwaltungssitz des Münstermaifelder Propstes in kurtrierischen Diensten. 1830-1840 wurde das östliche Giebelhaus angebaut. Die gesamte Anlage wurde bis 1970 als Sitz der Amtsverwaltung genutzt.

An den Trierer Kurfürsten als Landesherrn erinnert der kleine Wappenschild auf dem Schlußstein der Toreinfahrt aus dem 16. Jh. Er gehört zu dem Trierer Fürstbischof Johann III. von Metzenhausen (reg. 1531-1540), in korrekten (!) Farben führte er einen gevierten Schild, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz (Fürstbistum Trier, Kurtrier), Feld 2 und 3: in Schwarz ein silberner Doppelhaken (Wolfsangel, Stammwappen Metzenhausen). Die heutige Farbfassung entspricht dem nicht.

Über dem rechterhand gelegenen Portal des Mittelbaus der Anlage befindet sich ein auf 1913 datierter Wappenstein mit einem Allianzwappen, wobei zwei einander zugeneigte Schilde unter einer gemeinsamen Helmzier zusammengestellt werden. Dieser Wappenstein erinnert an einen ehemaligen Eigentümer und Bewohner des Anwesens, Franz Georg Severus Weckbecker. Dieser war eine der aktivsten Persönlichkeiten in der Stadtgeschichte. Er wurde am 1.7.1775 in Sevenich geboren und arbeitete erst auf dem Hof seines Bruders. Seine Eltern waren Johann Weckbecker und dessen Ehefrau Gertrud Albrecht.

Franz Georg Weckbecker wurde bekannt und groß als Immobilienspekulant, Kaufmann und Gutsbesitzer. Er erkannte stets geschickt die Zeichen seiner Zeit und nutzte sie geschickt zu seinem eigenen sozialen und materiellen Aufstieg. Begonnen hatte er mit dem Kauf der Münstermaifelder Stadtmauer: Er verkaufte die Steine als Baumaterial und kam so zu seinem ersten großen Geld. Nur noch wenige Bereiche der Münstermaifelder Stadtmauer sind im Südwesten der Altstadt übrig. Ebenso kaufte er Burg Pyrmont, als diese 1810 für 4550 Franken auf Abbruch versteigert wurde, um alles Verwertbare an Baumaterial mit Gewinn zu verkaufen. Durch geschickte Spekulationen, begünstigt durch die französische Verwaltung, schaffte er es zu einem der größten Immobilienmagnaten der Region Rhein-Mosel in der Franzosenzeit (1798-1814).

Er wurde Mitglied des Collège Electoral du Département de Rhin-et-Moselle. Er kaufte in der Zeit frz. Besetzung nationalisiertes Eigentum und Objekte von Armeelieferanten, und der Erwerb und Verkauf von Domänengütern und anderen lukrativen Immobilien setzte sich in der preußischen Zeit (ab 1814/15) fort. Auf der einen Seite kann man in Franz Georg Weckbecker eine Person sehen, die skrupellos bauhistorisches Erbe zu seinem materiellen Vorteil zerstört hat, auf der anderen Seite jemanden, der sich um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Münstermaifeld und auf dem ganzen Maifeld große Verdienste erworben hat. Franz Georg Weckbecker starb am 16.1.1862 in Münstermaifeld.

Das Wappen Weckbecker ist geteilt, oben in Rot eine goldene Raute, unten in Blau drei (2:1) silberne, sechszackige Sterne. So wird es bei Zobel auf Tafel 361 abgebildet, und als Helmzier wird auf gekröntem Helm zu rot-goldenen Decken ein schwarzer Flug angegeben. Abweichend hingegen ist die Abbildung in Siebmacher Band: Na Seite: 14 Tafel: 15 für die 1780 geadelten von Weckbecker-Sternenfeld, dort werden drei Rauten nebeneinander angegeben, was hier nicht zutrifft. Für diese wird als Helmzier auf gekröntem Helm zu rechts rot-goldenen und links blau-silbernen Decken ein silberner Stern zwischen einem schwarzen Flug angegeben. Dieses Wappen wird auch im Siebmacher Bay Seite 122 Tafel 150 angegeben, wobei dort nur rot-goldene Decken angegeben werden.

Franz Georg Weckbecker hatte in erster Ehe 1806 Maria Ursula Sophie Egener (-1822) geheiratet, die Tochter des Stadtschultheißen Egener aus Zell, und in zweiter Ehe 1822 Hyazinthe von Heddesdorff, Tochter des Barons Heddesdorff. Franz Georg Weckbecker hatte 12 Kinder.

Das Heddesdorff-Wappen sehen wir im zweiten Schild, in Blau ein silberner, mit drei roten Jakobsmuscheln belegter Schrägbalken. Die Helmzier besteht aus Kopf und Hals eines silbernen, rot bewehrten Hahnes mit rotem Kamm wachsend zwischen einem Flug in den Formen und Farben des Schildes, Helmdecken blau-silbern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Na Seite: 7 Tafel: 7, Band: Bad Seite: 54 Tafel: 33, Band: Pr Seite: 45 Tafel: 57, weiterhin im Gruber und im Zobel Tafel 133.

Die hier gemeinsam genutzte Helmzier ist eine heraldisch nicht einwandfreie Verschmelzung beider Kleinode, denn der rechte Flügel des Hahnes ist mit einem mit drei Sternen belegten Schräglinksbalken überzogen, der linke Flügel mit einem mit drei Muscheln belegten Schrägbalken. Heraldisch konventionsgerechter wäre bei einer solchen Konstellation die alleinige Verwendung der Weckbecker-Helmzier.

Das geschichtsträchtige Anwesen beherbergt heute das Heimatmuseum der Stadt Münstermaifeld mit historischem Bäckereiladen, Damenhutladen, Friseurladen, Kolonialwarenladen, Klassenzimmer, Malerwerkstatt, Metzgerei, Polsterei, Sattlerei, Schreibwarengeschäft, Tabakladen, Drogerie, historische Gaststätte etc., alles, was das Leben in der Stadt Münstermaifeld zu vergangenen Zeiten illustriert.

Literatur, Links und Quellen:
Kulturdenkmäler in Münstermaifeld: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkm%C3%A4ler_in_M%C3%BCnstermaifeld
Münstermaifeld:
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnstermaifeld
Geschichte von Münstermaifeld:
http://www.pro-muenstermaifeld.de/index.php?option=com_content&view=article&id=66&Itemid=91
Hans Gappenach, Münstermaifeld, Rheinische Kunststätten Heft 244, 1. Auflage 1980, ISBN 3-88094-353-2, hrsg. vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Walter Meurer aus Münstermaifeld für wertvolle Hinweise.
Gabriele B. Clemens, Immobilienhändler und Spekulanten: die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung der Großkäufer bei den Nationalgüterversteigerungen in den rheinischen Départements (1803-1813), Harald Boldt Verlag, ISBN 3-7646-1948-1, online: http://books.google.de/books?id=BKOO7WDBAs8C, S. 388
Heimatmuseum Münstermaifeld: http://www.muenstermaifeld.de/index.php?option=com_content&view=article&id=54&Itemid=67
Kulturverein Münstermaifeld:
http://www.kulturverein-muenstermaifeld.de/
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben.

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